Generalsanierung der Hubland-Mensa in Würzburg: Planung, Herausforderungen und technische Umsetzung eines universitären Großprojekts

Die Sanierung von Großgebäuden, insbesondere von Universitätsmensen, die täglich tausenden Nutzern dienen, stellt eine komplexe Herausforderung für Planer, Bauingenieure und Architekten dar. Ein herausragendes Beispiel für ein solches Modernisierungsprojekt ist die Generalsanierung der Hubland-Mensa an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Dieses Vorhaben, betreut von der pbr Planungsbüro Rohling AG, stand vor erheblichen Hindernissen, die eine ursprünglich geplante Bauzeit von drei bis vier Jahren auf über sieben Jahre ausdehnten. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen, planerischen und finanziellen Aspekte dieses Projekts und bietet Einblicke in die Lektionen, die für zukünftige Sanierungsvorhaben von Bedeutung sind.

Ausgangslage und Bedarf des Projekts

Der Campus Hubland Süd der Universität Würzburg, erst in den 1970er Jahren errichtet, bildet einen zentralen Standort für die Hochschule. Die Gebäude im Zentralbereich, darunter die Mensa, die Bibliothek und ein Apartmenthaus, wurden zwischen 1974 und 1981 nach Plänen des Architekten Freiherr von Branca realisiert. Wie bei vielen Bauten dieser Ära waren sowohl die Gebäudesubstanz als auch die technische Infrastruktur nach Jahrzehnten des Betriebs stark verbraucht und dringend sanierungsbedürftig.

Eine Analyse der Bausubstanz ergab, dass die Gebäude, die zwischen 1978 und 1980 errichtet wurden, sich altersbedingt in einem schlechten Zustand befanden. Besonders die Mensa, die zusammen mit der Bibliothek und der Tiefgarage ein markantes Bauensemble am Eingang des Campus bildet, erforderte umfangreiche Maßnahmen. Der Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt Würzburg, welches die gesamte Projektsteuerung übernahm, beabsichtigte daher die Durchführung von Sanierungs- und Anpassungsmaßnahmen im zentralen Bereich des Campus.

Im ersten Bauabschnitt wurde die Generalsanierung des Mensagebäudes, der darunterliegenden Tiefgarage und des Apartmenthauses priorisiert. Die ursprüngliche Kostenschätzung für diese Maßnahme belief sich auf ca. 42,7 Millionen Euro, mit einer geplanten Fertigstellung bis 2017. Doch die Realität des Bauablaufs sollte sich als weitaus komplexer erweisen.

Auftragsvergabe und beteiligte Planer

Für die Architektenleistungen wurde im Rahmen eines europaweiten VOF-Verfahrens die pbr Planungsbüro Rohling AG aus Frankfurt beauftragt. Die pbr AG verfügt über erhebliche Erfahrung im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung, was für die Planung einer Universitätsmensa essenziell ist. Zu den referenzierten Projekten des Büros zählen unter anderem der Neubau der Mensa der Hochschule Osnabrück, die Sanierung der Mensa der Hochschule Bremen sowie der Mensa der Georg-August-Universität Göttingen.

Die Komplexität des Vorhabens erforderte die Einbindung spezialisierter Fachplaner, die in der Quelle [2] detailliert aufgeführt sind:

  • Architekten: pbr Planungsbüro Rohling AG, Architekten und Ingenieure, Frankfurt a.M.
  • Fachplaner Elektro: REA Beratende Ingenieure GmbH, Würzburg
  • Fachplaner Maschinenwesen: TEN Ingenieure GmbH, Aachen
  • Fachplaner Küchenplanung: Ingenieurbüro Schaller, Karlsruhe
  • Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Krafft + Franz, Würzburg

Diese Aufteilung der Planungsleistungen spiegelt die Notwendigkeit wider, bei einer Generalsanierung sowohl die architektonische Gestaltung als auch die hochkomplexe Haustechnik, die Tragwerksstatik und die spezifischen Anforderungen einer Großküche fachlich exzellent abzubilden.

Technische und bauliche Herausforderungen

Die Sanierung einer Mensa unterscheidet sich grundlegend von der Sanierung eines reinen Büro- oder Wohngebäudes. Die Anforderungen an Hygiene, Brandschutz, Barrierefreiheit und die Haustechnik sind extrem hoch. In der Planungsphase wurden mehrere Schwerpunkte definiert, die im Folgenden detailliert betrachtet werden.

Austausch der Haustechnik und Küchenplanung

Ein Kernpunkt der Sanierung war der komplette Austausch der Haustechnik. Dies umfasste nicht nur die Gebäudeheizung und Lüftung, sondern explizit auch die komplette Technik in Küche und Ausgabebereich einschließlich Cafeteria und Mehrzwecksaal. Die Fachplaner für Maschinenwesen (TEN Ingenieure GmbH) und die Küchenplaner (Ingenieurbüro Schaller) hatten die Aufgabe, moderne, energieeffiziente Systeme zu integrieren, die den hohen Anforderungen einer Großverpflegung gerecht werden.

In den späteren Projektphasen wurde besonderes Augenmerk auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gelegt. Die Auswahl der Anlagentechnik und der Steuerungssysteme zielte darauf ab, den Energieverbrauch zu optimieren. Ein bemerkenswertes technisches Merkmal, das im Zuge der Sanierung integriert wurde, ist die Nutzung digitaler Systeme zur Steuerung und Überwachung verschiedener Prozesse. Diese Systeme ermöglichen eine präzise Steuerung von Küchenabläufen, Energieverbrauch und sogar der Essensausgabe, was die Effizienz des gesamten Betriebs steigert.

Neukonzeption der Ausgabebereiche und Barrierefreiheit

Neben der Technik stand die Verbesserung der Nutzungsqualität im Fokus. Die Planer legten großen Wert auf eine Neukonzeption der Ausgabebereiche. Ziel war es, diese leistungsfähiger, großzügiger und ansprechender zu gestalten. Die Abläufe im Ausgabebereich und das Essenangebot sollten verbessert werden.

Ein zentrales Ziel war zudem die Anpassung des Brandschutzes und die Sicherstellung der Barrierefreiheit im Gebäude. Diese Anforderungen sind bei öffentlichen Gebäuden gesetzlich vorgeschrieben und stellten bei einem Gebäude aus den späten 1970er Jahren oft eine besondere planerische Herausforderung dar, da die ursprünglichen Pläne diese Aspekte nicht in heutigem Umfang berücksichtigten.

Gebäudehülle und Statik

Interessanterweise wurde beschlossen, die Gebäudehülle im Wesentlichen zu erhalten und nur dort zu überarbeiten, wo Schäden erkannt wurden. Dies unterscheidet sich von einem reinen Neubau oder einer Vollsanierung der Fassade und spiegelt eine Denkweise wider, die Bausubstanz so weit wie möglich zu erhalten und gezielt zu modernisieren. Die Tragwerksplanung durch das Ingenieurbüro Krafft + Franz musste natürlich die neuen Lasten durch die moderne Haustechnik und die Nutzungsänderungen prüfen und ggf. Verstärkungen vorsehen.

Chronologie und Finanzielle Entwicklung des Projekts

Der Verlauf des Projekts Hubland-Mensa ist ein Lehrbeispiel für die Risiken und Unwägbarkeiten bei Großsanierungen. Die Chronologie, basierend auf den verfügbaren Quellen, zeigt eine erhebliche Abweichung von der ursprünglichen Planung.

Von der Planung zur Realität

Die Geschichte der Sanierung begann offiziell im Februar 2018. Zu diesem Zeitpunkt prognostizierte man einen Zeitrahmen von drei bis vier Jahren, was einer Wiedereröffnung gegen Ende 2021 entsprochen hätte. Die ursprünglichen Kosten waren mit 50 Millionen Euro veranschlagt.

Die Bauarbeiten zogen sich jedoch über mehr als sieben Jahre hin. Während die ursprüngliche Planung von einer Fertigstellung 2021 ausging, fand die finale Eröffnung erst am 19. Mai 2025 statt. Dieser Zeitraum deutet auf erhebliche Verzögerungen hin, die in der Quelle [3] als "unvorhersehbare Schwierigkeiten" und "erhebliche Hindernisse" bezeichnet werden. Solche Verzögerungen können technischer Natur sein (z. B. unerwartete Schäden an der Bausubstanz, Asbestfunde), aber auch organisatorischer oder logistischer Art (z. B. Lieferengpässe, Streiks, Genehmigungsprobleme).

Kostenexplosion

Eine der kritischsten Kennzahlen in der Bauplanung ist die Kostenentwicklung. Bei diesem Projekt kam es zu einer signifikanten Kostensteigerung. Während im Jahr 2014 noch von Kosten in Höhe von 42,7 Millionen Euro (Quelle [1]) bzw. 50 Millionen Euro (Quelle [3]) die Rede war, beliefen sich die finalen Investitionen auf 66,3 Millionen Euro.

Dieser Anstieg um ca. 16,3 Millionen Euro (oder ca. 33 % gegenüber der 50-Millionen-Euro-Schätzung) ist beträchtlich. Solche Kostensteigerungen sind bei komplexen Sanierungsprojekten nicht unüblich, da oft erst während der Bauarbeiten der volle Umfang der notwendigen Instandsetzungen erkennbar wird. Die Sanierung der Tiefgarage unter dem "Roten Platz" wurde beispielsweise ebenfalls in das Sanierungskonzept einbezogen und trug zur Verbesserung der Infrastruktur des gesamten Campus bei, was sich ebenfalls in den Gesamtkosten niederschlug.

Die neue Hubland-Mensa: Leistungsmerkmale

Nach der mehrjährigen Bauzeit präsentiert sich die Hubland-Mensa als eine der modernsten universitären Einrichtungen ihrer Art in Deutschland. Die Investitionen von 66,3 Millionen Euro haben eine Einrichtung hervorgebracht, die den Anforderungen von rund 210.000 Studierenden in der Region gerecht wird.

Kapazitäten und Ausstattung

Die renovierte Mensa bietet 1.050 Sitzplätze auf einer Fläche von gut 2.000 Quadratmetern. Die Küche ist in der Lage, bis zu 4.200 warme Mahlzeiten am Tag auszugeben. Verantwortlich für den Betrieb ist das Studierendenwerk Würzburg.

Kulinarisches Konzept

Ein zentrales Element des neuen Konzepts ist die thematische Gliederung des Speisenangebots. Mit insgesamt neun Ausgabetheken bietet die Mensa eine breite Palette an Optionen: * Täglich wechselnde Fleisch-, Fisch-, vegetarische und vegane Gerichte. * Ein großzügiger Selbstbedienungsbereich mit Beilagen, Gemüse, Salattheke und Desserts (teilweise vegan). * Spezialstationen wie eine Pizzastation, ein Grillbereich und ein Wok, in dem frisch gekocht wird.

Diese Vielfalt spiegelt den modernen Trend zu individueller und bedarfsgerechter Ernährung wider und bietet den Nutzern eine hohe Qualität und Abwechslung.

Fazit: Lektionen aus der Generalsanierung

Die Sanierung der Hubland-Mensa in Würzburg ist ein Paradebeispiel für die Modernisierung einer historischen Bausubstanz aus den 1970er Jahren unter Einhaltung modernster technischer Standards. Das Projekt zeigt, dass eine realistische Planung, ausreichende Pufferzeiten und flexible Ansätze zur Problemlösung entscheidend für den Erfolg sind.

Zentrale Erkenntnisse für Bauherren und Planer:

  1. Bedeutung der Fachplanung: Die Einbindung spezialisierter Ingenieure (Elektro, Maschinenwesen, Küchenplanung) ist bei komplexen Nutzungen unerlässlich. Die Koordination durch erfahrene Architekten (pbr AG) stellte sicher, dass die unterschiedlichen Anforderungen zusammengeführt wurden.
  2. Risikomanagement bei Altbauten: Die erhebliche Verzögerung von geplanten 3-4 Jahren auf über 7 Jahre sowie die Kostensteigerung von ca. 42,7/50 Mio. € auf 66,3 Mio. € unterstreichen die Risiken bei Sanierungen von Gebäudeensembles aus den 1970er Jahren. Unerwartete Schäden und die Notwendigkeit, den Brandschutz sowie die Barrierefreiheit nachträglich anzupassen, sind typische Herausforderungen.
  3. Nachhaltigkeit und Digitalisierung: Die Sanierung nutzte die Gelegenheit, die Energieeffizienz durch moderne Anlagentechnik und digitale Steuerungssysteme deutlich zu verbessern. Dies zeigt, dass Sanierungen ideal sind, um den Standard eines Gebäudes nachhaltig anzuheben.
  4. Nutzerfokus: Die Neukonzeption der Ausgabebereiche und die Erweiterung des Speiseangebots belegen, dass technische Sanierungen immer auch eine inhaltliche und nutzerorientierte Weiterentwicklung beinhalten sollten.

Das Projekt Hubland-Mensa geht daher nicht nur als gastronomische Einrichtung in die Geschichte der Universität Würzburg ein, sondern auch als gelungenes Beispiel für die sensible und dennoch zukunftsweisende Modernisierung historischer Universitätsbauten.

Quellen

  1. Universität Würzburg: Sanierung der Mensa am Campus Hubland Süd pbr AG erhält Auftrag für Generalsanierung der Mensa
  2. Sanierung Mensa mit Tiefgarage am Hubland in Würburg
  3. Die Sanierung der Hubland-Mensa: Ein Modernisierungsprojekt mit Herausforderungen
  4. Hubland-Mensa wieder in Betrieb

Ähnliche Beiträge