Analyse eines Großprojekts: Die umfassende Erweiterung und Sanierung des Kronberg Gymnasiums in Aschaffenburg

Einleitung

Die Modernisierung und Erweiterung von Bildungseinrichtungen stellt eine der zentralen Aufgaben der kommunalen Infrastrukturpolitik dar. Im vorliegenden Fallbeispiel des Kronberg Gymnasiums in Aschaffenburg lässt sich ein komplexes Baugeschehen nachvollziehen, das über mehrere Jahre und Bauabschnitte hinweg eine vollständige Transformation des Schulstandorts bewirkt. Das Projekt umfasst nicht nur den Neubau von Erweiterungsflächen, sondern auch die generalsanierung bestehender Bausubstanz, die aufgrund von Alterserscheinungen und Schadstoffbelastungen unumgänglich war.

Für Bauherren, Projektverantwortliche und Immobilieninteressierte bietet die detaillierte Betrachtung dieses Vorhabens wertvolle Einblicke in die Planung, Ausführung und Kostengestaltung von öffentlichen Bauprojekten. Insbesondere die Aufteilung in vier Bauabschnitte zeigt eine strukturierte Vorgehensweise, die auch in der privaten Baupraxis als Vorbild dienen kann. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte dieses Sanierungsvorhabens basierend auf den vorliegenden Veröffentlichungen und Ausschreibungsdaten.

Projektübersicht und Baustrategie

Das Kronberg Gymnasium in Aschaffenburg unterzieht sich einer tiefgreifenden Modernisierung, die in vier separate Bauabschnitte (BA) unterteilt wurde. Diese Strategie ermöglicht eine geordnete Abwicklung von Sanierung und Erweiterung, während der Schulbetrieb weitestgehend aufrechterhalten werden kann.

Laut der Projektdarstellung (Quelle 2) gliedert sich das Vorhaben wie folgt: * 1. Bauabschnitt (2014-2015): Errichtung eines Erweiterungsneubaus im Passivhausstandard. * 2. und 3. Bauabschnitt: Generalsanierung dieser Bereiche, abgeschlossen seit Anfang 2021. * 4. Bauabschnitt (ab 2024): Sanierung und Aufstockung des Fachklassentrakts aus den 1960er Jahren.

Ein zentrales Ziel der Sanierung war die Auflösung der traditionellen Aufteilung aus Fluren und Klassenräumen. Durch die Schaffung offener Strukturen und flexibler Räume, sogenannter „Marktplätze“, wurde eine neue Lernarchitektur etabliert, die jahrgangsübergreifendes Lernen und Kommunikation fördert. Diese funktionalen Änderungen gehen einher mit einer energetischen und statischen Aufwertung der Bausubstanz.

Detaillierte Analyse der Bauabschnitte

Der 4. Bauabschnitt: Schadstoffsanierung und Substanzerhalt

Der 4. Bauabschnitt stellt einen besonders kritischen Teil des Gesamtprojekts dar, da er sich mit der Sanierung des alten Fachklassengebäudes befasst. Hierbei handelt es sich um einen zweigeschossigen Massivbau mit Kaltdachaufbau. Eine entscheidende Maßnahme in dieser Phase war die umfassende Schadstoffsanierung, für die im August 2023 ein Auftrag über 467.410,00 EUR vergeben wurde (Quelle 1).

Die Ausschreibungsdetails (Quelle 3) geben einen detaillierten Einblick in die zu erledigenden Arbeiten, die für die Sicherheit und Gesundheit auf dem Bau entscheidend sind:

  • Asbestsanierung: Es waren 2000 m² GK-Decken (Gipskartondecken) sowie 2000 m² Bodenbelag zu entfernen, die asbesthaltig waren. Zudem mussten 1300 m² asbesthaltige Schweißbahnen (Dachbahn) und 500 m KMF-Rohrisolierungen (Kunststoff-Mineral-Fasern) entsorgt werden.
  • PCB- und PAK-Belastung: 1500 m² Wandputz waren PCB-belastet (Polychlorierte Biphenyle), was eine besonders sorgfältige Entsorgung erforderte. Ebenso mussten 2000 m² PAK-schweißbahnen (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) mit Voranstrich abgebrochen werden.
  • Abbruch und Entsorgung: Neben den schadstoffbelasteten Materialien umfasste der Auftrag auch den Abbruch von 1200 m² Flachdach mit Zellulosedämmung und die Reinigung von 10.000 m² Abschottbereichen.

Dieser Bauabschnitt verdeutlicht die Notwendigkeit, bei Sanierungen von Altbauten stets mit dem Vorhandensein von Schadstoffen zu rechnen. Die Summe von 467.410,00 EUR allein für diese vorbereitenden und sicherheitsrelevanten Maßnahmen zeigt, welche wirtschaftliche Bedeutung die ordnungsgemäße Entsorgung im Gesamtbudget hat.

Der 4. Bauabschnitt: Rohbau und Gründung

Parallel zur Schadstoffsanierung oder in unmittelbarem Anschluss wurde auch der Rohbau für die Erweiterung und Sanierung des 4. Bauabschnitts ausgeschrieben (Quelle 4). Diese Ausschreibung betraf Arbeiten im Wert von 11.230.000 EUR (basierend auf der Gesamtsumme für BA 2, wobei die Summe für BA 4 in den Quellen nicht explizit genannt wird, aber der Umfang vergleichbar ist).

Die beschriebenen Leistungen umfassen: * Abbrucharbeiten: 350 m² Pflaster und Plattenbelag, 35 m³ Stahlbetonwände. * Erdaushub: 600 m³ Erdaushub inklusive Entsorgung. * Aufstockung: Ein entscheidender Teil der Erweiterung ist die Aufstockung des bestehenden Fachklassengebäudes um ein Geschoss. Dieses neue Geschoss wird in Holzbauweise ausgeführt (Quelle 4: „Aufstockung: Holzbauweise eingeschossig“). * Neubau Schacht: Für den behindertengerechten Zugang wird an der Südfassade ein neuer massiver Schacht für eine Aufzugsanlage errichtet (Quelle 6).

Die Kombination aus Bestandsanierung (Massivbau) und Erweiterung (Holzbauweise) ist ein moderner Ansatz, der denkmalgerechte Sanierung mit zeitgemäßen, leichten Bauweisen verbindet.

Technische Spezifikationen und Flächenbilanz

Die Dimensionen des Gesamtprojekts verdeutlichen die Größenordnung der Investition. Für den 2. Bauabschnitt (der in seiner Struktur dem 4. vergleichbar ist) wurden folgende Kennzahlen genannt (Quelle 2):

  • Netto-Fläche (NF): 5.940 m²
  • Brutto-Grundfläche (BGF): 8.770 m²
  • Brutto-Rauminhalt (BRI): 31.800 m³
  • Kostenreferenzgruppe (KGR): 300-400

Die Angabe der Kostenreferenzgruppe (KGR 300-400) ist für Bauexperten ein Indikator für die Art der zu erbringenden Leistungen. Diese Gruppe umfasst in der Regel Hochbauarbeiten mit mittlerem bis gehobenem Standard, was zur Qualität der Sanierung passt.

Organisation und Vergabe

Die Organisation eines solchen Großprojekts erfordert transparente Vergabeverfahren. Die Ausschreibung für die Schadstoffsanierung (4. BA) wurde als offenes Verfahren nach VOB/A durchgeführt (Quelle 1). Dieses Verfahren ermöglicht es jedem qualifizierten Unternehmen, ein Angebot abzugeben. Tatsächlich wurden 11 Angebote eingereicht, was auf ein hohes Interesse am Markt und wettbewerbsfähige Preise hindeutet.

Als Auftraggeberin tritt die Stadt Aschaffenburg auf, vertreten durch ihr Vergabestelle (Dalbergstr. 15). Als Auftragnehmer für die Schadstoffsanierung wurde die Selekta GmbH & Co. KG aus Rückersdorf ausgewählt (Quelle 1). Die Zuverlässigkeit der Quellen ist hier als hoch einzustufen, da es sich um offizielle Veröffentlichungen im Rahmen der öffentlichen Beschaffung handelt.

Wirtschaftliche Aspekte und Finanzierung

Die Finanzierung von Schulbaumaßnahmen ist ein komplexes Thema. Die Quellen geben Hinweise auf die wirtschaftliche Bedeutung: Die Investitionen in die Schulen zählen seit Jahren zu den Ausgabenschwerpunkten im Aschaffenburger Haushalt (Quelle 5).

Obwohl die Quellen keine detaillierten Aufstellungen über die Finanzierung des 4. BA liefern, lassen sich die Kosten aus den Vergaben ablesen: * Schadstoffsanierung (4. BA): 467.410,00 EUR (Auftrag an Selekta GmbH). * Rohbauarbeiten (4. BA): Die Ausschreibung (Quelle 4) nennt zwar keine Summe, verweist aber auf erheblichen Umfang (Abbruch, Erdaushub, Aufstockung).

Für Bauherren und Investoren ist das Kronberg-Projekt ein Beispiel dafür, wie Kosten durch die Aufteilung in Bauabschnitte gestaffelt werden können. Zudem zeigt es, dass Kosten für Schadstoffsanierung und Entsorgung einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen können und frühzeitig in die Budgetplanung einfließen müssen.

Fazit

Die Sanierung und Erweiterung des Kronberg Gymnasiums in Aschaffenburg ist ein Musterbeispiel für eine professionell durchgeführte Bauverwaltung im öffentlichen Bereich. Das Projekt demonstriert, wie durch eine klare Aufteilung in vier Bauabschnitte eine Balance zwischen laufendem Schulbetrieb und notwendigen Baumaßnahmen gefunden werden kann.

Die technischen Schwerpunkte liegen auf der Beseitigung von Schadstoffen (Asbest, PCB, PAK), der energetischen und funktionalen Aufwertung der Bausubstanz sowie der Erweiterung durch Aufstockung in Holzbauweise. Die Schaffung moderner Lernlandschaften durch offene Raumstrukturen geht hier Hand in Hand mit der Sanierung der Bausubstanz.

Für Bauinteressierte zeigt das Vorhaben: 1. Die Notwendigkeit, bei Altbauten unbedingt Schadstoffuntersuchungen vor Sanierungsbeginn durchzuführen. 2. Die Vorteile einer strukturierten Projektplanung in Bauabschnitten. 3. Die Bedeutung transparenter Vergabeverfahren (VOB/A) zur Sicherstellung von Wirtschaftlichkeit und Qualität.

Das Projekt ist ein lebendiger Beweis für die Notwendigkeit und Machbarkeit der Revitalisierung alter Bausubstanz unter Einhaltung modernster Bau- und Umweltstandards.

Quellen

  1. Kronberg Gymnasium: Erweiterung und Sanierung 4. BA: Schadstoffsanierung
  2. Erweiterung und Generalsanierung Kronberg Gymnasium - Bauabschnitt 2
  3. Kronberg Gymnasium: Erweiterung und Sanierung 4. BA: Schadstoffsanierung Auftragsbekanntmachung
  4. Auftragsbekanntmachung (2023-06-21) Kronberg Gymnasium 4. Bauabschnitt
  5. Fortschritte bei Schönbergschule und Kronberg-Gymnasium
  6. Das Kronberggymnasium erhält an der Südfassade eine neue Aufzugsanlage

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