Sanierung des Hollandturms in Bochum-Wattenscheid: Finanzierung, Technik und zukünftige Nutzung eines Industriedenkmals

Die Revitalisierung industrieller Kulturdenkmäler stellt eine der anspruchsvollsten Aufgaben im modernen Städtebau und im Bauingenieurwesen dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Transformation ist die jüngste Sanierung des Förderturms der Zeche Holland in Bochum-Wattenscheid. Dieses Projekt verdeutlicht, wie durch gezielte Investitionen, die Unterstützung von Förderprogrammen und die Einbindung der Bürgerschaft aus einem vernachlässigten Relikt der Industriegeschichte ein neues Wahrzeichen und ein sozialer Treffpunkt entstehen kann. Der vorliegende Artikel beleuchtet die technischen, finanziellen und konzeptionellen Aspekte dieser umfassenden Baumaßnahme, die als Leuchtturm der Stadterneuerung fungiert.

Der historische Kontext und die Bedeutung des Objekts

Der Förderturm der Zeche Holland ist mehr als nur ein Stahlgerüst; er ist ein Zeugnis des Ruhrgebiets und seiner bergbaulichen Vergangenheit. Laut den vorliegenden Informationen wurde der Turm ursprünglich im Jahr 1927 über der Zeche Zollverein errichtet. Eine bemerkenswerte logistische und technische Leistung vollzog sich 1962, als der Turm an seinen heutigen Standort an der Emil-Weitz-Straße in Bochum-Wattenscheid versetzt wurde. Über Jahrzehnte war er dort ein stiller Zeuge des Strukturwandels.

In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Turm zu einem „Wahrzeichen“ Wattenscheids. Dennoch war sein Zustand zunehmend von Verfall geprägt, was eine Sanierung unumgänglich machte. Ziel der Maßnahme war es nicht nur, die Bausubstanz zu erhalten, sondern dem Turm eine neue, zeitgemäße Funktion zu geben, die über die reine Bewahrung hinausgeht.

Die Sanierung: Technische Herausforderungen und Umsetzung

Eine industrielle Stahlkonstruktion aus den 1920er Jahren zu sanieren, erfordert eine detaillierte Bestandsaufnahme und präzise technische Eingriffe. Die Sanierungsarbeiten begannen offiziell im April 2018 und waren nach etwas mehr als einem Jahr, also im Jahr 2019, abgeschlossen. Der Schwerpunkt der Arbeiten lag auf der Ertüchtigung der Stahlkonstruktion.

Substanzschutz und Stahlbau

Ein zentrales Ziel war der Denkmalschutz, der eine Maximierung der Erhaltung alter Substanz vorschrieb. Um dies zu gewährleisten, wurden umfangreiche Austauscharbeiten am Fördergerüst notwendig. Im Rahmen der Restaurierung wurden 15 Tonnen alter Stahl aus dem Gerüst entfernt. An ihrer Stelle wurden 34 Tonnen neuen Stahls verbaut. Diese Zahlen verdeutlichen den Umfang der Verstärkung und Erneuerung der tragenden Struktur. Die Differenz zwischen entfernten und eingebauten Mengen (15 Tonnen entfernt, 34 Tonnen eingebaut) lässt darauf schließen, dass die statische Anforderung durch die Sanierung erhöht wurde, beispielsweise durch die Integration neuer Nutzungen oder die Anpassung an moderne Sicherheitsstandards.

Neue Erschließung und Zugang

Ein wesentlicher technischer Bestandteil der Sanierung war die Errichtung einer neuen Treppenanlage. Hierbei handelte es sich um eine 130 Meter lange Treppe, die direkt am Gerüst befestigt wurde. Diese Maßnahme ist essenziell für die spätere touristische Nutzung und den Brandschutz. Die Notwendigkeit einer neuen Treppe fiel auch in den Kostenplan ins Gewicht.

Optische Aufwertung und Beleuchtung

Die visuelle Wahrnehmung des Turms wurde durch eine spezielle Beleuchtung optimiert. Besonders hervorzuheben ist das „Holland-Schild“ auf der Spitze des Turms. Zur Betonung seiner Bedeutung als Landmarke wurde eine innovative Beleuchtungslösung implementiert: Zwei LED-Spots, die an einem separaten Mast an der Emil-Weitz-Straße befestigt sind, strahlen das Schild an. Eine Besonderheit war, dass zur Sicherstellung der optimalen Lichtwirkung eine Beleuchtungsprobe direkt mit der Feuerwehr vor Ort durchgeführt wurde. Das Ergebnis beschreiben die Quellen als weithin sichtbaren „Leuchtturm der Stadterneuerung“.

Zusätzlich erhielt der Turm einen neuen Anstrich samt Rostschutz, um die Stahlkonstruktion langfristig vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Finanzierung und Kostenstruktur

Die Finanzierung eines solchen Projekts ist komplex und basiert meist auf einem Mix aus Eigenmitteln und öffentlichen Förderungen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich laut verschiedenen Quellen auf rund 2,8 bis 4 Millionen Euro. Diese Spanne deutet auf eine gestaffelte Umsetzung von Turmsanierung und Außenanlagen hin.

Fördermittel und Zuschüsse

Ein entscheidender Faktor war die Einbindung in übergeordnete Förderprogramme. Die Sanierung des Turms selbst wurde maßgeblich durch das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für Bochum-Wattenscheid sowie das Programm „Wachstum für Bochum“ finanziert. Die Gesamtkosten für die Turmsanierung wurden auf ca. 1,9 Millionen Euro (andere Quelle: 2,2 Millionen Euro ohne Zusatzkosten) veranschlagt.

Die Förderquote war hierbei sehr hoch: * 80 Prozent der Kosten wurden durch Fördermittel gedeckt. * Jeweils 10 Prozent der Kosten trugen die Stadt Bochum und die Bochum Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG).

Ein Beispiel für die Kostenverteilung in einer frühen Planungsphase (geschätzter Rahmen von 2,2 Mio. Euro) sah folgende Aufteilung vor: * Förderung durch das Land NRW: 1,73 Millionen Euro. * Verbleibende Kosten (Stadt und WEG): 431.000 Euro (geteilt).

Für die Außenanlagen, die im Oktober 2020 begannen, wurden gesonderte Mittel in Höhe von knapp einer Million Euro veranschlagt. Diese Maßnahmen wurden ebenfalls durch diverse Fördertöpfe unterstützt. Quellen nennen hier explizit die Förderung durch die Stadt Bochum, das Land NRW, den Bund und die Europäische Union im Rahmen der Stadterneuerung „Soziale Stadt – WAT bewegen!“.

Eigentumsverhältnisse

Ein administrativer Aspekt, der für die Förderfähigkeit entscheidend war, betraf die Eigentumsverhältnisse. Voraussetzung für die Landesfördermittel war der Übergang von Fläche und Turm in das Eigentum der Stadt Bochum. Momentan befindet sich das Gelände im Besitz der Bochum Wirtschaftsentwicklung (Stadttochter). Es ist geplant, die Fläche nach Fertigstellung der Aufbereitung an die Stadt Bochum zu übergeben, die dann für den Unterhalt verantwortlich zeichnet.

Konzeption der Außenanlagen und zukünftige Nutzung

Die Sanierung des Turms ist nur der erste Schritt. Die Umgestaltung des umliegenden Geländes und die Definition einer zukünftigen Nutzung sind entscheidend für den langfristigen Erfolg des Projekts.

Beteiligung der Bürger

Ein wesentlicher Aspekt moderner Stadterneuerung ist die Bürgerbeteiligung. Für die Gestaltung der Außenanlagen fanden in den Jahren 2019 und 2020 Workshops statt. Die Ergebnisse dieser Partizipationsprozesse flossen direkt in die Planung ein. Ein direktes Ergebnis dieser Beteiligung war beispielsweise die Entscheidung, das Holland-Schild zu beleuchten.

Gestaltung des Außenbereichs

Das Gelände wird einer umfassenden Verschönerung unterzogen, um es als Aufenthaltsort zu erschließen. Geplante Elemente umfassen: * Neue Wegeachsen und Erschließungswege. * Sitzmauern und idyllische Baumpflanzungen zur Aufwertung des Grünraums. * Eine Boule-Bahn zur aktiven Nutzung. * Eine kleine Bühne, eingebettet in die Stützstreben des Turms. * Eine Gastronomie-Einrichtung (Biergarten-Charakter).

Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Bereich zu einem „Anziehungspunkt für Jung und Alt“ zu entwickeln. Der Turm selbst soll durch eine im historischen Stahlgerüst integrierte Aussichtsplattform touristisch erschlossen werden. Geplant sind geführte Touren, die Besuchern einen Blick über das Panorama Wattenscheids ermöglichen. Diese Nutzung erfordert die bereits erwähnte neue Treppenanlage und erfüllt Brandschutz- und Sicherheitsstandards.

Varianten der Bebauung

Neben der Nutzung als Freizeit- und Kulturort gibt es Überlegungen zur Bebauung des Areals. Die Fläche an der Emil-Weitz-Straße umfasst rund 4.850 Quadratmeter. Eine Variante sieht die Errichtung eines soziokulturellen Zentrums vor, das Platz für Künstler, Musiker und Kulturschaffende bieten soll. Die Federführung für ein solches Zentrum würde bei der Stiftung „Förderturm – Zeche Holland“ liegen. Andere Überlegungen beinhalten eine Bebauung des Bereichs am Förderturm, wobei die konkrete Ausgestaltung noch in der Prüfung befindlich ist.

Zusammenfassung der Baumaßnahme

Die Sanierung des Hollandturms lässt sich als Musterbeispiel für eine gelungene industrielle Denkmalpflege und Stadterneuerung betrachten. Folgende technische und finanzielle Daten fassen den Umfang zusammen:

Parameter Daten / Beschreibung
Standort Emil-Weitz-Straße, Bochum-Wattenscheid
Baujahr / Versetzung 1927 (Errichtung), 1962 (Versetzung an heutigen Standort)
Sanierungsbeginn April 2018
Fertigstellung Turm 2019
Fertigstellung Außenanlagen Frühjahr 2021 (geplant)
Stahltechnik Austausch von 15 t Altstahl, Einbau von 34 t Neustahl
Neue Infrastruktur 130 Meter Treppenanlage am Gerüst
Beleuchtung LED-Spots für das Holland-Schild (Feuerwehr-Test)
Gesamtkosten ca. 2,8 bis 4 Millionen Euro (inkl. Außenanlagen)
Förderquote Turm 80 % (Fördermittel), 10 % Stadt, 10 % WEG
Flächengröße ca. 4.850 m²

Fazit

Die Sanierung des Förderturms Zeche Holland ist ein Paradebeispiel für die wirtschaftliche und kulturelle Aufwertung von Brachflächen im Ruhrgebiet. Durch die Kombination aus behutsamer Denkmalpflege – erkennbar am Erhalt alter Stahlsubstanz – und modernen technischen Ergänzungen wie der LED-Beleuchtung und einer neuen Zugangstreppe, wurde das Bauwerk funktional und ästhetisch aufgewertet.

Die Finanzierung des Projekts zeigt die Bedeutung von Kooperationen zwischen Kommunen, Wirtschaftsgesellschaften und übergeordneten Förderinstitutionen (Land NRW, Bund, EU). Ohne die hohen Förderquoten wäre eine Realisierung in diesem Umfang wahrscheinlich nicht möglich gewesen.

Zukünftig wird der Turm nicht mehr nur als statisches Denkmal, sondern als dynamischer Raum für Kultur, Gastronomie und Tourismus dienen. Die geplante Aussichtsplattform und die Außenanlagen mit Bühne und Boule-Bahn machen ihn zu einem sozialen Treffpunkt. Die kritische Diskussion über die endgültige Nutzung – sei es als soziokulturelles Zentrum oder durch weitere Bebauung – bleibt ein wichtiger Teil des Prozesses. Für Bauinteressierte und Immobilienbesitzer in der Region zeigt das Projekt jedoch eindrucksvoll, wie wertsteigernd und stadtprägend die Revitalisierung von Baudenkmälern sein kann.

Quellen

  1. WAZ: Hollandturm-Sanierung ab Herbst geplant
  2. Bauprojekte Bochum: Soziokulturelles Zentrum am Hollandturm
  3. Lokalkompass: 34 Tonnen Stahl verbaut
  4. Bochumer Zeitung: Zeche Holland Turm und Außenanlage wieder geöffnet

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