Modernisierung, Infrastruktur und Neubau: Ein umfassender Überblick über Bauprojekte und Sanierungsmaßnahmen in Hagen

Die Stadtentwicklung in Hagen befindet sich aktuell in einer Phase intensiver Veränderung und Modernisierung. Von der grundlegenden Erneuerung verkehrswichtiger Achsten über die Errichtung moderner Freizeiteinrichtungen bis hin zu nachhaltigen Wohnbauten und der Klärung von Sanierungsstau bei Altbeständen – die Bandbreite der Projekte ist vielfältig. Für Eigentümer, Bauinteressierte und Fachkreise bietet der aktuelle Stand der Arbeiten wichtige Einblicke in die strategische Ausrichtung der Stadt und die angewendeten Bauweisen. Dieser Artikel beleuchtet die relevantesten Vorhaben, basierend auf den vorliegenden Informationen.

Verkehrswegesanie-rung: Die Hohenlimburger Straße

Eine der zentralen Infrastrukturmaßnahmen stellt die komplette Umgestaltung der Hohenlimburger Straße dar. Der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) hat die Arbeiten aufgenommen, die sich über eine Länge von rund 780 Metern zwischen der Straße Zur Hünenpforte und dem Brückenbauwerk über die Bahnlinie erstrecken.

Bauablauf und Verkehrsführung

Die Maßnahme ist in fünf Bauabschnitte unterteilt, wobei vier Abschnitte zusätzlich in nördliche und südliche Bereiche gegliedert sind. Der Baubeginn erfolgte am 13. Oktober im nördlichen Abschnitt zwischen den Einmündungen Färberstraße und Hohenlimburger Straße 203. Eine erste Teilausbildung der Arbeiten in diesem Abschnitt dauert voraussichtlich zwei Monate. Während der gesamten Bauzeit, die insgesamt etwa ein Jahr betragen wird, regelt eine Ampelanlage den Verkehr, um die Durchgängigkeit zu gewährleisten.

Technische Ausführung und Entwässerung

Im Fokus der Sanierung steht die Asphaltdecke, die auf der gesamten Länge und Breite erneuert wird. Der bestehende zweistreifige Straßenquerschnitt bleibt dabei erhalten. Ein wesentlicher technischer Aspekt ist die Neuordnung der Straßenentwässerung auf der gesamten Länge. Das anfallende Regenwasser wird in eine neu errichtete „Sibi-Pipe“-Anlage (laut Quelle: „Sedi-Pipe“) geleitet. Dort erfolgt die Behandlung und Ableitung gemäß den geltenden Richtlinien, was einen Beitrag zum Gewässerschutz leistet.

Umgestaltung der Haltestellen und multifunktionale Wege

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Umgestaltung der Haltestellen im Bereich zwischen der Straße Zur Hünenpforte und der verschobenen Überquerungshilfe. Die bestehenden Bushaltestellen Zur Hünenpforte werden als Haltestellenkap neu gestaltet. Die bisherigen Busbuchten entfallen, und die Haltestellen werden an den Fahrbahnrand verschoben. Gleichzeitig werden sie barrierefrei umgebaut, was die Nutzerfreundlichkeit für Mobilitätseingeschränkte deutlich erhöht.

Besonders hervorzuheben ist die Neugestaltung des Mehrzweckstreifens rechtsseitig in Fahrtrichtung Hohenlimburg. Dieser Bereich, der die Bushaltestellen und die Einmündung der Färberstraße umfasst, wird vom WBH zu einem kombinierten Geh- und Radweg umgestaltet. Ab der Einmündung Alte Stadt bis zur Brücke über die Bahnanlage bleibt der Straßenquerschnitt dagegen im ursprünglichen Zustand; hier beschränken sich die Arbeiten auf eine Asphaltdeckensanierung. Die Färberstraße wird zudem im fünften Bauabschnitt saniert, wobei die Asphaltdecke gefräst und neu hergestellt sowie Teile des Gehweges und der Bordsteinanlage erneuert werden.

Für die Anwohner bedeutet dies zwar Beeinträchtigungen, der WBH weist jedoch explizit darauf hin, dass die betroffenen Anlieger im Vorfeld informiert werden und die unvermeidbaren Störungen mit Verständnis getragen werden sollen.

Freizeit- und Sportinfrastruktur: Das neue Schwimmbad in Henkhausen

Ein Projekt von besonderer Bedeutung für die Freizeitqualität ist der Neubau des Schwimmbads im Stadtteil Henkhausen. Auf dem historischen Gelände des ehemaligen Freibads entsteht eine moderne Ganzjahres-Sport- und Freizeitoase.

Bauweise und technische Ausstattung

Das Projekt, das rund 12 Millionen Euro kostet, ist darauf ausgelegt, sowohl Leistungssport als auch Breitensport sowie Schule und Freizeit zu bedienen. Im Mittelpunkt steht ein „wettkampfgerechtes“ Hauptbecken mit sechs Bahnen. Eine besondere technische Innovation ist der Hubboden, der eine flexible Einstellung der Wassertiefe bis zu zwei Metern ermöglicht. Diese Flexibilität ermöglicht den Betrieb von Disziplinen wie dem Wasserball, für die es künftig wieder eine Heimat gibt.

Ergänzt wird die Halle durch ein kleineres Freibadbecken unter freiem Himmel, das besonders im Sommer genutzt werden soll. Die Gesamtwasserfläche beträgt 720 Quadratmeter bei einer Brutto-Grundfläche von 1.900 Quadratmetern.

Ein entscheidender technischer Aspekt, der für die Effizienz der Anlage spricht, ist der innovative Technikkeller. Er ermöglicht den getrennten Betrieb von Innen- und Außenbecken, was eine hohe Flexibilität in der Nutzung und im Energiemanagement bietet.

Finanzierung und Zeitplan

Das Vorhaben wird durch Fördermittel in Höhe von sieben Millionen Euro unterstützt. Der Abriss des alten Freibads begann im Frühjahr 2024. Trotz der Komplexität der Anlage ist die Fertigstellung für Ende 2025 geplant. Die Betriebsgesellschaft wird von der Hohenlimburger Schwimmverein Betriebsgesellschaft, der Depenbrock Systembau GmbH und den Krieger Architekten getragen, wobei der Zuschlag im Rahmen eines EU-weiten Vergabeverfahrens erfolgte. Ziel ist es, den Charme des alten Freibadgeländes mit den weitläufigen Liegewiesen und Sportflächen im Freien zu erhalten und in die neue Struktur zu integrieren.

Nachhaltiger Wohnungsbau: Das Projekt „Lenne Twins“

Angesichts der steigenden Nachfrage nach bezahlbarem und modernem Wohnraum setzt Hagen auf den Neubau nach hohen energetischen Standards. Das Projekt „Lenne Twins“ in der Langenkampstraße 14 ist hierfür ein prägnantes Beispiel.

Architektur und Energiestandard

Auf dem ehemaligen Gelände der alten Hoesch-Verwaltung entstehen zwei Gebäude mit insgesamt 64 modernen und nachhaltigen Wohnungen. Eine Hälfte der Wohneinheiten (32 Wohnungen) wird öffentlich gefördert errichtet. Beide Gebäude werden nach dem KfW 40 EE Standard errichtet. Dieser energetische Standard zeichnet sich durch eine extrem hohe Energieeffizienz und den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien aus.

Eine besondere technische Besonderheit ist die Nutzung von Geothermie. Über zwei Brunnen wird die Wärme des Lennegrundwassers für die Heizungsanlage genutzt. Dies ist eine effiziente und umweltschonende Form der Wärmeversorgung, die den Betriebskosten der Mieter zugutekommen sollte.

Wohnraumtypologie und Förderung

Die Wohnungen sind als Ein-, Zwei- und Vierzimmerwohnungen konzipiert. Ein entscheidendes Merkmal ist die barrierefreie Erreichbarkeit aller Wohnungen sowie die Ausstattung mit Balkon oder Terrasse. Die Lage direkt in der Innenstadt von Hohenlimburg mit Nähe zu Geschäften, Ärzten und dem ÖPNV stellt eine hohe Lebensqualität sicher.

Für die 32 öffentlich geförderten Wohnungen beträgt die Bewilligungsmiete aktuell 6,65 Euro pro Quadratmeter. Diese Mietpreisbindung ist ein wichtiges Instrument, um bezahlbaren Wohnraum für verschiedene Einkommensgruppen zu sichern. Die Stadt Hagen hat für das Projekt eine Förderzusage in Höhe von 8,6 Millionen Euro erteilt, was die Bedeutung des Vorhabens für die Stadtentwicklung unterstreicht.

Sanierungsmanagement: Der Fall Anna-Siedlung und strategische Stadtpolitik

Neben dem Neubau spielt auch die Sanierung von Bestandsimmobilien eine Rolle. Die Diskussion um die Anna-Siedlung zeigt die Komplexität solcher Prozesse und die Notwendigkeit städtischer Steuerung.

Hintergrund und aktueller Status

Die Anna-Siedlung wurde 2009 privatisiert. Laut damaliger Einschätzung war die Siedlung bereits zu diesem Zeitpunkt sanierungsbedürftig, mit einem hohen Anteil an leerstehenden Wohnungen (ca. 80 %). Die städtische Baugesellschaft hätte den enormen Sanierungsstau aus eigener Kraft nicht bewältigen können, was die Privatisierung damals notwendig machte.

Aktuell befindet sich die Liegenschaft in einem Rechtsstreit, der die Sanierung verzögert. Ein Gerichtsurteil hat die Rückführung der Siedlung an die Stadt Hagen ermöglicht. Der Insolvenzverwalter prüft derzeit das Urteil, zeigt sich aber grundsätzlich offen für eine Entwicklung der Liegenschaft.

Strategische Lehren und künftige Ausrichtung

Die Erfahrungen mit der Anna-Siedlung haben die städtische Politik beeinflusst. Der Oberbürgermeister hat klargemacht, dass eine solche Entwicklung künftig vermieden werden soll. Die Stadt nutzt heute Vorkaufsrechte konsequent, um Spekulationen zu begrenzen und Verkäufe an klare Sanierungsauflagen zu knüpfen. Ziel ist es, Sanierungsstau frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, dass Immobilien in einen Zustand der Desinvestition geraten. Die Sanierung der Anna-Siedlung soll nun, sobald die rechtlichen Fragen geklärt sind, möglichst bald erfolgen, um den Bestand zu sichern und aufzuwerten.

Kurzfristige Synergieeffekte: Sanierung des Asselborner Wegs

Ein Beispiel für effizientes Ressourcenmanagement im kommunalen Bereich ist die Sanierung des Asselborner Wegs. Ursprünglich war die Maßnahme nicht mehr für das aktuelle Jahr vorgesehen. Durch kurzfristig nutzbare Synergieeffekte aus anderen Bauprojekten ergab sich jedoch die Möglichkeit, die Arbeiten jetzt kosteneffizient umzusetzen.

Für die Anlieger entstehen durch diese Maßnahme keine Kosten; es werden keine Straßenbaubeiträge erhoben. Während der Bauarbeiten wird die Erreichbarkeit für Feuerwehr und Rettungsdienste gewährleistet, und die Müllentsorgung wird in enger Abstimmung sichergestellt. Dies unterstreicht den Versuch, Infrastrukturarbeiten so zu planen, dass Beeinträchtigungen minimiert und Synergien maximal genutzt werden.

Fazit

Die Bau- und Sanierungsaktivitäten in Hagen zeigen eine klare strategische Ausrichtung auf Modernisierung, Nachhaltigkeit und eine Verbesserung der Lebensqualität.

  1. Infrastruktur: Die Sanierung der Hohenlimburger Straße geht über eine reine Oberflächenbehandlung hinaus. Durch die Umstellung auf barrierefreie Haltestellen, die Einrichtung kombinierter Geh- und Radwege und eine moderne Regenwasserbehandlung (Sedi-Pipe) werden verkehrstechnische, soziale und ökologische Aspekte integriert.
  2. Freizeit: Der Neubau des Schwimmbads in Henkhausen setzt mit innovativer Technik (Hubboden, getrennte Beckensteuerung) Maßstäbe und bewahrt gleichzeitig die traditionellen Freiflächen des Areals.
  3. Wohnen: Das Projekt „Lenne Twins“ demonstriert, wie moderner, energieeffizienter Wohnungsbau (KfW 40 EE, Geothermie) mit öffentlicher Förderung realisiert werden kann, um bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum zu schaffen.
  4. Bestandsmanagement: Die Vorgänge um die Anna-Siedlung verdeutlichen die Notwendigkeit einer aktiven städtischen Immobilienpolitik, um Sanierungsstau zu vermeiden und den denkmalgeschützten Bestand zu sichern.

Für Eigentümer und Bauherren in der Region Hagen bedeutet dies, dass sich die Stadt aktiv um die Verbesserung der Rahmenbedingungen kümmert – sei es durch Aufwertung der Infrastruktur, Schaffung neuer Freizeitangebote oder die Förderung nachhaltigen Bauens. Die Projekte zeigen zudem, dass moderne Bautechniken und energetische Standards increasingly zum Standard werden, was für zukünftige Investitionen eine wichtige Orientierung bietet.

Quellen

  1. Hagen.de - Neugestaltung und Deckensanierung der Hohenlimburger Straße
  2. Come-on.de - Soll noch in diesem Jahr öffnen: Sport- und Freizeit: Hagen-Henkhausen bekommt neues Schwimmbad
  3. In-gl.de - Stadt zieht Sanierung des Asselborner Wegs vor
  4. Hagen.de - Stadt fördert Neubauprojekt in Hohenlimburg
  5. Tagesschau.de - Jahrelanger Rechtsstreit: Stadt Hanau darf verfallene Anna-Siedlung zurückkaufen

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