Die Kampstraße in Dortmund steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Nach mehr als zwei Jahrzehnten der Planung und Diskussion verabschiedet sich die Stadt von einem alten Konzept und leitet unter dem Titel „RE:START Kampstraße“ eine Neuausrichtung ein, die Nachhaltigkeit, Klimawandelanpassung und Aufenthaltsqualität in den Mittelpunkt stellt. Für Immobilienbesitzer, Bauinteressierte und Fachleute aus der Stadtentwicklung markiert dieses Projekt einen signifikanten Wendepunkt in der Entwicklung der Dortmunder Innenstadt. Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe, die konzeptionellen Grundlagen und die technischen Aspekte der bevorstehenden Umgestaltung.
Hintergrund und Entwicklung der Planung
Die Geschichte der Kampstraße ist geprägt von langwierigen Planungsprozessen und sich ändernden städtebaulichen Ansprüchen. Ursprünglich sah der Entwurf des Architekturbüros „Atelier Fritschi + Stahl“ eine Umgestaltung mit einem markanten Lichtband, dunklen Bodenbelägen und einem Wasserspiel vor. Diese Pläne wurden jedoch letztlich nicht realisiert. Gründe für die Aufhebung waren vielfältig und lagen in sich verändernden Rahmenbedingungen sowie der Notwendigkeit, die Konzepte den aktuellen Bedürfnissen anzupassen.
Ende 2024 entschied der Rat der Stadt Dortmund schließlich, einen neuen Weg einzuschlagen. Das Ziel war ein Konzept, das die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sowie ökologische Aspekte in den Vordergrund stellt und dabei Erkenntnisse aus den vorangegangenen Planungsprozessen nutzt. Der Fokus liegt nun auf dem Abschnitt zwischen der Stadtbahnhaltestelle Reinoldikirche und der Petrikirche. Hier soll ein städtebauliches Gesamtkonzept entstehen, das als „blau-grünes Rückgrat“ die Innenstadt prägt.
Die Kampstraßen-DNA als Grundlage
Ein entscheidender Schritt in der Neuausrichtung war die intensive Bürgerbeteiligung. Unter dem Motto „Re:Start Kampstraße“ wurden mehr als 1.000 Ideen und Anmerkungen aus der Bevölkerung gesammelt. Daraus ist die sogenannte „Kampstraßen-DNA“ entstanden, die als Grundlage für die weitere Planung dient. Diese DNA definiert die Kernanforderungen an die Neugestaltung und spiegelt den Willen der Stadt wider, einen „grünen, ruhigen Gegenpol zum Hellweg“ zu schaffen.
Konzeptionelle Leitlinien und Ziele
Das neue Konzept für die Kampstraße orientiert sich an den heutigen Bedürfnissen von Fußgängerinnen und Radfahrern. Es setzt auf naturnahe Gestaltungselemente, die den Straßenraum in eine „grüne Lunge“ verwandeln sollen. Großbäume und Blühflächen sind zentrale Elemente, die nicht nur Schatten spenden, sondern auch Lebensräume für mehr Biodiversität schaffen. Diese Maßnahmen dienen der Verbesserung des Stadtklimas und steigern das Erlebnis für Besucherinnen und Besucher.
Blau-grüne Infrastruktur
Das Konzept des „blau-grünen Rückgrats“ ist ein zentrales Element der Neuplanung. Es verbindet wasserbezogene und begrünte Maßnahmen, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und den Klimawandel aktiv zu bekämpfen. Die Integration von Wasserelementen und einer starken Begrünung soll das Mikroklima in der Innenstadt verbessern. Besonders hervorzuheben ist dabei die Möglichkeit, trotz der beengten räumlichen Verhältnisse Platz für große Zukunftsbäume und Brunnen zu schaffen. Die bisherige Planung liefert hierbei wertvolles Wissen über die besonderen Restriktionen, etwa den geringen Raum zwischen Stadtbahn-Decke und Straßenoberfläche, der Wasser und Grün stark beschränkt.
Verkehrskonzept und Nutzungsvereinigung
Ein wesentlicher Aspekt der Neugestaltung ist die sichere Vereinigung von Rad- und Fußverkehr. Gleichzeitig soll motorisierter Verkehr auf das Notwendigste beschränkt werden, wobei der Lieferverkehr zu den anliegenden Gewerbetreibenden weiterhin berücksichtigt werden muss. Barrierefreiheit ist ein ebenso hohes Ziel wie die Bereitstellung sicherer Abstellflächen für Fahrräder und E-Scooter. Das Ziel ist ein vielfältig nutzbarer, grüner Stadtraum, der sowohl den alltäglichen Anforderungen als auch temporären Veranstaltungen wie der Weihnachtsstadt gerecht wird.
Technische Aspekte und Bauausführung
Die Umsetzung des Projekts ist in mehrere Phasen unterteilt und erfordert eine sorgfältige technische Planung. Ein aktuelles Beispiel für die laufenden Arbeiten in der Innenstadt sind die Sanierungsarbeiten am Pylon auf der Kampstraße. Hier befindet sich der vierte und letzte Bauquadrant in der finalen Phase der Sanierung, was den Tiefbauamt vor Ort bringt, um eine neue Betondecke aufzutragen. Diese Arbeiten zeigen, dass die Kampstraße auch während der Planung und vor Beginn der großen Umgestaltung ein Ort der Bautätigkeit ist, um die bestehende Infrastruktur zu erhalten.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Eine besondere Herausforderung stellt die Verbindung der vielfältigen Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer mit den öffentlichen und gewerblichen Interessen dar. Die Neuplanung muss die multifunktionalen Flächen für Spiel, Bewegung, Ruhe und Veranstaltungen in Einklang bringen. Dies erfordert eine flexible Möblierung und eine intelligente Raumorganisation.
Darüber hinaus müssen die technischen Anforderungen an eine moderne Stadtgestaltung berücksichtigt werden. Dazu gehören die Verbesserung von Sauberkeit, Sicherheit und Beleuchtung, insbesondere in den Abendstunden. Die Integration von sozialer Infrastruktur wie öffentlichen Toiletten, Trinkwassermöglichkeiten und barrierefreier Möblierung ist ein explizit genanntes Ziel.
Zeitplan und temporäre Gestaltung
Der Zeitplan für die Umsetzung ist langfristig angelegt. Ab Mitte 2026 steht die Kanalerneuerung im Mittelabschnitt der Kampstraße an. Erst danach, ab Mitte 2027, soll die eigentliche Umgestaltung beginnen. Das Projekt wird voraussichtlich im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Bis dahin plant die Stadt, den Prozess mit temporärem Grün und Aktionen zu begleiten, um die Kampstraße bereits vor der finalen Umgestaltung aufzuwerten.
Die europaweite Ausschreibung
Um die hohen gestalterischen Ansprüche zu erfüllen, wird die Generalplanung für die Umgestaltung der Kampstraße in einem zweistufigen Vergabeverfahren europaweit ausgeschrieben. Unternehmen können sich bewerben, um Konzepte für die Kampstraße zu entwickeln. Der Rat der Stadt Dortmund entscheidet über die Ausschreibung. Ziel ist es, hohe gestalterische Qualität, nachhaltige Materialien und eine perfekte Einbindung in die umliegende Stadtstruktur zu gewährleisten. Externe Projektsteuerung soll den Gesamtprozess beschleunigen und sicherstellen, dass das Ziel eines identitätsstiftenden, mikroklimatisch wirksamen Stadtraums erreicht wird.
Kernanforderungen an die Planung
Die Ausschreibung basiert auf klaren Vorgaben, die sich aus der Kampstraßen-DNA ableiten. Zu den Kernanforderungen gehören:
- Hohe gestalterische Qualität: Die visuelle Gestaltung muss ansprechend und zukunftsweisend sein.
- Nachhaltige Materialien: Die verwendeten Materialien müssen ökologischen Kriterien standhalten.
- Einbindung in die Stadtstruktur: Das Design muss sich nahtlos in das Umfeld einfügen.
- Starke Begrünung: Die Integration von urbanem Grün, insbesondere Bäumen, ist ein bestimmendes Entwurfselement.
- Integration von Wasserelementen: Wasserspiele oder Brunnen sollen zur Aufenthaltsqualität beitragen.
- Maßnahmen zur Klimaanpassung und Entsiegelung: Die Fläche soll versiegelt werden, um Wasser durchlässig zu halten und Hitzeinseln zu reduzieren.
- Multifunktionale Flächen: Die Räume müssen flexibel für Spiel, Bewegung, Ruhe und Veranstaltungen nutzbar sein.
- Förderung von Kunst, Kultur und Außengastronomie: Der Raum soll als Plattform für kreative Zwischennutzungen dienen.
Auswirkungen auf die Innenstadt
Die Umgestaltung der Kampstraße hat das Potenzial, das Herz der Dortmunder City nachhaltig zu verändern. Durch die Schaffung eines „Freiraums für alle“ ohne Konsumzwang und für alle Altersgruppen wird ein neues städtisches Angebot geschaffen. Das Ziel ist ein Wohlfühlort, der sowohl für Bewohnerinnen und Bewohner als auch für Besucherinnen und Besucher attraktiv ist. Die Verbesserung des Mikroklimas durch Begrünung und Wasserelemente trägt zudem zur Anpassung an den Klimawandel bei und erhöht die Lebensqualität im urbanen Raum.
Wirtschaftliche und soziale Aspekte
Ein grüner, lebendiger Stadtraum kann auch wirtschaftliche Impulse setzen. Eine attraktive Aufenthaltsqualität zieht mehr Menschen an, was sich positiv auf den Einzelhandel und die Gastronomie auswirken kann. Gleichzeitig schafft der Verzicht auf Konsumzwang einen offenen, demokratischen Raum, der soziale Interaktion fördert. Die Bereitstellung von Sitzgelegenheiten und konsumfreien Aufenthaltsangeboten unterstreicht den Anspruch, einen Ort für alle zu schaffen.
Fazit
Die Neugestaltung der Kampstraße in Dortmund unter dem Motto „RE:START“ markiert einen entscheidenden Schritt in der Stadtentwicklung. Nach jahrelangen Planungen und der Aufhebung alter Konzepte setzt die Stadt nun auf ein modernes, partizipatives und ökologisches Konzept. Die Ziele sind klar definiert: Schaffung einer grünen Lunge im Herzen der City, Verbesserung des Mikroklimas, sichere Verkehrsvereinigung und Steigerung der Aufenthaltsqualität für alle Bürgerinnen und Bürger.
Die Umsetzung wird in den kommenden Jahren stattfinden, beginnend mit der Kanalerneuerung 2026 und der eigentlichen Gestaltung ab 2027. Die europaweite Ausschreibung der Generalplanung sicherstellt, dass die hohen Ansprüche an Design und Nachhaltigkeit von erfahrenen Planungsteams umgesetzt werden. Für die Stadt Dortmund und ihre Bewohnerinnen und Bewohner ist dies eine Chance, ein zentrales Stück Innenstadt in einen lebenswerten, zukunftsfähigen und urbanen Raum zu verwandeln, der als Vorbild für andere Stadtsanierungen dienen kann.
Quellen
- Stadt Dortmund - Kampstraße wird grün und lebendig
- Ruhr24 - Bauarbeiten in der Dortmunder City
- Ruhrnachrichten - Die Kampstraße wird grün und ruhig
- Wir in Dortmund - Bäume und Wasser für die Kampstraße
- Stadtplanung Dortmund - RE:START Kampstraße
- Wir in Dortmund - Nach 26 Jahren neue Pläne für die Kampstraße