Sanierung und Privatisierung: Analyse der Marktparkhaus-Sanierung in Geldern und deren Auswirkungen auf die städtische Infrastruktur

Einleitung

Die Stadt Geldern, gelegen im Kreis Kleve, steht vor bedeutenden Veränderungen im Bereich ihrer städtischen Infrastruktur. Ein zentraler Aspekt dieser Entwicklung ist die Sanierung des Marktparkhauses am Südwall. Diese Maßnahme, die im Jahr 2019 initiiert wurde, stellt einen wesentlichen Schritt dar, um die Parkinfrastruktur im Stadtzentrum zu modernisieren und die Attraktivität der Innenstadt für den Einzelhandel zu erhalten. Parallel zu den Baumaßnahmen am Parkhaus vollzieht die Stadt Geldern eine strategische Neuausrichtung im kommunalen Bauwesen durch die Gründung der Gelderner Bau Gesellschaft mbH (GBG). Diese Entwicklung zeigt, dass die Stadt nicht nur in die Instandhaltung von Verkehrswegen, sondern auch in die Optimierung von Planungs- und Bauprozessen für öffentliche Einrichtungen investiert. Zudem weist der Kreis Kleve eine aktive Förderpolitik auf, die Finanzierungen für größere Sanierungsprojekte, wie das Hallenbad „Parkbad Gelderland“, bereitstellt. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und wirtschaftlichen Aspekte der Parkhaussanierung, die strategische Entscheidung der Privatisierung und den strukturellen Wandel im kommunalen Bauwesen.

Das Marktparkhaus am Südwall: Sanierung und technische Modernisierung

Das Marktparkhaus am Südwall war im Jahr 2019 Gegenstand umfangreicher Sanierungsarbeiten. Die Maßnahmen waren notwendig, um die Bausubstanz zu sichern und die technische Ausstattung an moderne Standards anzupassen. Der Betreiber der Anlage plante die Sanierung in zwei Bauschnitten, um die Stilllegungszeit so kurz wie möglich zu halten und den Parkbetrieb aufrechtzuerhalten.

Zeitplan und Durchführung der Sanierung

Die Sanierung begann am Pfingstdienstag, dem 11. Juni, und sollte ursprünglich bis etwa Ende September andauern. Während dieser Zeit war das Parkhaus für die Öffentlichkeit geschlossen. Lediglich Mieter von Dauerstellplätzen behielten Zugang zu den Hallen.

Die Arbeiten konzentrierten sich zunächst auf die hintere Halle C. Parallel dazu wurden Abdichtungsarbeiten auf dem oberen Parkdeck durchgeführt. Die Fertigstellung war für Ende September geplant. Nach Abschluss der ersten Sanierungsphase und der Wiedereröffnung für den allgemeinen Publikumsverkehr plante der Investor, die Sanierung der kleinen Halle A in zwei Abschnitten durchzuführen. Ziel war es, den Durchgang zum Markt für Kunden von Anfang an frei zu halten. Die Freigabe der sanierten Halle A erfolgte schließlich am 22. November.

Technische Verbesserungen und Modernisierungsmaßnahmen

Die Sanierung umfasste weitreichende technische Verbesserungen, die über reine Instandsetzungsarbeiten hinausgingen:

  • Beleuchtung: Die Installation einer LED-Beleuchtung sorgt für mehr Helligkeit bei gleichzeitig reduziertem Stromverbrauch.
  • Filtertechnik: Die Filtertechnik wurde auf den neuesten Stand gebracht, was die Luftqualität in der geschlossenen Parkhalle verbessert.
  • Zahlungssysteme: Neue Kassenautomaten wurden installiert, die neben Münzen und Geldscheinen auch das bargeldlose Bezahlen ermöglichten.
  • Verkehrssicherung: Die Überarbeitung beider Rampen und die Erneuerung aller Markierungen gehörten ebenfalls zum Sanierungsumfang.

Diese Maßnahmen dienten dazu, die Nutzbarkeit und Sicherheit der Anlage zu gewährleisten und die Betriebskosten durch effizientere Technik zu senken.

Strategische Neuausrichtung: Privatisierung des Parkhauses

Ein entscheidender strategischer Schritt der Stadt Geldern war der Verkauf des Marktparkhauses an den Investor Reinhard Fleurkens. Diese Entscheidung fiel vor dem Hintergrund einer dauerhaften Defizitbilanz der städtischen Parkhausbetriebs und eines hohen Investitionsbedarfs.

Hintergründe des Verkaufs

Bürgermeister Sven Kaiser begründete den Verkauf mit dem hohen Investitionsbedarf in Höhe von 1,5 Millionen Euro und einem jährlichen Minus von 130.000 Euro. Die Stadtverwaltung entschied, die finanziellen Mittel lieber in die Sanierung der Schulen zu investieren, anstatt den dauerhaften Zuschuss für das Parkhaus weiterzuführen.

Der Investor Reinhard Fleurkens, der bereits für die Ansiedlung von C&A und H&M in Geldern verantwortlich ist, sah in der Übernahme eine Chance, die Innenstadt als Einkaufsstandort zu stärken. Er betonte, dass preiswerte Parkmöglichkeiten eine Voraussetzung für den Erfolg des Einzelhandels sind. Er verwies dabei auf eine Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH Köln), die die Wichtigkeit von Parkplätzen für die Entwicklung der Innenstädte hervorhebt.

Auswirkungen auf die Parkpolitik

Mit dem Verkauf änderte sich die Betriebsstruktur, jedoch nicht die grundsätzliche Verfügbarkeit für die Bürger. Fleurkens sicherte zu, den Fokus auf die Bereitstellung kostengünstiger Parkplätze zu legen. Zudem kündigte er an, die Parkplätze am Kapuzinertor, die bisher primär mit dem Edeka-Markt verbunden waren, stärker für den gesamten Stadtverkehr zu öffnen. Diese Maßnahme soll den Verkehrsfluss in der Innenstadt optimieren und den Druck auf das Marktparkhaus reduzieren.

Die Gelderner Bau Gesellschaft (GBG): Modernisierung der Verwaltungsstruktur

Parallel zu den physischen Baumaßnahmen am Parkhaus reformierte die Stadt Geldern ihre internen Strukturen. Im Juli 2018 beschloss der Stadtrat die Gründung der Gelderner Bau Gesellschaft mbH (GBG), die am 1. April 2019 ihre Arbeit aufnahm.

Gründung und Auftrag

Die GBG ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der Stadt Geldern. Ihr primärer Zweck ist die schnellere und einfachere Planung und Umsetzung von Bauvorhaben. Durch die Auslagerung in eine Gesellschaft sollen Entscheidungsprozesse zügiger und effizienter gestaltet werden. Dies führt zu Zeitersparnissen, höherer Wirtschaftlichkeit und letztendlich zu Kosteneinsparungen im Vergabe-Verfahren.

Das Unternehmen berichtet direkt an die politischen Gremien der Stadt und unterliegt der Kontrolle eines Aufsichtsrates, dessen Vorsitzender Bürgermeister Sven Kaiser ist.

Projekte und Personal

Die GBG ist für die Sanierung, den Umbau und den Neubau städtischer Gebäude zuständig. Dazu gehören Schulen, Sporthallen und Kindertageseinrichtungen. Ein Beispiel für die Tätigkeit der GBG ist die Betreuung der Sanierung und Erweiterung der Albert-Schweitzer-Schule sowie die Planung des Wohn- und Geschäftshauses Markt 22.

Das Unternehmen verfügt über ein Team erfahrener Architekten. Zu den Mitarbeitern zählen: * Ernst-Christian Gerats: Zuständig für die Betreuung der Sanierung der Albert-Schweitzer-Schule und Planung der Stadtgärtnerei. * Jan Butzheinen-Denkewitz: Verantwortlich für das Schulbauprojekt der neuen Realschule am Standort der ehemaligen Geschwister-Scholl-Schule. * Hazem Hitalani: Junior-Architekt mit Studienabschluss.

Die GBG agiert nach den Prinzipien Integrität, Verantwortung und Transparenz und sieht sich in gesellschaftlicher Verantwortung für die Stadtentwicklung.

Förderpolitik des Kreises Kleve

Die Aktivitäten in Geldern finden statt im Kontext einer aktiven Förderpolitik des Bundes und des Kreises Kleve. Der Bundestagsabgeordnete Stefan Rouenhoff meldete im Jahr 2022 die Bewilligung von fast 11 Millionen Euro Fördermitteln für den Kreis Kleve.

Konkrete Förderprojekte

Von den insgesamt 10.954.739 Euro, die aus dem Programm „Sanierung Kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ stammen, profitieren insbesondere: * Geldern: Die Sanierung und Erweiterung des Hallenbades „Parkbad Gelderland“ mit 5.397.239 Euro. * Kapellen: Der Ersatzneubau des Bürgerzentrums Geldern-Kapellen mit 1.057.500 Euro. * Kleve: Die Sanierung des Lehrschwimmbeckens und der Turnhalle der Marienschule mit 4.500.000 Euro.

Diese Mittel sind darauf ausgelegt, den bestehenden Sanierungsstau an wichtigen Orten des Zusammenlebens abzubauen. Bürgermeister Kaiser betonte, dass die Förderung für das Parkbad Gelderland ein wichtiger Baustein ist, um das Projekt schneller voranzutreiben, und die Förderung für das Bürgerzentrum in Kapellen ein Signal zur Stärkung der Ortschaften setzt.

Fazit

Die Entwicklungen in Geldern im Jahr 2019 zeigen eine multipolare Strategie zur Bewältigung kommunaler Herausforderungen. Die Sanierung des Marktparkhauses am Südwall war eine notwendige Maßnahme zur Sicherung der Verkehrsinfrastruktur, die durch eine umfassende technische Modernisierung (LED-Beleuchtung, neue Kassen, Rampensanierung) aufgewertet wurde. Gleichzeitig markiert der Verkauf der Anlage an Reinhard Fleurkens einen strategischen Paradigmenwechsel: Die Stadt entlastet sich von finanziellen Defiziten und vertraut auf private Investitionen zur Stärkung des Einzelhandelsstandorts.

Die Gründung der Gelderner Bau Gesellschaft mbH stellt eine strukturelle Innovation dar, um die Effizienz bei der Umsetzung von Großprojekten, insbesondere im Schulbereich, zu steigern. Die aktive Förderpolitik des Bundes und des Kreises Kleve unterstreicht die Relevanz von Sanierungsmaßnahmen im öffentlichen Raum und bietet finanzielle Unterstützung für Vorhaben wie das Parkbad Gelderland. Für Bauinteressierte und Immobilienbesitzer in der Region signalisieren diese Maßnahmen eine positive Entwicklung der Infrastruktur und eine Professionalisierung der Planungs- und Bauprozesse.

Quellen

  1. RP Online: Sanierung Marktparkhaus Geldern
  2. RP Online: Wiedereröffnung Marktparkhaus Geldern
  3. Stefan Rouenhoff: Bundesmittel für Kreis Kleve
  4. Gelderner Bau Gesellschaft: Über uns
  5. RP Online: Verkauf Parkhaus Südwall

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