Sanierung von Koaleszenzabscheidern: Technische Aspekte, Verfahren und Notwendigkeit für den Gewässerschutz

Einleitung

Koaleszenzabscheider sind spezialisierte Abwassertechnische Anlagen, die eine entscheidende Rolle beim Schutz von Grundwasser und Kanalisationen spielen. Sie dienen dazu, besonders feine Tropfen von Leichtflüssigkeiten wie Benzin, Diesel und technischen Ölen aus dem Abwasser zu trennen. Diese Anlagen sind insbesondere für Betriebe mit erhöhtem Risiko einer Einleitung wassergefährdender Stoffe, wie Tankstellen, Kfz-Werkstätten oder Waschanlagen, unverzichtbar. Mit fortschreitender Betriebsdauer unterliegen diese Systeme jedoch Verschleißprozessen, Korrosion und Materialermüdung, was eine Sanierung oder zumindest eine intensive Instandhaltung erforderlich macht. Die vorliegenden Informationen beleuchten die technischen Notwendigkeiten, die durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und die regulatorischen Rahmenbedingungen, die den Betrieb und die Sanierung solcher Anlagen steuern.

Aufgabenstellung und Bedarfssituation

Die Sanierung von Koaleszenzabscheidern ist keine reine Instandsetzung, sondern eine Maßnahme zur Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Die Anlagen müssen dauerhaft sicher und störungsfrei arbeiten, um eine Kontamination von Gewässern, Abwasseranlagen und dem Boden zu verhindern (Quelle 1). Qualifizierte Fachbetriebe sind hierfür essentiell, da sie die Anlagen wieder auf den neuesten Stand der Technik bringen (Quelle 1).

Regulatorische Anforderungen und Betreiberpflichten

Der Betrieb von Abscheideranlagen unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben, insbesondere dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und der DIN 1999-100. Für Leichtflüssigkeitsabscheider ist eine Generalinspektion alle fünf Jahre vorgeschrieben, um den ordnungsgemäßen Zustand nachzuweisen (Quelle 4). Eine Dichtheitsprüfung nach DIN 1999-100 der Abscheiderkomponenten oder nach DIN EN 1610 des Entwässerungssystems ist dabei ein zentraler Bestandteil, um Rechtssicherheit gegenüber Behörden zu gewährleisten und Haftungsrisiken zu minimieren (Quelle 6).

Sanierungsverfahren und Maßnahmenkatalog

Eine Sanierung umfasst eine Vielzahl von Arbeitsschritten, die von der Entfernung alter Beschichtungen bis zum Austausch von Einbauteilen reichen. Ziel ist es, die Anlage wieder dicht und funktionstüchtig zu machen.

Oberflächenbeschichtung und Abdichtung

Ein Kernstück der Sanierung ist die Erneuerung der inneren Beschichtung. Hierbei werden defekte Altbeschichtungen entfernt. Dies erfordert oft das Abstemmen eventuell vorhandener loser Betonteile (Quelle 2). Anschließend werden die Fugen gereinigt und neu verfugt (Quelle 2).

Für die neue Beschichtung kommen spezielle, zementbasierte oder mineralisch-ölfeste Beschichtungsmaterialien zum Einsatz. Diese müssen zugelassen für Abscheideranlagen sein und die Anforderungen der DIN EN 858-1 erfüllen (Quelle 2). Die Materialien zeichnen sich durch hohe mechanische Belastbarkeit aus: Sie müssen kratz-, schlag- und haftfest sein (Quelle 2). Die Sanierung kann sowohl im Monolithen (geschlossener Betonkörper) als auch im Schachtaufbau erfolgen (Quelle 2). Einige Anbieter bieten zudem eine Komplettbeschichtung an, die eine Haltbarkeit von nachweislich bis zu 10 Jahren gewährleistet (Quelle 1).

Austausch und Wartung von Einbauteilen

Neben der Abdichtung ist der funktionale Zustand der mechanischen Komponenten entscheidend. Im Rahmen einer Sanierung werden folgende Teile regelmäßig ausgetauscht oder instand gesetzt: * Schwimmer und Schwimmergarnituren: Diese dienen dem automatischen Schließen der Anlage bei Rückstau. Eine Tarierung und der Austausch sind notwendig (Quelle 2). * Koaleszenzmaterial: Das Filtermaterial, das das Zusammenfließen feiner Öltropfen ermöglicht, wird erneuert (Quelle 2). * Prallbleche: Diese dienen der Beruhigung des Abwasserstroms und werden bei Bedarf eingebaut oder ausgebaut (Quelle 2). * Schlammfang und Verbindungsleitungen: Auch die Verbindungsleitung zwischen Schlammfang und Abscheider sowie der Schlammfang selbst werden saniert (Quelle 2).

Ergänzende Maßnahmen

Zur Modernisierung können weitere Komponenten nachgerüstet werden. Dazu gehören Probenahmeschächte zur Überwachung der Wasserqualität oder Warnanlagen, die bei Störungen oder Überfüllung alarmieren (Quelle 2). Falls eine Sanierung wirtschaftlich nicht sinnvoll ist oder die Anlage stillgelegt werden muss, bieten Fachbetriebe auch die Stilllegung der Anlage an (Quelle 2).

Abschließende Kontrollen

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist eine Dichtheitsprüfung zwingend erforderlich, um die Wiederinbetriebnahme zu gestatten (Quelle 2). Erst nach bestandener Prüfung ist sichergestellt, dass die Anlage wieder den aktuellen technischen und rechtlichen Standards entspricht.

Reinigung und Entsorgung

Die Sanierung geht oft mit einer intensiven Reinigung einher. Bei Koaleszenzabscheidern ist der Rückhalt von Mineralölen besonders effizient, was zu einer hohen Menge an Rückständen führt (Quelle 5). Das Wasserhaushaltsgesetz fordert, dass diese Stoffe vorschriftsmäßig entsorgt werden müssen (Quelle 5).

Die Reinigung umfasst: 1. Das Ausräumen und Säubern der Fugen (Quelle 2). 2. Die Entsorgung der abgeschiedenen Stoffe (Öle, Fette), die einer Verwertung zugeführt werden müssen (Quelle 4). 3. Die Wartung der Koaleszenzeinsätze, da diese durch Feinpartikel verstopfen können.

Ein zertifizierter Fachbetrieb garantiert hierbei die fachgerechte Entsorgung und Reinigung, was für den reibungslosen Ablauf des Tagesbetriebs des Anlagenbetreibers essenziell ist (Quelle 5).

Auswahl des Sanierungsunternehmens

Die Auswahl des richtigen Partners für die Sanierung ist entscheidend. Es wird empfohlen, auf spezialisierte Fachbetriebe mit entsprechender Zertifizierung (z.B. WHG-zertifiziert) und langjähriger Erfahrung zu setzen (Quelle 4). Solche Betriebe übernehmen oft das gesamte Spektrum aus Bemessung, Einbau, Wartung und Sanierung "aus einer Hand" (Quelle 4).

Indizien für einen kompetenten Partner sind: * Verwendung von DIBt-zugelassenen Beschichtungen (Quelle 2). * Einsatz von Originalersatzteilen oder baugleichen Ersatzteilen aus Eigenherstellung (Quelle 2). * Durchführung von Abschlussprüfungen (Dichtheitsprüfung) (Quelle 2).

Beispiele für solche Dienstleister finden sich in der Industrie, die von großen Tankstellenketten (z.B. Shell, Aral, Total) bis hin zu kommunalen Klärwerken reichen (Quelle 3). Auch über 100 Jahre Erfahrung, wie bei Nehlsen (Quelle 4), sprechen für die Qualität und Zuverlässigkeit.

Fazit

Die Sanierung von Koaleszenzabscheidern ist ein komplexer Vorgang, der technisches Fachwissen, die Einhaltung strenger Normen und die Verwendung hochwertiger Materialien erfordert. Sie dient primär dem Schutz der Umwelt vor wassergefährdenden Stoffen und befreit den Betreiber von rechtlichen Risiken. Durch den Austausch von Verschleißteilen, die Erneuerung von Beschichtungen und die sorgfältige Reinigung wird die Anlage auf einen sicherheitsrelevanten Stand gebracht, der eine zuverlässige Trennung von Öl und Wasser gewährleistet. Regelmäßige Wartung und Inspektionen sind dabei die Voraussetzung, um die Lebensdauer der Anlage zu verlängern und teure Totalausfälle zu vermeiden.

Quellen

  1. TTS Hellmuth
  2. Kanal-Service Pfitzer GmbH
  3. SIAB Südwestdeutsche Industrie- und Anlagen-Baugesellschaft
  4. Nehlsen
  5. Sigusch GmbH
  6. Kasatec Esders

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