Sanierung und Umbau des Hallenbads Adliswil: Ein umfassender Fachbericht zu Planung, Herausforderungen und Umsetzung

Einleitung

Die Sanierung und der Umbau von öffentlichen Bädern stellen komplexe Herausforderungen für Bauherren, Planer und Handwerker dar. Insbesondere wenn es sich um Gebäude handelt, die in den 1970er Jahren errichtet wurden, sind oft nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die technische Ausstattung und die energetischen Standards veraltet. Ein exemplarisches Projekt für eine solche umfassende Modernisierung ist das Hallenbad Adliswil. Die Anlage, die ursprünglich in der ersten Hälfte der 1970er Jahre erbaut wurde, unterzog sich zwischen September 2019 und August 2021 einer tiefgreifenden Erneuerung, um den aktuellen Anforderungen an Betrieb, Sicherheit und Energieeffizienz gerecht zu werden.

Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Projekts, basierend auf den verfügbaren Fachinformationen. Von der strategischen Planung über die technischen Herausforderungen des Bestands bis hin zur Umsetzung unter erschwerten Bedingungen – die Sanierung des Hallenbads Adliswil dient als Fallstudie für moderne Renovationspraktiken im öffentlichen Sektor. Der Fokus liegt dabei auf den bautechnischen Details, der Haustechnik und den organisatorischen Maßnahmen, die für den Erfolg eines solchen Vorhabens entscheidend sind.

Der Bestand: Analyse und Ausgangslage

Eine sorgfältige Bestandsaufnahme ist der erste Schritt jeder erfolgreichen Sanierung. Das Hallenbad Adliswil wies einen Zustand auf, der den Denkmalwert und die Notwendigkeit einer Sanierung unterstrich. Die Gebäudehülle, die Innenräume und die technische Ausstattung entsprachen nicht mehr dem aktuellen Standard.

Das Areal setzt sich aus zwei Hauptkomplexen zusammen: dem eigentlichen Hallenbad und dem sogenannten Längsbau, der ehemals als Garderobengebäude für das dazugehörige Freibad genutzt wurde. Dieser Längsbau besaß eine charakteristische gefaltete Dachkonstruktion und war ursprünglich nach außen hin offen. Die Analyse der Bausubstanz ergab, dass die Schwimmbecken und die umgebenden Konstruktionen in einem schlechteren Zustand waren als ursprünglich angenommen. Dies ist ein klassisches Problem bei Sanierungen von Nassbereichen, wo Feuchtigkeitsschäden oft erst bei der Freilegung sichtbar werden.

Besonders herausfordernd erwies sich der Bestand an vorfabrizierten und vorgespannten Betonelementen. Diese Bauteile, typisch für die Bauweise der 1970er Jahre, erfordern bei Eingriffen spezielles Know-how, da sie oft unter Spannung stehen und ihre statischen Eigenschaften bei Veränderungen beachtet werden müssen. Die Sanierung dieser Elemente und die Integration neuer Installationen erwiesen sich als technisch anspruchsvoll.

Strategische Planung und Projektmanagement

Bevor der erste Handwerker die Baustelle betrat, war eine intensive Planungsphase notwendig. Die Stadt Adliswil als Bauherrin investierte in eine vertiefte Machbarkeitsstudie und eine Zustandsanalyse der Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitärinstallationen (HLKSE). Diese Analysen bildeten die Grundlage für die Kreditbewilligung und die spätere Vergabe der Ingenieurleistungen.

Ein entscheidender strategischer Schritt war die Einbindung von Fachpartnern. Die Ettinger Partner AG wurde beauftragt, die Bauherrenaufgaben zu übernehmen. In enger Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft vertrat und beriet das Unternehmen den Bauherrn in der Projektierungsphase, um die Zielvorgaben effizient umzusetzen. Dies umfasste die Koordination der Unternehmer auf der Baustelle und die Terminplanung.

Für die technische Planung wurde eine Planergemeinschaft zusammengestellt, die neben dem Architekten (PBM AG) auch Bauingenieure, Elektroplaner, HLKS-Planer, Badewasserplaner und Bauphysiker umfasste. Dieser interdisziplinäre Ansatz war notwendig, um die komplexen Anforderungen an ein modernes Hallenbad zu koordinieren. Die Planung umfasste Leistungen von der Projektdefinition über die Submission und Vergabe im öffentlichen Beschaffungswesen bis hin zur Kostenschätzung und Kostenvoranschlag.

Die Sanierung in zwei Etappen: Logistik und Umsetzung

Um den Betrieb so weit wie möglich aufrechtzuerhalten und die Arbeiten effizient durchzuführen, wurde das Projekt in zwei klar getrennte Etappen unterteilt.

Erste Etappe: Umbau des Längsbaus zum Fitness- und Wellnessbereich

Zunächst wurde der Längsbau saniert und umgebaut. Das Ziel war die Schaffung eines modernen Fitnesscenters mit Wellnessbereichs. Hierfür musste das ehemals offene Gebäude vollständig geschlossen werden. Dies erforderte den Einbau neuer Fassadenelemente und die Anpassung der Gebäudehülle.

Der größte Aufwand in dieser Phase lag in der Installation aufwendiger Haustechnik. Was einst ein offener, wettergeschützter Raum war, musste nun klimatisiert und mit allen notwendigen medien- und sicherheitstechnischen Einrichtungen für den Fitnessbetrieb ausgestattet werden. Diese Umwandlung eines extensiv genutzten Gebäudeteils in einen intensiv genutzten Innenraum stellt hohe Anforderungen an die Planung von Lüftung und Beheizung.

Zweite Etappe: Sanierung des Hallenbads

Nach Fertigstellung des Längsbaus begann die Kernsanierung des Hallenbads. Die Maßnahmen hier waren umfassend:

  • Innenräume und Umkleiden: Die Umkleidebereiche wurden komplett neu organisiert. Durch eine gezielte Bodenabsenkung im Untergeschoss konnte zudem ein Mehrzweckraum geschaffen werden, der die Nutzungsvielfalt der Anlage deutlich erweitert.
  • Gebäudehülle: Eine Sanierung der Gebäudehülle war notwendig, um die Energieeffizienz zu verbessern und den thermischen Komfort zu erhöhen.
  • Wassertechnik: Sowohl die Haus- als auch die Badewassertechnik wurden erneuert. Die Sanierung der Becken war aufgrund des schlechteren als erwarteten Zustands besonders aufwendig.

Herausforderungen bei der Ausführung

Während der Bauphase traten mehrere spezifische Herausforderungen auf, die den Umfang und die Komplexität des Projekts widerspiegeln.

Bodenverhältnisse und Fundamentarbeiten

Für die notwendigen Abbruch-, Durchbruch- und Aushubarbeiten war eine detaillierte Planung der Bodensicherung erforderlich. Besonders zu nennen sind die Arbeiten für einen neuen Fäkalientank. Die Baugrube musste mittels gespriesster Spundwände abgesichert werden. Diese Methode der Baugrubensicherung ist ein Indiz für anspruchsvolle Bodenverhältnisse oder die Nähe zu bestehenden Bauwerken, bei denen eine ausreichende Stabilität gewährleistet sein muss. Der Fäkalientank selbst wurde aus Ortbeton erstellt, ein Standardverfahren für die Errichtung von dichten Flüssigkeitsbehältern im Boden.

Betonsanierung und Sichtbetonqualität

Die Sanierung von Betonflächen nahm einen zentralen Stellenwert ein. Sowohl im Innen- als auch im Außenbereich kamen Verfahren zur Betonsanierung zum Einsatz. Ein besonderes Augenmerk lag auf der sogenannten "Betonkosmetik" und der Herstellung von Sichtbetonqualität. Dies ist bei öffentlichen Bauten oft aus ästhetischen Gründen gewünscht, erfordert aber hohe handwerkliche Präzision bei der Verarbeitung des Frischbetons und der Nachbehandlung. Ein Beispiel für Sichtbetonqualität im Außenbereich ist die neue Außentreppe des Hallenbads.

Bauwerkssicherung und Stahlbau

Die Erneuerung und Sicherung der Bausubstanz umfasste auch den Einsatz moderner Verfahren zur Tragwerksverstärkung. So wurden CFK-Lamellen (Kohlenstofffaserlamellen) eingesetzt. Diese Technologie wird verwendet, um die Tragfähigkeit von Betonbauteilen zu erhöhen, ohne das Bauwerk optisch oder konstruktiv stark zu belasten. Zudem waren umfangreiche Stahlbauarbeiten notwendig, vermutlich für die neue Fassade, die Dachkonstruktion oder zur Unterstützung neuer Installationen.

Abdichtungsarbeiten

In einem Hallenbad sind Abdichtungen das A und O, um Bauschäden durch Feuchtigkeit zu vermeiden. Die verfügbaren Informationen nennen explizit Abdichtungsarbeiten als Teil der Hauptleistungen. Die fachgerechte Ausführung dieser Arbeiten an den Beckenrändern, im Bodenbereich der Nasszellen und an Durchdringungen ist entscheidend für die Langlebigkeit der gesamten Anlage.

Haustechnik: Das Herzstück der Modernisierung

Die Modernisierung der Haustechnik war ein Kernbestandteil des Projekts. Die Anforderungen an ein Hallenbad haben sich seit den 1970er Jahren drastisch geändert.

  • HLKS (Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär): Die Erneuerung der gesamten HLKS-Installation war unumgänglich. Dazu gehörte auch die Sanierung der thermischen Solaranlage. Die Nutzung von Solarenergie zur Warmwasserbereitung im Hallenbad ist eine etablierte Methode zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Die Sanierung dieser Anlage deutet darauf hin, dass die ursprüngliche Anlage entweder defekt oder technologisch veraltet war.
  • Badewasser-Planung: Die Planung und Installation der Badewassertechnik erfordert spezialisiertes Wissen. Dazu gehören die Wasseraufbereitung (Desinfektion, pH-Wert-Regulierung), die Umwälzung und die Beckenreinigung. Die Tatsache, dass ein eigener Fachplaner für Badewasser-Planung erwähnt wird, unterstreicht die Komplexität dieser Anforderungen.
  • Elektroplanung: Die komplette Erneuerung der Elektroinstallation war notwendig, um den aktuellen Sicherheitsstandards (insbesondere im Nassbereich) zu genügen und die Energieversorgung für die neue Haustechnik und das Fitnesscenter zu gewährleisten.

Kosten, Budget und Fertigstellung

Ein entscheidender Erfolgsfaktor für öffentliche Projekte ist die Einhaltung des Budgets. Trotz der erwähnten unvorhergesehenen Herausforderungen – insbesondere dem schlechteren Zustand der Becken und der Komplexität der vorgespannten Elemente – konnte das sanierte Hallenbad zum Schuljahresbeginn 2021 innerhalb des von der Stadt Adliswil bewilligten Budgets übergeben werden.

Dieser Erfolg ist auf die sorgfältige Planung, die transparente Kostenvoranschlagserstellung und die professionelle Bauleitung zurückzuführen. Die Kreditabrechnungen, die in den Dokumenten erwähnt werden, belegen den erfolgreichen Abschluss der Finanzplanung. Auch unter Pandemiebedingungen, die während der Bauphase herrschten, konnte der Zeitplan eingehalten werden, was auf eine hohe Flexibilität und Krisenfestigkeit der beteiligten Firmen und Planer schließen lässt.

Fazit

Die Sanierung und der Umbau des Hallenbads Adliswil stellen ein Musterbeispiel für eine gelungene Modernisierung einer öffentlichen Infrastruktur dar. Das Projekt zeigt, wie durch eine klare strategische Planung, die Einbindung von spezialisierten Fachpartnern und eine Phasen-getrennte Umsetzung auch technisch anspruchsvolle Bestandsgebäude erfolgreich saniert werden können.

Die Herausforderungen waren vielfältig: Von der Sanierung vorgespannter Betonelemente über die Sicherung von Baugruben mittels Spundwänden bis hin zur kompletten Erneuerung der Haustechnik. Dennoch konnte das Projekt termin- und budgetgerecht abgeschlossen werden. Die entstandene Anlage bietet nicht nur einen zeitgemäßen Betrieb mit verbesserter Energieeffizienz, sondern erweitert durch den Neubau des Fitnesscenters und die Schaffung eines Mehrzweckraums auch das Angebot für die Bürger der Stadt Adliswil erheblich. Für Bauherren und Planer in der Baubranche liefert dieses Projekt wertvolle Erkenntnisse über die erfolgreiche Abwicklung komplexer Sanierungsvorhaben im öffentlichen Sektor.

Quellen

  1. Ettinger Partner AG - Hallenbad und Fitnesscenter Adliswil
  2. Erne AG - Referenz Adliswil Sanierung und Umbau Hallenbad
  3. PBM AG - Sanierung und Umbau Hallenbad Adliswil
  4. Referenz-Objekte.ch - Sanierung und Umbau Hallenbad Adliswil
  5. Stadt Adliswil - Exekutivgeschäfte Hallenbad

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