Stadterneuerung in Hannover-Hainholz: Ein umfassender Überblick über Sanierung, Förderung und städtebauliche Entwicklung

Einführung

Das Quartier Hainholz in Hannover, gelegen nördlich der Innenstadt mit rund 7.400 Einwohnern, befindet sich seit Dezember 2001 in einem umfassenden Sanierungsprozess. Der Stadtteil ist Teil des Bund-Länder-Programms "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt". Ziel dieser langfristigen Initiative ist es, die Lebenssituation der Menschen vor Ort nachhaltig zu verbessern und den Stadtteil städtebaulich, sozial und wirtschaftlich aufzuwerten. Die Sanierung basiert auf einem Integrierten Handlungskonzept, das als strategischer "roter Faden" dient und jährlich fortgeschrieben wird. Dieser Prozess wird durch eine spezielle Sanierungskommission begleitet, die gewählte Vertreter und Einwohner gleichermaßen zusammenbringt.

Integriertes Handlungskonzept und Steuerung der Sanierung

Die Basis der Sanierung in Hainholz bildet das Integrierte Handlungskonzept. Es wurde im Mai 2004 von der Landeshauptstadt Hannover vorgelegt und dient als offenes Konzept, das den gesamten Prozess strukturiert. Das Hauptziel der sozialen Stadterneuerungspolitik für Hainholz ist die nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Menschen vor Ort. Ausgehend von der lokalen städtebaulichen, baulichen, verkehrlichen, sozialen und wirtschaftlichen Situation werden Ziele und Handlungsansätze definiert, die mit den Beteiligten abgestimmt und konkretisiert werden.

Das Konzept wird regelmäßig aktualisiert. Die Dokumentationen der Fortschreibungen sind für die Jahre 2017 bis 2021 verfügbar. Diese regelmäßigen Anpassungen ermöglichen es, auf Veränderungen im Quartier zu reagieren und den Sanierungsfortschritt zu steuern.

Die Sanierungskommission als Gremium der Entscheidungsfindung

Zur Begleitung und Entscheidungsfindung wurde eine Sanierungskommission eingerichtet. Dieses kommunalpolitische Gremium setzt sich zu gleichen Anteilen aus gewählten Vertretern der politischen Parteien (nach den Mehrheiten im Rat der Stadt Hannover besetzt) und aus Einwohnerinnen und Einwohnern des Sanierungsgebietes zusammen.

Eine besondere Eigenschaft der Sanierungskommission Hainholz ist die offene Beteiligung der Anwohner. Während der gesamten Sitzung und zu allen Tagesordnungspunkten haben Einwohner ein Rederecht. Die Sitzungen finden öffentlich im Kulturhaus Hainholz, Voltmerstraße 36, statt. Die Kommission bereitet Entscheidungen vor und unterbreitet den Ratsgremien Empfehlungen zu allen relevanten Angelegenheiten der Sanierung.

Städtebauliche Maßnahmen und Infrastrukturprojekte

Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von städtebaulichen und infrastrukturellen Maßnahmen, die darauf abzielen, den Stadtteil zu vernetzen und aufzuwerten.

Die "Neue Mitte" Hainholz

Ein zentrales Projekt ist die Entwicklung einer "Neuen Mitte". Durch die Aufgabe einer früheren Trassenplanung entstand Raum für eine neue städtebauliche Qualität. Diese Neue Mitte besteht aus einem Stadtteilpark und einem Zentrum. Kulturelle sowie soziale Einrichtungen und das neu gestaltete Naturbad mit Sportflächen gruppieren sich um diese Mitte und beleben sie. Dieses Gesamtprojekt wurde im Jahr 2014 mit dem Preis "Soziale Stadt" ausgezeichnet. Der Slogan "Neue Mitte Hainholz – Die Mitte sind wir" unterstreicht den Fokus auf die Gemeinschaft.

Verkehr und Erschließung

Ein weiteres zentrales Projekt betrifft die Erneuerung der Fenskestraße/Melanchthonstraße im südlichen Sanierungsgebiet. Diese Maßnahme dient der Aufwertung dieses Bereichs. Zudem ist geplant, die Baufeldfreimachung und den Neubau der Straße "Hainhölzer Markt" zu unterstützen. Diese Straße wird der Erschließung der "Grünen Mitte Hainholz" und der Wohnquartiere entlang der Voltmerstraße dienen. Da dieses Projekt noch nicht umgesetzt wurde, ist eine Entlassung aus der Sanierung zum 31.12.2027 vorgesehen.

Wohnraum und Versorgung

Die Aufwertung des Stadtteils hat private Investoren angezogen. Es sind sowohl geförderte als auch nicht mietpreisgebundene Wohnungen geplant, die den Stadtteil weiter wachsen lassen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das geplante Nahversorgungszentrum am Hainholzer Markt. Es soll einen Vollversorger, einen Discounter, Fachmärkte und weitere 40 Neubauwohnungen umfassen und bis zum Ende der Sanierung realisiert werden.

Im Laufe des Sanierungsprozesses sind bereits 261 geförderte Wohnungen saniert worden. Diese Wohnungen sind durch Mietpreisbindung für Haushalte mit geringem Einkommen erhalten geblieben. Zudem wurden 23 neue, barrierefreie Wohnungen erstellt.

Spielplatz- und Freiraumsanierung

Ein wichtiger Aspekt der Aufwertung des Wohnumfeldes ist die Erneuerung von Freiflächen. Nach intensiver Kinder- und Jugendbeteiligung wurden die drei Spielplätze im südlichen Bereich des Sanierungsgebiets saniert. Der erste Spielplatz ist bereits fertig gestellt.

In diesem Kontext ist auch ein größeres Projekt aus Elmshorn erwähnenswert, welches als Vergleichsprojekt dient: Die Quartierssanierung Elmshorn (2005–2012) umfasste die Sanierung und Neugestaltung des Wohnumfeldes, öffentlicher Straßen und Freiflächen in einer Siedlung der 1970er Jahre. Hier wurden Wegeverbindungen hergestellt, der Schulcampus vernetzt und Spiel-, Sport- und Freizeitflächen erneuert. Solche Maßnahmen sind typisch für das Programm "Soziale Stadt" und finden sich auch in Hainholz in Form der Spielplatzsanierungen wieder.

Finanzierung und Förderung

Die Sanierung in Hainholz wird durch ein Bündel von Fördermitteln finanziert. Seit der Festsetzung des Sanierungsgebietes im Jahr 2001 im Förderprogramm "Soziale Stadt" (2020 überführt in das Programm "Sozialer Zusammenhalt") wurden viele Maßnahmen umgesetzt.

Für investive Maßnahmen wurden folgende Mittel eingeworben: * Städtebauförderungsmittel: ca. 16 Millionen Euro (im Rahmen der Mittelbündelung). * Fördermittel der Europäischen Union (EFRE): ca. 3 Millionen Euro. * Mittel aus dem Investitionspakt 2009 ("Richtlinie zur Erneuerung und Modernisierung von Gebäuden der sozialen Infrastruktur"): ca. 960.000 Euro. * GVFG-Mittel (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz): ca. 3,55 Millionen Euro.

Diese finanzielle Basis ermöglicht die Umsetzung der umfassenden städtebaulichen und sozialen Projekte.

Beteiligung und Kommunikation

Die aktive Beteiligung der Einwohner ist ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung in Hainholz. Um die Hainhölzer über den Fortschritt und die Inhalte der Sanierung zu informieren, erscheint regelmäßig die "Hainholz Zeitung". Diese Zeitung wird kostenlos an alle Haushalte im Sanierungsgebiet verteilt.

Fazit

Die Sanierung von Hainholz ist ein langfristiges und umfassendes Beispiel für gelingende Stadterneuerung im Programm "Soziale Stadt". Der Erfolg des Projekts basiert auf drei Säulen: 1. Strategische Planung: Ein Integriertes Handlungskonzept dient als verbindlicher, aber flexibler Rahmen, der jährlich fortgeschrieben wird. 2. Partizipation: Eine einzigartige Sanierungskommission gewährleistet die Einbindung von Bürgern in Entscheidungsprozesse. Zudem begleiten kulturell engagierte Einwohner den Prozess. 3. Flächendeckende Maßnahmen: Von der "Neuen Mitte" über Spielplatzsanierungen bis hin zum Nahversorgungszentrum werden städtebauliche, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen adressiert.

Durch die gezielte Mittelakquise in Höhe von über 23 Millionen Euro konnten bereits 261 Wohnungen saniert und 23 neue Wohnungen geschaffen werden. Die Auszeichnung mit dem Preis "Soziale Stadt" im Jahr 2014 unterstreicht die Qualität der Umsetzung. Auch wenn zentrale Projekte wie der Neubau der Straße "Hainhölzer Markt" noch ausstehen, ist der Weg der Stadterneuerung in Hainholz ein Modell für die nachhaltige Aufwertung von Stadtquartieren.

Quellen

  1. Hannover.de - Sanierung Hainholz
  2. Hannover.de - Sanierungskommission Hainholz
  3. Kessler & Krämer - Quartierssanierung Hainholz
  4. E-Government Hannover - Drucksache 1800
  5. Hannover.de - Dokumentation Sanierung Hainholz

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