Grundsanierung von Laborgebäuden: Modernisierung, Nachhaltigkeit und logistische Herausforderungen am Beispiel der Freien Universität Berlin

Die Sanierung alter Gebäude, insbesondere von Labor- und Forschungseinrichtungen, stellt eine der komplexesten Aufgaben im modernen Bauwesen dar. Oft handelt es sich um Bauten aus den 1960er und 1970er Jahren, die nicht nur baulich veraltet sind, sondern auch unter Schadstoffbelastungen, unzureichendem Brandschutz und einem hohen Energieverbrauch leiden. Ein herausragendes Beispiel für eine solche umfassende Modernisierung ist die Grundsanierung des Instituts für Chemie an der Freien Universität Berlin (FU). Dieses Projekt verdeutlicht, wie durch strategische Planung, ressourcenschonendes Handeln und innovative Bautechnik historische Bausubstanz in eine zukunftsfähige Nutzung überführt werden kann.

Im Folgenden werden die zentralen Aspekte einer solchen Kernsanierung beleuchtet – von den Auslösern für die Renovierung über die baulichen und technischen Maßnahmen bis hin zu den Anforderungen an moderne Handwerksbetriebe, die solche Projekte begleiten.

Die Notwendigkeit der Sanierung: Auslöser und Zielsetzungen

Sanierungsbedarf entsteht selten plötzlich, sondern resultiert meist aus einem schleichenden Prozess des Verfalls und des technologischen Wandels. Am Beispiel des Instituts für Chemie der FU Berlin lassen sich die klassischen Gründe für eine umfassende Gebäudeinstandsetzung identifizieren.

Veraltete Bausubstanz und Schadstoffe

Gebäude aus der Nachkriegszeit, die in Stahlbeton-Skelettkonstruktionen errichtet wurden, weisen oft altersbedingte Mängel auf. Quellen nennen hier veraltete Gebäudesubstanz und Gebäudetechnik als wesentliche Probleme. Besonders kritisch ist das Vorhandensein von Schadstoffbelastungen, die in der Bauära der 70er Jahre häufig auftraten und heute einen zwingenden Grund für eine Sanierung oder zumindest eine professionelle Gefährdungsanalyse darstellen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Brandschutz. In alten Gebäuden entspricht die Brandabschnittsbildung und die Materialbeschaffenheit oft nicht mehr den aktuellen, strengen Normen. Eine Grundsanierung bietet die einzige Möglichkeit, diese Sicherheitslücken zu schließen, ohne den gesamten Bau abreißen zu müssen.

Energieeffizienz und Kostensenkung

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist der unverhältnismäßig hohe Energieverbrauch solcher Gebäude. Ohne eine Dämmung der Fassade, den Austausch der Fenster und eine Modernisierung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK) bleiben die Betriebskosten extrem hoch. Eine Sanierung zielt daher immer auch auf eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs ab, was sowohl ökologischen Ansprüchen als auch wirtschaftlichen Zwängen Rechnung trägt.

Funktionaler Wandel

Neben den technischen und energetischen Aspekten ist der funktionale Wandel entscheidend. Forschungsanforderungen ändern sich rasch. Moderne Laborbedingungen erfordern flexible Raumstrukturen, die sich an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anpassen lassen. Das Ziel der FU Berlin war es, durch eine Optimierung der Raumbelegung moderne Laborbedienungen zu schaffen und eine räumliche Komprimierung der Naturwissenschaften zu erreichen.

Logistische Meisterleistung: Sanierung bei laufendem Betrieb

Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung von Universitäten oder Forschungseinrichtungen ist der Umstand, dass der Betrieb aufrechterhalten werden muss. Die Sanierung des Instituts für Chemie wurde bei laufendem Betrieb der FU Berlin durchgeführt.

Dies erfordert eine ausgeklügelte Logistik. Arbeiten, die normalerweise in einem Leerstand problemlos durchführbar wären, müssen hier in enger Abstimmung mit den Nutzern erfolgen. Lärm, Staub und die Einschränkung von Zugangswegen müssen minimiert werden. Die Maßnahmen wurden daher in zwei Realisierungsabschnitte unterteilt (halbe Sanierung des Gebäudes), um einen Teil des Instituts weiterhin nutzen zu können. Diese Aufteilung ist ein essenzielles Werkzeug, um die Kontinuität von Lehre und Forschung zu gewährleisten.

Strukturelle und architektonische Neugestaltung

Die Sanierung geht weit über eine bloße Fassadenreparatur hinaus. Es handelt sich um eine sogenannte Entkernung, bei der das Bestandsgebäude bis auf die Rohbaukonstruktion entkernt wird.

Die Entkernung und flexible Nutzung

Durch die Entkernung entsteht ein leeres Gerüst, in dem der Innenausbau neu gestaltet werden kann. Ein entscheidendes Merkmal moderner Laborkonzepte ist die Nicht-Tragfähigkeit des Innenausbaus. Das bedeutet, dass Wände und Einbauten nicht zur Stabilisierung des Gebäudes beitragen. Diese „nichttragende Konstruktion“ ermöglicht das sogenannte „Atmen“ der Nutzung. Wenn sich Forschungsanforderungen ändern, können Wände umgestellt und Räume neu konfiguriert werden, ohne die Bausubstanz zu gefährden. Diese Flexibilität ist für langfristige Investitionen unerlässlich.

Neue Fassade und städtebauliche Einbindung

Ein wesentlicher visueller Aspekt ist die Erneuerung der Fassade. Die alte Fassade wird komplett zurückgebaut und durch moderne, geschosshohe Elemente mit starker Reliefierung ersetzt. Dabei wird auf einen hellen Farbausdruck geachtet, der sich in den Kontext der umliegenden Gebäude einfügt. Ziel ist es, den städtebaulichen Bezug zu den Nachbargebäuden zu erhalten und eine sanfte Einbindung in die Umgebung zu gewährleisten.

Neuordnung der Nutzungsbereiche

Eine klare räumliche Trennung verbessert die Effizienz. Im Beispiel der FU Berlin folgt die Neuordnung einem einfachen Prinzip: * Lehre: Die für die Lehre vorgesehenen Flächen (Seminare, Übungen) werden in das Sockelgeschoss und das Erdgeschoss verlegt. Hier bewegen sich die Massen der Studierenden. * Forschung: Die Forschungsbereiche (Laborräume, Büros) wandern in die ersten und zweiten Obergeschosse.

Diese Trennung hat den Vorteil, dass die Personenströme deutlich verringert werden. Studierende müssen nicht durch sensible Forschungsbereiche laufen, was die Sicherheit und die Konzentration der Forscher erhöht.

Aufwertung der Eingangssituation

Oft sind Eingänge von Altbaubauten eher beiläufig gestaltet. Eine Sanierung bietet die Chance, eine repräsentative Halle (Foyer) zu schaffen. Im Chemieinstitut wird im zentralen Mittelflügel ein neues Foyer angeordnet, das durch eine neue Brücke über einen Senkgarten mit einer Terrasse verbunden ist. Dies schafft nicht nur eine bessere Orientierung, sondern auch einen architektonischen Höhepunkt.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung

Ein modernes Sanierungsprojekt muss sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit messen lassen. Es geht nicht nur um den energieeffizienten Betrieb, sondern auch um die Art und Weise der Umsetzung.

Kreislaufwirtschaft auf der Baustelle

Besonders hervorzuheben ist der spezielle Fokus auf ressourcenschonende Maßnahmen. Stets muss geprüft werden, ob Bestandsmaterialien wiederverwendet werden können. Im genannten Projekt: * Wurden Bestandsestrich und -fliesen in Treppenhäusern und im Außenbereich soweit wie möglich erhalten. * Wurde Holz aus zurückgebauten Fensterprofilen als Wandbelag oder für Möbel (Bänke, Tische im Foyer) wiederverwendet. * Wurde die vorhandene Bestuhlung des Hörsaals und die Hörsaaltafel professionell aufgearbeitet und wieder eingebaut.

Solche Maßnahmen senken nicht nur die Kosten für Neumaterialien, sondern reduzieren auch den Abfallaufkommen und den CO2-Fußabdruck der Baustelle.

Technikzentralen und Infrastruktur

Ein oft übersehener Aspekt ist die Unterbringung der Technik. In vielen alten Gebäuden sind Technikräume unzureichend oder verstreut. Durch den Rückbau von Hausmeisterwohnungen entsteht neuer Raum für eine zentrale Technikzentrale. Zudem werden neue Technikzentralen auf dem Bestandsdach angeordnet. Diese zentrale Konzentration der Haustechnik (Heizung, Klima, Strom) verbessert die Wartung und ermöglicht oft eine effizientere Energienutzung.

Die Rolle von Fachhandwerk und Planung

Die beschriebenen Projekte verdeutlichen, dass eine solche Sanierung ohne professionelle Partner nicht möglich ist. Die Anforderungen an Handwerksbetriebe, die sich an solchen Ausschreibungen beteiligen oder als Generalunternehmer fungieren, sind enorm.

Hohe Qualitätsstandards

Wie in den Quellen beschrieben, basiert eine fachgerechte Bauausführung auf sorgfältiger Planung und hochwertigen Materialien. Experten im Bereich Sanierung legen besonderen Wert auf Qualität, um die Langlebigkeit der Baumaßnahmen zu gewährleisten. Die Verwendung ausschließlich hochwertiger Materialien ist eine Voraussetzung, um die extremen Belastungen in Laboren (Chemikalien, Abrieb, hohe Nutzungsintensität) zu überstehen.

Komplettsanierung aus einer Hand

Komplexe Sanierungen erfordern eine integrierte Planung. Dienstleister, die sowohl die Planung als auch die Bauausführung übernehmen („aus einer Hand“), können Termine und Kosten besser steuern. Transparenz in den Kosten und eine klare Kostenkontrolle sind für Bauherren essenziell. Festpreisvereinbarungen bieten Sicherheit, besonders bei Sanierungen, bei denen unvorhergesehene Mängel (z.B. Schimmel, undichte Leitungen) auftreten können.

Nachhaltige Sanierung als Standard

Moderne Handwerksbetriebe müssen verstärkt energieeffiziente Sanierungen anbieten. Das Ziel ist nicht nur die optische Aufwertung, sondern auch eine zukunftssichere, umweltfreundliche Gebäudehülle. Innovative Systemlösungen, die den Energieverbrauch minimieren und den Komfort erhöhen, sind hier die gefragten Leistungen.

Der Ablauf einer Großsanierung

Betrachtet man die zeitliche Dimension der Sanierung am Beispiel der FU Berlin, so wird deutlich, dass es sich um Marathonprojekte handelt. * Baustart: 2019 * Geplante Fertigstellung: 2030

Diese lange Zeitspanne von über zehn Jahren erklärt sich durch die Größe des Objekts (Bruttogeschossfläche von 31.800 m²) und die Notwendigkeit, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Für Bauherren und Projektsteuerer bedeutet das: Langfristplanung ist unerlässlich. Die Projektsteuerung erfolgt oft in Arbeitsgemeinschaften (z.B. DGS und IBPM GmbH), um die Komplexität der Maßnahme zu beherrschen.

Fazit

Die Grundsanierung des Instituts für Chemie der FU Berlin ist ein Musterbeispiel für die Modernisierung von Bauten der Nachkriegsmoderne. Sie zeigt, dass Sanierung mehr ist als nur das Reparieren von Schäden. Es ist ein strategischer Prozess, der ökologische, funktionale und ökonomische Ziele vereint.

Durch die Entkernung entstehen flexible, zukunftsfähige Räume. Durch die Fokussierung auf Ressourcenschonung und Wiederverwendung von Materialien wird Nachhaltigkeit gelebt. Und durch die sorgfältige räumliche Neuordnung werden die Nutzungsabläufe optimiert. Für Eigentümer solcher Bestandsimmobilien – seien es Privatpersonen, Gewerbe oder öffentliche Institutionen – bleibt die Erkenntnis: Eine frühzeitige, professionelle Planung und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Handwerksbetrieben sind der Schlüssel zum Erfolg. Nur so können historische Gebäude ihren Wert behalten und den modernen Anforderungen gerecht werden.

Quellen

  1. Institut der Chemie an der FU Berlin
  2. Freie Universität Berlin - Grundsanierung
  3. OH Bau - Leistungen

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