Sanierung und Umgestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale in Berlin: Ein umfassender Fachbericht zu Baukosten, Architektur und Finanzierung

Die Sanierung und der Umbau der Sankt Hedwigs-Kathedrale in Berlin stellen ein herausragendes Beispiel für die denkmalgerechte Sanierung und Neugestaltung eines historischen Sakralbaus dar. Zwischen 2018 und 2024 wurde das prominenteste Gotteshaus des Erzbistums Berlin am Bebelplatz umfassend saniert. Der Prozess war geprägt von architektonischen Innovationen, kontroversen Diskussionen in der Gemeinde und erheblichen finanziellen Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und finanziellen Aspekte des Projekts, das als „Sankt Hedwig Mitte“ ein Katholisches Forum am Bebelplatz bildet.

Projektüberblick und Zeitplan

Die Sanierung der Hedwigs-Kathedrale begann im September 2018 und dauerte sechs Jahre. Am 24. November 2024 erfolgte die feierliche Wiedereröffnung. Ziel der Maßnahme war nicht nur die Instandsetzung des denkmalgeschützten Bauwerks, sondern auch eine liturgische und architektonische Umgestaltung, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird.

Parallel zur Kathedrale erfolgt die Sanierung und der Teilneubau des benachbarten Bernhard-Lichtenberg-Hauses, des früheren Pfarrhauses und Bischofssitzes. Während die Arbeiten an der Kathedrale weitgehend abgeschlossen sind, zog sich das Projekt Bernhard-Lichtenberg-Haus bis ins Jahr 2025 hinein. Das Gesamtprojekt „Sankt Hedwig Mitte“ verfolgt das Ziel, einen Ort der Begegnung zu schaffen, der über reine Gottesdienste hinausgeht. Im Erdgeschoss des Nebengebäudes sind ein öffentliches Café und ein Ausstellungsraum geplant, während die Obergeschosse Seminarräume, einen großen Saal und Dienstwohnungen beherbergen sollen. Architekturbüro Max Dudler plant den Neubau, der sich architektonisch am Altbau von 1914 orientiert und mit einer schlichten Sandsteinfassade versehen wird.

Architektonische und liturgische Neugestaltung

Die Neugestaltung der Kathedrale wurde vom Architekturbüro Sichau & Walter aus Fulda in Zusammenarbeit mit dem Künstler Leo Zogmayer aus Wien realisiert. Ein zentrales Merkmal der Umgestaltung ist die Ausrichtung auf das Prinzip der Communio, also die Gemeinschaft der Gläubigen.

Der Altar und die Raumkonzeption

Der neue Altar wurde als Halbkugel gestaltet und besteht aus Steinspenden der Gemeindemitglieder. Er steht exakt unter der Kuppelöffnung im Zentrum des Raumes. Diese Anordnung unterstreicht die liturgische Bedeutung der Eucharistie als Höhepunkt und Quelle allen kirchlichen Handelns, eine Interpretation, die auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) zurückgeht.

Die Bestuhlung besteht aus schlichten, hellen Holzstühlen mit dunklen Sitzflächen und wird auf einer Ebene rund um den Altar aufgestellt. Dies stellt eine radikale Abkehr von der klassischen Kathedralarchitektur dar, bei der der Altar üblicherweise auf einer Insel oder Bühne abgegrenzt von der Gemeinde platziert wird. Die Architektur öffnet sich zudem bewusst zum Bebelplatz, um einen einladenden Charakter zu wahren.

Die Bodenöffnung und Kontroversen

Besonders umstritten war die Entscheidung, die zentrale Bodenöffnung mit der Treppe zur Unterkirche zu schließen. Diese Öffnung war seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ein herausragendes Merkmal der Kathedrale, da sie die Verbindung zur Unterkirche mit den Grabkapellen der Berliner Bischöfe und der Gruft des 1996 heiliggesprochenen Bischofs Bernhard Lichtenberg ermöglichte.

Erst nach juristischen Auseinandersetzungen konnte ab 2020 der Plan umgesetzt werden, die Öffnung zu schließen und den Altar ins Zentrum zu rücken. Diese Entscheidung spaltete die Gemeinde und die Fachöffentlichkeit. Kritiker sahen darin einen Verlust historischer Substanz und eines bedeutenden architektonischen Merkmals. Befürworter argumentierten mit der liturgischen Notwendigkeit, die Gemeinde um den Tisch des Herrn zu versammeln und Barrieren abzubauen. Der Künstler Leo Zogmayer sah in diesem Abbau von Grenzen eine große Chance für die Kirche, da Klerus und Laien nun gemeinsam und barrierefrei auf einer Ebene versammelt sind.

Kosten und Finanzierung des Gesamtprojekts

Die Finanzierung des Sanierungsprojekts war ein komplexes Unterfangen, das von steigenden Kosten und einer aufgeteilten Mittelvergabe geprägt war.

Ursprüngliche Planung vs. Endkosten

Im Jahr 2016 kalkulierte das Erzbistum Berlin noch mit Gesamtkosten in Höhe von 60 Millionen Euro für die Sanierung der Kathedrale und den Umbau des Bernhard-Lichtenberg-Hauses. Diese Summe setzte sich aus verschiedenen Quellen zusammen: * 30 Millionen Euro aus Mitteln des Erzbistums, * 20 Millionen Euro aus Fördermitteln des Bundes und des Landes Berlin, * 10 Millionen Euro von anderen deutschen Bistümern.

Von diesen 60 Millionen Euro waren 40 Millionen Euro für die Kathedrale selbst veranschlagt. Trotz der langen Bauzeit und der kontroversen Diskussionen blieb das Erzbistum bei den Kosten für die Kathedrale fast im ursprünglichen Plan. Die finalen Kosten für die Sanierung der Hedwigs-Kathedrale werden mit 44,2 Millionen Euro angegeben.

Kostensteigerung beim Bernhard-Lichtenberg-Haus

Deutlich teurer wurde jedoch die Umbaumaßnahme des Bernhard-Lichtenberg-Hauses. Während man ursprünglich von einem Budget ausging, das im Rahmen der 60 Millionen Euro Gesamtkosten für beide Gebäude lag, musste das Erzbistum die Kalkulation deutlich nach oben korrigieren. Aktuell geht man für die gesamte Baumaßnahme (Kathedrale und Haus) nicht mehr von 60 Millionen Euro, sondern von rund 78 Millionen Euro aus. Der Großteil der Kostensteigerung ist somit auf das Nebengebäude zurückzuführen, dessen Sanierung und Teilneubau erst Ende 2025 abgeschlossen sein werden.

Bauausführung und Ausschreibungen

Die Planung und Realisierung der Baumaßnahmen folgten strengen vergaberechtlichen Vorgaben. Für den Neubau des Bernhard-Lichtenberg-Hauses erfolgte eine europaweite Ausschreibung durch das Erzbistum Berlin, die das Architekturbüro Max Dudler für sich entscheiden konnte.

Ausschreibungen zur Sanierung und Umgestaltung von „Sankt Hedwig Mitte“ wurden über das Deutsche Vergabeportal (DTVP) veröffentlicht. Interessierte Unternehmen konnten über Suchbegriffe wie „hedwig“, „kathedrale“ oder „BLH“ (Bernhard-Lichtenberg-Haus) die aktuellen Ausschreibungen einsehen. Dies unterstreicht die Transparenz und die Einbindung von Fachfirmen in die Realisierung der komplexen Sanierungsarbeiten.

Wirtschaftliche Bedeutung und Besucherzahlen

Die Sanierung hat die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Kathedrale für Berlin gestärkt. Im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung besuchten rund 400.000 Menschen die sanierte Kirche. Dompropst Tobias Przytarski berichtete, dass sich die Gottesdienstteilnahme sehr erfreulich entwickelt habe und die Besucherzahlen sich vorsichtig geschätzt verdoppelt haben.

Das große Interesse zeigt sich auch an den Anfragen nach Führungen und Konzerten. Diese Nachfrage kann laut Dompropst „nur mit Mühe“ bedient werden, was auf das Potenzial des Objekts als kultureller und touristischer Anziehungspunkt hindeutet. Für Bauinteressierte und Immobilienbesitzer in Berlin-Mitte signalisiert die Investition in die Kulturinfrastruktur eine Aufwertung des Standorts.

Fazit

Die Sanierung der Sankt Hedwigs-Kathedrale ist ein Musterbeispiel für eine denkmalgerechte Rekonstruktion, die liturgische Innovationen mit historischer Substanz verbindet. Trotz erheblicher budgetärer Herausforderungen und architektonischer Kontroversen – insbesondere der Schließung der Unterkirchenöffnung – konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Die Investition von 44,2 Millionen Euro in die Kathedrale und die geplanten 78 Millionen Euro für das Gesamtprojekt „Sankt Hedwig Mitte“ schaffen eine moderne, barrierefreie und architektonisch bedeutsame Stätte. Die hohen Besucherzahlen belegen den Erfolg des Konzepts, liturgische Räume neu zu definieren und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt zu stellen. Das Projekt dient als wichtiger Referenzfall für zukünftige Sanierungen von Sakralbauten in Deutschland.

Quellen

  1. katholisch.de - Sanierung der Berliner Hedwigs-Kathedrale
  2. nordkurier.de - Sankt Hedwigs-Kathedrale wird nach Sanierung wieder eröffnet
  3. hedwigs-kathedrale.de - Umgestaltung
  4. hedwigs-kathedrale.de - Kosten und Finanzierung
  5. katholisch.de - Im ersten Jahr rund 400.000 Besucher in sanierter Hedwigs-Kathedrale
  6. rbb24.de - Eroffnung St. Hedwigs-Kathedrale Berlin

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