Die Sanierung historischer Schulgebäude stellt eine der anspruchsvollsten Aufgaben im modernen Bauwesen dar. Sie verbindet den Erhalt von Kulturgut mit den Anforderungen einer modernen, inklusiven und effizienten Bildungsinfrastruktur. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Komplexität ist die umfassende Sanierung und Erweiterung der denkmalgeschützten Fritz-Reuter-Schule in Wismar. Dieses Projekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt, dient als Lehrbeispiel für die Herausforderungen und Lösungsstrategien bei der Revitalisierung von Baudenkmälern unter den Bedingungen der heutigen Bauwirtschaft. Für Bauherren, Immobilienverwalter und Renovierungsexperten bietet der Verlauf dieses Vorhabens wertvolle Einblicke in Finanzierungsmodelle, Projektsteuerung und technische Umsetzung.
Ausgangslage und Bedarf der Modernisierung
Das denkmalgeschützte Schulgebäude der Fritz-Reuter-Schule, errichtet im Jahr 1891, bildet den Kern des Projekts. Wie in der Sanierungsplanung festgehalten wurde, bestand seit vielen Jahren das Interesse der Verwaltung und Bürgerschaft der Hansestadt Wismar, in den Schulstandort Dahlmannstraße 14 zu investieren. Ziel war es, die bauliche Substanz zu sichern und gleichzeitig die Infrastruktur an zeitgemäße pädagogische und rechtliche Anforderungen anzupassen.
Die Notwendigkeit einer umfassenden Modernisierung ergab sich aus dem Zustand des Gebäudebestands und den sich ändernden Nutzungsanforderungen. Das Gebäude aus dem Jahr 1891 benötigte nicht nur eine optische Auffrischung, sondern vor allem eine technische Erneuerung der wesentlichen Bausubstanz. Versorgungsstränge wie Elektroleitungen, Heizungs- und Lüftungsrohre waren veraltet und entsprachen nicht mehr den aktuellen Standards in Bezug auf Energieeffizienz und Brandschutz. Auch Fenster, Wände, Böden und Decken waren Sanierungsbedürftig.
Ein zentraler Aspekt der Modernisierung lag in der Umsetzung der Inklusion. Die Bildungspolitik verändert sich, wie Innenminister Lorenz Caffier anmerkte, und zielt zunehmend auf eine inklusive Beschulung ab. Dies erfordert barrierefreie Zugänge und entsprechende Ausstattung. Um künftig Kinder mit Behinderungen unterrichten zu können, wurde der Einbau eines Fahrstuhls als unverzichtbarer Bestandteil der Planung definiert.
Die Erweiterung: Neubau von Hort und Sporthalle
Ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtprojekts ist nicht nur die Sanierung des Altbaus, sondern der Zubau einer neuen Turnhalle und eines Hortgebäudes. Diese Erweiterung ist für die Aufnahme der aktuellen und zukünftigen Schülerzahlen sowie für die Ganztagsbetreuung essenziell.
Die Planungen für den Neubau eines Hortgebäudes und einer Sporthalle, die von der Perspektive Wismar gGmbH als Bauherrin durchgeführt werden, sehen einen 2-geschossigen Neubau vor. Dieser wird in unmittelbarer Nähe der Wismarer Altstadt auf einem angrenzenden Grundstück errichtet. Der Neubau soll Sanitärräume, Flurbereiche, Treppenaufgänge sowie einen Auzug beherbergen. Eine besondere architektonische Herausforderung stellt die Verbindung zum denkmalgeschützten Altbau dar. Diese soll über eine zurückgezogene Glasfuge erfolgen, die gleichzeitig die Haupttreppe sowie den barrierefreien Aufzug beherbergt – eine elegante Lösung, um historische Bausubstanz und moderne Anforderungen an Barrierefreiheit zu verbinden.
Im Unter- und Kellergeschoss des Neubaus ist ein Sportfeld mit Aulafunktion und die entsprechenden Nebenräume untergebracht. Das Projekt ist als Teil infrastruktureller Maßnahmen der integrierten nachhaltigen Stadtentwicklung konzipiert und wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.
Herausforderungen in der Projektrealisierung: Termine und Ausschreibungen
Die Realisierung von Sanierungsprojekten dieser Größenordnung ist selten frei von Verzögerungen. Die Fritz-Reuter-Schule bildet hierbei keine Ausnahme. Die ursprünglich prognostizierten Fertigstellungstermine mussten mehrfach nach hinten verschoben werden.
Laut den vorliegenden Informationen begannen die Bauarbeiten im November 2017. Die ursprüngliche Planung sah eine Fertigstellung im August 2019 vor. Spätere Informationen nannten einen Termin im November 2019. Bürgermeister Thomas Beyer erläuterte die Schwierigkeiten in der Bauphase: „Es ist schwierig zu bauen heutzutage.“ Als Hauptgrund für die Verzögerungen wurden Probleme bei den Ausschreibungen genannt. Die Stadt wurde bei den Ausschreibungen immer wieder überrascht, und manche Firmen gaben gar kein Angebot ab. Diese Erfahrung spiegelt einen branchenweiten Trend wider, der Bauherren vor große Herausforderungen bei der Vergabe von Aufträgen stellt. Erst nach der Vergabe der letzten Aufträge im November konnte ein verlässlicher Fertigstellungstermin genannt werden.
Die Schwierigkeiten bei der Gründung für den Anbau, die in einem der Berichte erwähnt wurden, deutet auf weitere technische Hürden hin, die in der Bauphase auftreten können und die Zeitplanung beeinflussen.
Finanzierung: Ein komplexes Geflecht aus Landesmitteln und Fördergeldern
Die Finanzierung eines solchen Projekts ist für eine Kommune von entscheidender Bedeutung. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Schule inklusive der Erweiterungsbauten (Turnhalle und Hort) beliefen sich auf insgesamt 8,45 Millionen Euro. Für die reine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes wurden Kosten in Höhe von rund 4,47 Millionen Euro genannt.
Die Mittelbeschaffung erfolgte aus verschiedenen Quellen, was die Abhängigkeit von Förderprogrammen für kommunale Bauvorhaben verdeutlicht:
- Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE): Ein wesentlicher Teil der Finanzierung kam aus diesem Fonds. Bereits im April erhielt die Stadt Wismar rund 2,4 Millionen Euro aus dem EFRE. Die Förderung erfolgte im Rahmen der Stadtentwicklungsförderrichtlinie Mecklenburg-Vorpommern.
- Landesförderung (Sonderbedarfszuweisung): Unterstützung kam auch vom Land Mecklenburg-Vorpommern. Innenminister Lorenz Caffier übergab einen Bewilligungsbescheid über rund 1,32 Millionen Euro. Insgesamt bezifferten sich die Gesamtkosten der Maßnahme laut diesem Bericht auf rund vier Millionen Euro (dieser Betrag bezieht sich vermutlich auf die Sanierung des Hauptgebäudes ohne den vollen Umfang der Erweiterungsbauten).
- Kommunale Eigenmittel: Die Hansestadt Wismar musste ebenfalls Eigenmittel aufbringen. Der Minister wies darauf hin, dass ohne die Förderungen die Umsetzungen die finanzielle Leistungskraft der Hansestadt übersteigen würden. Erhöhungen des kommunalen Eigenanteils hätten den Konsolidierungsprozess der Stadt gefährdet.
Der Bauprozess und die Übergangslösung
Ein zentraler Aspekt bei der Sanierung bewohnter Gebäude ist die Unterbringung der Nutzer während der Bauzeit. Für die Zeit der Bauarbeiten, die laut Planung gut zwei Jahre dauern sollten, zogen die 200 Fritz-Reuter-Schüler in ein Ausweichobjekt um. Es handelte sich um die sogenannte „Kombi 10“ am Friedenshof, eine Kindertagesstätte aus DDR-Zeiten.
Diese Übergangslösung war Gegenstellung von Diskussionen und Sorgen seitens der Elternschaft. Das Kinder- und Jugendparlament der Hansestadt Wismar äußerte sich in Stellungnahmen zu der geplanten Unterbringung. While sie die Notwendigkeit der Sanierung anerkannten und die Maßnahmen als sinnvoll bewerteten, wurde auch Kritik geübt. Wichtig war dem Gremium ein sicherer Schulweg, beispielsweise durch einen Schulbus, sowie gut gestaltete Räume und ein angemessen ausgestatteter Schulhof in der Übergangsunterkunft. Die Forderung nach Transparenz in der Debatte unterstrich die Bedeutung der Kommunikation zwischen Stadtverwaltung, Schule und Elternschaft.
Technische und denkmalpflegerische Aspekte
Die Sanierung der Fritz-Reuter-Schule ist ein Paradebeispiel für die Verbindung von Denkmalschutz und moderner Haustechnik. Das Ziel war es, den Charme des alten Schulhauses für heutige Schülergenerationen zu erhalten, während gleichzeitig die technischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts erfüllt werden.
Laut den Berichten wurde praktisch alles erneuert, was mit den Versorgungssträngen zu tun hat. Die Komplettsanierung umfasste: * Haustechnik: Erneuerung von Elektroleitungen, Heizungs- und Lüftungsrohren. * Gebäudehülle: Fensterneuerung, Sanierung von Wänden, Böden und Decken. * Barrierefreiheit: Einbau eines Fahrstuhls und schaffung barrierefreier Zugänge. * Erhalt von Bausubstanz: Gleichzeitig wurden mehr als 100 Jahre alte Elemente bewusst erhalten, um den historischen Charakter zu wahren.
Interessant ist auch die Information, dass mehr als 70 Gewerke an dem Projekt beteiligt waren. Diese hohe Anzahl unterstreicht die Komplexität von Sanierungsprojekten, bei denen spezialisierte Handwerksbetriebe für die unterschiedlichsten Bereiche – von der Dachdeckerarbeit über die Elektroinstallation bis hin zur Denkmalpflege – koordiniert werden müssen.
Zeitplan und aktueller Stand (nach Quellenlage)
Die zeitliche Entwicklung des Projekts zeigt einen klassischen Verlauf von Verzögerungen im Bauwesen:
- Oktober 2017: Auszug der Schüler aus dem Schulgebäude.
- November 2017: Beginn der Baumaßnahmen (geplant).
- August 2019: Ursprünglich geplantes Ende der Bauarbeiten.
- November 2019: Erster nach hinten verschobener Termin.
- Juni 2019: In einer Quelle wird ein Termin für den Abschluss der Arbeiten genannt, was jedoch im Widerspruch zu anderen Zeitangaben steht und die Unschärfe in der Terminplanung widerspiegelt.
- Juni 2021: In der Projektdarstellung für den Neubau von Hort und Sporthalle wird ein Zeitraum von 03/2021 bis 06/2021 genannt. Dies deutet darauf hin, dass die Erweiterungsbauten in einem späteren Zeitraum realisiert wurden oder dass die Projektplanung diesen Zeitraum vorsah.
Ein späterer Bericht (Journal Eins) deutet an, dass das Projekt seinem Ende zugeht. Dort ist von einem Umzug zurück an den Altstadtring mit Beginn der Sommerferien am 21. Juni die Rede. Dies impliziert eine Fertigstellung im Jahr 2018 oder 2019. Aufgrund der widersprüchlichen Zeitangaben in den verschiedenen Quellen und der explizit erwähnten Schwierigkeiten bei der Terminhaltung ist es schwierig, einen exakten Fertigstellungstermin zu benennen. Die Daten sind aufgrund widersprüchlicher Berichte unklar.
Fazit
Die Sanierung der Fritz-Reuter-Schule in Wismar ist ein umfassendes Bauvorhaben, das die Modernisierung eines denkmalgeschützten Gebäudes mit der Errichtung einer neuen Sporthalle und eines Hortgebäudes verbindet. Das Projekt illustriert die Notwendigkeit, historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig durch den Einbau moderner Technik und barrierefreier Zugänge fit für die Zukunft zu machen.
Finanziell stützt sich das Projekt maßgeblich auf Fördermittel, insbesondere aus dem EFRE und Zuweisungen des Landes, was die Abhängigkeit kommunaler Bauvorhaben von übergeordneten Finanzierungsinstrumenten verdeutlicht. Die Gesamtkosten von 8,45 Millionen Euro für Sanierung und Erweiterung unterstreichen das Investitionsvolumen.
Die Projektrealisierung verlief nicht ohne Hürden. Die Terminverschiebungen, verursacht durch Schwierigkeiten bei der Auftragsvergabe und Ausschreibungen, zeigen die aktuelle Situation am Baumarkt auf, in der Handwerksbetriebe oft ausgelastet sind oder komplexe Ausschreibungsverfahren zu Verzögerungen führen. Für Bauherren und Projektverantwortliche in der Branche bleibt dies eine zentrale Lektion: Puffer in der Zeitplanung sind unerlässlich.
Die Übergangslösung für die Schüler in der „Kombi 10“ verdeutlicht zudem, dass die Logistik der Unterbringung während der Bauphase ein eigenständiges Projekt darstellt, das die Akzeptanz bei den Nutzern (Schülern, Lehrern, Eltern) sichern muss. Die Einbindung des Kinder- und Jugendparlaments in die Debatte zeigt den Weg zu transparenter Bürgerbeteiligung.
Insgesamt betrachtet setzt die Sanierung der Fritz-Reuter-Schule Maßstäbe in der Revitalisierung von Schulgebäuden. Sie vereint den respektvollen Umgang mit historischer Architektur, den Einsatz modernster Haustechnik und die Schaffung von Inklusionsstrukturen in einem Gesamtkonzept, das als Vorbild für ähnliche Projekte in anderen Kommunen dienen kann.