Sanierung des Magdeburger Doms: Historische Bausubstanz und technische Herausforderungen

Der Magdeburger Dom, als älteste gotische Kathedrale Deutschlands und Grablege Kaiser Ottos des Großen, steht derzeit im Fokus umfangreicher Sanierungsmaßnahmen. Diese Vorhaben betreffen nicht nur die historische Bausubstanz des Sakralbaus, sondern auch seine wertvolle Ausstattung, darunter das Geläut und die Orgeln. Für Bauexperten, Denkmalpfleger und an Architektur interessierte Besucher bietet der aktuelle Zustand des Doms ein Lehrbeispiel für die Komplexität von Restaurierungen an historischen Gebäuden. Die Sanierung umfasst dabei verschiedene Gewerke – von der Instandsetzung des Sarkophags von Otto I. über die Erweiterung des Glockengeläuts bis hin zur Restaurierung der Orgeln. Diese Arbeiten erfordern eine enge Kooperation zwischen der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, der evangelischen Domgemeinde und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Die Sanierung des Grabes von Otto I.

Ein zentrales und spektakuläres Projekt ist die Sicherung und Restaurierung des Grabes von Otto I. im Hohen Chor. Die Grabstätte besteht aus einem Steinsarkophag, der erhebliche Schäden aufweist. Um den Sarkophag zu sanieren, muss dieser geleert und zeitweise versetzt werden. Im Zuge dieser Arbeiten wurde im Juni 2025 der hölzerne Innensarg geöffnet. Dabei wurden menschliche Gebeine, Textilien und Grabbeigaben sichergestellt.

Die Untersuchungen, die vor Ort in Magdeburg durchgeführt werden, dienen dazu, zu klären, ob es sich tatsächlich um die Überreste Ottos des Großen handelt. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle hat Erfahrungen mit der Sanierung von Sarkophagen im Dom, da bei früheren Grabungen zufällig der Sarg der ersten Gemahlin Ottos, Königin Editha, gefunden wurde. Damals führten Untersuchungen in Halle zu Konflikten, da befürchtet wurde, der Fund würde im Museum ausgestellt. Um solche Konflikte diesmal zu vermeiden, erfolgen alle Untersuchungen direkt im Magdeburger Dom. Dies ist eine Grundvoraussetzung für das Projekt.

Der Holzsarg war an einigen Stellen zerstört, und die Gebeine lagen nicht mehr in natürlicher Anordnung. Zudem wurde über Stoffreste berichtet. Der Zustand der Grabstätte ist durch die löchrige Marmorplatte und Umrandung des Steinsarkophags problematisch, da alles im Inneren nicht sauerstoffabgeschlossen ist. Hinzu kommen heftige Klimaschwankungen im Dom in den vergangenen Jahren, die ein rasches Handeln notwendig machen. Nach Abschluss der Sanierung, die voraussichtlich ein Jahr dauern wird, sollen die Gebeine in einen neuen Holzsarg umgebettet und Otto I. bis Mitte nächsten Jahres wieder im Magdeburger Dom beigesetzt werden.

Organisation und Kooperation bei den Sanierungsarbeiten

Die Durchführung der Sanierung erfordert ein hohes Maß an Kooperation, da die Zuständigkeiten für den Dom komplex geregelt sind. Der Dom gehört der Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt, die auch für die Sanierung zuständig ist. Die evangelische Domgemeinde hat das Nutzungsrecht. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ist für die Umsetzung der Sicherungsmaßnahmen verantwortlich. Alle drei Einrichtungen arbeiten eng zusammen.

Während der Baumaßnahmen ist die Grabstätte von einer geschlossenen Einhausung – einem kastenartigen Holzbau – umgeben. Dies ermöglicht die hochdiffizilen Arbeiten bei laufendem Betrieb. Der Dom bleibt für Besucher zugänglich, und Gottesdienste werden weiterhin gefeiert. Die Dompredigung begleitet die Maßnahmen kritisch; in einer Zeremonie wurde der Kaiser um Vergebung für die notwendigen Eingriffe gebeten. Ein hoher Sicherheitsaufwand ist erforderlich, da die Marmorplatte des Grabes angehoben werden muss, was den Bereich nur noch im Vollschutz betretbar macht.

Sanierung und Ergänzung des Domgeläuts

Neben der Grabstätte ist auch das Domgeläut Thema eines langfristigen Sanierungsprojekts. Der Magdeburger Dom soll wieder mit 12 Glocken ausgestattet sein, um ein vollwertiges Kathedralgeläut zu erhalten. Aktuell sind nur noch 4 Glocken vorhanden; diese müssen durch 8 neue Glocken ergänzt werden. Die 4 historischen Glocken sind Apostolica, Orate, Osanna und Domina. Die neuen Glocken sollen die Namen Amemus, Cantemus, Benedicamus, Queramur, Dubitemus, Resistamus, Speremus und Credamus tragen.

Das Projekt ist das Ergebnis mehrjähriger Expertensitzungen, die seit 2015 stattfinden. Beteiligt sind Glockensachverständige der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM), des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, der Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt sowie der Domgemeinde. Ziel ist es, die akustische und historische Bedeutung des Doms wiederherzustellen.

Restaurierung der Domorgeln

Auch die Orgeln des Doms sind Gegenstand von Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen. In den Jahren 1997 bis 2011 wurde durch die "Aktion Neue Domorgeln Magdeburg e.V." die angemessene Orgelaustattung des Doms mit einem Kostenaufwand von 2,5 Millionen Euro wiederhergestellt. Dabei entstanden die neue große Hauptorgel (Alexander Schuke Orgelbau Potsdam) und die neue Remter-Orgel (Glatter-Götz Orgelbau).

Der Verein hat sich 2013 in "Domorgeln Magdeburg e.V." umbenannt und konzentriert sich nun auf die Unterstützung der Nutzung und Pflege der vier Orgeln. Ein aktuelles Ziel ist die Sanierung der 50 Jahre alten Paradiesorgel, für die Stifterbeiträge und Spenden gesucht werden. Ein Symbolfigur des Vereins ist der goldene Hahn im Prospekt der Hauptorgel, der an die historische Compenius-Orgel von 1604/05 anknüpft.

Fazit

Die Sanierung des Magdeburger Doms ist ein komplexes Bauvorhaben, das die Sicherung historischer Substanz mit modernen Restaurierungstechniken verbindet. Die Maßnahmen am Grab von Otto I. dienen der Erhaltung eines zentralen Erinnerungsorts europäischer Geschichte. Durch die vor Ort durchgeführten Untersuchungen wird sichergestellt, dass die historische Integrität gewahrt bleibt. Parallel dazu wird mit der Ergänzung des Glockengeläuts und der Pflege der Orgeln die akustische und liturgische Funktion des Doms nachhaltig gesichert. Die enge Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen ist dabei der Schlüssel zum Erfolg dieser Vorhaben. Für Bauherren und Denkmalpfleger bietet der Magdeburger Dom ein Beispiel dafür, wie historische Bauten unter Berücksichtigung ihrer vielfältigen Nutzungsfelder erhalten werden können.

Quellen

  1. MDR.de - Sanierung im Dom Magdeburg: Spektakuläre Erkenntnisse zu Überresten im Grab von Otto I.
  2. MDR.de - Hoher Sicherheits-Aufwand wegen Kaiser Otto I.
  3. Domglocken Magdeburg - Das Projekt
  4. Aktion Neue Domorgeln Magdeburg - Die Sanierung der Paradiesorgel

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