Finanzierung und Sanierung von katholischen Kitas im Bistum Limburg: Herausforderungen und Strategien für Immobilienverantwortliche

Die Finanzierung und Sanierung von kirchlichen Kindertagesstätten (Kitas) stellt aktuell eine zentrale Herausforderung für das Bistum Limburg dar. Angesichts sinkender Mitgliedszahlen und steigender Kosten für Bausubstanz sieht sich die Diözese gezwungen, ihre Strategien zur Immobilienbewirtschaftung und Finanzbeteiligung grundlegend zu überdenken. Für Eigentümer, Verantwortliche in Pfarreien sowie kommunale Partner ergeben sich daraus weitreichende Konsequenzen für die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die aktuelle Situation, die geplanten Kürzungen und die neuen Instrumente zur Bestandserfassung, die für die Zukunft eine entscheidende Rolle spielen werden.

Aktuelle Ausgangslage: Mitgliederschwund und finanzielle Belastung

Die finanzielle Situation des Bistums Limburg, angeführt von Bischof Georg Bätzing, ist durch einen anhaltenden Mitgliederschwund geprägt. Eine Studie aus dem Jahr 2019 prognostizierte für die Diözese einen jährlichen Rückgang der Mitgliederzahlen um 1,1 Prozent (Source 2). Dieser Trend hat sich beschleunigt und führt zu Einnahmeverlusten, die größer ausfallen als ursprünglich kalkuliert. Der Finanzdezernent des Bistums, Thomas Frings, äußerte sich hierzu besorgt: „Ich habe große Fragezeichen, ob wir das langfristig aufrechterhalten können“ (Source 2).

Die Folgen dieser demografischen Entwicklung spüren vor allem die Bereiche, die stark von den Kirchensteuereinnahmen abhängig sind. Dazu zählen neben Schulen und dem Hilfswerk Caritas insbesondere die Kindertagesstätten. Um die Finanzen zu stabilisieren, plant das Bistum, zunächst im Verwaltungsbereich Einsparpotenziale auszuschöpfen. Dort werden aktuell rund 16 Prozent der Kirchensteuereinnahmen verwendet. Sollte dieses Potenzial ausgeschöpft sein, muss jedoch zwangsläufig auch über Leistungsbereiche wie Kitas verhandelt werden (Source 2).

Die Bedeutung der Kitas für das Bistum

Katholische Kitas sind ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Gefüges im Bistum Limburg. Aktuell existieren 330 Einrichtungen in katholischer Trägerschaft (Source 1). In diesen Einrichtungen sind knapp 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betreuung, Erziehung und Bildung von über 20.000 Kindern verantwortlich (Source 4). Insgesamt stehen im Bistum 19.500 Kita-Plätze zur Verfügung.

Die pädagogischen Konzepte der katholischen Kitas basieren auf den Werten des katholischen Glaubens, sind jedoch für jedes Kind offen, unabhängig von dessen Religion oder Weltanschauung (Source 4). Der Fokus liegt auf der Förderung individueller Fähigkeiten, sozialer Kompetenzen und der Entwicklung eines respektvollen Umgangs.

Kostenstruktur und Finanzierungsmodell

Die Finanzierung der Kitas erfolgt bisher durch einen Mix aus öffentlichen Mitteln, Elternbeiträgen und Zuschüssen des Bistums. Laut Finanzdirektor Frings zahlen Land und Kommunen gemeinsam mit den Eltern den Löwenanteil der Kosten. Das Bistum beteiligt sich bisher an den Fixkosten mit einem Anteil von 15 Prozent. Früher lag dieser Anteil bei einem Drittel (Source 1).

Berechnungen des Finanzdirektors verdeutlichen die wirtschaftliche Dimension: Jeder der 19.500 Plätze wird aktuell mit rund 900 Euro pro Jahr bezuschusst. Rechnet man die Zuschüsse zu den Baukosten hinzu, steigt der Betrag auf circa 1.200 Euro pro Platz. Um einen Kita-Platz vollständig aus Kirchensteuermitteln zu finanzieren, benötigt das Bistum die Beiträge von 3,3 Mitgliedern (durchschnittliche Kirchensteuer pro Katholik und Jahr: 360 Euro) (Source 1).

Geplante Reduzierung der finanziellen Beteiligung

Eine entscheidende Wende in der Finanzpolitik wurde jüngst bekannt gegeben: Das Bistum Limburg plant, seine finanzielle Beteiligung an Baumaßnahmen für Kindertagesstätten drastisch zu reduzieren. In einem Schreiben an die Stadt Limburg wurde mitgeteilt, dass die Kostenbeteiligungsquote bei allen regelfinanzierten Bestandsgruppen auf 15 Prozent gesenkt werden soll. Bisher lag diese Quote bei 50 Prozent (Source 3).

Diese Nachricht hat erhebliche Auswirkungen auf die kommunalen Partner und die Pfarreien. In Limburg und den Stadtteilen ist die katholische Kirche der größte Träger von Kindertagesstätten. Von den rund 44 Gruppen in katholischer Trägerschaft werden aktuell etwa ein Viertel für den Träger kostenneutral geführt. Das bedeutet, dass sich das Bistum hier nicht an Investitionen oder der Bauunterhaltung beteiligt. Bei den verbleibenden drei Vierteln der Gruppen besteht jedoch bisher eine Kostenbeteiligung, die nun drastisch sinken wird (Source 3).

Thomas Frings betont die Notwendigkeit dieser Maßnahme. Er verweist darauf, dass viele Beteiligte nicht wissen, dass Kitas für das Bistum „nicht ohne Kosten sind“ (Source 1). Die Zuschüsse aus dem Bistums-Etat belaufen sich auf 24,7 Millionen Euro, die zwischen 2017 und 2021 investiert wurden. Frings‘ Kommentar zu dieser Entwicklung ist eindeutig: „Das geht so nicht mehr“ (Source 1).

Baulicher Zustand: Die Notwendigkeit von Sanierungen

Neben den laufenden Betriebskosten stellt der bauliche Zustand der Kitas eine massive finanzielle Belastung dar. Viele Gebäude sind sanierungsbedürftig. Laut Thomas Frings stehen rund 80 Kitas im Bistum noch auf der Bauliste, weil sie „quasi grundsaniert“ werden müssten (Source 1).

Die genaue Priorisierung, welche dieser 80 Einrichtungen saniert werden und welche nicht, steht laut Bistumssprecher Schnelle noch nicht fest (Source 1). Das Bistum verspricht zwar, bestehende Zusagen einzuhalten und alle geplanten Baustellen fertigzustellen. Als Beispiel wird der Neubau der Kita in Niederzeuzheim genannt, die wie versprochen abgerissen und neu gebaut werden soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2023/Anfang 2024 geplant, die Kosten belaufen sich auf 2,74 Millionen Euro (Source 1).

Allerdings wird die Finanzierung zukünftiger Sanierungen komplexer werden. Es sind unterschiedliche Modelle denkbar, wie die Pfarreien Unterstützung erhalten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Bestand erst einmal erfasst und begutachtet wird.

Neue Strategien: Kirchliche Immobilienstrategie (KIS)

Um den Überblick über den sanierungsbedürftigen Bestand zu behalten und Strategien für die Zukunft zu entwickeln, hat das Bistum die „Kirchliche Immobilienstrategie“ (KIS) ins Leben gerufen. Die Pfarreien neuen Typs im Bezirk Limburg sind aufgerufen, sich bei diesem Projekt zu bewerben. Ziel ist es, den Bestand zu erfassen und zu begutachten (Source 1).

Dieser Schritt ist essenziell, um transparent zu kommunizieren, wo Handlungsbedarf besteht. Das Bistum sieht sich in der Pflicht, frühzeitig auf Probleme hinzuweisen, um „Verlässlichkeit“ zu wahren. Thomas Frings betont, dass man mit den Pfarreien als eigentlichen Kita-Trägern sowie mit den kommunalen Partnern das Gespräch gesucht habe. Die Resonanz auf die veränderten Vorzeichen sei insgesamt positiv gewesen (Source 1).

Unterstützung durch das Fachzentrum Kita

Die Unterstützung der Einrichtungen erfolgt durch das Fachzentrum Kindertageseinrichtungen, das wiederum in verschiedene Fachteams unterteilt ist. Diese Teams bieten fachliche und administrative Unterstützung vor Ort:

  • Fachteam Beratung: Organisiert regionale sowie projektbezogene Fachberatung und den Kinderschutz.
  • Fachteam Entwicklung: Unterstützt Kitas und Träger bei der Umsetzung des Qualitätsmanagementsystems „Q-iTa für Kinder“ und koordiniert die Entwicklung innovativer Konzepte.
  • Fachteam Personal: Bietet Unterstützung bei Personalangelegenheiten, Fortbildungen und Maßnahmen zur Personalgewinnung und -bindung.
  • Fachteam Ressourcen: Übernimmt das Controlling und die kirchliche Fachaufsicht über die Einrichtungen (Source 5).

Zusätzlich wurde in Pfarreien neuen Typs das Konzept der „Hauptamtlichen Wahrnehmung von Trägerschaftsaufgaben“ eingeführt. Hierbei werden hauptamtliche Kita-Koordinatoren eingesetzt, die die Trägeraufgaben im Auftrag des Verwaltungsrates übernehmen. Sie dienen als wichtige Schnittstelle zwischen der Verwaltung und den pädagogischen Einrichtungen (Source 6).

Auswirkungen auf die kommunale Planung

Die Ankündigung des Bistums, die Kostenbeteiligung auf 15 Prozent zu senken, stellt die Kommunen vor neue Aufgaben. In Limburg ist die katholische Kirche Träger von rund der Hälfte der Kitagruppen. Die andere Hälfte verteilt sich auf evangelische Kirchengemeinden und freie Träger wie den Verein für Waldorfpädagogik oder das Familienzentrum Müze (Source 3).

Während evangelische Kirchengemeinden bisher ebenfalls eine Kostenbeteiligung bei ihrer Trägerschaft leisten, müssen nun Alternativen für die finanzschwächeren Träger gefunden werden. Die Reduzierung der Beteiligung von 50 auf 15 Prozent bedeutet für eine Sanierung oder einen Neubau eine Lücke von 35 Prozentpunkten, die durch andere Mittel geschlossen werden muss. Dies kann zu Verzögerungen bei Bauprojekten führen oder erfordert höhere Eigenbeteiligungen der Kommunen oder Elternschaft.

Fazit

Die Situation der katholischen Kitas im Bistum Limburg befindet sich in einem Umbruch. Der demografisch bedingte Mitgliederschwund zwingt die Diözese zu harten Einschnitten in der Finanzierung, die insbesondere den Bereich der Kindertagesstätten treffen. Die massive Reduzierung der Kostenbeteiligung an Baumaßnahmen von 50 auf 15 Prozent ist ein unmissverständliches Signal an die Träger und Kommunen: Die Zeiten der großzügigen Beteiligung sind vorbei.

Gleichzeitig ist die Bausubstanz in einem alarmierenden Zustand. Rund 80 Kitas benötigen eine Grundsaniierung. Die Kirchliche Immobilienstrategie (KIS) und die Arbeit der Fachzentren sind die Instrumente, mit denen das Bistum versucht, dennoch Handlungsfähigkeit zu bewahren und eine nachhaltige Strategie für die Immobilienbewirtschaftung zu entwickeln. Für die Verantwortlichen in Pfarreien und Kommunen bedeutet dies: Die Planung von Baumaßnahmen muss künftig noch sorgfältiger erfolgen, und neue Finanzierungsmodelle müssen her, um die Betreuungsqualität für die über 20.000 Kinder im Bistum zu sichern.

Quellen

  1. Frankfurter Rundschau / FNP
  2. evangelisch.de
  3. Radio Westerwald
  4. Bistum Limburg - Katholische Kitas
  5. Fachzentrum Kita
  6. Fachteam Kita-Koordination

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