Umgestaltung der Neusser Straße in Köln-Nippes: Kreisverkehr, Verkehrskonzepte und die Zukunft des Stadtteils

Die Neusser Straße im Kölner Stadtteil Nippes ist eine der zentralen Hauptachsen des Viertels. Sie fungiert als Einkaufsmeile, Wohnstraße und wichtige Verkehrsader gleichermaßen. Seit Jahren existieren Planungen und Überlegungen zur grundlegenden Neugestaltung dieses Abschnitts, um die Lebensqualität zu erhöhen und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Umbaumaßnahmen, die geplanten Verkehrsführungen und die damit verbundenen Diskussionen unter besonderer Berücksichtigung der Perspektiven für Eigentümer, Bewohner und Fachleute aus der Baubranche.

Aktueller Stand der Umgestaltung

Die Neusser Straße befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen, die bereits vor über einem Jahrzehnt eingeleitet wurden. Im Jahr 2010 wurde durch das Leverkusener Verkehrsplanungsbüro Isaplan ein erstes umfassendes Konzept vorgestellt. Dieses sah vor, alle sechs Ampelanlagen im 1100 Meter langen Abschnitt zwischen dem Abzweig Kempener Straße und der Kreuzung Niehler Kirchweg durch Alternativen wie Kreisverkehre, begehbare Mittelstreifen oder verkehrsberuhigte Shared-Space-Bereiche zu ersetzen. Ziel war es, mehr Platz für Fußgänger, Radler und Begrünung zu schaffen. Die Bezirksvertretung Nippes nahm das Konzept damals begeistert auf.

Im Jahr 2017 präsentierte die Stadt erstmals konkrete Umbaupläne. Ein entscheidender Schritt zur Verwirklichung dieser Vision war die Entscheidung, den geplanten Kreisverkehr am Abzweig Kempener Straße als ersten Schritt der Umgestaltung priorisiert zu bearbeiten. Im Dezember 2021 fiel der formale Planungsbeschluss für diesen Teilabschnitt. Seit Mai 2021 gilt zudem Tempo 30 auf der Neusser Straße.

Eine Bürgerbefragung im August 2021 ergab eine uneinheitliche Stimmung bezüglich der Verkehrsführung. Eine einfache Mehrheit der Teilnehmenden votierte für eine autofreie Neusser Straße, dicht gefolgt von der Option der Einbahnstraße und einer reinen Verkehrsberuhigung im Zentrum. Die Stadtverwaltung favorisiert letztgenannte Variante. Um die Planungshoheit zu stärken, wurde beantragt, den Nippeser Teil der Neusser Straße von einer Bundes- zur Gemeindestraße herabzustufen. Bis Ende 2022 sollten laufende Vorentwürfe ausgearbeitet und im Winter 2022/23 der Bezirksvertretung vorgelegt werden.

Der Kreisverkehr als Maßnahme der Verkehrssicherheit

Ein zentraler Baustein der unmittelbaren Umsetzung ist der Ersatz der Ampelanlage am Knotenpunkt Neusser Straße / Kempener Straße / Auerstraße durch einen Kreisverkehr. Dieses Vorhaben wurde von Bezirksvertretung, Verkehrsausschuss und Rat im August und September 2023 final beschlossen.

Technische Spezifikationen und Kosten: Der geplante Kreisverkehr wird einen Außendurchmesser von 30 Metern erhalten. Diese Größe ist notwendig, damit auch Linienbusse, wie beispielsweise die Linie 147, die Anlage problemlos durchfahren können. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 2,2 Millionen Euro (andere Quellen nennen 1,4 Millionen Euro, die Angaben variieren je nach Planungsstand). Laut der Stadt soll die Maßnahme die Verkehrssicherheit verbessern und Verkehrsstörungen sowie Wartezeiten reduzieren. Der Baubeginn ist vorbehaltlich der Beschlüsse für das Jahr 2024 vorgesehen, andere Angaben planen das dritte Quartal 2026 als Starttermin.

Auswirkungen auf den Radverkehr: Die Planung sieht vor, den Radverkehr durch den Kreisverkehr zu führen. Dies stellt eine Änderung gegenüber bisherigen Konzepten dar und erfordert eine sorgfältige Integration in die Verkehrsinfrastruktur, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Zudem ist eine Verbesserung der Fußwege geplant, konkret die Verbreiterung der Gehwege.

Erhalt der Bepflanzung: Ein Aspekt, der für die ästhetische und städtebauliche Qualität relevant ist, betrifft die 110 Jahre alte Kastanie an der Ecke Neusser Straße / Auerstraße. Entgegen anfänglicher Befürchtungen bleibt der Baum erhalten und wird durch die Bauarbeiten nicht beeinträchtigt.

Verkehrsführung und Umlegung von Verkehrslasten

Die Errichtung des Kreisverkehrs und die damit verbundene Schließung der Ampel lösen eine Debatte über die Verteilung der Verkehrslasten auf die umliegenden Straßen aus. Insbesondere Anwohner des angrenzenden Nippeser Südostens äußern Bedenken.

Die Situation im Umfeld: Um aus dem Viertel Richtung Zoobrücke oder Niehler Straße zu gelangen, soll der Verkehr künftig anders gelenkt werden. Die Bezirksvertretung Nippes beschloss im April 2022 auf Grünen-Antrag hin, die Einbahnstraße zwischen Niehler Straße und Eichstraße umzukehren. Dies betrifft die Verkehrsführung in der Eichstraße, die derzeit von Nord nach Süd (von der Wilhelmstraße zur Auerstraße) führt. Um aus dem Viertel herauszukommen, müsste sich zwingend auch die Einbahnstraßen-Regelung in der Eichstraße ändern.

Bürgerproteste und Besorgnis: Anwohner der Schenkendorfstraße, eine schmale Straße, die als Einbahnstraße beidseitig von der Eichstraße wegführt, haben 110 Unterschriften gegen die geplante Drehung der Einbahnstraßen-Richtung auf der Auerstraße übergeben. Ihre Befürchtung ist, dass der gesamte Verkehr, der bisher über die Auerstraße floss, nun über die Eich- und Schenkendorfstraße geführt wird. Ein Anwohner wies darauf hin, dass die Eichstraße "sogar noch stärker belastet" sei als die Schenkendorfstraße, da sie breiter ist und der Verkehr zwangsläufig über sie laufen würde.

Vermeidung von Schleichverkehr: Ein Aspekt der Planung ist die Gestaltung der Schenkendorfstraße. Die Idee, die Einbahnstraßen-Regelung dort zu ändern, wird von den Anwohnern abgelehnt. Historisch gesehen konnte man bis Ende der 1980er Jahre von der Niehler zur Neusser Straße durchfahren, was zu viel Durchgangsverkehr führte. Um diesen „Schleichweg“ unattraktiv zu machen, ist ein zusätzlicher Schlenker in der Verkehrsführung vorgesehen. Als Alternative plädieren Kritiker darauf, erst abzuwarten, wie sich der Verkehr nach der Eröffnung des Kreisels verteilt, oder für einen direkten Linksabbieger von der Neusser Straße in Richtung Zoobrücke.

Städtebauliche und wirtschaftliche Aspekte

Die Veränderungen an der Neusser Straße wirken sich direkt auf das Umfeld und die Wirtschaft des Viertels aus.

Neubau und Baulückenschließung: In direkter Nähe, an der Kempener Straße, entsteht ein neues Mehrfamilienhaus mit 6 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit als Baulückenschließung. Das Baujahr wird mit 2022-2023 angegeben, wobei es sich hierbei um die Planungs- und Ausführungsphasen 1 bis 8 handelt. Der Baukörper ist klassisch gestaltet, besitzt aber eine „außergewöhnliche Lochfassade“, die versucht, zwischen den unterschiedlichen Traufhöhen der Nachbarbebauungen zu vermitteln. Dies zeigt, dass die städtebauliche Verdichtung im Zuge der Verkehrsberuhigung einhergeht.

Bürgerbeteiligung und Akzeptanz: Die Diskussionen um die Verkehrsführung zeigen, dass technische Lösungen wie Kreisverkehre nicht isoliert betrachtet werden können. Die Bürgerbefragung im August 2021 brachte zutage, dass die Wünsche der Anwohner stark von den städtischen Planungen abweichen. Während die Verwaltung eine reine Verkehrsberuhigung favorisiert, strebt die Mehrheit der Befragten eine weitgehende Autofreiheit an. Auch Themen wie mehr Aufenthaltsqualität, Begrünung, Entsiegelung und Wasserflächen sowie weniger Parkplätze wurden als wichtigste Wünsche genannt. Diese Diskrepanzen gilt es in der weiteren Planung aufzulösen.

Fazit

Die Umgestaltung der Neusser Straße in Köln-Nippes befindet sich in einer kritischen Phase der Umsetzung. Mit dem beschlossenen Bau eines Kreisverkehrs am Knotenpunkt Kempener Straße/Auerstraße wird ein erster konkreter Schritt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Verkehrsflusses realisiert. Die Maßnahme kostet rund 2,2 Millionen Euro und soll bis 2026 realisiert werden.

Jedoch birgt die Veränderung der Verkehrsführung Konfliktpotenzial. Die Umlegung von Verkehrslasten auf nachgeordnete Straßen wie die Eich- und Schenkendorfstraße stößt auf erheblichen Widerstand der Anwohner, die eine Überlastung ihrer Wohnstraßen befürchten. Die Entscheidung, die 110 Jahre alte Kastanie zu erhalten, wird als positiver Aspekt gewertet.

Langfristig bleibt das Ziel einer vollständigen Umgestaltung der Neusser Straße hin zu einer verkehrsberuhigten, grünen und aufenthaltsorientierten Meile bestehen. Dies erfordert jedoch die Herabstufung der Straße zur Gemeindestraße, um der Stadt mehr Planungskompetenz zu geben, sowie eine Fortführung der Bürgerbeteiligung, um die unterschiedlichen Interessen von Verkehrssicherheit, Wirtschaft und Wohnqualität in Einklang zu bringen. Für Bauinteressenten und Eigentümer in diesem Abschnitt bedeuten die Veränderungen eine langfristige Aufwertung des Standorts, verbunden mit temporären Belastungen während der Bauphase.

Quellen

  1. fuer-nippes.de
  2. ksta.de
  3. 24rhein.de
  4. fuer-nippes.de
  5. baumodul.com

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