Die Sanierung historischer Kirchenbauten stellt Bauherren, Handwerker und Gemeinden vor komplexe Aufgaben. Neben der reinen Instandsetzung von Bausubstanz müssen oft Denkmalschutzauflagen, ökologische Gegebenheiten sowie finanzielle Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche umfassende Renovierung ist die Pfarrkirche St. Georg in Siberatsweiler, einem Ortsteil der Gemeinde Achberg im Landkreis Lindau. Die Sanierung dieses Kirchengebäudes bietet detaillierte Einblicke in die Planung und Durchführung von Bauvorhaben an historischen Sakralbauten unter spezifischen ökologischen und logistischen Herausforderungen.
Ausgangslage und Sanierungsbedarf
Die Pfarrkirche St. Georg in Siberatsweiler weist eine lange Geschichte auf. An dieser Stelle wurde bereits 1424 eine mittelalterliche Kirche geweiht. Das heutige Gebäude ist das Ergebnis eines durchgreifenden Umbaus in den Jahren 1730 bis 1732, der dem Bau seine barocke Prägung verlieh. Nach diversen Erweiterungs- und Sanierungsphasen in der Vergangenheit zeigte die Bausubstanz zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Sanierung erhebliche Mängel, die eine umfassende Renovierung unvermeidlich machten.
Der Sanierungsbedarf betraf verschiedene Bereiche des Kirchengebäudes. Besonders dringlich war die Instandsetzung des Kirchturms. Das Kupferblechdach und die Dachbalken mussten erneuert werden. Zudem war die Dachentwässerung instand zu setzen. Auch das Zifferblatt der Turmuhr bedurfte Ausbesserungsarbeiten, und die Sonnenuhr sollte restauriert werden. Der Außenputz der Kirche, der mit einer schwarzen Schicht überzogen war, erhielt einen neuen Anstrich. Des Weiteren wurde die Wiederherstellung eines Freskos an der Vorderseite des Turms geplant, auf dem ursprünglich der Namenspatron der Kirche, der heilige Georg, bei seinem Kampf gegen den Drachen zu sehen war. Die Pfarrgemeinde strebte zudem an, einen barrierefreien Zugang zum Gebäude zu schaffen und zwei in die Außenmauer eingelassene Grabsteine zu entfernen und mit Abstand zur Kirche wieder aufzustellen.
Finanzielle Rahmenbedingungen und Spendenakquise
Die Sanierung des Turms der Kirche St. Georg in Siberatsweiler verursacht Kosten in Höhe von 850.000 Euro. Für eine kleine Gemeinde mit rund 200 Katholiken stellt diese Summe eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. Pfarrer Erhard Galm betonte, dass es für eine solch kleine Gemeinde schwer zu schultern sei, den geforderten Spendenanteil von zehn Prozent der Gesamtkosten aufzubringen.
Die Finanzierung des Projekts basiert auf einem Mix aus Zuschüssen der Diözese und Eigenleistungen der Gemeinde. Die Diözese übernimmt rund drei Viertel der Baukosten, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde es schafft, einen Spendenanteil von zehn Prozent der Gesamtkosten einzunehmen. Um diese Mittel zu akquirieren, plant die Gemeinde verschiedene Aktionen, darunter Kirchenfeste, Kuchenverkäufe, Benefizkonzerte und einen Adventsbasar. Ein möglicher Spurenlauf wurde für das kommende Jahr ins Auge gefasst. Als positives Beispiel diente die Sanierung der Kirche St. Michael in Esseratsweiler, für die bereits über die Hälfte der notwendigen 63.000 Euro eingegangen waren, was dem Pfarrer Optimismus verlieh.
Die politische Gemeinde Achberg sah sich ebenfalls in der Pflicht. Nach einer Diskussion im Gemeinderat, bei der sich das Gremium schwer tat, wurde beschlossen, der katholischen Kirchengemeinde Achberg 35.000 Euro für die Sanierung der beiden Pfarrkirchen St. Michael in Esseratsweiler und St. Georg in Siberatsweiler zu spenden. Diese Entscheidung fiel vor dem Hintergrund, dass die Seelsorgeeinheit „An der Argen“ Zuschüsse von der Diözese nur dann erhält, wenn sie selbst 148.000 Euro zur Sanierung beisteuert. Die Kirchengemeinde hatte bisher 65.000 Euro zusammenbekommen, was als beachtlicher Erfolg gewertet wurde, jedoch auch zeigte, dass die Spendenbereitschaft ein Limit erreicht hatte.
Besonderheit: Fledermäuse als ökologischer Faktor
Ein zentrales und besonderes Thema bei der Sanierung von St. Georg war der Schutz einer regional bedeutsamen Wochenstube des Großen Mausohrs. Im Turm der Kirche befindet sich eine Kolonie dieser Fledermausart mit rund 350 Tieren. Der Turm dient den Tieren als Sommerquartier. Dieser ökologische Aspekt hatte erhebliche Auswirkungen auf den Zeitplan und die Durchführung der Bauarbeiten.
Da die Fledermäuse im Winter ihr Winterquartier aufsuchen, mussten die Bauarbeiten, insbesondere die am Dachtragewerk, in den kalten Monaten zwischen Oktober und April durchgeführt werden. Dies stellte die Handwerker vor extreme klimatische Herausforderungen. Wie in den Quellen berichtet wird, arbeiteten die Zimmerleute bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad in 25 bis 35 Metern Höhe. Der Wind ließ den Turm häufig wackeln, und aus statischen Gründen konnte keine Folie zum Schutz gegen Regen und Wind gespannt werden. Die Zimmerleute mussten zudem feststellen, dass ihnen der Sprudel in den Flaschen einfroren. Trotz dieser Bedingungen leisteten sie herausragende Arbeit.
Die Arbeit wurde dadurch erschwert, dass in dem schmalen Turm nicht viele Leute gleichzeitig arbeiten konnten. Zudem mussten Balken, die die komplette Turmzwiebel trugen, Stück für Stück erneuert werden. Die Handwerker bemühten sich, altes Holz dort zu erhalten, wo es möglich war, und erneuerten nur einen Teil des Gebälks. Eine Folie zum Schutz gegen Regen und Wind konnten sie aus statischen Gründen nicht spannen.
Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen zeigte sich, dass die Rücksichtnahme auf die geschützte Population erfolgreich war. Nach einer Zählung im Jahr 2019 hatte sich die Zahl der Tiere wieder auf die alte Stärke vor Baubeginn erholt.
Technische Details der Sanierung
Die technische Umsetzung der Sanierung umfasste mehrere Gewerke. Am Turm mussten das Kupferblechdach und die Dachbalken erneuert werden. Dazu musste die Baufirma das Dach abnehmen und eine Behelf-Überdachung errichten. Das Dachtragewerk des Turms, das morsche und verfaulte Balken und Spanten aufwies, wurde saniert. Es wurden neue Zwischenböden eingezogen und die poröse Holzschalung ersetzt.
Neben den Arbeiten am Dachtragewerk wurden am Zifferblatt der Turmuhr Ausbesserungen vorgenommen, und die Sonnenuhr wurde restauriert. Der Außenputz erhielt einen neuen Anstrich. Das Fresko an der Vorderseite des Turms, welches den heiligen Georg darstellt, wurde wieder hergestellt, da zuvor kaum etwas erkennbar war. Zudem wurde die Schaffung eines barrierefreien Zugangs geplant. Die Entfernung und Wiederplatzierung zweier Grabsteine aus der Außenmauer gehörte ebenfalls zum Leistungsumfang.
Zeitplan und Abschluss der Arbeiten
Laut einem Bericht vom März 2019 sind die Sanierungsmaßnahmen an der Pfarrkirche St. Georg in Siberatsweiler abgeschlossen und die barocke Kirche erstrahlt wieder in ihrer vollen Schönheit. Der Zeitplan war eng getaktet, um die Fledermäuse nicht zu stören und die Arbeiten bis zum Frühjahr 2019 abzuschließen. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Pfarrgemeinde, Bauausschuss und den Handwerksfirmen führte zum erfolgreichen Abschluss des Projekts.
Einordnung in den historischen Kontext
Historische Aufzeichnungen belegen, dass Kirchenbauten im Amtsbezirk Achberg, darunter die Kirche und das Pfarrhaus in Siberatsweiler sowie die Kirche in Esseratsweiler, immer wieder Instandhaltungsmaßnahmen benötigten. Archivalien aus dem Staatsarchiv Sigmaringen (Signatur Ho 86 T 1 Nr. 635) aus den Jahren 1831 bis 1845 dokumentieren Baumaßnahmen und Reparationen an diesen Gebäuden unter der Fürstlichen Landesregierung Sigmaringen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher Pflege und Instandhaltung von sakralen Bauten über Jahrhunderte hinweg.
Vergleich mit der Sanierung von St. Michael in Esseratsweiler
Im Zuge der Berichterstattung über die Sanierung von St. Georg in Siberatsweiler wurde auch die Sanierung der Kirche St. Michael in Esseratsweiler thematisiert, die ebenfalls Teil der Seelsorgeeinheit ist. Diese Sanierung kostet voraussichtlich 620.000 Euro. Hier waren Teile der Decke abgefallen, das Holzgebälk war morsch und von Holzschwamm befallen. Stuckateure mussten Risse in der Decke beseitigen. Die Arbeiten am Dach waren abgeschlossen, und die Restaurierung der Kirchendecke im Langhaus hatte begonnen. Auch hier galt es, den Chorraum, das Langhaus und den Turm zu erhalten. Die Deckenbefestigung des Kirchenschiffs musste ausgebessert werden. Im Frühjahr 2017 war die Auswahl und Installation der neuen Kirchenbeleuchtung geplant, sowie kleinere Ausbesserungsarbeiten an den Säulen. Restauratorin Christine Götz begann Mitte Oktober 2017 mit der Reinigung von Altar und Figuren. Die Arbeiten sollten im Dezember 2017 abgeschlossen sein. Für diese Sanierung waren von 63.000 Euro an notwendigen Spenden bereits fast 75 Prozent eingegangen (Stand Februar 2017).
Herausforderungen für Handwerker
Die Sanierung von St. Georg in Siberatsweiler verdeutlicht die spezifischen Herausforderungen, vor denen Handwerker bei der Renovierung von Hochbauten wie Kirchtürmen stehen. Die Arbeit in großer Höhe (25 bis 35 Meter) erfordert spezielle Sicherheitsmaßnahmen und eine hohe körperliche Fitness. Hinzu kommen Witterungsbedingungen, die den Arbeitsalltag erschweren. Wie der Bericht über die Zimmerleute Schele aus Ratzenried zeigt, war die Arbeit bei minus zehn Grad und starkem Wind eine physische Belastung. Die Logistik im Turm war ebenfalls kompliziert, da nur wenige Personen gleichzeitig arbeiten konnten und Material Stück für Stück nach oben geschafft werden musste. Die Notwendigkeit, das Dachtragewerk der Turmzwiebel zu erneuern, erforderte zudem präzises handwerkliches Können, um die Statik des Gebäudes nicht zu gefährden.
Fazit
Die Sanierung der Pfarrkirche St. Georg in Siberatsweiler ist ein Musterbeispiel für die Renovierung historischer Gebäude unter Berücksichtigung ökologischer und finanzieller Restriktionen. Das Projekt zeigt, wie wichtig eine frühzeitige Planung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde, politischer Gemeinde und Handwerksfirmen ist. Die Einbindung der ökologischen Schutzauflagen für die Fledermauspopulation verlangte eine Anpassung des Zeitplans, die jedoch erfolgreich umgesetzt wurde. Die Finanzierung durch die Diözese, unterstützt durch Spendengelder der Gemeinde und Zuschüsse der politischen Gemeinde, machte das Projekt trotz der hohen Kosten von 850.000 Euro möglich. Die abgeschlossene Sanierung sichert den Erhalt des barocken Kirchengebäudes für zukünftige Generationen und dient als Beispiel für die Notwendigkeit und die Methodik der Instandhaltung von Baudenkmälern.