Die Sanierung und Neugestaltung der Fußgängerzone in Troisdorf stellt ein umfassendes städtebauliches Projekt dar, das im Rahmen der „Zukunftsinitiative Troisdorf Innenstadt“ (ZiTi) von 2013 bis 2018 realisiert wurde. Dieses Vorhaben zielte darauf ab, das Stadtzentrum zukunftsfähig zu gestalten, Handel und Wirtschaft zu stärken und den öffentlichen Raum qualitativ aufzuwerten. Für Bauherren, Immobilieneigentümer und Fachplaner bietet die detaillierte Betrachtung der angewandten Methoden, Materialien und Planungsprozesse wertvolle Einblicke in die Durchführung komplexer Sanierungsmaßnahmen in bebauten urbanen Kontexten.
Das Planungskonzept und die Zielsetzung
Die Grundlage für die umfangreichen Maßnahmen bildete ein integriertes Handlungskonzept, das vom Planungsbüro von Professor Dr. Franz Pesch aus Herdecke erarbeitet wurde. Dieser mittelfristig angelegte Stadtumbauprozess hatte das übergeordnete Ziel, das Troisdorfer Stadtzentrum insgesamt zukunftsfähig zu machen. Die Maßnahmen umfassten die Sanierung und Umgestaltung der Fußgängerzone, aber auch die Neuerrichtung der Galerie Troisdorf am Standort des ehemaligen Bürgerhauses als Herzstück der Planungen.
Ein zentraler Aspekt der Planung war die Durchführung eines Architekten-Wettbewerbs, an dem 17 verschiedene Architekturbüros teilnahmen. Den Zuschlag erhielt die Düsseldorfer FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, deren Entwurf vom Preisgericht als „identitätsstarke, ausgewogene Lösung“ bewertet wurde, die Funktionalität und hochwertige Gestaltung vorbildlich vereinte. Das ZiTi-Handlungskonzept umfasste zudem Ziele wie die Stärkung von Handel und Wirtschaft, die Entwicklung des öffentlichen Raums, besseres Wohnen in der Innenstadt, Pflege des Stadtbildes, ein besseres kulturelles und soziales Zusammenleben sowie eine zukunftssichere Mobilität.
Herausforderungen und Ausgangslage
Die ursprüngliche Fußgängerzone war in den 1970er- und 1980er-Jahren etabliert worden. Die Pflasterungen aus Backstein-Belag waren im Laufe der Jahre beschädigt und den Belastungen der LKW-Anlieferungen nicht standgehalten. Praktische Versuche im Rahmen der Unterhaltungsmaßnahmen, andere Materialien auf ihre gestalterische und bauliche Tauglichkeit zu testen, hatten zu einem „Flickenteppich“ unterschiedlichster Optik geführt. Auch die Möblierungselemente waren veraltet und stark beschädigt.
Zusätzliche Erschwernisse bei der Sanierung ergaben sich durch die starke Frequentierung von Fuß- und Anlieferverkehr sowie die beengten Verhältnisse in der Innenstadt. Diese Faktoren mussten bei der Bauausführung und Logistik berücksichtigt werden.
Die technische Umsetzung: Infrastrukturerneuerung
Ein wesentlicher Teil der Sanierung betraf die Erneuerung der unterirdischen Infrastruktur. Die Stadt Troisdorf plante die städtebauliche Sanierung in fünf Bauabschnitten. Um eine lang andauernde Werterhaltung zu gewährleisten, wurde die vorhandene Infrastruktur sukzessive ertüchtigt.
Kanalbau und Verlegetechniken
Im Kanalbau kamen sowohl die klassische, offene Bauweise als auch eine geschlossene Sanierung zum Einsatz. Gas- und Wasserleitungen inklusive deren Hausanschlüsse wurden im offenen Graben neu verlegt. Eine besondere Herausforderung stellte der Schutz der unmittelbar angrenzenden Bebauung dar. Um Erschütterungen durch konventionelle Verdichtungsarbeiten zu minimieren, wurde zeitweise fließfähiger und selbstverdichtender Verfüllbaustoff (ZFSV) eingesetzt.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten technischen Parameter und Mengen der durchgeführten Arbeiten im Kanalbau:
| Maßnahme | Spezifikation | Menge / Umfang |
|---|---|---|
| Neubau Hauptkanal | DN 300 | 140 m |
| Neubau Hauptkanal | DN 600 | 160 m |
| Neubau Anschlussleitungen | DN 150 | 1.150 m |
| Erdarbeiten/Aushub | Kanalbau | 7.250 m³ |
| Verfüllbaustoff (ZFSV) | Zeitweise fließfähig, selbstverdichtend | 4.950 m³ |
| Renovation Leitungen | DN 200 - 600 | 275 m |
| Neuverlegung Gasleitung | - | 1.650 m |
| Neuverlegung Wasserleitung | - | 1.650 m |
| Oberflächenaufbruch/-wiederherstellung | - | 5.650 m² |
Die Verwendung von selbstverdichtendem Verfüllbaustoff (ZFSV) ist in diesem Kontext besonders hervorzuheben. Dieses Material ermöglichte eine Reduzierung der Erschütterungen, was für die Stabilität alter Bausubstanz und die Qualität der neu verlegten Leitungen von großer Bedeutung war. Die 5.650 m² Oberflächenwiederherstellung zeigen das Ausmaß der notwendigen Arbeiten nach der Leitungsverlegung auf.
Die gestalterische Neugestaltung
Neben der technischen Erneuerung war die ästhetische Aufwertung ein Kernanliegen des Projekts. Die Fußgängerzone wird durch den Umbau mit einem hochwertigen neuen Pflasterbelag, neuen Beleuchtungselementen und attraktivem Stadtmobiliar erheblich aufgewertet.
Pflasterbelag und Oberflächengestaltung
Optisch bestimmend ist ein changierendes Betonpflaster mit hellen und dunklen Tönen, das den früheren Backstein-Belag ablöst. Der Mittelbereich, der unter anderem der Anlieferung dient, ist etwas dunkler gehalten und im sogenannten „Sickenpflaster“ ausgeführt. Diese Differenzierung der Oberflächen dient sowohl der ästhetischen Gliederung als auch der funktionellen Unterscheidung von Verkehrsflächen.
Integration von Bäumen und Grünflächen
Ein besonders sensibler Punkt der Planung war der Umgang mit den vorhandenen Bäumen, insbesondere einer Platanen-Doppelreihe. Ursprünglich sah der Siegerentwurf des Wettbewerbs die Fällung sehr vieler Bäume vor. Durch intensive Gespräche und die Beteiligung der Bürger sowie von Politik und Vereinen konnte eine Modifizierung erreicht werden. Ziel war es, möglichst viele Bäume zu erhalten.
Am 23. Januar 2014 wurden die Wurzelräume rund um drei Platanen-Hochbeete geöffnet, um einem Fachgutachter und den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit zur Überprüfung und Diskussion zu geben. Da der Bauabschnitt mit der Platanen-Doppelreihe zuletzt saniert wurde, war ausreichend Zeit für das Testen von Erhaltungsmaßnahmen, wie zum Beispiel einem starken Baumrückschnitt. Im 5. Bauabschnitt zwischen Kölner Platz und Ursulaplatz wurde schließlich entschieden, die Bestandsbäume zu erhalten und die Gestaltung entsprechend anzupassen.
Bauabschnitte und Zeitplanung
Die Sanierung erfolgte in fünf Abschnitten, um die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb der Innenstadt so gering wie möglich zu halten. Die fünfte und letzte Etappe bis zur Kreuzung Hippolytusstraße war bereits weit fortgeschritten. Der letzte Bauabschnitt umfasste die Kölner Straße zwischen Hippolytusstraße und von Loestraße mit einer Fertigstellung im Jahr 2018.
Diese schrittweise Vorgehensweise ermöglichte es, die Bürger frühzeitig zu informieren und ihre Vorstellungen in die Gestaltung einzubeziehen. So wurde im Vorfeld des 5. Bauabschnitts eine Bürgerinformation durchgeführt, bei der Alternativen zur Gestaltung vorgestellt wurden, die den Erhalt der Platanen ermöglichten.
Finanzierung und Förderung
Das Projekt war erheblichen finanziellen Rahmenbedingungen unterworfen. Die Stadt Troisdorf investierte 6,5 Millionen Euro in die Sanierung und Modernisierung ihrer Fußgängerzone. Eine wesentliche Stütze der Finanzierung war die Förderung durch Bund und Land Nordrhein-Westfalen, die das Projekt mit 70 Prozent bezuschussten. Die öffentlichen Investitionen wurden im Rahmen der Zukunftsinitiative Troisdorf Innenstadt (ZITI) umgesetzt. Ein Teil der Maßnahmen wurde aus Städtebauförderungsmitteln bezuschusst, wobei die Neugestaltung der Fußgängerzone eine zentrale Fördermaßnahme des Gesamtprojekts war.
Honorarzone und Planungsleistungen
Für die Planung galten die Bestimmungen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) von 2013. Die Leistungen umfassten die Objektplanung Ingenieurbauwerke gemäß § 41 ff. HOAI in den Leistungsphasen 1 bis 8. Zudem wurde die Objektüberwachung bzw. örtliche Bauüberwertung gemäß Anlage 12 HOAI 2013 in Honorarzone II angesetzt. Diese detaillierte Zuordnung der Planungsleistungen unterstreicht den professionellen und normkonformen Charakter des Vorhabens.
Auswirkungen und Resonanz
Die Resonanz auf die Maßnahmen war positiv. Die VR-Bank Rhein-Sieg, als einer der lokalen Wirtschaftsakteure, bestätigte, dass die Erneuerung der Fußgängerzone dem Stadtzentrum den „Sprung nach vorn“ gebracht habe. Der Wilhelm-Hamacher-Platz wird als Beispiel für die gelungene Gestaltung genannt, der zum Verweilen einlädt. Die neue Fußgängerzone und ihr Stadtmobiliar wurden als Einladung zur Nutzung wahrgenommen. Die Überarbeitung des Zentrums bestärkte die VR-Bank-Filiale am Wilhelm-Hamacher-Platz, ihre Entscheidung für den Standort zu halten und zusätzlich eine moderne Niederlassung im neuen Bahnhofskomplex zu errichten.
Fazit
Die Sanierung der Troisdorfer Fußgängerzone ist ein Musterbeispiel für eine integrierte städtebauliche Erneuerung. Sie kombinierte technische Notwendigkeiten – wie die Erneuerung der Leitungsnetze und die Anpassung an moderne Anforderungen an die Oberflächen – mit gestalterischen Ansprüchen und ökologischen Aspekten. Die Verwendung moderner Baustoffe wie ZFSV, die schrittweise Planung in fünf Abschnitten und die Einbindung der Bürger in den Entscheidungsprozess, insbesondere beim Erhalt der Bäume, zeigen einen partizipativen und planerisch anspruchsvollen Ansatz. Für Bauherren und Planer in ähnlichen Kontexten unterstreicht das Projekt die Bedeutung einer sorgfältigen Vorplanung, die Berücksichtigung von Untergrund und Anlieferverkehr sowie die Notwendigkeit, ästhetische und funktionale Anforderungen durch ein durchdachtes Materialkonzept (Pflaster, Beleuchtung, Mobiliar) miteinander zu verbinden. Die Finanzierung durch Städtebauförderungsmittel spielte zudem eine entscheidende Rolle für die Realisierung des ambitionierten Vorhabens.
Quellen
- Brendebach - Projektübersicht Sanierung Fußgängerzone Troisdorf
- Stadt Troisdorf - Neugestaltung der Troisdorfer Fußgängerzone
- Rheinische Anzeigenblätter - Positive Eindrücke
- Grüne Troisdorf - Sanierung der Fußgängerzone
- Stadt Troisdorf - Zukunftsinitiative
- Stadt Troisdorf - Planungsprojekte IHK Innenstadt Fußgängerzone