Ein energieeffizientes Zuhause ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch eine lohnende Investition in die Zukunft der eigenen Immobilie. Besonders bei der Sanierung älterer Gebäude ergeben sich erhebliche Potenziale, den Energieverbrauch zu senken und den Komfort zu steigern. Ein zentraler Begriff in diesem Kontext ist der Standard „KfW 70“, insbesondere in Kombination mit der Erneuerbare-Energien-Klasse (EE). Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Quellen alle relevanten Aspekte für Hausbesitzer, die ihre Bestandsimmobilie auf diesen Standard sanieren möchten. Wir behandeln die technischen Anforderungen, die Förderlandschaft und die praktische Umsetzung.
Was ist ein KfW 70 Effizienzhaus?
Das KfW-Effizienzhaus 70 definiert einen energetischen Standard, bei dem der Energiebedarf des Gebäudes auf 70 Prozent des sogenannten Referenzgebäudes (KfW 100) begrenzt wird. Ein Effizienzhaus 70 verbraucht also nur 70 Prozent der Primärenergie eines Standardgebäudes [1, 2]. Dieser Standard wird meist durch eine Kombination aus guter Dämmung der Gebäudehülle, effizienten Heizsystemen und dem Einsatz erneuerbarer Energien erreicht [1].
Obwohl der Standard KfW 70 im Neubau seit 2016 als veraltet gilt und von der KfW nicht mehr gefördert wird, da modernere Standards wie KfW 40 EE oder 40 NH die neue Mindestanforderung darstellen, ist er für die Sanierung von Bestandsgebäuden nach wie vor relevant und förderfähig [2]. Für Bestandsimmobilien ist der Standard oft eine realistische und wirtschaftliche Zielsetzung, um den Energiebedarf signifikant zu senken. Ein Effizienzhaus 70 verbraucht nach der Sanierung 30 Prozent weniger Primärenergie und weist einen um 15 Prozent niedrigeren Transmissionswärmeverlust auf als ein KfW-Effizienzhaus 100 [4].
Abgrenzung zu anderen Standards
Im Vergleich zu strengeren Standards wie KfW 55 oder KfW 40 ist ein KfW 70 Haus energetisch weniger effizient, benötigt also mehr Energie als ein KfW 55 Haus. Allerdings sind die Anforderungen an KfW 55 höher, was zu höheren Baukosten führt. Kurzfristig ist das Effizienzhaus KfW 70 aufgrund geringerer Investitionskosten oft die attraktivere Option. Langfristig können ein KfW 55 oder sogar ein KfW 40 Haus jedoch mehr Energie und Kosten einsparen [1]. Die Wahl des Standards hängt also von der individuellen Situation, dem Budget und den langfristigen Energieeinsparzielen ab.
Die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE)
Die Variante KfW 70 EE (Erneuerbare-Energien-Klasse) stellt eine besondere Form des Standards dar. Sie kombiniert den energetischen Standard mit der Integration von erneuerbaren Energien. Für die Sanierung auf den KfW 70 EE Standard gelten spezifische Anforderungen, die über die reine Dämmung und Effizienz der Heizung hinausgehen. Die Förderung für diese Klasse ist besonders attraktiv, da sie den Einsatz von Technologien wie Wärmepumpen oder Solarthermie honoriert.
Technische Anforderungen und Maßnahmen
Um den KfW 70 Standard zu erreichen, müssen spezifische Anforderungen eingehalten werden [1]. Die Maßnahmen konzentrieren sich primär auf zwei Bereiche: die Gebäudehülle und die Heizungstechnik.
Abdichtung der Gebäudehülle
Eine abgedichtete Gebäudehülle ist das Fundament für jeden Effizienzstandard. Nur so wird sichergestellt, dass nur ein Minimum an Energie unkontrolliert an die Außenwelt verloren geht [2]. Zu den zentralen Maßnahmen gehören:
- Dämmung: Eine umfassende Dämmung von Wänden, Dach und Bodenplatte ist oft unerlässlich [1]. Die Maßnahmen müssen so geplant werden, dass der Transmissionswärmeverlust signifikant sinkt.
- Fenster und Türen: Maueröffnungen wie Fenster und Türen sind Schwachstellen im Wärmeschutz. Der Austausch alter, wärmedurchlässiger Fenster gegen Fenster mit isolierender Mehrfachverglasung (Wärmeschutzverglasung) ist eine der effektivsten Maßnahmen [1, 2].
Heizungstechnik und erneuerbare Energien
Die Heizung ist der zweite wichtige Hebel. Neben der hydraulischen Abgleichung der Heizungsanlage zur Optimierung des Wirkungsgrads [1] ist der Einsatz effizienter Systeme entscheidend. Für die Erreichung des KfW 70 EE Standards ist die Integration von erneuerbaren Energien zwingend. Typische Maßnahmen sind:
- Installation von Wärmepumpen: Diese nutzen Umweltenergie zum Heizen und sind besonders effizient.
- Solarthermie: Zur Unterstützung der Warmwasserbereitung und Heizung.
- Kombination aus PV-Anlage und Wärmepumpe: Eine solche Kombination wird in der Praxis als bewährt angesehen und fördert die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen [2].
Ein Energieberater ist für die Beantragung der Förderung und die Umsetzung der Anforderungen zwingend erforderlich. Er erstellt den Sanierungsfahrplan und prüft die Maßnahmen [1].
Förderung und Finanzierung
Die KfW bietet für die Sanierung auf den KfW 70 Standard attraktive Kredite und Tilgungszuschüsse an. Die Förderung ist besonders lukrativ, wenn die Erneuerbare-Energien-Klasse (EE) oder die Nachhaltigkeits-Klasse (NH) erreicht wird [1]. Zudem gibt es spezielle Programme für besonders schlecht dämmende Gebäude (Worst Performing Buildings, WPB) und für serielle Sanierungen (SERSAN), die zusätzliche Zuschläge bieten [1].
KfW-Kredit und Tilgungszuschuss
Der Standard für die Sanierung wird primär über das KfW-Programm 261 umgesetzt [3]. Die Konditionen sind wie folgt:
- Kredithöhe: Für ein Effizienzhaus 70 beträgt der Kredit bis zu 120.000 Euro pro Wohneinheit. Für die Klassen EE und NH (Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit) steigt der Kredit auf bis zu 150.000 Euro [1, 3].
- Tilgungszuschuss: Dieser Zuschuss wird direkt von der Restschuld des Kredits abgezogen und muss nicht zurückgezahlt werden. Beim Standard KfW 70 beträgt der Zuschuss 10 Prozent der Kreditsumme, was bei einem Kredit von 120.000 Euro einem Zuschuss von 12.000 Euro entspricht [1].
- Erhöhte Förderung für EE/NH: Bei Erreichen der Klassen EE oder NH steigt der Tilgungszuschuss auf 15 Prozent. Bei einem Kredit von 150.000 Euro bedeutet das einen Zuschuss von bis zu 22.500 Euro [1, 3]. Die Zinsen für diese Kredite sind besonders niedrig; als Annuitätendarlehen oder endfälliges Darlehen sind sie ab einem effektiven Jahreszins von 2,29 % verfügbar [3].
Zusatzförderungen
Zusätzliche Förderungen sind für bestimmte Ausgangslagen möglich: * Worst Performing Buildings (WPB): Gebäude, die hinsichtlich des energetischen Sanierungszustands zu den schlechtesten 25 % in Deutschland gehören, erhalten einen Zuschlag von +10 % zur Kredithöhe [1]. * SERSAN (Serien Sanierung): Im Rahmen einer seriellen Sanierung, bei der Elemente vorgefertigt und effizient montiert werden, gibt es einen Zuschlag von +15 % [1].
QNG-Siegel und Nachhaltigkeit
Ein besonderes Merkmal ist das QNG-Siegel (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude). Dieses Siegel bewertet nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte. Es stellt sicher, dass nachhaltige Materialien verwendet und umweltfreundliche Bauprozesse eingehalten werden. Für Gebäude, die dieses Zertifikat erlangen, sind die Förderungen oft noch höher [5]. Die Nachhaltigkeits-Klasse (NH) ist hier eng verknüpft und zielt darauf ab, CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus zu begrenzen [1].
Kosten der Sanierung
Die Kosten für die Sanierung auf KfW 70 Standard hängen stark von den individuellen Gegebenheiten und den notwendigen Maßnahmen ab. Im Schnitt liegen die Mehrkosten für zusätzliche Dämmung, effiziente Heizsysteme und erneuerbare Energien zwischen 400 und 500 Euro pro Quadratmeter [1]. Diese Kosten können durch die KfW-Förderung erheblich gesenkt werden. Eine detaillierte Kostenaufstellung ist für eine realistische Planung unerlässlich.
Beispielhafte Kostenübersicht (basierend auf den Quellen)
| Maßnahme | Beschreibung | Indikative Kostenfaktoren (basierend auf Quellen) |
|---|---|---|
| Dämmung | Dämmung von Wänden, Dach, Bodenplatte | Abhängig von Fläche und Dämmstoff |
| Fenstertausch | Einbau von Wärmeschutzverglasung | Pro Fenster, abhängig von Größe und Profil |
| Heizungstausch | Installation von Wärmepumpe oder Solarthermie | Hohe Anfangsinvestition, aber langfristige Einsparung |
| Hydraulischer Abgleich | Optimierung der Heizungsanlage | Relativ geringe Kosten, hohe Effizienzsteigerung |
| Beratung/Energieberater | Pflicht für Förderung | Kosten für Energieausweis und Sanierungsfahrplan |
Die genannten Kosten sind Schätzwerte. Die tatsächlichen Ausgaben variieren je nach Gebäudealter, Bausubstanz und regionalen Preisen.
Beantragung der Förderung
Die Beantragung der KfW-Förderung folgt einem standardisierten Prozess. Es ist entscheidend, die Anträge vor Baubeginn zu stellen [3]. Der Prozess lässt sich in mehrere Schritte unterteilen:
- Energieberater hinzuziehen: Ein zertifizierter Energieberater ist obligatorisch. Er prüft die Voraussetzungen und plant die Sanierungsmaßnahmen.
- Antragstellung bei der KfW: Der Antrag auf Kredit und Tilgungszuschuss wird über die KfW gestellt, meist in Zusammenarbeit mit einer finanzierenden Bank.
- Durchführung der Sanierung: Nach Genehmigung der Förderung können die Arbeiten beginnen.
- Nachweisführung: Nach Abschluss der Arbeiten muss der Energieberater die erfolgreiche Umsetzung bestätigen, damit der Tilgungszuschuss ausgezahlt wird.
Das Portal RENEWA bietet hierzu Unterstützung an, um die beste Förderung für das jeweilige Vorhaben zu finden [1].
Fazit
Die Sanierung auf den KfW 70 EE Standard stellt eine effektive Möglichkeit dar, den Energieverbrauch einer Bestandsimmobilie signifikant zu senken und den Wohnkomfort zu erhöhen. Obwohl der Standard im Neubau überholt ist, bleibt er für die Altbausanierung eine wirtschaftlich attraktive Option. Durch die Kombination aus umfassender Dämmung, dem Austausch von Fenstern und der Integration erneuerbarer Energien wie Wärmepumpen oder Solarthermie wird der Standard erreicht. Die staatliche Förderung über die KfW macht das Vorhaben finanziell attraktiv: Mit Tilgungszuschüssen von bis zu 15 Prozent und zinsgünstigen Krediten bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit (für die EE- oder NH-Klassen) lassen sich die hohen Investitionskosten deutlich absenken. Die Einbindung eines Energieberaters ist hierbei unerlässlich, um den Sanierungsfahrplan zu erstellen und die Fördergelder zu sichern. Für Hausbesitzer, die langfristig Kosten sparen und den Wert ihrer Immobilie sichern wollen, ist der Weg zum Effizienzhaus 70 EE ein klarer Schritt in eine nachhaltige Zukunft.