Einleitung
Die Sanierung und der Ersatzneubau der Maria-Ward-Schule in Bamberg stellen ein herausragendes Beispiel für die Transformation historischer Bildungseinrichtungen im 21. Jahrhundert dar. Das Projekt, das von der Bauherrschaft, dem Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, initiiert und umgesetzt wird, verbindet den respektvollen Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz mit den Anforderungen einer modernen, zukunftsweisenden Lernwelt. Ziel des umfassenden Bauprojekts, das bis voraussichtlich Frühjahr 2027 abgeschlossen sein soll, ist die Schaffung eines der modernsten Schulbaukomplexe in Bayern.
Das Vorhaben umfasst die generalsanierte Instandsetzung von vier denkmalgeschützten Einzelgebäuden und den Abbruch sowie Neubau von drei jüngeren Gebäudestrukturen. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der reinen Bausubstanz, sondern auf der Schaffung eines integrierten Ensembles, das durch ein Glasdach im Innenhof zu einer neuen, großen Aula und Begegnungsstätte transformiert wird. Im Zentrum der Planung und Ausführung stehen die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Ressourcenschonung sowie die Umsetzung pädagogischer Innovationen durch architektonische Gestaltung. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, architektonischen und energetischen Aspekte dieses komplexen Bauvorhabens, das als Vorbild für zukünftige Sanierungs- und Neubauprojekte im Bildungswesen dienen kann.
Historischer Kontext und Ausgangslage
Die Maria-Ward-Schule Bamberg, bestehend aus einem Gymnasium, einer Realschule und einer Ganztagschule, befindet sich im Zentrum der Weltkulturerbestadt Bamberg. Die Gebäude liegen am nördlichen Rand des Altstadtkerns, geprägt von großmaßstäblichen Gebäuden der Schule und der Institutskirche der Congregatio Jesu. Die Übernahme der Schulen durch die Erzdiözese Bamberg im Jahr 2002 markierte den Beginn einer Notwendigkeit zur Sanierung und Erweiterung, da die bestehenden Strukturen den pädagogischen und energetischen Anforderungen der Zukunft nicht mehr gerecht wurden.
Das Projekt begann bereits 2010 mit ersten Konzeptionen, wobei die Baumaßnahmen an der Edelstraße 8 schließlich 2012 aufgenommen und ein erster Abschnitt 2017 abgeschlossen wurde. Die aktuelle Bauphase, die 2021 begann, stellt den Abschluss der kompletten Sanierung dar. Die Herausforderung bestand von Anfang an in den engen Platzverhältnissen und der unmittelbaren Anbindung an historische Bausubstanz, was eine extrem präzise Planung der Bauausführung und Logistik erforderte. Das Ziel war und ist die Schaffung eines zukunftsorientierten Gesamtensembles, das die drei Schulformen baulich verbindet und den Austausch sowie das "Miteinander" fördert, ohne die gewachsene historische Stadtstruktur zu beeinträchtigen.
Architektonisches Konzept: Integration und Moderne
Das architektonische Leitbild des Projekts basiert auf einem integrierten "Konzept der Höfe". Dieses Konzept sieht vor, die einzelnen Bauwerke der Realschule, des Gymnasiums und der Ganztagschule zu einem einzigen, einheitlich gestalteten Schulgebäude zu verbinden. Im Zentrum dieser Transformation steht der große Innenhof, der durch eine Glasdachkonstruktion in eine neue, große Aula und einladende Begegnungsstätte umgewandelt wird. Diese Gestaltung ermöglicht es, den Innenraum wetterunabhängig zu nutzen und schafft gleichzeitig eine helle, offene Atmosphäre, die das Lernklima positiv beeinflusst.
Der Entwurf des Architekturbüros H2M sieht einen Ersatzneubau entlang der Edelstraße vor, der sich direkt an die denkmalgeschützte Gebäudesubstanz anschließt. Ein besonderes Merkmal ist der Erweiterungsbau auf der gegenüberliegenden Straßenseite, der über einen Brückenbau im 1. Obergeschoss direkt angebunden wird. Um eine maßstäbliche Einfügung in die kleinteilige historische Umgebung zu ermöglichen, wurde die Sporthalle komplett abgesenkt. Diese Maßnahme schafft Raum für angemessene Übergänge zur angrenzenden Bebauung und einen gut geschnittenen Innenhof.
Die äußere Gestaltung des Neubaus reagiert sensibel auf das Umfeld. Die Dachform als frei geformtes Satteldach und die umlaufende Traufhöhe des Neubaus orientieren sich an den vorherrschenden Höhen der Umgebung. Die Fassadenprofile der angrenzenden Bestandsgebäude werden aufgenommen und in eine zeitgemäße Struktur übersetzt. Die Materialien der Fassade werden aus dem vorherrschenden Materialmix der Umgebung abgeleitet, was eine harmonische Verschmelzung von Alt und Neu gewährleistet. Große Fenster erlauben Ein- und Ausblicke und sorgen für Tageslicht in den Lernräumen, während schattenspendende Bäume ein angenehmes Mikroklima im Außenbereich schaffen.
Pädagogische und funktionale Raumkonzepte
Das Bauvorhaben ist tief in einem pädagogischen Konzept verwurzelt, das als "andere Lernwelt" bezeichnet wird. Dieses Konzept vermittelt christliche Werte wie gutes Miteinander und Wertschätzung und zielt darauf ab, flexible Unterrichtsformen und einen erhöhten Austausch zwischen den Schülern der verschiedenen Schulzweige zu ermöglichen. Die Architektur unterstützt dies durch offene, freundliche und einladende Gebäudestrukturen.
Insgesamt entstehen 47 Klassenzimmer sowie zahlreiche Fachräume. Konkret sind 36 Klassenzimmer und 10 Kursräume geplant, die Platz für rund 1.200 Schülerinnen und Schüler bieten sollen. Hinzu kommen spezialisierte Fachräume für Naturwissenschaften und Werkstätten. Die Funktionsräume umfassen eine Aula, eine Mensa, eine Bibliothek, einen Multifunktionsraum und eine Turnhalle im Untergeschoss.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Qualität der Lernräume. Trotz der beengten Situation in der Innenstadtlage sind alle Klassenräume von gleicher Qualität, gut belichtet und ungestört von der umgebenden Bebauung. Die Zeichensäle und Werkräume sind überwiegend nach Norden orientiert; in Verbindung mit Oberlichtern wird somit eine gleichmäßige, blendfreie Ausleuchtung erzielt. Im Außenbereich sorgen Spielgeräte und ein "grünes Klassenzimmer" für Abwechslung im Unterrichtsalltag und bieten den Schülern alternative Aufenthaltsmöglichkeiten.
Bauphysik und Nachhaltigkeit: Energetische Standards
Ein Kernanliegen des Projekts ist die Einhaltung und Übertreibung aktueller Umwelt- und Klimaschutzanforderungen. Das Baukonzept setzt auf den Einsatz regionaler und umweltfreundlicher Baustoffe sowie auf eine hocheffiziente Energietechnik.
Die Bauphysik und Energietechnik des Neubaus werden nach neuesten Nachhaltigkeitsstandards ausgelegt. Ein zentrales Element ist die Kühlung über Geothermie. Diese Technologie nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs, um Gebäude im Sommer zu kühlen und im Winter zu beheizen, was den Energiebedarf erheblich reduziert. Die Kombination aus einer hochwertigen Dämmung, einer intelligenten Gebäudeautomation und der Nutzung erneuerbarer Energien durch die Geothermie soll einen sehr niedrigen Primärenergiebedarf erreichen.
Auch bei der Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude werden hohe energetische Standards angestrebt, wobei der Denkmalschutz natürlich Vorrang hat. Die Maßnahmen umfassen die Erneuerung von Fenstern und Türen unter Beachtung historischer Vorbilder sowie die Optimierung der Gebäudehülle, soweit dies denkmalverträglich möglich ist. Das Ziel ist ein Gesamtensemble, das in seiner Energiebilanz modernsten Neubauten entspricht, obwohl es teilweise auf historischem Mauerwerk basiert.
Herausforderungen der Bauausführung: Tiefbau und Gründung
Aufgrund der beengten Verhältnisse in der Innenstadt und der Notwendigkeit, bestehende Gebäude teilweise zu erhalten und direkt anzubauen, stellt die Bauausführung hohe Anforderungen an das Tiefbauwesen und die Baugrubensicherung. Die Quellenlage gibt hierzu detaillierte Einblicke in die technischen Lösungen.
Da die Baustelle von mehrseitig angrenzenden Bestandsgebäuden umgeben ist und die Platzverhältnisse sehr eng sind, war ein sogenannter Verbau notwendig. Als Baugrubensicherung kam eine rückverankerte sowie teilweise innerhalb der Baugrube ausgesteifte überschnittene Bohrpfahlwand zur Ausführung. Diese Wand sichert die Baugrube gegen Einsturz und verhindert das Auswaschen von Erdreich, was besonders bei hohem Grundwasserspiegel essentiell ist.
Ein weiteres Problem war der hohe Grundwasserstand in Bamberg. Um einen Auftrieb des Gebäudes durch das Grundwasser (Auftriebssicherung) zu verhindern, wurden technische Maßnahmen erforderlich. Diese wurden mittels GEWI-Mikropfählen sowie der Adaption der Bodenplatte an die Pfahlwand sichergestellt. GEWI-Mikropfähle sind geriffelte Stahlstäbe, die in Bohrlöchern mit Zementmörtel verpresst werden und eine hohe Tragfähigkeit auch bei schwierigen Bodenverhältnissen bieten.
Der Ersatzneubau selbst gründet auf Bohrpfählen, die das Bauwerk tief in den tragfähigen Unter tragen. Auch für den notwendigen Hochbaukran wurde eine spezielle Pfahlgründung erstellt, um die Stabilität der schweren Maschine auf dem Baugelände zu gewährleisten. Um die Logistik auf der engen Baustelle zu sichern, wurde zudem eine Behelfsüberfahrt direkt in den Verbau integriert, was eine flexible Materialanlieferung ermöglichte.
Logistische Lösungen: Die "Schul-Village"
Ein oft unterschätzter Aspekt bei der Sanierung von Schulen ist die Unterbringung der Schüler während der Bauzeit. Da ein kompletter Abriss und Neubau sowie die Sanierung von vier Gebäuden gleichzeitig stattfinden, musste eine Lösung für den laufenden Schulbetrieb gefunden werden.
Die Lösung des Erzbistums Bamberg war eine "Schul-Village" in Holzmodulbauweise. Diese temporäre Unterkunft bietet den Schülern und Lehrern während der mehrjährigen Bauphase attraktive und funktionale Räumlichkeiten. Holzmodulbauweise zeichnet sich durch schnelle Montage, hohe Qualität und gute Klimaeigenschaften aus. Diese Lösung minimiert die Störungen des Schulbetriebs und ermöglicht den Fortunterricht in direkter Nähe zur eigentlichen Baustelle.
Zeitplan und Projektablauf
Das Projekt ist ein Langzeitvorhaben, das Geduld und langfristige Planung erfordert. Nach den ersten Konzeptionen im Jahr 2010 und Baubeginn 2012 wurde 2017 ein erster Bauabschnitt fertiggestellt. Die aktuelle und finale Bauphase begann 2021. Ein wichtiges Meilenstein war das Richtfest, das im September 2025 gefeiert wurde. An diesem Tag dankte die Baudirektorin des Erzbistums, Petra Postler, sowie der Leiter der Schulabteilung, Alexander Pfister, allen beteiligten Firmen und dem Architekturbüro H2M für die gemeinsame Arbeit.
Laut aktueller Planung soll die Fertigstellung des gesamten Komplexes im Frühjahr 2027 erfolgen. Dann wird der Schulbaukomplex als einer der modernsten Bayerns gelten und eine neue Ära für die Maria-Ward-Schule Bamberg einläuten.
Fazit
Die Sanierung und der Ersatzneubau der Maria-Ward-Schule in Bamberg ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Architektur und nachhaltigem Bauen. Das Projekt zeigt auf, wie historische Schulgebäude unter Wahrung ihrer baulichen Identität in eine zukunftsfähige Lernumgebung transformiert werden können.
Zentrale Erfolgsfaktoren des Vorhabens sind: * Das integrale "Konzept der Höfe", das eine räumliche und soziale Vernetzung der Schulformen fördert. * Die konsequente Ausrichtung an Nachhaltigkeitsstandards, insbesondere durch den Einsatz von Geothermie und regionalen Baustoffen. * Die technische Meisterleistung im Tiefbau, bestehend aus einer aufwändigen Bohrpfahlwand zur Baugrubensicherung und einer sicheren Gründung bei hohem Grundwasserspiegel. * Die soziale Komponente der Unterbringung in einer Holzmodulbauweise ("Schul-Vilege"), die den Schulbetrieb während der langen Bauzeit ermöglichte.
Das Projekt dient als Leuchtturmprojekt für den modernen Schulbau in Deutschland. Es beweist, dass Investitionen in Bildungsinfrastruktur nicht nur der Substanz, sondern auch der Pädagogik dienen, wenn Architektur und Didaktik Hand in Hand gehen. Für Bauherren, Planer und Investoren in der Immobilien- und Bauwirtschaft bietet die Maria-Ward-Schule wertvolle Erkenntnisse zur Sanierung komplexer Immobilienbestände unter schwierigen Rahmenbedingungen.
Quellen
- Maria-Ward-Schule Bamberg - Neubau
- Erzbistum Bamberg - In Bamberg entsteht eine der modernsten Schulen Bayerns
- mkingenieure.de - Generalsanierung Maria-Ward-Schule Bamberg
- h2m-architekten.de - Maria-Ward-Schule Bamberg
- peckdaam.de - Maria-Ward-Schulen
- 100prozentbamberg.de - In Bamberg entsteht eine der modernsten Schulen Bayerns