Sanierung des Freibads Hangeweiher in Aachen: Planung, Finanzierung und Bauausführung

Die Sanierung und der teilweise Neubau kommunaler Infrastruktur stellen eine der größten Herausforderungen für Städte und Gemeinden dar. Ein prominentes Beispiel für eine solche Großinvestition ist die Sanierung des Freibads Hangeweiher in Aachen. Diese Maßnahme umfasst nicht nur die technische Erneuerung der Becken und Anlagen, sondern auch den kompletten Neubau des Sozialgebäudes. Der folgende Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Projekts, das für die Stadt Aachen von hoher Priorität ist. Er richtet sich an Bauherren, Immobilienbesitzer und Fachhandwerker, die sich für die Planung, Finanzierung und Umsetzung großer Sanierungsprojekte im öffentlichen und privaten Bereich interessieren.

Die Bedeutung kommunaler Sanierungsmaßnahmen

Kommunale Einrichtungen wie Schwimmbäder sind oft jahrzehntealt und unterliegen einem erheblichen Investitionsstau. Die Notwendigkeit, solche Gebäude zu sanieren, ergibt sich aus der Bausubstanz, der Einhaltung moderner Energienormen und der Anpassung an aktuelle Nutzeranforderungen. Im Fall des Freibads Hangeweiher hat die Stadt Aachen den Weg des vollständigen Neubaus des Sozialgebäudes gewählt, während die Becken bereits in den Vorjahren saniert wurden.

Der Weg der Finanzierung durch Bundesmittel

Ein entscheidender Faktor bei der Realisierung solcher Projekte ist die Finanzierung. Oft sind die Kosten für die Sanierung kommunaler Einrichtungen zu hoch, um sie allein aus dem Stadthaushalt zu bestreiten. Hier greifen Förderprogramme des Bundes. Im Fall des Freibads Hangeweiher hat sich der Deutsche Bundestag im Jahr 2020 im Rahmen des Nachtrags zum Bundeshaushalt entschieden, Mittel für das Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ bereitzustellen.

Durch die Aufstockung der Mittel um weitere 600 Millionen Euro bestand die Möglichkeit, zuvor abgelehnte Anträge erneut zu prüfen. Rudolf Henke, Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU), setzte sich gezielt dafür ein, dass der Antrag der Stadt Aachen berücksichtigt wurde. Das Ergebnis war der Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, 1.485.000 Euro für die Sanierung des Freibads Hangeweiher bereitzustellen. Diese Förderung ist ein Beispiel dafür, wie politisches Engagement und die Schaffung neuer finanzieller Spielräume durch den Bund die Umsetzung regionaler Infrastrukturprojekte ermöglichen. Ziel des Bundesprogramms ist es, Investitionsstau bei der Sanierung kommunaler Infrastruktur abzubauen und Projekte mit besonderer regionaler oder überregionaler Bedeutung zu fördern.

Der Neubau des Sozialgebäudes: Planung und Zielsetzung

Der Neubau des Sozialgebäudes stellt den dritten und finalen Sanierungsabschnitt des Freibads Hangeweiher dar. Nach der Sanierung der Technik und der Becken in den vorherigen Jahren konzentriert sich das Projekt nun auf die Infrastruktur für die Besucher.

Architektonische und funktional Neuerungen

Das Konzept für den Neubau beinhaltet eine deutliche Reduzierung der bestehenden Gebäudekubatur. Dies dient dazu, mehr Freiflächen für die Nutzer zu schaffen und die Anlage insgesamt übersichtlicher zu gestalten. Ein zentrales gestalterisches Element ist das neue Zugangs- und Kassenbereichs, das durch ein luftiges, transparentes „Energiedach“ geprägt wird. Dieses Dach ist nicht nur architektonisch ansprechend, sondern auch funktional: Es ist mit Photovoltaikelementen ausgestattet und erzeugt somit Strom für den Betrieb der Anlage. Gleichzeitig schützt es den Kassenbereich und die daran anschließenden Einzelumkleidekabinen sowie die im Freien platzierten Schließfächer vor Witterung.

Das Sozialgebäude selbst wird im Erdgeschoss die wesentlichen Nutzerbereiche beherbergen. Dazu gehören barrierefreie Umkleiden, Sammelumkleiden, Toiletten und Duschräume. Alle Büro-, Sozial- und Lagerräume sind ebenfalls auf dieser Ebene erreichbar, was die Arbeitsabläufe für das Personal optimiert. Die Badleiterwohnung ist im ersten Obergeschoss untergebracht. Diese klare Trennung der Funktionen auf zwei Ebenen gewährleistet einen reibungslosen Ablauf zwischen Kundenbereich und Verwaltung.

Zeitplanung und Herausforderungen der Bauausführung

Die ursprüngliche Planung sah einen Baubeginn im vierten Quartal 2023 und eine Fertigstellung für das zweite Quartal 2025 vor. Ziel der Verwaltung und der Politik war es, die Freibadsaison 2024 auf jeden Fall zu ermöglichen, notfalls mit baulichen Interimslösungen.

Jedoch ergaben sich im Verlauf des Projekts erhebliche Verzögerungen. Nach dem pünktlichen Beginn der Schadstoffsanierung und Entrümpelung im September 2023 wurden die folgenden Rückbau- und Erdarbeiten durch das Wetter massiv behindert. Die massiven und anhaltenden Regenfälle von November 2023 bis ins Frühjahr 2024 führten dazu, dass der Rohbau erst mit einer Verspätung von 16 Wochen beginnen konnte.

Diese Verzögerung hatte direkte Auswirkungen auf den Zeitplan. Da der Verzug innerhalb der geplanten Bauzeit nicht mehr aufgeholt werden konnte, informierte die Verwaltung den Sportausschuss im August 2024, dass sich die Fertigstellung des Neubaus um eine Saison verzögern wird. Das Gebäude wird voraussichtlich erst zur Freibadsaison 2026 in Betrieb genommen. Um trotzdem eine vollständige Freibadsaison im Jahr 2025 zu garantieren, wurden die Bauarbeiten nicht nur verschoben, sondern der Zeitraum für die Fertigstellung verlängert.

Zwischenlösung für die Freibadsaison 2025

Um den Betrieb während der Bauarbeiten aufrechtzuerhalten, sind umfangreiche Maßnahmen notwendig. Ein Zaun soll das Baufeld klar vom laufenden Freibadbetrieb abgrenzen. Dieser Zaun erfüllt mehrere Funktionen: Er sorgt für Sicherheit, reduziert Lärm und vermindert Schmutzeintrag in die Badbereiche.

Der Zugang zum Freibad erfolgt weiterhin über den bisherigen Kassenbereich an der Straße „Am Hangeweiher“, der in dieser Saison jedoch nur von einer Seite aus zugänglich sein wird. Dies führt zwangsläufig zu einer gewissen Einengung im Eingangsbereich. Zwei Tischtennisplatten mussten für die Saison 2025 weichen, um Platz für Container zu schaffen. Es ist jedoch geplant, diese nach Abschluss des Neubaus wieder aufzustellen.

Für diese Interimslösung und die Sicherstellung des Betriebs hat die Stadt 1,8 Millionen Euro investiert. Diese Summe steht im Kontrast zu den fast 6,86 Millionen Euro, die in das neue Gebäude investiert werden. Die Stadt hat sich zudem über 1,48 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm gesichert, was die Bedeutung der Förderung für das Gesamtprojekt unterstreicht.

Technische Details und Attraktionen nach der Sanierung

Die Sanierung des Freibads Hangeweiher umfasst nicht nur das Gebäude, sondern auch die Badetechnik und die Attraktionen, die den Besuchermagnet ausmachen.

Die Becken und die Wassertechnik

Die Becken des Freibads wurden bereits in den Vorjahren saniert. Der Badleiter Torsten Liebl hebt die Qualität der Edelstahlbecken hervor, die nach der Sanierung eine klare Verbesserung darstellen. Edelstahl bietet Vorteile in Bezug auf Hygiene, Langlebigkeit und optische Erscheinung.

Ein wichtiger Aspekt bei der Sanierung von Freibädern ist die Wasserversorgung und -aufbereitung. Im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten am Hangeweiher ist auch die städtische Brunnenanlage betroffen. Da der Hangeweiher durch die Paubachleitung gespeist wird, müssen die von dieser Leitung abhängigen Brunnen in der City von Mitarbeitern des städtischen Gebäudemanagements außer Betrieb genommen werden. Die vom Netzwasser gespeisten Brunnen laufen hingegen weiter, bevor sie bei Frostgefahr ebenfalls in den „Winterschlaf“ geschickt werden. Brunnen, die mit warmem Thermalwasser versorgt werden (z.B. Elisengarten, Neues Kurhaus), können auch im Winter betrieben werden. Dies zeigt die Vernetzung der städtischen Wasserspiele und die Komplexität der Infrastruktur.

Attraktionen für verschiedene Zielgruppen

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten bietet das Freibad eine Vielzahl von Attraktionen. Die neue Breitrutsche ist hierbei ein Highlight. Sie wurde per Spezialtransport aus Döbeln nach Aachen geliefert und ist eine 2,5 Tonnen schwere Edelstahlkonstruktion. Der Transport und die Montage stellten eine logistische Herausforderung dar, konnten aber erfolgreich abgeschlossen werden. Die Rutsche ermöglicht das Rutschen zu viert nebeneinander und ist bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt.

Zusätzlich gibt es Wasserkanonen am Nichtschwimmerbecken, die besonders bei Familien mit Kindern auf Beliebtheit stoßen. Der Kleinkindbereich liegt den ganzen Tag im Schatten großer Bäume und ist somit ideal für die ganz Kleinen.

Das Freibad Hangeweiher richtet sich an verschiedene Zielgruppen: * Sportschwimmer: Morgens, bei kühleren Temperaturen (12 bis 15 Grad), nutzen Sportschwimmer die Bahnen. * Erholungssuchende: Bei Temperaturen bis 20 Grad ist die Liegewiese oft noch leer und bietet Ruhe. * Familien: Bei warmem Wetter und in den Ferien füllt sich das Bad mit Familien und Schulkindern. Es gibt ein ermäßigte Ferienticket.

Betriebsorganisation und Personal

Für den reibungslosen Betrieb eines Freibads ist das Personal entscheidend. Badleiter Torsten Liebl und sein Team bereiten die Saison vor, indem sie putzen, schrubben und auspacken. Ihr Ziel ist es, eine „unbeschwerte und entspannte“ Saison zu gewährleisten. Die Badleiterwohnung im ersten Obergeschoss des neuen Gebäudes sorgt für eine ständige Präsenz und schnelle Entscheidungsfähigkeit bei Problemen.

Die Öffnungszeiten während der Saison (Mai bis Mitte September, bzw. Juni bis August) sind lang, um den unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht zu werden: * Werktags: ab 6:30 Uhr (montags ab 12 Uhr) * Wochenende/Feiertage: ab 7 Uhr * Schließzeit: bis 20 Uhr (bzw. 20:30 Uhr in den Sommermonaten)

Zusammenfassung der Projektphasen und Kosten

Das Projekt Freibad Hangeweiher lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die einen typischen Ablauf bei der Sanierung kommunaler Gebäude widerspiegeln.

Phase Maßnahme Zeitrahmen / Status Kosten (ca.)
Phase 1 & 2 Sanierung der Becken und der Technik Abgeschlossen (vor 2024) Nicht spezifiziert
Phase 3a Neubau Sozialgebäude (Rohbau) Begonnen Sept. 2023, Verzögerung um 16 Wochen, Fertigstellung 2026 6,86 Mio. € (Gebäude)
Phase 3b Interimslösung / Betriebssicherstellung Saison 2025 1,8 Mio. €
Förderung Bundesmittel Bewilligt 2020 1,485 Mio. €

Die Gesamtkosten für das Gebäude belaufen sich auf fast 6,86 Millionen Euro. Hinzu kommen 1,8 Millionen Euro für die Interimslösung. Die Förderung durch den Bund in Höhe von 1,485 Millionen Euro ist ein wesentlicher Zuschuss, der die finanzielle Belastung für die Stadt Aachen reduziert.

Fazit

Die Sanierung des Freibads Hangeweiher in Aachen ist ein umfangreiches Projekt, das die typischen Herausforderungen bei der Erneuerung alter Infrastruktur aufzeigt. Von der Antragstellung und Bewilligung von Bundesmitteln über die Planung eines modernen, barrierefreien Gebäudes bis hin zu den unvorhersehbaren Witterungseinflüssen während der Bauphase.

Die Entscheidung, das Sozialgebäude komplett neu zu errichten, ermöglicht eine zukunftsfähige Ausrichtung des Bads mit Photovoltaik, barrierefreien Zugängen und optimierten Arbeitsabläufen. Die Verzögerung um eine Saison auf 2026 zeigt jedoch auch die Risiken, die mit Bauprojekten im Freien verbunden sind. Trotzdem bleibt die Anlage für die Öffentlichkeit zugänglich, was durch eine aufwendige Interimslösung ermöglicht wird.

Für Bauherren und Projektmanager in der Baubranche dient das Beispiel Hangeweiher als Lehrbuchfall für die Bedeutung von: 1. Fördermanagement: Die aktive Einwerbung von Bundesmitteln. 2. Phasenplanung: Die Unterteilung in Sanierung, Neubau und Betriebssicherung. 3. Risikomanagement: Die Berücksichtigung von Witterungseinflüssen und daraus resultierenden Verzögerungen.

Das Ziel, ein modernes, attraktives Freibad für die Aachener Bevölkerung zu schaffen, wird mit der Fertigstellung im Jahr 2026 erreicht. Bis dahin sorgen bestehende Becken und eine reduzierte Infrastruktur für die notwendige Versorgung mit Bademöglichkeiten.

Quellen

  1. CDU Aachen - 1.485.000 Euro zur Sanierung des Freibads Hangeweiher
  2. Aachener Kinder - Sanierung Freibad Hangeweiher Breitrutsche
  3. Stawag - Sanierungsarbeiten am Hangeweiher
  4. Stadt Aachen - Freibad Hangeweiher

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