Denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung: Das Haus des Lehrers als architektonisches Beispiel

Einleitung

Die Sanierung und denkmalgerechte Modernisierung historischer Gebäude, insbesondere solcher mit signifikanter architektonischer und kultureller Vergangenheit, stellen komplexe Herausforderungen für die Bauindustrie dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Baumaßnahme ist die Wiederherstellung des „Haus des Lehrers“ in Berlin. Dieses Gebäude, einst ein Zentrum der Bildung und ein architektonisches Wahrzeichen der DDR, stand lange Zeit leer und verfiel. Die vorliegenden Informationen beschreiben den Prozess seiner Rettung und Umwandlung in das Berliner Congress Center (BCC). Der Fokus dieser Sanierung lag nicht nur auf der Schaffung moderner Nutzflächen für Kongresse und Büros, sondern vor allem auf der Erhaltung der baugegeschichtlichen Substanz und der Restaurierung ikonischer Kunstwerke, wie des berühmten Mosaikfrieses von Walter Womacka.

Für Bauherren, Architekten und Investoren bietet der Fall des Haus des Lehrers wertvolle Erkenntnisse über die Planung, Finanzierung und Ausführung von Großprojekten im Bestand. Er zeigt, wie durch den Erkauft von Denkmalen und eine sensible Eingriffsweise wertvolle Immobilien erhalten und gleichzeitig wirtschaftlich neu vermietet werden können.

Historischer Kontext und Bedeutung des Gebäudes

Weithin sichtbar bildet die Gebäudegruppe von Haus des Lehrers und Kongresshalle, entstanden in den Jahren 1961 bis 1964 nach Entwurf des Architekten Hermann Henselmann, die südöstliche Begrenzung des Alexanderplatzes in Berlin. Zusammen mit Bernhard Geyer und Jörg Streitparth realisierte Henselmann ein Ensemble, das den Auftakt zum II. Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee markiert.

Die architektonische Qualität des Komplexes liegt in der ungewöhnlichen Ausgestaltung des Hochhauses. Es handelt sich um einen 13-geschossigen Stahlbetonskelettbau mit einer Vorhangfassade. Das markanteste Merkmal ist der über zwei Geschosse reichende, farbige Mosaik-Bildfries von Walter Womacka mit dem Titel „Unser Leben“. Dieses Monumentalgemälde des sozialistischen Realismus stellt Szenen des fröhlichen sozialistischen Lebens dar und ist eines der bekanntesten Werke dieser Epoche. Die Gegenüberstellung der Vertikaldominante des Hochhauses mit dem flachgelagerten, überkuppelten Kubus der Kongresshalle machte die Baugruppe zu einem weit über Berlins Grenzen hinaus einprägsamen modernen Wahrzeichen.

Die Bedeutung dieser Bauten als Zeugnis der Ostmoderne und der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte wurde im Laufe der Zeit erkannt. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz und repräsentieren eine „Gebäudepersönlichkeit“, deren Erhalt für die Baukultur von hohem Wert ist.

Die Ausgangslage: Verfall und Notwendigkeit der Sanierung

Vor der Sanierung befand sich das Haus des Lehrers in einem schlechten Zustand. Die letzten Monate vor Beginn der Baumaßnahmen stand das Gebäude leer. Der Verfall schritt voran, was nicht nur die Bausubstanz gefährdete, sondern auch die Künstler und Denkmalschützer alarmierte. Der Künstler Walter Womacka selbst hielt sich fern vom Anblick des verfallenden Gebäudes, da hunderte Mosaiksteinchen seines Frieses abgeplatzt waren. Diese Schäden machten eine sofortige Instandsetzung unumgänglich, um das bedeutende Kunstwerk unwiderruflich zu verlieren.

Ein weiterer Faktor, der die Sanierung dringend erforderlich machte, war der bautechnisch schlechte Zustand der Vorhangfassade. Eine Erneuerung war unabdingbar. Zudem bestand die Gefahr, dass das Gebäude – wie zuvor einige vergleichbare Bauten in Berlin – baugeschichtlich unterbewertet und schließlich abgerissen werden könnte. Diese Befürchtung wurde jedoch durch die Initiative von Investoren und dem Land Berlin zerstreut.

Planung und Finanzierung des Sanierungsvorhabens

Die Rettung des Hauses des Lehrers war das Ergebnis einer Kooperation zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren.

Vertragspartner und Kosten

Am 20. Dezember 2001 unterschrieben die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte, die Betreibergesellschaft am Köllnischen Park (HaKP) und das Land Berlin einen Kauf- und Nutzungsvertrag. Die Investoren kauften das Haus des Lehrers für 16 Millionen Mark vom Liegenschaftsfonds. Für den gesamten Umbau und die Sanierung waren zusätzliche 50 Millionen Mark vorgesehen (laut Source 2). Eine andere Quelle (Source 1) nennt für die Sanierung 25 Millionen Euro. Diese Diskrepanz in den genannten Beträgen und Währungen lässt darauf schließen, dass die Kostenplanung im Zeitverlauf angepasst wurde oder sich auf unterschiedliche Bauabschnitte bezog. Es ist festzuhalten, dass die Finanzierungssumme im zweistelligen Millionenbereich lag, was das wirtschaftliche Gewicht des Projekts unterstreicht.

Architektenwahl und Zielsetzung

Die Sanierung und der Umbau wurden unter Leitung des Berliner Architekten Kerk-Oliver Dahm vom Büro Dahm Architekten durchgeführt. Das Ziel war klar definiert: Das Gebäudeensemble sollte unter dem Namen Berliner Congress Center (BCC) zu einem Kongress- und Veranstaltungszentrum entwickelt werden. Die Sanierung begann im März 2002 und sollte bis zum Herbst 2003 abgeschlossen sein. Eine wichtige Vorgabe war, dass sich am äußeren Erscheinungsbild des Hochhauses, abgesehen von der Farbe der Fensterscheiben, nichts ändern sollte. Dies unterstreicht den Anspruch, die Denkmalsubstanz äußerlich zu bewahren.

Technische Durchführung und Denkmalschutz

Die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes wie dem Haus des Lehrers erfordert einen sensiblen Umgang mit der Bausubstanz bei gleichzeitiger Erfüllung moderner Nutzungsanforderungen.

Fassadensanierung

Ein zentraler Eingriff betraf die Fassade. Da der Zustand der Vorhangfassade schlecht war, musste sie erneuert werden. Entscheidend für die Denkmalpflege war die Ausrichtung der Erneuerung am Ursprungszustand. Eine Orientierung an der in Gliederung, Glasqualität und Farbe mehrfach veränderten, überlieferten Gestaltung lehnte man ab. Stattdessen wurde die Fassade so rekonstruiert, dass sie dem Originalzustand von 1961-64 entspricht. Auch die Kuppel der Kongresshalle wurde instandgesetzt.

Grundrissveränderungen und innere Eingriffe

Der größte bauliche Eingriff in die Denkmalsubstanz war die Veränderung des Grundrisses im Haus des Lehrers. Ursprünglich verfügte das Gebäude über zwei Treppenhäuser. Im Zuge der Modernisierung wurde ein zentraler Erschließungskern eingebaut, der die beiden ursprünglichen Treppenhäuser ersetzte. Diese Maßnahme diente dazu, die geforderte höhere Flexibilität und Wirtschaftlichkeit der Nutzflächen zu erreichen. Obwohl dies einen massiven Eingriff darstellte, war er notwendig, um das Gebäude für die neue Nutzung als Büro- und Kongresszentrum tauglich zu machen.

In der Kongresshalle hingegen konnte der quadratische, transparent verglaste Flachbau mit den eingestellten kreisrunden Sälen ohne wesentliche und entstellende Veränderungen erhalten werden.

Restaurierung von Kunst und Interieur

Ein wesentlicher Teil der Sanierung war die Restaurierung der künstlerischen Innenausstattung. * Der Mosaikfries: Das markanteste Merkmal, der 125 Meter lange und 8 Meter hohe Mosaikfries „Unser Leben“ von Walter Womacka, wurde umfassend restauriert. Der Künstler selbst arbeitete an der Restaurierung mit, um sein Werk zu erhalten. * Kuppelsaal: Der große Kuppelsaal im ersten Obergeschoss der Kongresshalle wurde technisch und akoustisch aufgerüstet, blieb aber in seiner außergewöhnlichen Gestaltung nahezu unsichtbar modernisiert. * Foyers und Treppen: Die weiträumigen Foyers mit den geschwungenen Treppen wurden restauriert. Die ursprüngliche, kräftige Farbgebung der Decken wurde durch Befunde ermittelt und wiederhergestellt. * Erdgeschoss: Das ehemalige Imbissrestaurant im Erdgeschoss prägen noch immer der holzvertäfelte Tresen und die unregelmäßig angeordneten Deckenstrahler („Milchstraße“). Um die Nutzfläche zu erweitern, wurde die ursprünglich geschlossene Raumschale teilweise durch Schiebewände ersetzt, die eine Verbindung mit dem Foyer ermöglichen. * Kellergeschoss: Ehemalige Küchen- und Nebenräume im Keller wurden zu Veranstaltungsräumen umgebaut.

Die neue Nutzung: Berliner Congress Center (BCC)

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Herbst 2003 wurde das Ensemble unter dem Namen Berliner Congress Center (BCC) eröffnet. Die neue Konzeption sah ein Kongresszentrum mit bis zu 2.500 Sitzplätzen und fast 7.000 Quadratmeter Bürofläche vor.

Die Gebäudegruppe dient nun als Büro-, Kongress- und Veranstaltungsgebäude. Die Kongresshalle wurde am Silvesterball 2003 in Betrieb genommen, das Hochhaus folgte wenig später. Die BCC GmbH warb offensiv und erfolgreich mit der architektonischen Qualität der Nachkriegsarchitektur und der denkmalgerechten Sanierung. Das Projekt zeigt, dass sich der Erhalt von Baudenkmalen wirtschaftlich lohnen kann, da Anfragen für Kongresse bereits bis ins Jahr 2009 reichten.

Zusammenfassung und Fazit

Die Sanierung des Haus des Lehrers in Berlin ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Nutzungsanforderung und wirtschaftlicher Verwertung. Das Projekt umfasste folgende Kernaspekte:

  1. Erhalt der Substanz: Trotz eines schlechten Ausgangszustands der Fassade und schwerer Schäden am Mosaikfries gelang die Rettung des Gebäudes durch den Erwerb durch private Investoren und das Land Berlin.
  2. Sensibler Eingriff: Die Sanierung unter Leitung von Architekt Kerk-Oliver Dahm bewies, dass selbst tiefgreifende Veränderungen, wie der Einbau eines zentralen Erschließungskerns, mit dem Denkmalschutz vereinbar sein können, wenn sie für die Wirtschaftlichkeit des Objekts notwendig sind.
  3. Kunsterhalt: Die aktive Einbindung des Künstlers Walter Womacka bei der Restaurierung des Mosaikfrieses „Unser Leben“ garantierte die Authentizität des Kunstwerks.
  4. Wirtschaftliche Verwertung: Durch die Umwandlung in ein modernes Congress Center mit hochwertigen Büros konnte das Gebäude einer neuen, zukunftssicheren Nutzung zugeführt und als architektonisches Wahrzeichen Berlins erhalten werden.

Das Projekt beweist, dass die Investition in die Substanz historischer Bauten, verbunden mit einer durchdachten Modernisierung, eine nachhaltige und ästhetisch wertvolle Lösung für den Städtebau darstellt.

Quellen

  1. Baunetz - Meldungen: Das Haus des Lehrers in Berlin wird saniert
  2. taz - Haus des Lehrers wird umgebaut
  3. Berlin.de - Haus des Lehrers und Kongresshalle
  4. Berliner Zeitung - Archiv: Das Haus des Lehrers und die Kongresshalle

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