Der Braunkohletagebau Welzow-Süd stellt einen der zentralen Standorte des Lausitzer Reviers dar und ist geprägt von einer jahrzehntelangen Geschichte des Abbaus, des Einsatzes von Großgeräten und schließlich der umfassenden Sanierung und Rekultivierung. Für Eigentümer von Immobilien sowie Bau- und Renovierungsinteressierte in der Region ist das Verständnis dieser geologischen und industriellen Vergangenheit von Bedeutung, da die langfristige Sicherung und Nutzung der Flächen nach der Beendigung des Bergbaubetriebs direkten Einfluss auf die Wertschätzung und Stabilität von Grundstücken hat. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die technische Entwicklung des Tagebaus, die Herausforderungen der Devastierung und den Prozess der Sanierung bis hin zur Beendigung der Bergaufsicht.
Geografische Lage und Bedeutung des Abbaugebietes
Das Braunkohlenfeld Welzow-Süd erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt ca. 11.200 Hektar. Es liegt im Südwesten des Landkreises Spree-Neiße und im Ostteil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg. Ein kleiner Teil des Abbaugebiets, konkret der auf sächsischem Territorium liegende Abbaubereich umfasst 46 Hektar, ragt in das Gebiet des Freistaates Sachsen hinein und gehört zum Teilfeld Proschim. Der Lagerstättenkomplex setzt sich aus den Teilfeldern Welzow-Süd, Proschim und dem Flugplatzfeld zusammen.
Die Bedeutung des Tagebaus für die regionale Energieversorgung war über Jahrzehnte hinweg erheblich. Die gewonnene Kohle diente vornehmlich der Versorgung des VEB Kombinat Schwarze Pumpe, später des Gaskombinats Schwarze Pumpe, und seit der Wende der Versorgung der Kraftwerke und Brikettfabriken „Schwarze Pumpe“. Bis zur Entscheidung für einen beschleunigten Kohleausstieg bis Ende 2038 verfügte Welzow-Süd über eine jährliche Förderkapazität von rund 56 Millionen Tonnen, was etwa 33 % der deutschen Braunkohleförderung entsprach.
Historischer Aufschluss und Betriebsentwicklung
Die Geschichte des Braunkohleabbaus in der Region Spremberg reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ab 1860 wurde Kohle vor allem als Brennstoff für Ziegeleien, Glaswerke und die Textilindustrie abgebaut. Die ergiebigen Vorkommen bei Welzow führten jedoch erst 1957 zur Aufnahme vorbereitender Arbeiten für den Großtagebau Welzow-Süd, beginnend mit Rodungsarbeiten.
Die Phase der Aufschlussentwässerung
Ab 1959 begann die eigentliche Aufschlussentwässerung. Vier Entwässerungsschächte wurden bis unter das zweite Lausitzer Flöz aufgefahren, von denen ausgehend ein Netz aus Entwässerungsstrecken die Trockenlegung der Aufschlussfigur sicherstellte. Diese Maßnahmen waren technisch notwendig, um die Abbauarbeiten in den folgenden Jahrzehnten zu ermöglichen. Der offizielle Start der Kohleförderung erfolgte im Jahr 1966.
Betreiberwechsel und Strukturwandel
Ein entscheidender Wendepunkt war die politische Wende im Jahr 1990. Am 29. Juni 1990 wurde der Tagebau vom VEB BKW Welzow in die LAUBAG überführt. Seit 2003 wurde der Betrieb von der Vattenfall Europe Mining AG und später von der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) geführt. Im Zuge der Umstrukturierung kam es zur Zentralisierung der Tagesanlagen im Bereich Schacht 3, wodurch der Montageplatz Welzow-Süd, der von 1960 bis 1965 als Lager, Werkstätten und Verwaltungsbaracken genutzt wurde, in den frühen 90er Jahren größtenteils aufgegeben werden musste. Rückbauarbeiten setzten bereits ab 1993 durch die LAUBAG ein.
Technische Ausstattung und Großgeräte
Der Tagebau Welzow-Süd war bekannt für den Einsatz von beeindruckender Technik und Großgeräten, die für die Verarbeitung riesiger Abraummassen notwendig waren.
Die Abraumförderbrücke F 60
Ein technisches Highlight war die 1969 bis 1972 montierte 60-Meter-Förderbrücke, die erste ihrer Art in der Braunkohleindustrie. Ab 1973 nahm sie den Regelbetrieb auf und ermöglichte die Verkippung des Abraums im ausgekohlten Innenbereich des Tagebaus. Da die Mächtigkeit der Deckschicht über der Kohle zunahm, war 1977 eine Erweiterung um eine 250 Meter lange Zubringerbrücke notwendig. Mit Hilfe von drei Eimerkettenbaggern konnte so eine Deckschicht von 60 Metern Höhe über den Förderbrückenverbund gewonnen werden.
Baggertechnologie und Großgerätetransporte
Der Einsatz von Schaufelradbaggern prägte den Betrieb. Im Vorschnitt kam ein Schaufelradbagger SRs 6300 zum Einsatz, dessen Abtragshöhe bis zu 50 Meter betrug. Dieser Baggertyp, der rund 9.000 Tonnen wiegt und sich auf Raupenfahrwerken vorwärts bewegt, wurde erstmals 1981 im Tagebau Greifenhain vormontiert und später nach Welzow-Süd verbracht. Zwischen 1993 und 1994 fand ein bemerkenswerter Großgerätetransport aus den Tagebauen Klettwitz und Greifenhain mit einer Länge von 520 Metern statt.
Zusammengefasst umfasste die technische Ausrüstung: * Abraumbetrieb: 2 Absetzer, 3 Eimerkettenbagger, 1 Schaufelradbagger, 1 Abraumförderbrücke „F 60“. * Kohleförderung: 3 Eimerkettenbagger, 2 Schaufelradbagger, 4 Bandwagen. * Grabenbunker: 1 Eimerkettenbagger, 1 Haldenschüttgerät.
Geologie und Abbauverlauf
Das im Abbau befindliche Braunkohlenflöz lag in einer Tiefe von ca. 90 bis 130 Metern und war zwischen 10 und 16 Metern mächtig. Es wurden jährlich etwa 20 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Das Oberflöz des 1. Lausitzer Flözes hatte eine durchschnittliche Mächtigkeit von vier Metern, während das 2. Lausitzer Braunkohleflöz in 60 bis 120 Meter Tiefe lagert und bis zu 15 Meter mächtig ist.
Der Abbau schritt in westliche Richtung fort und erreichte schließlich die Bundesstraße 169. Die Stadt Welzow wurde dabei im Südwesten und Nordosten vom Tagebau umschlossen. Der Abbau führte zu einem Drehen des Tagebaus gegen den Uhrzeigersinn, zunächst nach Norden und dann in einem Bogen nach Westen, wobei das Altbergbaugebiet Steinitz ausgespart blieb. Bis Geisendorf wurde der Parallelbetrieb geführt.
Soziale und ökologische Folgen: Devastierung und Rekultivierung
Der Tagebau Welzow-Süd hatte weitreichende Auswirkungen auf die Siedlungsstruktur und die Umwelt. Insgesamt sind durch den Tagebau 17 Dörfer devastiert (zerstört) worden. Im Rahmen der Rekultivierungsmaßnahmen wurden Gedenkorte für diese Orte geschaffen.
Anpassung an das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz
Die Entscheidung für einen beschleunigten Kohleausstieg im Jahr 2021 (Kohleverstromungsbeendigungsgesetz) führte zu erheblichen Anpassungen in der Planung. Die LEAG verzichtete auf eine Weiterführung des Tagebaus in das weiter südlich gelegene Teilfeld II. Dies hatte zur Folge, dass die teilweise schon zur Devastierung vorgesehenen Orte Proschim und Karlsfeld sowie Teile von Welzow erhalten blieben.
Rekultivierung und Flächennutzung
Die östlichen Bereiche des Tagebaus, eine Fläche von insgesamt 4.671 Hektar, sind inzwischen rekultiviert. Die Gesamtfläche, die vom Tagebau in Anspruch genommen wird, beläuft sich auf ca. 8.500 Hektar. Die Rekultivierung zielt auf eine dauerhafte Sicherung der Flächen und die Schaffung neuer Nutzungen ab.
Ein besonderes Beispiel für die Umwandlung von Bergbaufolgelandschaften ist der Montageplatz Welzow-Süd. Nachdem die Gebäude in den frühen 90er Jahren freigezogen wurden, begann der Rückbau 1993. Eine anderweitige dauerhafte Nutzung der Mehrzahl der Gebäude war nicht möglich. Die Sanierung der Flächen erfolgt gemäß einem Abschlussbetriebsplan.
Sanierung und Beendigung der Bergaufsicht
Für Eigentümer und Nutzer von Flächen in ehemaligen Bergbaugebieten ist der Prozess der Beendigung der Bergaufsicht von besonderer rechtlicher Relevanz.
Der gesetzliche Rahmen
Die Beendigung der Bergaufsicht gemäß § 69 Abs. 2 BBergG (Bundesberggesetz) ist das Ziel der Sanierungsarbeiten. Zuständige Behörde ist das zuständige Bergamt.
Der Sanierungsprozess
Die Lausitz Bergbau-Management GmbH (LMBV) strebt die Beendigung der Bergaufsicht an, nachdem alle Sanierungsarbeiten abgeschlossen und die öffentliche Sicherheit hergestellt ist. Dazu ist eine schlüssige Dokumentation der durchgeführten Sanierungstätigkeiten erforderlich. Diese Dokumentation muss ausgehen von der Beurteilung der Gefahrensituation nach Beendigung des aktiven Bergbaubetriebs und alle Nachweise zur Erreichung des Sanierungsziels enthalten. Zudem muss sie die Möglichkeit der vorgesehenen Nachnutzung sicherstellen.
Abschlussprüfung und Bescheid
Nach Vorlage der Unterlagen führt das Bergamt eine Abschlussbefahrung durch. Erst nach Prüfung der Unterlagen und der Befahrung erteilt das Bergamt den abschließenden Bescheid zur Beendigung der Bergaufsicht. Dieser Prozess stellt sicher, dass die Flächen langfristig gesichert und für die Bebauung oder andere Nutzungen frei gegeben werden können.
Fazit
Der Tagebau Welzow-Süd durchlief eine beeindruckende Entwicklung von der ersten Entwässerung im Jahr 1959 bis zur aktuellen Phase der Sanierung und Rekultivierung. Mit einem Fördervolumen von jährlich rund 20 Millionen Tonnen Braunkohle war er ein wichtiger Pfeiler der Energieversorgung, geprägt durch den Einsatz von Weltraumtechnik wie der Abraumförderbrücke F 60 und Großschaufelradbaggern. Die Entscheidung zum Kohleausstieg hat den Abbauverlauf jedoch neu justiert und den Fokus verstärkt auf die Sicherung und die nachhaltige Gestaltung der Hinterlassenschaften gelegt.
Die Herausforderungen lagen in der Bewältigung der Devastierung von 17 Dörfern und der Sicherung der verbliebenen Siedlungen. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Umsetzung der Sanierungspläne, um die Flächen gemäß den Anforderungen des Bundesberggesetzes zu sichern und die Beendigung der Bergaufsicht zu erreichen. Für die Region bedeutet dies einen langfristigen Strukturwandel, bei dem die sorgfältige Dokumentation und Durchführung von Sanierungsmaßnahmen die Grundlage für zukünftige Nutzungen der fast 8.500 Hektar großen Flächen bildet. Die Informationen zur Geologie, den technischen Anlagen und den Sanierungsprozessen bieten eine solide Basis, um die Risiken und Chancen von Grundstücken in diesem ehemaligen Bergbaurevier realistisch einzuschätzen.
Quellen
- iproconsult.com - Tagebau Welzow-Süd: Abschlussdokumentation zur Beendigung der Bergaufsicht
- rpv-oberlausitz-niederschlesien.de - Braunkohlenplanung: Tagebau Welzow-Süd
- vde.com - Geschichte Karte Brandenburg: Tagebau Welzow
- kuladig.de - Objektansicht: Tagebau Welzow-Süd
- leag.de - Geschäftsfelder Bergbau: Tagebau Welzow-Süd