Einleitung
Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden stellt eine der zentralen Aufgaben der modernen Bauwirtschaft dar, insbesondere im kommunalen Bereich, wo hohe Energiekosten und die Verpflichtung zum Klimaschutz aufeinandertreffen. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Generalsanierung ist das Kurpfalz-Gymnasium im Schulzentrum Schriesheim. Der Gebäudekomplex, der zwischen 1969 und in die frühen 80er Jahre errichtet wurde, wies aufgrund seiner jahrzehntelangen Nutzung einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Das Projekt umfasste nicht nur die energetische Aufwertung des Gebäudes, sondern auch brandschutztechnische Anpassungen und die Erneuerung der inneren Bausubstanz, um eine zeitgemäße Lernumgebung zu schaffen. Die Maßnahme, die Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe erforderte, zielte darauf ab, den KfW-Effizienzhausstandard 55 zu erreichen und somit die Betriebskosten drastisch zu senken. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte dieser umfassenden Sanierung, die als Modellvorhaben für die Modernisierung von Nachkriegsbauten dienen kann.
Ausgangslage und Bestandsanalyse
Das Kurpfalz-Schulzentrum Schriesheim ist ein typischer Vertreter der Schularchitektur der 60er und 70er Jahre. Die Gebäude wurden ab 1969 bis in die frühen achtziger Jahre errichtet und prägen das Erscheinungsbild des Standorts bis heute. Durch die nun zum Teil über 40 Jahre andauernde Nutzung der Gebäude war ein erhöhter Sanierungsbedarf entstanden, der über die übliche Instandhaltung hinausging.
Bauliche Gegebenheiten
Die Bestandsaufnahme ergab, dass das Bauwerk in Stahlbetonweise errichtet wurde. Eine grundlegende Voraussetzung für die Sanierung war die Überprüfung des Bauwerks auf Schadstoffe. Bei Gebäuden dieser Bauära ist häufig mit Asbest, PCB-haltigen Dichtungen oder anderen bedenklichen Materialien zu rechnen, deren fachgerechte Entsorgung einen erheblichen logistischen und sicherheitstechnischen Aufwand darstellt. Die Untersuchung der Bausubstanz bildete die Basis für die weiteren Planungen im Rahmen der Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) von LPH 1 bis 9.
Defizite und Zielsetzung
Die ursprüngliche Bausubstanz entsprach nicht mehr den aktuellen Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz und Raumklima. Das Ziel der Sanierung war daher eine vollständige Transformation: 1. Energetische Sanierung: Erreichen des KfW-Effizienzhausstandards 55. 2. Technische Modernisierung: Anpassung von Heizung, Lüftung und Elektroinstallationen. 3. Brandschutz: Umfassende Anpassung an aktuelle Normen. 4. Raumqualität: Erneuerung von Böden, Wänden und Decken zur Schaffung einer hellen, zeitgemäßen Lernatmosphäre.
Umfang und Investitionsvolumen
Die Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums war ein finanzintensives Projekt, das weit über 20 Millionen Euro investierte. Verschiedene Quellen nennen leicht schwankende Beträge, die sich im Rahmen einer solch komplexen Maßnahme bewegen. Laut einer Quelle beliefen sich die Investitionen auf rund 25 Millionen Euro. Eine andere Quelle nennt einen Betrag von mehr als 20 Millionen Euro. Unabhängig von der exakten Summe handelte es sich um eine bedeutende Investition der Stadt Schriesheim in die Zukunft des Bildungsstandorts.
Flächendimensionen
Das Gebäude verfügt über eine Bruttogrundfläche (BGF) von 12.002 m² und einen Bruttorauminhalt (BRI) von 51.715 m³. Diese Dimensionen verdeutlichen den Umfang der Sanierungsarbeiten, die sich über eine Fläche von mehr als 12.000 Quadratmetern erstreckten.
Energetische Sanierung: Wechsel in den Effizienzhausstandard
Das Kernziel der Maßnahme war die energetische Aufwertung des Gebäudebestands. Das Kurpfalz-Gymnasium sollte vom "60er-Jahre-Bau" zum "Effizienzhaus 55" transformiert werden.
Der Standard "Effizienzhaus 55"
Ein Effizienzhaus 55 benötigt 55 Prozent der Energie eines Referenzgebäudes, das den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) entspricht. Dieser Standard erfordert umfassende Maßnahmen an der Gebäudehülle und der Technik.
Energie- und CO₂-Einsparungen
Durch die Sanierung wurden erhebliche Einsparungen erzielt. Laut den vorliegenden Informationen beträgt die Energieeinsparung etwa 53 Prozent, bezogen auf den Endenergiebedarf (die gesamte im Gebäude verbrauchte Energie). Noch signifikanter sind die Einsparungen beim Klimaschutz: Die Kohlendioxidemissionen (CO₂) wurden um circa 66 Prozent reduziert. Diese Zahlen belegen die Wirksamkeit der gewählten Sanierungsstrategie.
Maßnahmenkatalog zur Energieeinsparung
Um diese Werte zu erreichen, wurden folgende bauliche und technische Maßnahmen umgesetzt: * Fassadensanierung: Eine dämmende Außenfassade wurde aufgebracht, um den Wärmeverlust über die Gebäudehülle zu minimieren. * Dacharbeiten: Die Dachflächen wurden saniert und gedämmt. * Fenstererneuerung: Alte Fenster wurden durch moderne, hochwärmedämmende Fenster ersetzt. * Heizungstechnik: Die Erneuerung der Heizungsanlage war zwingend erforderlich, um die Effizienzvorgaben zu erfüllen.
Brandschutz und Innenausbau
Neben der Energieeffizienz spielte der Brandschutz eine entscheidende Rolle. Die Anpassung der brandschutztechnischen Einrichtungen war ein wesentlicher Bestandteil des Projekts.
Brandschutztechnische Anpassungen
Die Sanierung beinhaltete explizit brandschutztechnische Anpassungen. In einem mehrstöckigen Gebäude mit hoher Belegungsdichte, wie es bei einem Gymnasium der Fall ist, müssen Fluchtwege, Brandabschnitte und die Feuerwiderstandsdauer der Bauteile den aktuellen Normen entsprechen. Die Arbeiten an der Fassade und den Innenwänden dienten auch der Erhöhung der Brandsicherheit.
Erneuerung der Innenräume
Die Modernisierung der inneren Bausubstanz war für die Qualität der Lernumgebung essenziell. Die Sanierung umfasste: * Böden, Wände und Decken: Diese wurden erneuert, um einen modernen und hellen Look zu schaffen. * Sicht- und Sonnenschutz: Die Erneuerung dieser Elemente trägt zur Verbesserung des Raumklimas bei und reduziert die Aufheizung der Räume im Sommer, was die Klimatisierung unterstützt.
Projektmanagement und Bauausführung
Die Durchführung einer Generalsanierung an einem laufenden Betrieb (teilweise) stellt eine enorme logistische Herausforderung dar. Zwar wurde der Betrieb nicht vollständig ausgelagert, dennoch musste die Verfügbarkeit von Unterrichtsräumen gesichert werden.
Logistik: Modulbauweise
Um eine vollständige Auslagerung der Schülerinnen und Schüler zu vermeiden, wurden die Arbeiten in mehreren Bauabschnitten durchgeführt. Die betroffenen Bereiche wurden in einer Modulbauanlage untergebracht. Dies ermöglichte den laufenden Schulbetrieb während der mehrjährigen Sanierungsphase. Die Bauausführung musste daher exakt koordiniert werden, um Störungen des Unterrichts zu minimieren.
Projektsteuerung
Die Projektsteuerung oblag der Stadt Schriesheim, vertreten durch das Stadtbauamt. Als Projektleiter/ Bauleiter wurden Sebastian Bohnekamp und Arvid Blume genannt. Die Planungsleistung erstreckte sich über die gesamte HOAI von LPH 1-9, was eine enge Begleitung von der Vorplanung bis zur Objektbetreuung nach der Fertigstellung bedeutet.
Herausforderungen
Der Projektverlauf war nicht ohne Störungen. Quellen erwähnen Verzögerungen durch die COVID-19-Pandemie sowie Lieferengpässe. Diese Faktoren führten dazu, dass sich die Sanierungszeit verlängerte. Die Sanierung dauerte insgesamt über fünf Jahre und endete erst nach einer mehrjährigen Bauphase. Trotz dieser Herausforderungen konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden.
Zusammenarbeit und Akzeptanz
Die Sanierung eines öffentlichen Gebäudes erfordert die Zustimmung und Unterstützung der betroffenen Nutzer. Die Zusammenarbeit mit der Schulleitung und der Schulgemeinschaft wurde als positiv beschrieben. Die Fertigstellung wurde mit einem Festakt gewürdigt, bei dem die Schule als "bereit für die nächsten Jahrzehnte" bezeichnet wurde. Die Akzeptanz der Nutzer ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei Sanierungen dieser Größenordnung.
Fazit
Die Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums in Schriesheim ist ein lehrreiches Beispiel für die energetische und funktionale Aufwertung von Bestandsgebäuden der Nachkriegszeit. Die Investition von rund 25 Millionen Euro hat das Gebäude von einem energieintensiven 60er-Jahre-Bau in einen modernen, zukunftsfähigen Effizienzhausstandard 55 überführt. Die erreichten Einsparungen von 53 Prozent beim Endenergiebedarf und 66 Prozent bei den CO₂-Emissionen unterstreichen die Klimarelevanz solcher Maßnahmen.
Das Projekt zeigt, dass eine umfassende Sanierung unter Einbeziehung von Fassadendämmung, Dach- und Fenstererneuerung, Brandschutzoptimierung sowie der Erneuerung der inneren Bausubstanz möglich ist. Die Anwendung der Modulbauweise zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs während der Bauzeit demonstriert zudem professionelles Projektmanagement. Für Eigentümer vergleichbarer Bauten bietet die Sanierung in Schriesheim den Nachweis, dass hohe Investitionen in die Energieeffizienz nicht nur die Betriebskosten senken, sondern auch die Substanz des Gebäudes für Jahrzehnte sichern und die Nutzerqualität erheblich steigern.
Quellen
- DBN Architekten - Kurpfalz Gymnasium Schriesheim
- Ich machs - Energetische Sanierung Kurpfalz Gymnasium
- WNZ - Modern, hell, zukunftsfähig
- RNZ - Die Schule ist bereit für die nächsten Jahrzehnte
- Mannheimer Morgen - Kurpfalz-Gymnasium nach langer Sanierungszeit eingeweiht
- Mannheimer Morgen - Sanierung des Schulzentrums endet
- Sanierung Schriesheim