Sanierung einer historischen Schule: Modernisierung, Energieeffizienz und Barrierefreiheit am Beispiel der Goetheschule Magdeburg

Die energetische und bauliche Sanierung von Bestandsgebäuden stellt die Bauindustrie vor besondere Herausforderungen. Dies gilt insbesondere für historische Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen und gleichzeitig modernen Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Funktionalität genügen müssen. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Komplexsanierung ist die umfassende Modernisierung der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule in Magdeburg-Sudenburg. Dieser Fall bietet wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung großvolumiger Sanierungsprojekte, die für Immobilienbesitzer, Bauherren und Planer von hohem Interesse sind.

Die Sanierung der Goetheschule umfasste nicht nur die energetische Aufwertung des Gebäudebestands, sondern auch die Anpassung an aktuelle Barriererechtliche Vorgaben und die Erneuerung der Haustechnik. Mit einem Investitionsvolumen von rund 8,26 Millionen Euro und einer Laufzeit von zwei Jahren dient dieses Projekt als Leitfaden für die Bewältigung von Herausforderungen wie Altbaubestand, gestiegenen Materialkosten und der Einhaltung strenger Vorschriften.

Der Ausgangszustand und die Notwendigkeit der Sanierung

Die Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule ist ein traditionsreiches Gebäude in Magdeburg-Sudenburg. Laut der vorliegenden Informationen existiert die Schule an diesem Standort bereits seit dem Jahr 1902. Über mehr als ein Jahrhundert haben Generationen von Schülerinnen und Schülern das Gebäude genutzt. Mit der Zeit verlieren jedoch auch robuste historische Bausubstanzen an Leistungsfähigkeit, insbesondere wenn es um energetische Standards und moderne Nutzungsanforderungen geht.

Die Entscheidung zur Sanierung fiel vor dem Hintergrund mehrerer zentraler Aspekte: 1. Energieeffizienz: Der Gebäudebestand entsprach nicht mehr den Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV). 2. Barrierefreiheit: Das Fehlen von Aufzügen und behindertengerechten Sanitäranlagen schloss eine Nutzung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen weitgehend aus. 3. Funktionalität: Die bestehenden Räumlichkeiten, insbesondere im Bereich der Gastronomie (Mensa), waren veraltet oder unzureichend.

Die Schule fungiert als dreizügige Gemeinschaftsschule und Ganztagsschule für rund 460 Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal. Eine Modernisierung war daher essenziell, um den Betrieb langfristig sicherzustellen.

Finanzierung und Förderung des Projekts

Ein zentraler Aspekt bei der Sanierung von öffentlichen Gebäuden ist die Finanzierung. Die Quellenlage verdeutlicht, dass die Sanierung der Goetheschule durch ein komplexes Geflecht aus Eigenmitteln und Fördergeldern realisiert wurde.

Die Gesamtkosten der Arbeiten beliefen sich auf rund 8,26 Millionen Euro. Diese Summe setzt sich aus verschiedenen Finanzierungsquellen zusammen:

  • Fördermittel: Ein beträchtlicher Teil der Kosten wurde durch externe Zuschüsse gedeckt. Laut den Informationen wurden mehr als 1,4 Millionen Euro durch die Europäische Union und das Land Sachsen-Anhalt bereitgestellt. Konkret wurde in einem Bericht ein Betrag von 1,41 Millionen Euro genannt, der aus dem Förderprogramm STARK III plus EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) stammte.
  • Eigenmittel: Die Stadt Magdeburg als Träger der Schule musste den Restbetrag aufbringen. Dieser belief sich auf rund 1,7 Millionen Euro (laut ersten Informationen) bzw. den Rest der 8,26 Millionen Euro.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Finanzplanung durch massive Mehrkosten belastet wurde. Insgesamt mussten rund 2,9 Millionen Euro mehr bezahlt werden als ursprünglich avisiert. Diese Kostenexplosion wird in den Quellen mit der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg (Auswirkungen auf Materialpreise und Lieferketten) sowie der schlechten Altbaubeschaffenheit des Gebäudes begründet. Dies unterstreicht die Wichtigkeit von Pufferposten in der Kalkulation von Sanierungsprojekten.

Die energetische Sanierung: Maßnahmen und Technologien

Der Schwerpunkt der Modernisierung lag in der energetischen Aufwertung des Gebäudebestands. Ziel war es, den Energieverbrauch signifikant zu senken und die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) einzuhalten. Die Maßnahmen waren vielfältig und umfassten das gesamte Gebäudehülle und die Haustechnik.

Wärmedämmung und Gebäudehülle

Eine der effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung des Heizenergiebedarfs ist die Verbesserung der Gebäudehülle. Bei der Goetheschule wurde die Dämmung der Kellerdecke realisiert. Diese Maßnahme verhindert, dass Wärme über den ungenutzten oder schlecht isolierten Keller entweicht. Zudem wurden Heizkörpernischen erneuert, was im Altbaubereich oft notwendig ist, um Wärmebrücken zu minimieren.

Zu den energetischen Maßnahmen gehörte auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Obwohl dies in den direkten Beschreibungen der Haustechnik nicht explizit detailliert aufgeführt ist, ist es implizit in der Erwähnung der "energetischen Sanierung" und der Einhaltung der EnEV enthalten. Ein reiner Austausch der Heizung ohne Anpassung der Hülle wäre zur Erreichung der Ziele nicht ausreichend gewesen.

Heizungserneuerung und Wärmeerzeugung

Ein Kernstück der energetischen Modernisierung war die Erneuerung der Heizungsanlage. Die Wärmeerzeugung erfolgt nun durch die Stadtwerke Magdeburg. Dies deutet auf eine Anbindung an ein Nahwärmenetz oder eine zentrale, effiziente Wärmeversorgung hin, was die CO2-Bilanz des Gebäudes verbessert.

Im Zuge der Sanierung wurde ein neues Rohleitungsnetz für das gesamte Gebäude, inklusive des neu gestalteten Mehrzweckgebäudes (Mensa), errichtet. Die Erneuerung der Heizkörper und der dazugehörigen Nischen sorgt für eine verbesserte Wärmeverteilung und -abgabe in den Klassenzimmern.

Lüftungstechnik

Ein oft unterschätzter Aspekt in der energetischen Sanierung ist die Lüftung. Moderne, dichte Gebäude benötigen eine kontrollierte Lüftung, um Schimmelbildung zu vermeiden und die Luftqualität zu sichern. Besonders hervorzuheben ist der Einbau von Lüftungsanlagen in den Fachunterrichtsräumen für Chemie. Hier sind spezielle Absaugsysteme erforderlich, um Gefahrstoffe sicher abzuführen, was eine Verknüpfung von Arbeitsschutz, Energieeffizienz und funktionalem Unterricht darstellt.

Barrierefreiheit und soziale Inklusion

Ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung war die Schaffung von Barrierefreiheit. Die Anforderungen an öffentliche Gebäude haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt, und auch Schulen müssen für alle Nutzergruppen zugänglich sein.

Die Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit umfassten: * Einbau eines Personenaufzugs: Dies ist eine fundamentale Voraussetzung, um alle Geschosse des Gebäudes ohne Treppensteigen erreichen zu können. Dies betrifft nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Personen mit Kinderwagen oder temporären Verletzungen. * Behindertengerechte Sanitäranlagen: Der Austausch und die Neugestaltung der Toiletten entsprechen nun aktuellen Normen für barrierefreie Ausstattung (z. B. nach DIN 18040). * Barrierefreier Zugang: Der Haupteingang und der Zugang zum Gebäude wurden entsprechend angepasst, um niveaugleiche Übergänge zu gewährleisten.

Diese Investitionen sind nicht nur aus sozialer Verantwortung heraus wichtig, sondern stellen auch sicher, dass die Schule langfristig als inklusive Bildungsstätte genutzt werden kann.

Funktionaler Ausbau: Das Mehrzweckgebäude und die Mensa

Eine besondere Hervorhebung in der Sanierung erfuhr das sogenannte Mehrzweckgebäude. Dieser Gebäudeteil wurde komplett neu gestaltet. Die Nutzungsschichtung wurde erweitert: Es dient nun nicht mehr nur als reine Mensa, sondern als flexible Räumlichkeit für Veranstaltungen.

Diese multifunktionale Nutzung ist ein Paradebeispiel für modernes Raumkonzeption im Bildungswesen. Die Räumlichkeiten können für Elternabende, kulturelle Veranstaltungen oder als Pausenbereich genutzt werden. Die Umbaumaßnahmen umfassten hierbei die komplette Neuinstallation der Sanitärrohrleitungen (Trinkwasser, Schmutzwasser, Regenwasser) und die Errichtung eines neuen Rohleitungsnetzes, das an die neue Wärmeversorgung angeschlossen wurde.

Bauablauf, Herausforderungen und Zeitplan

Die Sanierung der Goetheschule dauerte zwei Jahre. Während dieser Zeit war der Schulbetrieb in ein Ersatzquartier in der Schilfbreite ausgelagert. Diese Auslagerung ist für eine Schule mit rund 460 Schülern eine logistische Herausforderung, die zeigt, dass die Arbeiten in einem engen Zeitfenster und ohne Kompromisse bei der Qualität durchgeführt werden mussten.

Die Bauarbeiten waren ursprünglich bis Februar 2022 geplant. Ob diese Frist eingehalten wurde, geht aus den Quellen nicht explizit hervor, da die Einweihung im September (Jahresangabe unklar, Kontext deutet auf 2023 hin) stattfand. Fakt ist jedoch, dass die Arbeiten abgeschlossen wurden und das Gebäude nun wieder voll in Nutzung ist.

Herausforderungen durch den Altbaubestand

Die Altbaubeschaffenheit wurde als eine der Hauptursachen für die massiven Mehrkosten genannt. Historische Gebäude bergen oft unvorhersehbare Probleme: * Tragende Konstruktionen, die nicht den aktuellen Normen entsprechen. * Schadstoffe, die bei Sanierungsarbeiten saniert werden müssen. * Bausubstanz, die erst bei Freilegung den eigentlichen Sanierungsbedarf erkennen lässt.

Diese Faktoren machen eine detaillierte Bestandsaufnahme und eine flexible Projektsteuerung notwendig.

Der Schutz des historischen Erbes

Ein wesentlicher Constraint bei der Sanierung war der Schutz des historischen Erbes. Die Schule ist ein Teil des historischen Stadtbilds von Magdeburg-Sudenburg. Die Planer mussten daher einen Kompromiss finden zwischen modernen Energiestandards und der Erhaltung der architektonischen Substanz.

Die Quellen erwähnen, dass die Vorgaben des Denkmalschutzes eingehalten wurden. Dies betrifft vermutlich die Fassadengestaltung. Interessant ist in diesem Kontext, dass in einem Bericht erwähnt wird, dass die farbliche Gestaltung der Fassade noch aussteht, um den modernisierten Zustand auch äußerlich sichtbar zu machen. Dies legt nahe, dass man sich bei der Fassadenrenovierung auf die Substanzierung und Dämmung konzentriert hat, die endgültige ästhetische Aufwertung aber noch folgen wird.

Zusammenfassung der technischen Leistungen (Gewerke)

Für Bauinteressierte und Handwerker ist ein Blick auf die ausgeführten Gewerke aufschlussreich. Die Sanierung war ein interdisziplinäres Projekt, das folgende Kernbereiche abdeckte:

Gewerk Ausgeführte Leistungen (Beispiele)
Heizung / Sanitär Komplette Neuinstallation der Sanitärrohrleitungen (Trinkwasser, Schmutzwasser, Regenwasser), Errichtung eines neuen Rohleitungsnetzes, Einbau neuer Heizkörper und Anbindung an Stadtwerke-Wärmeversorgung.
Lüftung Einbau von Lüftungsanlagen für Fachunterrichtsräume (Chemie), allgemeine Lüftungskonzepte im Zuge der energetischen Sanierung.
Elektro (Implizit) Erneuerung der Beleuchtung und Elektroinstallation im Zuge der Modernisierung der Räumlichkeiten (Mensa, Sanitäranlagen).
Bauausführung / Tiefbau Dämmung der Kellerdecke, Erneuerung von Heizkörpernischen, barrierefreier Zugang und Einbau von Aufzügen.
Innenausbau Neugestaltung der Mensa / des Mehrzweckgebäudes, Installation behindertengerechter Sanitäranlagen.

Fazit: Lehren aus der Sanierung der Goetheschule

Die Sanierung der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule in Magdeburg ist ein Lehrbuchbeispiel für die energetische und funktionale Aufwertung von Bestandsimmobilien. Das Projekt verdeutlicht mehrere zentrale Erkenntnisse für die Bauindustrie und Eigentümer:

  1. Die Bedeutung von Fördermitteln: Auch wenn die Stadt Magdeburg einen erheblichen Eigenanteil leisten musste, waren die EU- und Landesmittel (STARK III plus EFRE) entscheidend, um das Projekt in dieser Dimension zu ermöglichen. Die Kenntnis und Beantragung von Förderprogrammen ist ein kritischer Erfolgsfaktor.
  2. Kostenplanung im Altbaubereich: Die Erfahrung mit den 2,9 Millionen Euro Mehrkosten zeigt, dass Sanierungen von Altbauten erhebliche finanzielle Risiken bergen. Eine detaillierte Voruntersuchung und die Kalkulation von großzügigen Puffern sind unerlässlich.
  3. Multifunktionalität als Standard: Die Neugestaltung der Mensa zum Mehrzweckgebäude folgt einem modernen Verständnis von Schule als sozialen Treffpunkt, der über den reinen Unterricht hinausgeht.
  4. Regelkonformität: Die Einhaltung der Energieeinsparverordnung, der Barriererechtlichen Vorgaben und des Denkmalschutzes erfordert eine präzise Planung durch Fachplaner. Die Verknüpfung von Heizung, Lüftung und Sanitär (HLK) war hier zentral.

Für Bauherren und Planer bleibt festzuhalten, dass eine Sanierung dieser Größenordnung nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische und finanzielle Meisterleistung darstellt. Die Goetheschule steht nun als modernes, energieeffizientes und barrierefreies Gebäude bereit, um den Bildungsauftrag in den nächsten Jahrzehnten zu erfüllen.

Quellen

  1. Süddeutsche Zeitung - Zuschüsse für Goetheschule
  2. Magdeburg-Klickt - Einweihung Goetheschule
  3. Haupt-IG - Energetische Sanierung Sekundarschule
  4. Volksstimme - Goetheschule nach Sanierung eingeweiht
  5. KulturMD - Sanierte Goetheschule übergeben
  6. Stadt Magdeburg - Goetheschule feierlich übergeben

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