Die Nieder-Ramstädter Straße in Darmstadt stellt eine der zentralen Hauptverkehrsstraßen der Region dar und unterliegt einem erheblichen Sanierungsbedarf. Als Teil der Bundesstraße fungiert sie als wesentliche Hauptverkehrsachse für Pendler aus dem südlichen Umland und übernimmt gleichzeitig zahlreiche innerstädtische Funktionen bei der Verkehrsverteilung. Die Bedeutung dieser Straße erstreckt sich nicht nur auf die alltägliche Verkehrsführung, sondern auch auf die Erschließung publikumsintensiver öffentlicher Einrichtungen wie dem Merck-Stadion am Böllenfalltor und den angrenzenden Wohnquartieren.
In den vergangenen Jahren hat die Nieder-Ramstädter Straße aufgrund ihres schlechten baulichen Zustandes erhebliche Kritik von politischer Seite, insbesondere von der SPD, auf sich gezogen. Sie wurde sogar als „die vielleicht kaputteste Straße Hessens“ bezeichnet. Parallel dazu wurden umfangreiche Planungen für einen grundhaften Umbau initiiert, der nicht nur eine reine Sanierung, sondern eine vollständige Neuordnung des gesamten Verkehrsraums vorsieht. Diese Maßnahmen stehen im Kontext einer größeren Herausforderung, der Sanierung des Darmstädter Straßennetzes, bei der etwa ein Drittel der Hauptstraßen als marode eingestuft wird.
Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe, den Planungsprozess, die durchgeführten Maßnahmen und die Kosten der Sanierung der Nieder-Ramstädter Straße basierend auf den vorliegenden Informationen.
Politischer Druck und Ausgangslage
Der Zustand der Nieder-Ramstädter Straße war über Jahre hinweg ein Politikum in Darmstadt. Die SPD forderte vehement eine grundhafte Sanierung und kritisierte die grün-schwarze Stadtregierung für Untätigkeit. Der SPD-Stadtverordnete Tim Huß beschrieb die Straße als „Buckelpiste“ und verwies darauf, dass die Sanierung bereits im Rahmen eines Lärmaktionsplans vor mehr als einem Jahr angekündigt, aber nicht umgesetzt worden war.
Ein wesentlicher Kritikpunkt war die Verzögerung des Projekts unter dem Vorwand, man wolle die Nieder-Ramstädter Straße gemeinsam mit dem Böllenfalltor-Stadion sanieren. Mit dem Scheitern des Stadionneubaus am alten Standort sah die SPD jedoch keine Berechtigung mehr für weitere Aufschiebungen. Die Straße sei ein schlechtes Aushängeschild für die Stadt, insbesondere für Besucher aus dem Odenwald und Bundesligafans, und stelle für die Darmstädter Bevölkerung eine peinliche Situation dar.
Neben der ästhetischen und repräsentativen Komponente wurde vor allem die Sicherheit und der Komfort für Radfahrer moniert. Das bestehende Wirrwarr aus Schutzstreifen, Radfahrstreifen, erhöhten Radwegen, gemeinsamen und getrennten Fuß- und Radwegen sowie ungeschütztem Fahren auf der Fahrbahn wurde als unübersichtlich, unkomfortabel und riskant eingestuft. Die SPD betonte zudem, dass ein neuer Asphalt allein nicht ausreiche, um die Probleme zu lösen.
Die Kritik an der Straße war Teil einer größeren Debatte über den Zustand des Darmstädter Straßennetzes. In einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde ein Straßenzustandsbericht kontrovers diskutiert. Die Opposition, vertreten durch die SPD und die Unabhängige Wählervereinigung (Uwiga), kritisierte den schlechten Zustand vieler Straßen. Der SPD-Stadtverordnete Tim Huß bezeichnete den Bericht als „Fluch für alle Menschen mit beräderten Fahrzeugen“ und monierte, dass die Koalition in den vergangenen Jahren „die falschen Prioritäten gesetzt“ habe, indem sie zu viel für „Ortsverschönerungen“ ausgegeben habe. Laut dem Bericht muss jede dritte Hauptstraße in Darmstadt instandgesetzt werden.
Der CDU-Stadtverordnete Ctirad Kotoucek sprach von einem „Sanierungsstau“, der bereits seit mehreren Jahren bestehe. Allerdings wies die Koalition (Grüne und CDU) darauf hin, dass seit 2011 bereits 53 Millionen Euro für die Sanierung des Straßennetzes zur Verfügung gestellt wurden und ein Sonderbauprogramm die Finanzmittel aufgestockt habe. Stefan Opitz (Grüne) konterte die Kritik der SPD, indem er darauf hinwies, dass während der Amtszeiten sozialdemokratischer Verkehrsdezernenten Straßen „absichtlich verkommen lassen“ worden seien. Er nannte die Nieder-Ramstädter Straße als Beispiel, die schon seit 2008 als dringend sanierungsbedürftig gelte.
Planung und Zielsetzung der Sanierung
Trotz der politischen Querelen begann die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit der Planung eines grundhaften Umbaus der Nieder-Ramstädter Straße. Das Projekt umfasst den Abschnitt zwischen Lichtwiesenweg/Jahnstraße und Böllenfalltorweg/Klappbacher Straße.
Das übergeordnete Ziel der Baumaßnahme war die Ertüchtigung der Straße für den öffentlichen Bereich. Dies beinhaltete die Anbindung an die Nebenstraßen mittels plangleicher, lichtsignalgeregelter Knotenpunkte. Ein Teilbereich der Maßnahme war der Ausbau der stadteinwärtigen Haltestelle Merck-Stadion mit einer zusätzlichen Querungsstelle nördlich des Sportbahnsteigs.
Die Planung sah eine weitreichende Neuordnung des Verkehrsraums vor, die über eine reine Sanierung hinausging. Mobilitätsdezernent Michael Kolmer betonte, dass die Umgestaltung nicht nur eine Erneuerung der Straße, sondern die Neuordnung des gesamten Verkehrsraums, inklusive der Seitenräume, vorsieht. Das Hauptziel war es, die Nutzung der Straße für alle Verkehrsteilnehmenden künftig wesentlich zu verbessern.
Im Zuge der Planung wurden spezifische Maßnahmen definiert: * Rückbau der vorhandenen Befestigungen: Die alten Oberflächen und Strukturen wurden entfernt. * Herstellung einer neuen Fahrbahn: Eine komplette Erneuerung der Fahrbahnoberfläche. * Befestigung der Nebenanlagen: Erneuerung der Bereiche neben der Fahrbahn. * Neubau der Straßenentwässerungsanlagen bzw. Anpassungsarbeiten: Modernisierung der Drainage, um Wasserschäden zu vermeiden. * Anpassung der Beleuchtungsanlage: Erneuerung der Straßenbeleuchtung für bessere Sichtbarkeit und Sicherheit. * Örtliche Bauüberwachung: Sicherstellung der Qualität während der Bauausführung.
Die geplante Fläche umfasste 9.700 m² Straßenfläche und 4.858 m² Geh-/Radweg bei einer Länge von 1.000 Metern. Die Bauüberwachung wurde durch Joachim Haab, Andrea Noske, Ramazan-Emre Günesdogdu und Bilal Turgut sichergestellt. Die Planungsphase für die Leistungsphasen 6 bis 9 (Projektierung und Objektplanung) erstreckte sich von Juli 2021 bis Januar 2025 mit einem Kostenvolumen von ca. 3,5 Millionen Euro.
Verkehrstechnische Verbesserungen und Radverkehrsförderung
Ein Kernstück der Sanierung war die Verbesserung der Infrastruktur für den Radverkehr und die Fußgänger. Die Nieder-Ramstädter Straße soll als Hauptverkehrsstraße nicht nur dem motorisierten Individualverkehr (MIV) dienen, sondern auch eine sichere Verbindung für andere Verkehrsteilnehmer schaffen.
Geplant und umgesetzt wurden folgende Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs: * Neue Geh- und Radwegeverbindung in die Innenstadt: Parallel zur Fahrbahn wurde eine durchgehende, verkehrssichere Radwegeverbindung geschaffen. Diese ist rund 2,5 Meter breit und soll Radfahrern einen komfortablen und sicheren Weg in die Innenstadt bieten. * Zusätzlicher Schutzstreifen: Auf der Westseite der stadtauswärts führenden Fahrbahnfläche wurde ein 1,5 Meter breiter Schutzstreifen markiert. Dieser ermöglicht Radfahrenden die Nutzung einer zusätzlichen Radwegeverbindung, parallel zur Anliegerstraße. * Reduzierung der Fahrbahnbreiten: Die Fahrbahnbreiten für den Individualverkehr wurden verringert. Diese Maßnahme dient dazu, den Platz für Fuß- und Radwege zu vergrößern und gleichzeitig die Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs zu drosseln, was die Sicherheit erhöht.
Zusätzlich zur Verkehrssicherheit wurde auch die Aufenthaltsqualität entlang der Straße verbessert. Der vorhandene Grünstreifen entlang der Straße wurde aufgewertet und bepflanzt. Innerhalb dieses Grünstreifens wurden drei Längsparkstände mit einem Sicherheitstrennstreifen zum Radweg eingerichtet. Diese Parkstände bieten nicht nur Stellplätze, sondern fungieren auch als physische Barriere zwischen dem Radverkehr und dem übrigen Verkehrsraum, was die Sicherheit der Radfahrer erhöht.
Auch Kanalbauarbeiten wurden im Zuge der Straßenbauarbeiten integriert, um die Infrastruktur nachhaltig zu sichern.
Bauausführung und Kosten
Die Bauausführung der Sanierung der Nieder-Ramstädter Straße begann im April 2022 und sollte nach ursprünglicher Planung im Herbst 2023 abgeschlossen sein. Die Durchführung erfolgte in zwei Bauabschnitten, um die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.
Die Gesamtkosten der Infrastrukturmaßnahme beliefen sich auf insgesamt 8,9 Millionen Euro. Diese Summe spiegelt den Umfang der Arbeiten wider, der über eine reine Asphaltierung hinausging und die vollständige Neuordnung des Verkehrsraums, den Bau neuer Radwege, die Erneuerung der Entwässerung und die Anpassung der Beleuchtung umfasste.
Die Bauarbeiten waren Teil eines größeren Komplexes von Infrastrukturprojekten in Darmstadt. Der damalige Verkehrsdezernent Michael Kolmer (Grüne) resümierte, dass ein Jahrzehnt an Baumaßnahmen hier an ein Ende komme. Zu diesen Maßnahmen gehörten die Lichtwiesenbahn, der Stadionbau und die Sanierung der Straße. Er betonte die hohe Komplexität der Planung und Ausführung, die nicht nur für Darmstadt, sondern „bis in den Odenwald“ bedeutsam sei.
Die Bauabschnitte der drei Großbaustellen (Lichtwiesenbahn, Stadion, Straße) waren aufeinander abgestimmt, um Synergien zu nutzen und Konflikte zu vermeiden. Nach rund 20 Monaten Bauzeit war die Erneuerung und Neuordnung des rund ein Kilometer langen Abschnitts zwischen GBS (Gesamtschule Böllenfalltor?) und Böllenfalltor beendet. Am Freitag nach Abschluss der Arbeiten sollte der sanierte, neu geordnete Abschnitt offiziell freigegeben und die Umleitung über die Klappacher Straße aufgehoben werden.
Die Finanzierung erfolgte durch die Stadt Darmstadt. In einem Pressebericht wurde erwähnt, dass die grün-schwarze Koalition seit 2011 bereits 53 Millionen Euro für die Sanierung des Straßennetzes zur Verfügung gestellt habe. Die Kosten für die Nieder-Ramstädter Straße in Höhe von 8,9 Millionen Euro stellen dabei einen signifikanten Anteil dar.
Politische Bewertung und Abschluss
Mit der Fertigstellung der Sanierung wurde ein wichtiges politisches Ziel erreicht. Die Kritik der Opposition, insbesondere der SPD, die einen „Sanierungsstau“ und falsche Prioritäten beklagte, verlor durch die Realisierung des Projekts an Gewicht. Allerdings wies die Opposition auch nach Abschluss der Arbeiten auf den generellen schlechten Zustand anderer Hauptstraßen hin. Die Forderung, dass jede dritte Hauptstraße in Darmstadt instandgesetzt werden müsse, bleibt bestehen.
Die Sanierung der Nieder-Ramstädter Straße diente als Paradebeispiel für die Herausforderungen städtischer Infrastrukturplanung. Sie zeigte, dass Sanierungen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern im Kontext anderer Großprojekte stehen und oft jahrelange Planungs- und Genehmigungsverfahren erfordern.
Der Wechsel in der Verkehrsdezernenten-Funktion während des Projekts – von Michael Kolmer (Grüne) zu Paul Wandrey (CDU) – demonstriert die Kontinuität der Verwaltung trotz politischer Veränderungen. Das Projekt wurde unter beiden Dezernenten vorangetrieben und schließlich abgeschlossen.
Fazit
Die Sanierung der Nieder-Ramstädter Straße in Darmstadt war ein langwieriges und politisch umstrittenes Projekt, das den Zustand einer der wichtigsten Hauptverkehrsstraßen Hessens grundlegend verbessern sollte. Ausgelöst durch massiven politischen Druck, der den schlechten baulichen Zustand und die mangelnde Sicherheit für Radfahrer anprangerte, startete die Stadt ein umfangreiches Umbauprojekt.
Neben der reinen Straßensanierung umfasste das Projekt die komplette Neuordnung des Verkehrsraums. Schwerpunkte waren die Schaffung einer durchgehenden, verkehrssicheren Radwegeverbindung von 2,5 Metern Breite, die Einrichtung eines 1,5 Meter breiten Schutzstreifen für Radfahrer auf der Westseite sowie die Aufwertung von Grünflächen und die Anlage von Längsparkständen mit Sicherheitstrennstreifen. Diese Maßnahmen zielten darauf ab, die Straße für alle Verkehrsteilnehmer sicherer und komfortabler zu gestalten.
Mit Baukosten von 8,9 Millionen Euro und einer Bauzeit von rund 20 Monaten wurde die Maßnahme im Herbst 2023 abgeschlossen. Sie war Teil eines größeren Komplexes von Infrastrukturprojekten in Darmstadt, zu denen auch die Lichtwiesenbahn und der Stadionbau gehörten.
Obwohl die Sanierung der Nieder-Ramstädter Straße einen wichtigen Meilenstein darstellt, weisen politische Beobachter darauf hin, dass der generelle Sanierungsbedarf im Darmstädter Straßennetz weiterhin hoch ist. Etwa jede dritte Hauptstraße gilt als marode. Die Sanierung der Nieder-Ramstädter Straße zeigt jedoch, dass bei ausreichend politischem Willen und Finanzierung realisierbare Projekte umgesetzt werden können, um die Infrastruktur für die Zukunft zu sichern.