Die Sanierung und der Umbau des Heinz-Steyer-Stadions in Dresden stellen ein bedeutendes Projekt im sächsischen Bauwesen dar. Die legendäre Sportstätte im Dresdner Ostragehege, einst Zeitschichtung der DDR-Sportgeschichte, wurde in den vergangenen Jahren einer kompletten Transformation unterzogen. Der Umbau zielte darauf ab, das Stadion von einer reinen Leichtathletikarena zu einer multifunktionalen Sportstätte zu entwickeln, die modernen Ansprüchen an Veranstaltungstechnik, Barrierefreiheit und Nutzervielfalt gerecht wird. Dieser Artikel beleuchtet den Bauprozess, die technischen Herausforderungen und die neue Ära des Stadions aus der Perspektive von Bauexperten und Projektmanagement.
Historischer Kontext und Ausgangslage
Das Heinz-Steyer-Stadion war jahrzehntelang ein fester Bestandteil des Dresdner Sportlebens, verlor aber über die Zeit an moderner Infrastruktur. Die Notwendigkeit eines Umbaus wurde bereits vor Jahren erkannt. Wie in Quelle [7] beschrieben, wurde am 1. Juli 2019 im Rahmen einer europaweiten Vergabe ein wettbewerblicher Dialog ausgeschrieben, um einen Generalunternehmer für den Komplettumbau zu finden. Ziel war es, einen Partner zu finden, der die komplexen Anforderungen eines modernen Stadionbaus umsetzen kann.
An drei Firmen bzw. Arbeitsgemeinschaften beteiligten sich am Verfahren: die Bietergemeinschaft BAM Sports GmbH / BAM Deutschland AG, die Ed. Züblin AG Stuttgart sowie die HABAU Hoch- und Tiefbaugesellschaft. Die Entscheidung fiel im November 2020, als eine 13-köpfige Expertenjury der Stadt Dresden sich für den Entwurf der BAM entschied, die inzwischen von der ZECH Group aufgekauft wurde [7]. Dieser Schritt markierte den Beginn der konkreten Planungs- und Bauphase.
Der Bauablauf: Abriss, Neubau und Logistik
Der eigentliche Baubeginn fiel in das Jahr 2021. Quelle [3] nennt den Oktober 2021 als Startschuss für den Abriss des altehrwürdigen Heinz-Steyer-Ovals. Dieser Abriss war notwendig, um Platz für die neuen Strukturen zu schaffen. Ein zentrales Element des Neubaus ist die 140 Meter lange Südtribüne, die die altehrwürdige Steintribüne ersetzt [7].
Die neue Südtribüne
Die neue Südtribüne stellt das architektonische und funktionale Herzstück des neuen Stadions dar. Es entsteht ein vierstöckiges Gebäude [7]. Dieser Bau ist nicht nur für Zuschauersitzplätze gedacht, sondern beherbergt vielfältige Nutzungen. Die Planung sah multifunktionale Sport-, Fitness- und Tagungsräume vor [6]. Durch die Errichtung eines solchen Gebäudes wird das Stadion deutlich aufgewertet und bietet nun Räumlichkeiten, die weit über den reinen Leichtathletikbetrieb hinausgehen.
Veränderungen im Spielfeld und den Rängen
Der Umbau betraf nicht nur die Tribünen, sondern auch das Spielfeld selbst. Um Platz für neue Anlagen zu schaffen, wurde das Spielfeld leicht versetzt. Ein konkretes Beispiel ist der Weitsprung, dessen Anlagen die Seite wechselten [7]. Des Weiteren wurden die historischen Kurven abgetragen. Dies geschah nicht nur aus statischen Gründen, sondern auch, um den Boden für den späteren Einsatz von mobilen Tribünen vorzubereiten [7].
Bereits vor dem großen Umbau gab es auf der Nordseite Veränderungen: Die historische Holztribüne wurde beginnend mit März 2015 abgerissen und im Mai 2017 durch einen überdachten Ersatztribünenbau für etwa 1.800 Zuschauer ersetzt [7]. Diese Maßnahme diente dazu, während der laufenden Sanierung am Südende den Spielbetrieb teilweise aufrechtzuerhalten oder zumindest eine Basis für Veranstaltungen zu schaffen.
Zeitplan und Verzögerungen
Ein häufiges Thema bei Großbauprojekten sind Terminverschiebungen. Auch das Heinz-Steyer-Stadion blieb davon nicht verschont. Die Bauzeit war auf "gut zwei Jahre" angesetzt [2]. Der geplante Baubeginn war im Sommer 2021, mit einer Fertigstellung im Herbst 2023 oder Frühjahr 2024.
Laut Quelle [6] gab es "diverse Kostensteigerungen und andere Probleme", die das Projekt immer wieder verzögerten. Konkret wurde im letzten Jahr (2023) eine Eröffnung für 2024 in Aussicht gestellt. Die Stadt Dresden gab schließlich einen konkreten Termin für die Übergabe und Fertigstellung heraus. Nach den Angaben von Quelle [2] fand die Schlüsselübergabe der Stadt vom Bauträger am 30. Juni 2024 statt. Darauf folgte eine Phase, in der der Eigenbetrieb Sportstätten und Bäder die Sportstätte bezog und ab 15. Juli 2024 konnten die Nutzer, wie der 1. Squash Club Dresden e.V., folgen [2].
Die eigentliche Eröffnung wurde auf den 30. August 2024 terminiert [1] [2]. Dieser Termin markierte das Ende der Bauzeit und den Beginn der Nutzung. Es ist bemerkenswert, dass trotz der Verzögerungen das Projekt letztlich abgeschlossen werden konnte und eine neue Ära einläutete.
Kosten und Finanzierung
Die Dimensionen des Projekts lassen sich an den Kosten ablesen. Quelle [6] spricht von einer Investitionssumme von "rund 50 Mio. Euro". Quelle [4] nennt sogar eine Summe von "54 Millionen Euro". Diese Mittel wurden für eine grundlegende Modernisierung und den Ausbau zu einem Multifunktionsstadion aufgewendet.
Mit den Investitionen wurden Erwartungen verbunden. Das Stadion soll künftig wieder den Ansprüchen internationaler Wettbewerbe genügen [6]. Die Investition umfasste dabei nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die technische Ausstattung, die für moderne Sportveranstaltungen notwendig ist.
Technische Ausstattung und Herausforderungen
Ein modernes Stadion lebt von seiner technischen Infrastruktur. Hier gab es während und nach dem Bau interessante Entwicklungen, die exemplarisch für die Komplexität solcher Projekte stehen.
Das LED-Lichtband und die Anzeigetafel
Ein besonderes technisches Merkmal des neuen Stadions ist ein 18 Meter langes LED-Lichtband. Dieses Band kostet 62.000 Euro und soll an die alte Anzeigetafel mit 9000 Glühbirnen erinnern [4]. Es ist äußerlich am Stadion angebracht.
Allerdings zeigte sich schnell ein Problem: Die neue Leuchtschrift flimmert außen am Stadion, ist für Spielstand-Anzeigen im Stadioninneren jedoch nicht nutzbar [4]. Das Fehlen einer funktionierenden Anzeigetafel war so gravierend, dass beim Spiel der Sachsenliga-Fußballer des Dresdner SC gegen Laubegast im September eine selbst gemalte Anzeigetafel aus Spanplatte, roter und schwarzer Farbe eingesetzt werden musste [4].
Dieser Vorfall wurde in der Öffentlichkeit als peinlich wahrgenommen. Die Stadtverwaltung wies Fehler zwar zurück und betonte, dass es sich weder um Verfehlungen noch um vergessene Leistungen handle [4]. Dennoch wurde eine Nachbesserung angekündigt. Sportbürgermeister Jan Donhauser erklärte, dass geplant sei, eine Anzeigetafel im Jahr 2025 zu erwerben, was einen gut sechsstelligen Betrag kosten soll [4].
Weitere technische Aspekte
Neben der Anzeigetafel ist die Gesamtkapazität ein wichtiger Faktor. Mit inklusiven optionalen, temporären Tribünen kann eine Kapazität von bis zu 15.000 Plätzen erreicht werden [6]. Dies ermöglicht die Durchführung großer Events. Zudem wurde die Innenfläche komplett neu hergerichtet [7], was für die Leichtathletik-Anforderungen essenziell ist.
Die neue Nutzung: Multifunktionalität und Events
Das Stadion wurde explizit als Multifunktionsstätte konzipiert [3] [6]. Ziel ist es, nicht nur Leichtathletik, sondern auch andere Sportarten und Veranstaltungen zu ermöglichen.
Eröffnung und erste Events
Die Eröffnung fand am 30. August 2024 mit einem internationalen Leichtathletik-Meeting statt, das unter dem Namen "Goldenes Oval" an die glorreichen Zeiten der 1980er Jahre anknüpfen soll [1]. Das Event war Teil der World Athletics Continental Tour und lockte Spitzensportler wie Johannes Vetter (Speerwurf) und Max Heß (Dreisprung) nach Dresden [1].
Das Eröffnungswochenende umfasste neben dem Meeting am Freitag einen Tag der offenen Tür am Samstag, den 31. August [2]. Dieser Zeitplan war Teil einer sorgfältigen Vorbereitung. Bereits ab 15. Juli 2024 begannen die Nutzer mit dem Bezug und der Einrichtung [2]. Der 1. Squash Club Dresden e.V. nutzt die Anlage ebenfalls [2], was die Multifunktionalität unterstreicht.
Zukünftige Nutzung
Es bestehen Ambitionen, das Stadion für weitere hochkarätige Events zu nutzen. In einer Anfrage an den Oberbürgermeister (Quelle [5]) wird nach zukünftigen Sportevents gefragt. Es wird erwähnt, dass 2025 bereits die FINALS und die World Transplant Games im Stadion stattfanden. Die Frage zielt darauf ab, welche vergleichbaren nationalen und internationalen Sportevents sich die Landeshauptstadt Dresden aktuell erhofft und mit welchen Verbänden Gespräche geführt werden.
Quelle [3] bestätigt zudem, dass im Juli/August 2025 die Deutsche Meisterschaften der Leichtathleten (FINALS 2025) im Heinz-Steyer-Stadion stattfinden werden. Dies zeigt, dass das Stadion nach der Eröffnung sofort in den regulären Betrieb für hochrangige Wettbewerbe übergegangen ist.
Bauwerk und Architektur
Das Stadion liegt im Dresdner Ostragehege und ist nach dem Umbau "Dresdens vielfältigste Sportstätte" [3]. Die Architektur verbindet moderne Anforderungen mit der Geschichte des Ortes. Die Visualisierungen (Quelle [3]) zeigen einen Neubau, der sich in das Umfeld einfügt, aber durch seine moderne Struktur (Südtribüne) einen klaren Bruch mit den alten, baufälligen Strukturen darstellt.
Der Neubau wurde durch eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) geplant, an der die ZECH Group (früher BAM) beteiligt war [3]. Die Zusammenarbeit zwischen Planern, Bauträgern und der Stadt Dresden war entscheidend für die Umsetzung. Die Entscheidung für den Generalunternehmer BAM/ZECB im November 2020 war der Startschuss für die Realisierung der in Quelle [3] gezeigten Visionen.
Zusammenfassung der Bauphase
Zusammenfassend lässt sich der Ablauf in Phasen gliedern:
- Planung und Vergabe (2019-2020): Ausschreibung und Auswahl des Generalunternehmers BAM.
- Abriss (Oktober 2021): Beseitigung der alten Bausubstanz, insbesondere der Steintribüne und der Kurven.
- Neubau (2022-2024): Errichtung der 4-stöckigen Südtribüne, Neugestaltung des Spielfeldes, Einbau von mobilen Tribünenplätzen.
- Technische Nachrüstung (Juni-August 2024): Übergabe an die Stadt, Bezug durch Nutzer, Installation von Technik (LED-Lichtband, aber Fehlen der Anzeigetafel).
- Eröffnung (August 2024): Festwochenende mit Leichtathletik-Event und Öffnung für die Öffentlichkeit.
Fazit
Das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden durchlief eine tiefgreifende Transformation von einem veralteten Leichtathletikstadion zu einer modernen, multifunktionalen Sportstätte. Die Investition von rund 54 Millionen Euro ermöglichte die Schaffung einer Infrastruktur, die internationale Wettbewerbe ermöglicht und breiten Sport fördert. Trotz Verzögerungen in der Bauzeit und technischer Herausforderungen, wie der fehlenden Anzeigetafel, markiert die Eröffnung im August 2024 einen Wendepunkt.
Für Bauinteressierte ist das Projekt ein Lehrbeispiel für komplexe Sanierungsvorhaben im Bestand. Die Notwendigkeit, historische Bausubstanz abzutragen, gleichzeitig aber die Identität des Ortes durch Namen und Event-Gestaltung ("Goldenes Oval") zu bewahren, ist bemerkenswert. Die fehlende Anzeigetafel zeigt zudem, dass selbst bei hochdotierten Projekten die Detailplanung in der Ausschreibung und Ausführung kritisch sein kann und Nachbesserungen im Betrieb erforderlich werden können. Das Stadion ist nun bereit, die sportliche Tradition Dresdens in das 21. Jahrhundert zu tragen.
Quellen
- Dresden: Umgebautes Steyer-Stadion eröffnet mit Top-Events
- Eröffnung des Heinz-Steyer-Stadions am letzten August Wochenende!
- Stadion-Dresden: Historie, Neubau, Events
- Radio Dresden: Nach Millionen-Sanierung bastelt sich das Steyer-Stadion eine Anzeige-Tafel
- SPD Fraktion Dresden: Zukunftige Nutzung des Heinz-Steyer-Stadions
- Stadionwelt: Fertigstellungstermin für Heinz-Steyer-Stadion steht
- Stadion-Dresden: Neubau Vision