Die Sanierung und der langfristige Erhalt von kommunalen oder von Vereinen betriebenen Badeanstellen stellt eine komplexe Herausforderung dar, die technisches Know-how, solide Finanzplanung und oft auch bürgerschaftliches Engagement erfordert. Das Hallenbad in Duingen dient hierbei als ein prägnantes Beispiel für die Bewältigung dieser Aufgaben. Unter der Trägerschaft des Duinger Sport-Clubs (DSC) und mit Unterstützung des Fördervereins Hallenbad Duingen e.V. werden dort kontinuierlich Maßnahmen zur Instandhaltung, Modernisierung und Erweiterung der Anlage durchgeführt. Dieser Artikel beleuchtet die durchgeführten und geplanten Baumaßnahmen, die spezifischen Herausforderungen bei der Renovierung von Nassbereichen und die Rolle von Förderungen und Ehrenamt.
Herausforderungen bei der Instandhaltung von Hallenbädern
Hallenbäder gelten aufgrund ihrer spezifischen Nutzung als besonders aggressive Umgebungen für Bausubstanz und Technik. Die Quellenlage bestätigt, dass die ständige Feuchtigkeit und die chemischen Belastungen, insbesondere durch Chlor, einen erheblichen Einfluss auf die Materialien haben.
Chemische Belastung und Materialbeständigkeit
Ein zentrales Problem, das in der Sanierungspraxis des Duinger Hallenbads immer wieder auftaucht, ist die aggressive Wirkung des chlorhaltigen Wassers. Wie in den vorliegenden Informationen dargelegt, greift das Chlorwasser Materialien kontinuierlich an. Dies erfordert einen regelmäßigen Austausch oder eine Renovierung von: * Silikonabdichtungen: Diese sind in Nassbereichen essenziell, um das Eindringen von Feuchtigkeit in Bausubstanz zu verhindern. Durch den chemischen Angriff verlieren sie an Elastizität und Dichtwirkung. * Fliesenbeläge: Besonders auf dem Hubboden waren viele Fliesen angegriffen. Hier zeigt sich eine typische Renovierungsproblematik: Oft sind nach Jahren keine identischen Fliesen mehr verfügbar. Im vorliegenden Fall konnte jedoch auf noch vorhandene Restbestände zurückgegriffen werden, was die Reparatur ermöglichte, ohne dass ein kompletter Neubelag notwendig wurde.
Technische Infrastruktur und Betriebssicherheit
Die Betriebssicherheit einer Schwimmbadanlage ist oberstes Gebot. Dazu gehört die Gewährleistung einer funktionierenden Wassertechnik, aber auch die Sicherheit der Besucher im Bereich der Bodenbeläge. Ein besonders signifikantes Projekt war die Erneuerung des Schleppbodens vom Hubboden. Der Schleppboden ist eine bewegliche Bodenplatte, die es ermöglicht, die Wassertiefe zu variieren. Dies ist ein mechanisch komplexes System. Die Renovierung dieses Elements ist eine umfangreiche Maßnahme, die nicht nur die Sicherheit der Badegäste gewährleistet, sondern auch die Funktionalität des gesamten Beckens über Jahrzehnte sichern soll. Laut den Informationen wurde dieser Boden erneuert, mit der Erwartung, dass er nun wieder „einige Jahrzehnte halten sollte“.
Ebenso Teil der technischen Infrastruktur ist die Warmwasserversorgung. Die Notwendigkeit einer Erneuerung zeigt sich oft durch Ausfälle oder ineffiziente Betriebszustände. Im Duinger Hallenbad soll die Erneuerung der Warmwasserversorgung in den kommenden Wochen erfolgen und laut Planung drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Ziel ist es, den Badegästen zu jeder Zeit ausreichend Warmwasser zum Duschen zur Verfügung zu stellen – ein Standard, der heutzutage von Badegästen selbstverständlich erwartet wird.
Strategische Planung und Durchführung von Sanierungsmaßnahmen
Eine effiziente Sanierung erfordert eine sorgfältige Terminierung, um Betriebszeiten und Renovierungsarbeiten optimal aufeinander abzustimmen.
Zeitmanagement: Die Sommerferien als Sanierungsfenster
Ein bewährtes Modell in Duingen ist die Nutzung der Sommerferien für umfangreiche Reparaturarbeiten. Diese Zeit bietet zwei entscheidende Vorteile: 1. Geringere Betriebsstörung: Das Hallenbad kann für den laufenden Betrieb geschlossen werden, was das Arbeiten beschleunigt und sicherer macht. 2. Vermeidung von Reparaturstau: Durch die jährlichen Ferienarbeiten wird verhindert, dass sich Mängel aufstauen und zu größeren Schäden führen.
Konkrete Maßnahmen, die in einem solchen Zeitfenster durchgeführt wurden, umfassen unter anderem den Austausch einer großen Fensterscheibe, die „langsam blind wurde“ (wahrscheinlich durch Beschlag oder Beschädigung der Scheibe), sowie turnusmäßige Malerarbeiten.
Finanzierung und Förderung
Die Finanzierung von Sanierungen in kommunalen oder semi-kommunalen Einrichtungen ist oft ein Zahnstocher. Die Quellen nennen spezifische Zahlen und Förderwege: * Förderbetrag: Für die Sanierungsmaßnahmen der Jahre 2023 und 2024 (netto 242.200,57 Euro) wurde ein Förderbetrag bewilligt. Dies zeigt die Inanspruchnahme öffentlicher Mittel zur Sicherung der Infrastruktur. * Landesförderung: Für die Sanierung, die für die Betriebssicherheit notwendig ist und über 220.000 Euro kostet, wird die Sportstättenförderung des Landes Niedersachsen genutzt. Ziel ist es, die Kosten für den Flecken Duingen zu senken.
Interessant ist die Differenzierung bei der Finanzierung von Erweiterungen. Während die Sanierung der Bausubstanz stark von Förderungen abhängt, werden Erweiterungen des Angebots oft über andere Wege finanziert. Die geplante Erweiterung der Außensauna beispielsweise wird laut Quellenlage „nicht in Anspruch genommen“ (d.h. keine öffentlichen Mittel), sondern durch Spenden und ehrenamtlichen Einsatz finanziert.
Erweiterung und Modernisierung: Der Saunabereich
Neben der reinen Instandhaltung von Becken und Technik spielt die Anpassung an aktuelle Bedürfnisse der Badegäste eine wichtige Rolle. Ein Schwerpunkt in Duingen ist der Saunabereich.
Nachfrageorientierte Erweiterung
Die Nachfrage nach Saunaaufenthalten ist gestiegen. Insbesondere die bestehende Aufgusssauna erreicht an manchen Abenden ihre Kapazitätsgrenzen. Aus Sicht der Betreiber (DSC) ist eine Erweiterung daher notwendig, um den Qualitätsstandard zu halten. Der Wunsch nach einer größeren Aufgusssauna wurde durch direkte Feedback-Abfragen bei den Gästen identifiziert.
Ehrenamt und Ingenieurwesen
Ein bemerkenswerter Aspekt der Planung der Sauna-Erweiterung ist die Einbindung von Ehrenamt und Fachplanung. Die Planung des Projekts begann bereits im Januar 2024 mit einer Grundrisszeichnung. Erstellt wurde diese Zeichnung vom Ingenieurbüro Holst – „ehrenamtlich um Kosten für den Verein zu sparen“. Dies unterstreicht die hohe Identifikation mit dem Projekt und die Notwendigkeit, auch professionelles Wissen ohne direkte Bezahlung einzubringen, um Finanzmittel für die eigentliche Bauleistung zu schonen.
Die Erweiterung der Außensauna begann im März 2025. Es handelt sich hierbei um ein Vorhaben, das sich von den reinen Instandhaltungsmaßnahmen unterscheidet. Es ist eine Investition in die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Bades.
Die Rolle der Eigentümer und Betreiber
Die Struktur der Verantwortlichkeiten ist für das Verständnis der Sanierungsmaßnahmen entscheidend. Es interagieren hier mehrere Instanzen:
- Der Flecken Duingen (Kommune) / Samtgemeinde Leinebergland: Als Eigentümer der Immobilie. Sie ist für die Gewährung von Förderungen und die langfristige Sicherung der Bausubstanz verantwortlich.
- Duinger Sport-Club (DSC): Als Betreiber. Der Verein führt die operativen Geschäfte, plant die Sanierungen, führt Reparaturen durch und ist Ansprechpartner für die Badegäste.
- Förderverein Hallenbad Duingen e.V.: Als gemeinnütziger Verein gegründet (2002) mit dem Ziel, durch Mitgliedsbeiträge, Veranstaltungen und Spenden Einnahmen für Verschönerungen und spezielle Wünsche zu generieren. Er fungiert als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Politik, um die Notwendigkeit von Sanierungen zu verdeutlichen.
Dieses Zusammenspiel ermöglicht es, dass das Hallenbad trotz der hohen Kosten für Sanierungen (z.B. über 220.000 Euro) erhalten bleibt. Die Bürgerinitiative, die dem Förderverein zugrunde liegt, war entscheidend, um in Zeiten der „Bäderschließung“ (eine Phase, in der viele kommunale Bäder in Deutschland geschlossen wurden) den Fortbetrieb in Duingen zu sichern.
Zusätzliche Aspekte: Schall und Komfort
Neben den groben baulichen Maßnahmen werden auch Details des Nutzerkomforts betrachtet. Ein Beispiel ist die Überlegung zu Schallmaßnahmen im Badebereich. Die hohen Decken in Hallenbädern führen oft zu einer starken Schallreflexion, was die Kommunikation zwischen Übungsleitern und Kursteilnehmern erschwert. Es wurde erwogen, Segel (textilien Raumtrenner) zu installieren, um die Akustik zu verbessern. Aktuell wurde jedoch die Sanierung der Lautsprecheranlage verworfen, da eine Überprüfung ergab, dass die bestehende Anlage für die nächste Zeit ausreichend ist. Dies zeigt eine pragmatische Herangehensweise: Investitionen werden nur dann getätigt, wenn ein echter Mehrwert oder eine Notwendigkeit besteht.
Fazit
Die Sanierung des Duinger Hallenbads ist ein lehrreiches Beispiel für modernes Facility-Management im kommunalen Bereich. Die Maßnahmen, die auf Basis der vorliegenden Informationen identifiziert werden konnten, decken ein breites Spektrum ab:
- Regelmäßige Instandhaltung: Durchführung von Arbeiten in den Sommerferien zur Vermeidung von Betriebsstörungen (Fenstertausch, Malerarbeiten, Silikonierung).
- Substanzerhalt: Erneuerung kritischer Bauteile wie des Schleppbodens und der Warmwasserversorgung zur Sicherung der Betriebssicherheit über Jahrzehnte.
- Kostenmanagement: Nutzung von Landesförderungen und kommunalen Zuschüssen für notwendige Sanierungen.
- Angebotserweiterung: Umfangreiche Erweiterung des Saunabereichs, finanziert durch Spenden und Ehrenamt, um auf die Nachfrage der Gäste zu reagieren.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Duinger Sport-Club als Betreiber, dem Förderverein als Unterstützer und der Kommune als Eigentümer bildet das Fundament für den Erfolg der Anlage. Für Bauinteressierte und Verantwortliche in vergleichbaren Einrichtungen zeigt Duingen, wie wichtig eine proaktive Planung, die Einbindung der Nutzer und eine diversifizierte Finanzierungsstrategie für den langfristigen Erhalt von Infrastruktur sind.