Sanierung und Verdichtung am Brückenkopf West: Planungen für den Monbijoubrückenbereich in Bern

Die Stadtentwicklung der Stadt Bern befindet sich in einer Phase intensiver Transformation, die darauf abzielt, den Wohnraum zu verdichten und die Siedlungsentwicklung nach innen zu lenken. Ein zentrales Projekt in diesem Kontext ist die Entwicklung des Areals um die Monbijoubrücke, insbesondere im Bereich des sogenannten Brückenkopfs West. Diese Entwicklungen sind eng mit dem grossangelegten Vorhaben auf dem benachbarten Gaswerkareal verknüpft und bilden einen wichtigen Pfeiler der städtischen Wohn- und Baupolitik. Der vorliegende Artikel beleuchtet die geplanten Massnahmen, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die finanziellen Aspekte dieser Vorhaben, die für Eigentümer, Bauinteressierte und Fachkreise von grosser Bedeutung sind.

Das integrierte Planungsprojekt: Gaswerkareal und Brückenkopf West

Die Entwicklungen im Bereich der Monbijoubrücke lassen sich nicht isoliert betrachten. Sie sind Teil einer umfassenderen Stadterweiterung, die sich auf das ehemalige Gaswerkareal und den westlichen Brückenkopf der Monbijoubrücke erstreckt. Laut den vorliegenden Informationen ist das Vorhaben im 80-köpfigen Stadtparlament mit lediglich sechs Gegenstimmen praktisch unbestritten, was auf eine breite politische Unterstützung hindeutet (Source [1]).

Das Kernziel dieser Entwicklung ist die Schaffung eines neuen, durchmischten Stadtquartiers mit einem hohen Wohnanteil. Dies leistet einen direkten Beitrag zur städtischen Wohnpolitik und zur Siedlungsentwicklung nach innen, um die Zersiedelung der Landschaft zu stoppen. Die Stadt Bern sieht einen dringenden Bedarf an Wohnungen, den dieses Projekt adressieren soll (Source [4]).

Die Rolle des Brückenkopfs West

Der Brückenkopf West, ein Gebäudekomplex am westlichen Ende der Monbijoubrücke, nimmt hierbei eine strategisch wichtige Position ein. Er bildet eine entscheidende Verbindung zwischen zwei verschiedenen Höhenlagen: der Ebene der Monbijoubrücke/Eigerstrasse und der tiefer gelegenen Ebene des Gaswerkareals. Diese Verbindung wird insbesondere durch einen öffentlichen Lift gewährleistet, der eine barrierefreie Erschließung sicherstellt (Source [2]).

Die geplanten baulichen Veränderungen am Brückenkopf West umfassen eine Aufwertung und eine bauliche Verdichtung. Konkret sind folgende Massnahmen vorgesehen: * Sanierung: Die bestehenden Gebäude südlich der Eigerstrasse sollen saniert werden. * Verdichtung: Auf dem bestehenden Gebäudekomplex soll zusätzlicher Raum geschaffen werden. * Nutzungsmix: Es ist geplant, einen Mix aus Wohn-, Gewerbe- und Gastronomienutzungen zu etablieren (Source [2]).

Diese Verdichtung ist ein klassisches Beispiel für die moderne Stadterweiterung, bei der bestehende Strukturen optimiert und erweitert werden, anstatt neues Bauland in der Peripherie zu erschliessen.

Rechtliche und planerische Rahmenbedingungen

Für die Umsetzung dieser ambitionierten Pläne sind tiefgreifende Änderungen im baurechtlichen Gefüge der Stadt Bern notwendig. Das bestehende Areal befindet sich derzeit in einer Dienstleistungszone. Um die geplanten Nutzungen zu ermöglichen, ist eine Umzonung in eine sogenannte Zone mit Planungspflicht (ZPP) erforderlich (Source [2]).

Die Zone mit Planungspflicht (ZPP)

Die ZPP ist ein Instrument, das der Stadt Bern ermöglicht, die Art und das Mass der Nutzung festzulegen, noch bevor ein detaillierter Bauplan vorliegt. Sie dient als rechtlicher Rahmen, um die groben Ziele der Quartiersentwicklung zu definieren. Für das Gaswerkareal und den Brückenkopf West hat der Gemeinderat entsprechende Planungsvorlagen verabschiedet, die einer öffentlichen Auflage unterliegen (Source [4]).

Die ZPP für den Brückenkopf West und das Gaswerkareal beinhaltet spezifische Vorgaben, die die Qualität und Funktionalität des neuen Quartiers sichern sollen. Dazu gehören unter anderem: * Erschliessung: Es ist vorgesehen, südlich und nördlich der Monbijoubrücke Lift- und Treppenanlagen für den Fuss- und Veloverkehr sicherzustellen. Dies ist essentiell für die Erschliessung der tiefer gelegenen Ebene des Gaswerkareals. * Verkehr und Infrastruktur: Die ZPP schreibt genügend Raum für Bushaltestellen vor. Zudem sollen in den Sockelgeschossen Parkierungsflächen für das Gaswerkareal bereitgestellt werden (Source [2]).

Hochhauspotenzial

Ein bemerkenswerter Aspekt der Planung ist das Potenzial für eine Hochhausbebauung. Die ZPP sieht die Möglichkeit vor, südlich der Eigerstrasse ein Hochhaus mit einer maximalen Höhe von 50 Metern zu erstellen. Dies entspricht bis zu 15 Geschossen und würde das Stadtbild an dieser Stelle prägen. Die Aufnahme eines solchen Potenzials in die Planungsinstrumente zeigt den Anspruch der Stadt, an zentraler Lage eine hohe Dichte zu erreichen (Source [2]).

Finanzielle Aspekte und Kosten

Die Entwicklung eines solchen Quartiers ist mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden. Die Stadt Bern plant, die anfallenden Kosten über verschiedene Instrumente zu decken. Ein zentraler Baustein ist ein Verpflichtungskredit in Höhe von 25,2 Millionen Franken. Dieser Kredit ist darauf ausgerichtet, die Kosten zu decken, die der Stadt im Zusammenhang mit der Entwicklung des Gaswerkareals und der damit verbundenen Bereiche entstehen (Source [2]).

Die Verwendung der 25,2 Millionen Franken ist detailliert geplant und setzt sich wie folgt zusammen (Source [2]): * Infrastrukturbeiträge: 11,0 Millionen Franken aus dem städtischen Fonds für Boden- und Wohnpolitik. * Planungsmehrwertabgabe: 11,7 Millionen Franken. * Entwicklungsarbeiten: 2,4 Millionen Franken.

Neben diesen spezifischen Investitionen für das Gaswerkareal und den Brückenkopf West wird in der städtischen Finanzdebatte allgemein die hohe Kostenbelastung durch Grossprojekte thematisiert. Ein Beispiel, das in diesem Kontext genannt wird, ist die Sanierung des Freibads Marzili für 67 Millionen Franken. Finanzdirektorin Melanie Mettler äusserte sich hierzu kritisch und merkte an, dass eine Sanierung „ohne Zweifel auch günstiger“ möglich wäre, ohne an Lebensqualität einzubüssen (Source [3]). Diese Diskussion unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Kostenkontrolle bei städtischen Bauprojekten.

Wohnpolitik und Gesellschaftliche Aspekte

Die Verdichtung am Brückenkopf West und auf dem Gaswerkareal verfolgt explizit soziale Ziele. Ein Teil des neu zu schaffenden Wohnraums wird als preisgünstiger Wohnraum realisiert. Dieser soll nicht nur erstellt, sondern auch dauerhaft erhalten und nach dem Prinzip der Kostenmiete vermietet werden (Source [2]). Dieses Modell zielt darauf ab, bezahlbaren Wohnraum in einer begehrten Stadtlage langfristig zu sichern.

Darüber hinaus wird die Komplexität solcher Planungen thematisiert. Verdichtetes Bauen führt dazu, dass mehr Anspruchsgruppen berücksichtigt werden müssen, was die Prozesse verlangsamen und verteuern kann. Die Stadtverwaltung versucht, diesem Umstand durch partizipative Ansätze zu begegnen, wie sie beispielsweise im Quartier Viererfeld erprobt wurden. Ziel ist es, die Bürger in den Planungsprozess einzubeziehen und ein „vollpartizipatives Stadtquartier“ zu schaffen (Source [3]).

Zeitplan und Abstimmungsprozess

Die Planungen für den Brückenkopf West und das Gaswerkareal sind bereits weit fortgeschritten. Im Jahr 2021 fand ein offener städtebaulicher Ideenwettbewerb statt, dessen Siegerprojekt anschliessend zu einem Richtprojekt vertieft wurde (Source [4]). Derzeit liegen die Planungsinstrumente, also die Vorlagen für die ZPP-Umzonung, öffentlich auf (Source [4]).

Der politische Prozess schreitet zügig voran. Der Gemeinderat hat die drei relevanten Vorlagen (zwei Planungsvorlagen sowie die Kompetenz zur Baurechtsvergabe und den Verpflichtungskredit) an den Stadtrat verabschiedet. Die Stimmbevölkerung der Stadt Bern wird voraussichtlich am 30. November 2025 über diese Vorlagen abstimmen (Source [2]). Sollten die Vorlagen angenommen werden, werden die Zonen mit Planungspflicht in einem späteren Schritt durch detailliertere Überbauungsordnungen oder Projektwettbewerbe abgelöst, die dann die endgültige bauliche Gestaltung festlegen.

Fazit

Die geplanten Massnahmen am Brückenkopf West der Monbijoubrücke sind ein wesentlicher Bestandteil der städtischen Entwicklungsstrategie von Bern. Sie stehen im Kontext des grossen Gaswerkareal-Projekts und verfolgen das Ziel, an zentraler Lage hochwertigen, gemischt genutzten und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Umzonung in eine Zone mit Planungspflicht (ZPP) bildet die notwendige rechtliche Grundlage, um diese Vision umzusetzen. Dabei werden sowohl die Erschliessung durch Lifte und Treppen als auch die Verkehrsanbindung und die Schaffung von Parkflächen explizit geregelt. Die finanzielle Dimension, gekennzeichnet durch einen Verpflichtungskredit von 25,2 Millionen Franken, unterstreicht das Engagement der Stadt, in die Infrastruktur und Wohnpolitik zu investieren. Für Bauinteressierte und Anwohner bedeutet die Umsetzung dieser Pläne eine signifikante Aufwertung des Quartiers, verbunden mit einer erhöhten städtischen Dichte und einer Vielfalt an neuen Nutzungen.

Quellen

  1. Ja, Stadt Bern: Überbauung Monbijou-Brückenkopf West – Zone mit Planungspflicht
  2. Stadt Bern: Gaswerkareal – Gemeinderat verabschiedet drei Vorlagen
  3. Hauptstadt: Melanie Mettler – Budget 2026
  4. Stadt Bern: Gaswerkareal – Planungsinstrumente liegen öffentlich auf

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