Sanierung und Ersatzneubau der Lesumbrücke A27: Zeitplan, Verkehrsentlastung und neue Radverkehrsführung

Die Lesumbrücke im Zuge der A27 bei Bremen ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, dessen Zustand und Zukunft seit Jahren Gegenstand von Planungen, Sanierungsmaßnahmen und Diskussionen sind. Für Anwohner, Pendler und die Bauwirtschaft sind die Entwicklungen rund um das Bauwerk von großer Bedeutung. Aktuelle Informationen aus den Bereichen Verkehrsentlastung, statische Sicherung und der geplante vollständige Ersatzneubau zeichnen ein Bild eines komplexen Infrastrukturprojekts, das in den kommenden Jahren die Region prägen wird. Dieser Artikel beleuchtet den derzeitigen Stand der Arbeiten, die Zeitplanung bis 2030 und die Konsequenzen für den Verkehr.

Der aktuelle Zustand und die Notwendigkeit von Maßnahmen

Die Lesumbrücke ist Teil der Bundesautobahn 27 und verbindet Bremen-Nord mit Bremen-Mitte. In der Vergangenheit zeigte sich, dass die Brücke baulich stark beansprucht ist. Bereits im Oktober 2020 berichtete das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) über die Dringlichkeit von Maßnahmen. Die Brücke war seit Ende 2018 teilweise gesperrt, da sie einer starken Belastung ausgesetzt ist und Sanierungsbedarf bestand (Source 5).

Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und zusätzliche Kapazitäten schnellstmöglich bereitzustellen, konzentrierte sich das ASV auf eine Variante zur sogenannten "Ertüchtigung". Unter Ertüchtigung versteht man in der Bauwirtschaft die Verstärkung des Bauwerks an seinen tragenden Bauteilen, um die zulässigen Belastungen wieder einzuhalten. Im Falle der Lesumbrücke bedeutete dies den Einbau zusätzlicher Stahlträger, um die statische Tragfähigkeit zu erhöhen (Source 4).

Herausforderungen bei der Sanierung

Die Umsetzung dieser Sanierung gestaltete sich schwieriger als ursprünglich angenommen. Im November 2019 ging man noch davon aus, dass der Einbau der Stahlbauteile mit mobilen Arbeitsgeräten direkt von der Brücke aus erfolgen könnte. Aufgrund der gestiegenen Einbaugewichte musste dieses Bauverfahren jedoch verworfen werden. Stattdessen waren umfangreiche Maßnahmen zur Schaffung geeigneter Arbeitsflächen im Fluss unterhalb der Brücke notwendig. Es musste eine Pontonanlage installiert werden, von der aus die Arbeiten durchgeführt werden konnten (Source 5).

Auch die Witterung spielte den Bauarbeiten einen Streich. Im Februar 2021 mussten die Arbeiten aufgrund eines starken Eisgangs auf der Lesum zeitweise ruhen. Erst mit einem zusätzlichen "Brückenuntersichtgerät" und höherem Personaleinsatz konnte die Arbeit wiederaufgenommen werden. Ziel war es, die bauliche Ertüchtigung bis Mitte Mai 2021 zu beenden, um die Brücke danach wieder vollständig für den Verkehr freizugeben (Source 4). ASV-Leiter Sebastian Mannl betonte damals, dass diese ungewöhnliche Methode von der Wasserseite aus nach Abwägung aller Möglichkeiten die am schnellsten umsetzbare Lösung war (Source 4).

Planungen für den Ersatzneubau bis 2030

Eine reine Sanierung ist auf Dauer nicht ausreichend. Die Planungen für einen vollständigen Ersatzneubau schreiten voran. Hier gab es in den letzten Jahren jedoch Veränderungen im Zeitplan. Noch im Jahr 2023 ging man von einer Fertigstellung im Jahr 2028 aus. Projektleiter Jörn Kück von der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) kalkulierte damals mit einer Bauzeit von drei Jahren, wobei die Bauleistungen bis zum Frühjahr 2025 hätten vergeben werden sollen (Source 7).

Verzögerung des Baubeginns

Aktuelle Planungen des Ressorts für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung sehen jedoch einen späteren Zeitplan vor. Der Baubeginn für die neue Lesumbrücke ist nun erst für Mitte/Ende 2027 vorgesehen. Dementsprechend verschiebt sich die Fertigstellung um zwei Jahre auf das Jahr 2030 (Source 7).

Während dieser Zeit sind jedoch weitere Arbeiten an der bestehenden Brücke notwendig, um den Verkehr während des Neubaus bewältigen zu können. Laut einer Vorlage aus dem September 2023 soll zuerst das Teilbauwerk in Fahrtrichtung Walsrode erneuert werden. Um den Verkehr umleiten zu können, muss die Fahrbahn in Richtung Cuxhaven verstärkt werden, sodass sie in der Bauphase zwei Spuren in jede Richtung tragen kann. Die Verstärkungsmaßnahmen sollen bei laufendem Verkehr umgesetzt werden, wobei man weitgehend von unten ohne Eingriff in den Verkehr arbeiten wird. Es werden nur wenige kurzzeitige Sperrungen erwartet. Die notwendigen Verstärkungsmaßnahmen werden derzeit geplant, ein Ergebnis soll bis Ende 2025 vorliegen (Source 6).

Integration des Radverkehrs: Ein Novum

Ein bedeutender Aspekt des Ersatzneubaus ist die geplante Integration des Radverkehrs. Bisher ist die Lesumbrücke ausschließlich Kraftfahrzeugen vorbehalten. Im Rahmen des Ersatzneubaus soll sich das ändern. Das Mobilitätsressort setzte sich beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr dafür ein, dass Radfahrer die Brücke künftig nutzen können. Dies wurde durch eine Änderung des Bundesfernstraßengesetzes ermöglicht, die es erlaubt, Betriebswege auf Autobahnbrücken auch für den Radverkehr freizugeben (Source 2, Source 3).

Konkret geplant ist ein einseitiger, drei Meter breiter Betriebsweg sowie zusätzliche Rampen für den Radverkehr. Mobilitätssenatorin Dr. Maike Schaefer begrüßte diese Planung als Beitrag zur Verkehrswende und betonte das hohe Potential dieser Verbindung für das Bremer Radverkehrsnetz und den regionalen Radverkehr. Der Bund hat die Finanzierung bereits schriftlich und rechtsverbindlich zugesagt (Source 2). Auch bei der aktuellen Aufstellung des Entwurfs für den Ersatzneubau wird auf Wunsch Bremens berücksichtigt, dass der Unterhaltungsweg von Radfahrern mitbenutzt werden soll. Hierbei wird insbesondere geprüft, wie künftig die Unterhaltung und die Prüfungen der Brücke gewährleistet werden können (Source 7).

Verkehrsentlastung in Grambke und Umgebung

Neben den technischen Aspekten des Brückenbaus spielt auch die Verkehrssituation im Umfeld eine große Rolle. Die A27 ist ein wichtiger Korridor, und bei Störungen auf der Autobahn wirkt sich dies massiv auf die umliegenden Wohngebiete aus. Insbesondere in Grambke und den angrenzenden Stadtteilen führen Staus auf der A27 dazu, dass Fahrer Schleichwege durch das Wohnviertel suchen. Dies führt zu Verkehrschaos und Lärmbelästigung für die Anwohner (Source 1).

Als Reaktion auf diese Problematik wurde eine Lösung für den Bahnübergang an der Grambker Dorfstraße in Richtung Nachtweide gefunden. Geplant ist, dass dieser Bahnübergang gesperrt wird, sobald die A27-Brücke über die Lesum ab 2028 erneuert wird. Ziel dieser Maßnahme ist die Entlastung der Anwohner des Wohngebiets nordöstlich der Bahnlinie. In einer Sitzung des Burglesumer Beiratsausschusses für Verkehr, Wirtschaft und Tourismus stieß der Vorschlag auf Zustimmung; die Anwohner zeigten sich zufrieden, auch wenn die Sperrung für sie selbst eine Einschränkung bedeutet (Source 1).

Zusammenfassung der Zeitplanung und Maßnahmen

Für Bauinteressierte, Hausbesitzer und Pendler in der Region Bremen-Nord lässt sich der Ablauf der kommenden Jahre wie folgt zusammenfassen:

  1. Kurzfristig (bis 2025): Planung und Umsetzung von Verstärkungsmaßnahmen an der bestehenden Brücke (Teilbauwerk Walsrode), um den Verkehr während des Neubaus auf zwei Spuren zu lenken.
  2. Mittelfristig (2025-2027): Fertigstellung der Planungen für den Ersatzneubau und Einleitung des Planfeststellungsverfahrens. Baubeginn voraussichtlich Mitte/Ende 2027.
  3. Langfristig (2027-2030): Bau der neuen Lesumbrücke mit integrierter Radverkehrsführung.
  4. Verkehrsentlastung: Sperrung des Bahnübergangs Grambker Dorfstraße zur Entlastung der Wohngebiete.

Fazit

Die Lesumbrücke A27 befindet sich in einer entscheidenden Phase zwischen akuter Sicherung und langfristigem Neubau. Die in den Jahren 2020 und 2021 durchgeführte statische Ertüchtigung (Source 4, Source 7) hat die Lebenszeit der alten Brücke verlängert, doch der vollständige Ersatzneubau ist unumgänglich. Die Verschiebung des Baubeginns auf 2027 und der Fertigstellungstermin auf 2030 erfordern Geduld von allen Verkehrsteilnehmern.

Gleichzeitig bietet der Neubau die Chance, die Verkehrsinfrastruktur modernen Anforderungen anzupassen. Die Integration eines drei Meter breiten Betriebsweges für Radfahrer ist ein Zeichen für den Wandel in der Verkehrsplanung und wird die regionale Vernetzung nachhaltig verbessern. Für die Anwohner in Grambke bringt die Sperrung des Bahnübergangs im Zuge der Bauarbeiten eine spürbare Entlastung des lokalen Verkehrsaufkommens. Alle Beteiligten – Bund, Land Bremen und die ausführende DEGES – arbeiten daran, diese komplexen Baumaßnahmen unter möglichst geringen Beeinträchtigungen für den laufenden Verkehr umzusetzen.

Quellen

  1. Weser-Kurier - Bahnübergang in Grambke
  2. Das BLV - A27 Brücke
  3. Senatspressestelle Bremen - Neue Radverbindung über die Lesum
  4. ASV Bremen - Geplante Fertigstellung Lesumbrücke
  5. ASV Bremen - Lesumbrücke wird baulich ertüchtigt
  6. Weser-Kurier - Planungen für Lesumbrücke
  7. Weser-Kurier - Lesumbrücke im Zuge der A27

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