Totalsanierung des ehemaligen „Horrorhochhauses“ in Krefeld: Vom Problemobjekt zu modernem bezahlbarem Wohnraum

Einleitung

Die Revitalisierung von brachliegenden Immobilien und die Sanierung von Baudenkmälern stellen eine der zentralen Herausforderungen im deutschen Wohnungsmarkt dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Transformation ist das Projekt an der Alten Gladbacher Straße in Krefeld. Was jahrzehntelang als baufälliges Hochhaus, bekannt als „Horror-Hochhaus“ oder „Lost Place“, für Städtebauliche Missstände sorgte, wird nun im Rahmen einer umfassenden Totalsanierung zu einem modernen Wohnquartier.

Dieses Vorhaben verdeutlicht die wachsende Bedeutung der Bestandssanierung gegenüber einem reinen Abriss. Durch die gezielte Unterstützung von Landesförderungen und das Engagement privater Investoren entsteht hier ein neues Wohnviertel, das sowohl bezahlbaren Wohnraum schafft als auch die städtebauliche Qualität des Umfelds erheblich aufwertet. Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, die technischen und finanziellen Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung für die Bauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

Die Ausgangslage: Ein jahrzehntelanger städtebaulicher Missstand

Das ehemalige Studentenwohnheim an der Alten Gladbacher Straße in Krefeld war über zwei Jahrzehnte ein Symbol für Verfall und Vandalismus. Das zwölfstöckige Gebäude stand leer und war weithin sichtbar durch seine heruntergekommene Fassade und Graffitis geprägt. Für die Anwohner und die Stadt Krefeld stellte das Hochhaus einen erheblichen städtebaulichen Missstand dar. Oberbürgermeister Frank Meyer beschrieb die Situation als „herausfordernd“, da das private Areal wie ein „Schandfleck“ auf das umliegende Wohnviertel wirkte.

Neben der optischen Beeinträchtigung barg das Gebäude erhebliche Sicherheitsrisiken. In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu Bränden, die teils durch Jugendliche verursacht wurden, die das leerstehende Gebäude für gefährliche Mutproben nutzten. Zudem wurde in dem Gebäude eine Leiche gefunden, was den Ruf als gefährlicher Ort verstärkte. Für die „Lost-Place-Szene“ in Nordrhein-Westfalen galt das Hochhaus als berüchtigter Anlaufpunkt, was den Verfall weiter beschleunigte.

Vorarbeiten und Rückbau

Bevor mit der eigentlichen Sanierung begonnen werden konnte, waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Der Zustand des Gebäudes war so desolat, dass eine umfassende Entsorgung von Schutt und Müll erforderlich war. Die Quellen berichten übereinstimmend, dass mehr als 100 Container mit Schutt, Müll und Taubenkot entsorgt werden mussten. Diese Räumungs- und Rückbauarbeiten dauerten insgesamt fünf Monate an. Erst nach dieser grundlegenden Säuberung und Sicherung des Objekts konnte das Projekt „Place to bau“ starten.

Das Sanierungskonzept: Kernsanierung statt Abriss

Eine zentrale Entscheidung in der Projektplanung war der Verzicht auf einen kompletten Abbruch. Stattdessen entschied man sich für eine Kernsanierung des bestehenden Hochhauses. Investor Christian Wilhelm Paschertz, Inhaber der W. Paschertz Grundstücks GmbH, und die verantwortlichen Politiker setzten auf den Erhalt der Bausubstanz in Kombination mit einer vollständigen Modernisierung.

Technische Umsetzung und Neubau

Das zwölfstöckige Hochhaus wird einer Totalüberholung unterzogen. Ziel ist die Schaffung eines modernen, hellen Gebäudes. Die geplanten 54 Wohneinheiten im Bestandsgebäude sollen über Balkone verfügen und eine Wohnfläche zwischen 50 und 90 Quadratmetern aufweisen.

Ergänzend zum sanierten Hochhaus entsteht auf dem Grundstück ein weiterer moderner Bauriegel. Dieser Neubau wird in einer modernen Beton-Holzbauweise errichtet. Besonderes Augenmerk liegt hier auf der Barrierefreiheit: Die 27 neuen Wohnungen im Neubau sind voll barrierefrei gestaltet, was die Inklusion und die Eignung für alle Altersgruppen sicherstellt. Diese Mischung aus Sanierung und Neubau ermöglicht eine dichte und vielfältige Bebauung des Areals.

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Ein wesentlicher Aspekt moderner Bauplanung ist die Energieeffizienz. Für die Beheizung des sanierten Hochhauses und des Neubaus soll Fernwärme zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung trägt dazu bei, die Heizkosten für die zukünftigen Mieter niedrig zu halten. Gleichzeitig wird durch den Einsatz von Fernwärme ein signifikanter Beitrag zum Umweltschutz geleistet. Die Quellen nennen eine Einsparung von rund 190 Tonnen CO₂ pro Jahr. Dies unterstreicht, dass Sanierung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch sinnvoll sein kann, wenn moderne Heiztechnologien integriert werden.

Förderung und Finanzierung: Ein Modell für schwierige Standorte

Die Realisierung eines solchen umfangreichen Sanierungsprojekts ist ohne öffentliche Unterstützung kaum zu bewältigen. Die Sanierung des „Horrorhochhauses“ ist ein Paradebeispiel für die Wirksamkeit der Wohnraumförderung in Nordrhein-Westfalen.

Öffentliche Zuschüsse

Das Land Nordrhein-Westfalen stellt für dieses Projekt rund 15,3 Millionen Euro aus der öffentlichen Wohnraumförderung bereit. Diese Summe ist entscheidend, um die Wirtschaftlichkeit der Sanierung und des Neubaus zu sichern. Der Investor Christian Wilhelm Paschertz betonte in diesem Zusammenhang, dass solche Vorhaben ohne die gezielte Unterstützung durch das Land „kaum zu realisieren wären“. Die Angebote der Modernisierungsförderung machen es möglich, dass Investoren Verantwortung übernehmen und neuen Wohnraum schaffen – auch an schwierigen Standorten, die über Jahrzehnte leerstanden.

Wirtschaftliche Zielsetzung

Das Projekt verfolgt das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Von den insgesamt 81 neuen Wohnungen, die durch die Sanierung des Hochhauses und den Neubau entstehen, sind 68 Wohnungen öffentlich gefördert. Dieser hohe Anteil an gefördertem Wohnraum sichert die langfristige Bezahlbarkeit der Mieten und adressiert damit die aktuelle Knappheit auf dem Wohnungsmarkt. Die Zusammenarbeit zwischen privatem Investor und öffentlicher Hand zeigt, wie städtebauliche Sanierungen erfolgreich umgesetzt werden können.

Bedeutung für die Stadtentwicklung und die Bauwirtschaft

Das Projekt in Krefeld geht über eine reine Gebäudesanierung hinaus. Es ist ein Impuls für die gesamte Quartiersentwicklung.

Städtebauliche Aufwertung

Durch die Beseitigung des jahrzehntelangen Missstands wird das Umfeld des Hochhauses erheblich aufgewertet. Der „Schandfleck“ wird zu einem attraktiven Wohnstandort. Dies steigert die Lebensqualität in dem Viertel und kann sich positiv auf die Immobilienwerte in der näheren Umgebung auswirken. Die Stadtverwaltung Krefeld hat engagiert daran gearbeitelt, diesen Standort zu entwickeln, und begrüßt das Engagement des Investors ausdrücklich.

Vorbildfunktion für andere Kommunen

Das Vorhaben dient als Leuchtturmprojekt für den Umgang mit sogenannten „Problemimmobilien“. Die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, Ina Scharrenbach, formulierte es als Kampf gegen Problemimmobilien, „nicht nur mit dem Abrisshammer, sondern auch mit neuen Lösungen“. Die Entscheidung für eine Totalsanierung statt Abbruch zeigt, dass Bausubstanz, sofern sie tragfähig ist, wertvoll ist und durch Modernisierung wieder zu hohem Standard gebracht werden kann. Dies ist eine wichtige Botschaft für andere Städte und Gemeinden, die mit leerstehenden Gebäuden konfrontiert sind.

Zeitplan und Perspektiven

Das Großprojekt ist auf mehrere Jahre ausgelegt. Die Bauarbeiten haben im Mai 2025 mit dem symbolischen Spatenstich offiziell begonnen. Laut Planung soll das Bauprojekt bis zum Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Dann endet das Kapitel des „Lost Places“ und macht Platz für modernes, gefördertes Wohnen mitten in Krefeld. Die Fertigstellung stellt einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Stadt dar.

Fazit

Die Sanierung des ehemaligen „Horrorhochhauses“ in Krefeld ist ein herausragendes Beispiel für eine zukunftsweisende Baustrategie. Das Projekt vereint städtebauliche Notwendigkeit, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Machbarkeit. Durch die Kombination aus einer Kernsanierung des bestehenden Hochhauses und dem Bau eines neuen, barrierefreien Wohnriegels entsteht ein attraktives Wohnquartier mit 81 neuen Wohnungen.

Die entscheidenden Faktoren für den Erfolg sind die Partnerschaft zwischen einem engagierten Investor und der öffentlichen Hand, die durch hohe Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen ermöglicht wurde. Das Projekt beweist, dass selbst Objekte, die jahrzehntelang als unattraktiv galten und massive Sicherheitsrisiken bargen, durch kluge Planung und Investitionen zu wertvollem Wohnraum transformiert werden können. Es ist ein Gewinn für die Stadt Krefeld, für das Viertel und insbesondere für die Menschen, die hier eine neue Heimat finden werden.

Quellen

  1. Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW
  2. WDR
  3. Xity
  4. Ruhr24
  5. Standort Niederrhein

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