Die Sanierung der Kreisstraße 1 (K1) in Groß Fredenbeck stellt eine der bedeutendsten Infrastrukturmaßnahmen der Gemeinde und des Landkreises Stade dar. Die marode Fahrbahn, veraltete Entwässerungssysteme und die Notwendigkeit erhöhter Verkehrssicherheit erfordern eine grundlegende Erneuerung der etwa 1,2 Kilometer langen Strecke. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die technischen Details und die zeitliche Planung des Projekts, das nicht nur die Straße selbst, sondern auch die umliegenden Wohngebiete und die natürliche Umwelt am Mühlenbach nachhaltig beeinflussen wird.
Hintergrund und Notwendigkeit der Sanierung
Die Kreisstraße 1 durchquert als Hauptstraße den Ortsteil Groß Fredenbeck und ist eine zentrale Verkehrsader. Laut Angaben aus den Planungen nutzen täglich etwa 8.900 Fahrzeuge, darunter fast 280 Lkw, diese Strecke. Besonders während der Pendlerzeiten morgens und nachmittags ist die Straße stark befahren.
Der Zustand der Straße hat sich in den vergangenen Jahren stark verschlechtert. Nicht nur die Fahrbahn selbst ist dringend sanierungsbedürftig. Die Kreisbaurätin Madeleine Pönitz betont, dass der Zustand der Straße gerade im Ortsteil Groß Fredenbeck stark gelitten hat. Die Notwendigkeit der Sanierung ergibt sich aus mehreren Faktoren:
- Verkehrssicherheit: Die steigende Verkehrsbelastung und der schlechte Zustand der Fahrbahn sowie der Wegbereiche erfordern Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit.
- Technischer Zustand: Sowohl die Fahrbahn als auch die Oberflächenentwässerung und die Straßenbeleuchtung sind veraltet und marode.
- Kapazitätsprobleme: Das bestehende Regenwassersystem ist unterdimensioniert.
Das Projekt wird als dringend eingestuft, da die Straße nicht mehr dem heutigen Standard entspricht und Staus sowie Unfallrisiken erhöht.
Geplante technische Maßnahmen
Die Sanierung umfasst ein umfassendes Paket an Baumaßnahmen, die über eine reine Straßenerneuerung hinausgehen. Die Planung erfolgt durch das Kreisbauamt unter Leitung von Planer Bernd Bardenhagen.
Erneuerung der Fahrbahn und des Untergrunds
Ein Kernproblem ist der torfhaltige Boden entlang der Straße, insbesondere auf der Südseite zwischen Mühlenbach und An der Börne. Um ein dauerhaft stabiles Straßenniveau zu gewährleisten und ein seitliches Absacken zu verhindern, muss der Boden tief ausgekoffert und ersetzt werden. Nur durch diese grundlegende Bodensanierung kann die neue Straße dauerhaft stabil bleiben.
Oberflächenentwässerung und Hochwasserschutz
Das derzeitige Kanalnetz ist "unterdimensioniert und abgängig". Bei Starkregen drückt Wasser aus den umliegenden Wohngebieten in die Hauptleitung und steigt wieder aus den Gullys auf ("Druckwasser"). Die Lösung sieht den Einbau neuer Regenwasserkanäle vor.
Besonders innovativ ist die Integration von Naturschutzaspekten in die Entwässerung: * Versickerungsflächen: Auf den Wiesen auf der Nordseite (LSG) werden Versickerungsflächen eingerichtet. Das Wasser läuft hier gedrosselt auf die Wiese und weiter in den Bach, statt ungedrosselt den Mühlenbach zu belasten. * Tauchwand: Um bei Verunreinigungen den Fluss stoppen zu können, wird eine Tauchwand eingebaut. * Retentionsfläche: Das Gelände am rechten Ufer des Mühlenbachs nördlich der K1 wird als sogenannte Retentionsfläche ausgebaut. Dies verhindert, dass Oberflächenwasser ungebremst in den Bach fließt, und entwickelt sich zu einer ökologisch wertvollen Feuchtwiese.
Verbesserung der Verkehrssicherheit und Wegerechte
Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radfahrer. Nach heutigem Standard sollen beidseitig drei Meter breite, kombinierte Geh- und Radwege entstehen. Diese Breite ermöglicht es, dass sich Radfahrer und Fußgänger ohne Probleme begegnen können, ohne anhalten oder ausweichen zu müssen.
Geplante Sicherheitsmaßnahmen umfassen: * Überquerungshilfen: An der Einmündung Alter Stadtweg sowie zwischen Raakamp und Im Mühlenfeld. * Fußgängerampel: Eine zusätzliche Ampel in Höhe des Discount-Marktes. * Übersichtliche Kreuzungen: Durch den Neubau wird die Ortsdurchfahrt insgesamt übersichtlicher gestaltet.
Beleuchtung und Parken
Die Straßenbeleuchtung wird modernisiert. Zudem steigt die Anzahl der Parkbuchten am Straßenrand von bisher neun auf 20 an. Zusätzliche Stellflächen sind unter anderem gegenüber der Bücherei geplant.
Umwelt- und Naturschutzaspekte
Das Projekt berücksichtigt explizit naturschutzrechtliche Vorgaben. Da die Sanierung in einem Landschaftsschutzgebiet (LSG) stattfindet, waren Rodungsarbeiten bis Ende Februar erforderlich. Insgesamt mussten über 30 Bäume gefällt werden.
Als Ausgleich sind Neuanpflanzungen geplant. Die Bäume auf der Südseite der Hauptstraße werden mit etwas Abstand parallel zur Straße neu gepflanzt. Das frei werdende Wiesengelände am Mühlenbach soll künftig dem Naturschutz zugutekommen und die ökologische Aufwertung der Fläche als Feuchtwiese unterstützen.
Zeitplanung und Verkehrsführung
Die Sanierung soll voraussichtlich im Juli beginnen und eine Gesamtdauer von etwa anderthalb Jahren haben. Umfangreiche Planungs- und Vorbereitungsarbeiten, Abstimmungen mit der Gemeinde Fredenbeck sowie Grundstücksverhandlungen haben fast ein Jahr in Anspruch genommen. Die Genehmigung durch das Land Niedersachsen liegt inzwischen vor, was die Vorbereitung der Ausschreibung durch die Kreisverwaltung ermöglicht.
Abschnittsweise Bauausführung
Um die Beeinträchtigungen für den innerörtlichen Verkehr so gering wie möglich zu halten, werden die Arbeiten in voraussichtlich sechs Abschnitten durchgeführt. Diese Abschnitte liegen jeweils zwischen Straßeneinmündungen, sodass eine Umfahrung für den lokalen Verkehr möglich bleibt. Dennoch werden Vollsperrungen einzelner Abschnitte nicht vermieden werden können.
Für Radfahrer und Fußgänger bleibt die Baustelle passierbar.
Vollsperrung für den überörtlichen Verkehr
Während der gesamten Bauzeit wird die K1 in Groß Fredenbeck für den überörtlichen Verkehr voll gesperrt. Die offizielle Umleitung erfolgt ab der Kreuzung L124/K1/K44 (Harsefelder Straße/Helmste/Rüster Forst) über den Kreisverkehr L124/L123 in Richtung Bargstedt bis nach Aspe und von dort über Wedel nach Fredenbeck.
Kosten und Finanzierung
Das Projekt ist mit einem Budget von insgesamt 3,5 Millionen Euro für die Sanierung der 1200 Meter Strecke veranschlagt. Die Finanzierung erfolgt durch einen Mix aus staatlichen und kommunalen Mitteln:
- Land Niedersachsen: Übernimmt 60 % der Kosten (Förderung).
- Landkreis Stade und Gemeinde Fredenbeck: Teilen sich die verbleibenden 40 %.
Die Gemeinde Fredenbeck hat im Haushalt für die Jahre 2020 und 2021 350.000 Euro für ihre Beteiligung bereitgestellt.
Kommunikation und Informationen für Anwohner
Die Kreisverwaltung Stade hat einen Informationsabend angekündigt, um die betroffenen Fredenbecker Anwohner zu informieren und Fragen zu beantworten. Dieser fand am Donnerstag, 14. März, um 19 Uhr in der Fredenbecker Gaststätte Niedersachsenschänke an der Schwingestraße statt. Dort wurden die Pläne im Detail vorgestellt.
Für die Zeit der Bauarbeiten gelten besondere Anweisungen für die Anlieger: * Müllabfuhr: Die Anlieger werden gebeten, die Mülltonnen und gelben Säcke einen Tag vor der Abholung an die Grundstücksgrenze zu stellen. Die Baufirma Henn wird die Tonnen zu einer Abholstelle transportieren und zurückbringen. * Erreichbarkeit: Während der Abschnittssperren bleiben die Anliegergrundstücke zu Fuß erreichbar. Die provisorische Nutzung des Straßenabschnitts ist möglich, Fahrzeuge dürfen jedoch nur außerhalb des gesperrten Bereiches abgestellt werden.
Weitere Informationen und Ansprechpartner sind im "Anliegerbrief" genannt. Zudem stellt der Landkreis eine spezielle Internetseite zur Verfügung (www.landkreis-stade.de/K1), und Fragen können per E-Mail an [email protected] (Betreff: K1) gerichtet werden.
Auswirkungen auf die Immobilien- und Baubranche
Die Sanierung der K1 hat direkte Auswirkungen auf die Wertschätzung und die Entwicklung der Immobilien in Groß Fredenbeck. Eine moderne, sichere und gut ausgebaute Hauptstraße erhöht die Lebensqualität und damit die Attraktivität des Standorts für potenzielle Käufer und Bewohner.
Für Bauinteressenten und Hauseigentümer in der Region Fredenbeck ergibt sich durch das Projekt eine gesteigerte Nachfrage nach Renovierungs- und Sanierungsleistungen. Die Infrastrukturmaßnahmen schaffen ein Umfeld, in dem auch private Immobilien modernisiert werden. Lokale Anbieter aus dem Bereich Wiederaufbau und Renovierung, wie sie auf Portalen für Fredenbeck und Umgebung gelistet sind, profitieren von dieser Entwicklung. Unternehmen, die sich auf Trockenbau, Innenausbau oder Wärmedämmung spezialisiert haben, finden hier ein wachsendes Marktumfeld. Die langfristige Aufwertung des Standorts durch die Verkehrssicherung und die landschaftliche Einbettung macht die Investition in private Immobilien in diesem Gebiet attraktiver.
Fazit
Die Sanierung der Kreisstraße 1 in Groß Fredenbeck ist ein komplexes und notwendiges Infrastrukturprojekt, das weit über eine reine Straßenerneuerung hinausgeht. Durch die Kombination aus technischer Aufrüstung (neue Fahrbahn, Entwässerung, Beleuchtung), Sicherheitsverbesserung (breite Rad- und Fußwege, Ampeln) und ökologischem Ausgleich (Retentionsflächen, Feuchtwiesen) setzt es Maßstäbe für moderne kommunale Verkehrsplanung.
Für die Anwohner bedeutet die Bauphase zwar erhebliche Einschränkungen, insbesondere durch die Vollsperrung und die abschnittsweisen Sperren. Die Investition von 3,5 Millionen Euro, gefördert vom Land Niedersachsen, sichert jedoch die Zukunftsfähigkeit der Verkehrsader und steigert die Lebensqualität im Ortsteil nachhaltig. Die transparente Kommunikation durch den Landkreis und die Einbindung der Bürger in Form von Informationsabenden sind entscheidend für den Akzeptanzgrad des Projekts. Die Maßnahme dient langfristig der Verkehrssicherheit, dem Naturschutz und der Aufwertung der gesamten Ortsdurchfahrt.