Die Sanierung von Sportstätten stellt im Bauwesen eine komplexe Herausforderung dar, die technische Präzision, wirtschaftliche Kalkulation und strategische Stadtplanung vereint. Am Beispiel des Marschwegstadions in Oldenburg lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie bestehende Infrastruktur unter den aktuellen Anforderungen des modernen Fußballs und den Grundsätzen der Nachhaltigkeit saniert und ertüchtigt wird. Dieser Artikel beleuchtet die durchgeführten Maßnahmen, die zugrundeliegenden Entscheidungsprozesse und die Diskussion um einen potenziellen Neubau aus der Sicht von Bauexperten und Planern.
Die Notwendigkeit der Modernisierung: Ausgangslage und Zielsetzung
Das Marschwegstadion in Oldenburg ist ein klassisches Beispiel für eine Sportstätte, die über Jahrzehnte gewachsen ist und nun einer grundlegenden Modernisierung unterzogen werden musste, um den zeitgemäßen Standards zu entsprechen. Die Dringlichkeit dieser Sanierung ergab sich nicht nur aus dem allgemeinen Verschleiß der Anlage, sondern vor allem aus den spezifischen Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für den Spielbetrieb in den höheren Ligen.
Die Stadt Oldenburg sah sich mit der Aufgabe konfrontiert, die Infrastruktur so zu verbessern, dass der örtliche Verein, der VfB Oldenburg, im Falle eines sportlichen Erfolgs die Lizenz für die 3. Fußball-Liga erhalten würde. Ohne diese Auflagen wäre ein Profibetrieb am Standort nicht möglich gewesen. In einer Sitzung am 7. November 2022 erteilte der Stadtrat daher einstimmig den Auftrag für die „Ertüchtigung“ des Stadions. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann betonte damals, dass die Sanierung überfällig sei und eine sinnvolle Investition in den Sportstandort Oldenburg darstelle. Von den Maßnahmen profitierten alle Nutzerinnen und Nutzer des Stadions.
Finanziell wurde dieses Vorhaben durch einen Beschluss gefestigt, der eine außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 3,85 Millionen Euro vorsah. Diese Summe war im Wirtschaftsplan des städtischen Eigenbetriebs Gebäudewirtschaft und Hochbau berücksichtigt. Spätere Berichte bezifferten die Gesamtinvestition auf rund vier Millionen Euro. Ziel war es, eine Spielstätte bereitzustellen, die den Anforderungen des DFB gerecht wird, ohne dass sofort ein vollständiger Neubau erforderlich ist.
Durchgeführte Baumaßnahmen und technische Infrastruktur
Die Modernisierung des Marschwegstadions umfasste eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die in einem engen Zeitplan bis zum Start der Saison 2023/24 abgeschlossen werden mussten. Der Fokus lag dabei auf der technischen Infrastruktur, der Verbesserung der Spielfläche und der Ausstattung der Zuschauerbereiche.
Flutlicht, Sicherheit und Videoüberwachung
Eine der markantesten Veränderungen war die Installation einer fest installierten Flutlichtanlage. Bis zu diesem Zeitpunkt fehlte dem Stadion eine solche Anlage, was die Ausrichtung von Spielen am Abend oder unter schlechten Lichtverhältnissen massiv einschränkte. Parallel dazu wurde eine neue Sicherheitsbeleuchtung installiert und ein Videoüberwachungssystem implementiert. Diese Maßnahmen sind nicht nur für den Spielbetrieb in der 3. Liga zwingend erforderlich, sondern erhöhen auch die allgemeine Sicherheit auf dem Gelände. Die Arbeiten an der elektrischen Infrastruktur waren umfangreich; es fanden Erdarbeiten auf einer Länge von rund zwei Kilometern zur Ausschachtung von Kabelgräben statt. Besondere Vorsicht war hierbei geboten, da das Stadion auf einer ehemaligen Mülldeponie steht. Der entnommene Boden musste unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen entsorgt werden, um Kontaminationen zu vermeiden.
Umbau von Tribünen und Sitzplätzen
Die Haupttribüne erhielt eine neue Ausstattung mit Einzelsitzschalen. Der Wechsel von den ursprünglichen Bänken zu Einzelsitzen stellt eine deutliche Aufwertung des Komforts für die Zuschauer dar und ist ebenfalls ein Standard im modernen Profifußball. Für die technische Ausrüstung der Tribüne wurde unter dieser ein neues Technikgebäude errichtet. Zudem wurde die Remise, ein bestehendes Gebäude auf dem Gelände, umgebaut und dient nun als Standort für die Stromhauptverteilung. Diese baulichen Veränderungen sind essenziell, um die hohe Leistung der neuen Technik (Flutlicht, Video, Sicherheit) zu gewährleisten.
Das Spielfeld: Entwässerung und Rasenpflege
Ein zentraler Punkt jeder Stadionsanierung ist der Zustand des Rasens. Im Marschwegstadion wurde das Spielfeld bereits in einer früheren Bauphase durch die Firma SIG-Hessen Ingenieure grundlegend saniert. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Entwässerung. Die Drainagegräben wurden mit PE-Folie wasserdicht ausgekleidet und an eine bereits vorhandene Rigole angeschlossen. Diese Rigole war im Zuge der Laufbahnstabilisierung und des Neuaufbaus der Laufbahn einige Jahre zuvor geplant und realisiert worden.
Im Zuge der jüngsten Modernisierungen (2021) wurde der Rasen nicht angesät, sondern zur schnellen Wiederinbetriebnahme als sogenannte „Dicksode“ (Rasenmatten) ausgelegt. Während der Erdarbeiten wurde der Baubetrieb als „Schwarz-Weiß-Baustelle“ organisiert. Diese Methode trennt den Arbeitsbereich strikt vom Umgebungsbereich, um Arbeiter vor Kontaminationen durch den Boden der ehemaligen Deponie zu schützen. Aushubmaterialien wurden entsprechend ihrer Belastung getrennt und tagwassergeschützt gelagert und transportiert. Diese Vorgehensweise entspricht hohen baubiologischen Standards.
Erweiterung der Infrastruktur
Neben den technischen Anlagen wurden auch organisatorische Einheiten wie die Kassenbereiche modernisiert und die gesamte Infrastruktur aufgerüstet, um den Anforderungen eines Profibetriebs gerecht zu werden.
Die strategische Debatte: Sanierung versus Neubau
Parallel zu den konkreten Baumaßnahmen am Marschwegstadion entstand eine strategische Diskussion über die Zukunft des Fußballstandorts in Oldenburg. Diese Debatte spiegelt sich in den Beschlussvorlagen und Stellungnahmen verschiedener politischer Gremien und Interessenverbände wider.
Option A: Stufenweise Sanierung und Erweiterungsmodule
Die Fraktion Bündnis 90/Die GRÜNEN sowie Teile des Stadtrates plädierten für eine Sanierung des bestehenden Marschwegstadions als bevorzugte Lösung. In einem Beschlussvorschlag wurde eine stufenweise Sanierung zugunsten des VfB Oldenburg vorgeschlagen, um dem Verein schnellstmöglich einen Spielort in Oldenburg auch für Spiele in der 3. Liga zu bieten.
In einer ersten Ausbaustufe sollten die bereits beschriebenen Modernisierungen erfolgen. Für den Fall des Klassenerhalts und einer dauerhaften Zugehörigkeit zur 3. Liga waren weitere Ausbaumodule vorgesehen: * Installation einer Rasenheizung, * Überdachung der Stehplatztribünen, * Schaffung eines VIP-Bereichs, * Weitere Infrastrukturmaßnahmen.
Zudem war vorgesehen, den Bebauungsplan am Marschweg zu ändern, um Spielbeginne nach 18:30 Uhr zu ermöglichen – eine Voraussetzung für Abendspiele unter Flutlicht.
Kritiker eines Neubaus, darunter der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), argumentierten, dass die Nutzung des Marschwegstadions als bundesweites Pilotprojekt dienen könne. Dabei solle anhand von Beispielen wie einer Rasenheizung, Anstoßzeiten, Flutlichterfordernis und einem Mobilitätskonzept durchgespielt werden, wie Klimaneutralität erreicht werden kann, während gleichzeitig die Anforderungen an Fußballstadien erfüllt werden. Der BUND verwies darauf, dass die Mitglieder des Rates sich gerade mit dem Masterplan Stadtgrün und dem Klimaplan 2035 für Ressourcenschonung und Reduktion von Treibhausgasemissionen ausgesprochen hatten. Eine Sanierung passe hier besser als ein Neubau.
Option B: Neubau einer modernen Fußballarena
Dem gegenüber standen Pläne des Oberbürgermeisters und einer Ratsmehrheit für einen Neubau. Diese Pläne sahen vor, für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ein neues Stadion auf dem Gelände östlich der Weser-Ems-Halle an der Straßburger Straße zu errichten. Dieser Standort wurde bereits 2014 geprüft und 2016 in einer Machbarkeitsstudie für grundsätzlich geeignet befunden.
Die Befürworter eines Neubaus argumentierten, dass das Marschwegstadion für einen Drittligabetrieb grundsätzlich nicht geeignet sei und eine Modernisierung, die alle Anforderungen erfüllt, langfristig unwirtschaftlich sein könnte. Die Fraktion der GRÜNEN äußerte hierzu kritisch, dass bei aller Unterstützung für den Profi-Fußball die Frage erlaubt sein, warum die Stadt Oldenburg alleine für die Kosten eines Neubaus aufkommen solle, ohne eine Beteiligung des Vereins. Auch wurde angemerkt, dass eine Sanierung des Marschwegstadions ausreichen würde, um die Aufstiegsbedingungen zu ermöglichen, ohne neue Flächen zu bebauen und Millionen in ein zweites Stadion zu investieren.
Fazit
Die Modernisierung des Marschwegstadions in Oldenburg ist ein Musterbeispiel für die Herausforderungen im modernen Bau- und Renovierungssektor. Es wurde deutlich, dass eine bestehende Infrastruktur unter strengen Auflagen (DFB-Lizenzierung, ehemalige Mülldeponie) saniert werden kann. Die durchgeführten Maßnahmen – von der Installation einer festen Flutlichtanlage über die Umrüstung auf Einzelsitzplätze bis hin zur Hochwasserschutz-gesicherten Drainage des Spielfelds – zeigen eine professionelle Herangehensweise.
Die Investition von rund vier Millionen Euro hat das Stadion technisch auf ein Niveau gehoben, das den Betrieb in der 3. Liga ermöglicht. Gleichzeitig hat die Diskussion um den Neubau aufgezeigt, dass in der Stadtplanung immer eine Abwäigung zwischen der Erhaltung bestehender Strukturen (Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung) und dem Wunsch nach modernen, zukunftssicheren Neubauten stattfindet.
Für Bauexperten und Planer bleibt festzuhalten, dass die Sanierung des Marschwegstadions nicht nur eine technische, sondern auch eine politische und wirtschaftliche Leistung darstellt. Die Entscheidung für die stufenweise Sanierung unter Beibehaltung des bestehenden Standorts stellt eine effiziente Nutzung städtischer Mittel dar, um kurzfristig eine hochwertige Sportstätte bereitzustellen. Zukünftige Projekte ähnlicher Art werden von den hier gesammelten Erfahrungen, insbesondere im Umgang mit belasteten Böden und der Integration moderner Medien- und Sicherheitstechnik, profitieren.