Sanierung Oberschule Bassum: Ein umfassender Einblick in Planung, Durchführung und Lehren aus einem Großprojekt

Die Sanierung von Schulgebäuden stellt eine der komplexesten Aufgaben im modernen Bauwesen dar. Sie erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine ausgeklügelte Logistik, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Oberschule Bassum dient hierbei als exemplarisches Fallbeispiel für eine großangelegte Modernisierung, die durch einen unvorhergesehenen Zwischenfall beschleunigt wurde. Dieser Artikel beleuchtet den Ablauf, die technischen Herausforderungen und die finanzielle Dimension des Vorhabens, basierend auf den vorliegenden Informationen.

Auslöser und Entscheidungsfindung

Ein Ereignis zu Silvester 2016/2017 markierte den Wendepunkt für die Oberschule Bassum. Eine abgeirrte Silvesterrakete verursachte einen Brand im Verwaltungstrakt der Schule. Die Folgen waren gravierend: Brandrauch und Ruß machten diesen Gebäudeteil vollständig unbenutzbar. Mischa Flaspöhler, Fachdienstleiter für Liegenschaften beim Landkreis Diepholz, bestätigte damals, dass der Verwaltungstrakt nicht mehr nutzbar war und das Lehrerzimmer provisorisch verlegt werden musste.

Obwohl eine Sanierung der Schule bereits länger geplant war, stand sie ursprünglich nicht an erster Stelle der Prioritätenliste. Der Landkreis Diepholz plante zunächst, die Sanierung der Haupt- und Realschule Twistringen durchzuführen. Der Brand in Bassum änderte diese Pläne jedoch schlagartig. Da eine Versicherungszahlung anstand – entweder für die Renovierung der beschädigten Bereiche oder eine pauschale Auszahlung – eröffnete dies die Möglichkeit, die Sanierung in Bassum vorzuziehen. Der Landkreis sah sich jedoch vor die Herausforderung gestellt, zwei große Sanierungen nicht gleichzeitig personell bewältigen zu können. Die Entscheidung fiel daher, die Arbeiten in Twistringen zu verschieben und Bassum Priorität einzuräumen.

Projektplanung und Kostenstruktur

Die Planung des Vorhabens oblag dem Landkreis Diepholz als Bauherrn. In einer frühen Phase wurde der Umbau für das Jahr 2018 angekündigt. Die ursprüngliche Kalkulation belief sich auf rund 9,4 Millionen Euro. Diese Summe war bereits das Ergebnis einer Abwägung gegenüber einer teureren Alternative. Ein kompletter Neubau des alten Trakts (Baujahr 1974) wurde zwar erwogen, aber als nicht vertretbar eingestuft, da die Grundstruktur des Gebäudes als gut bewertet wurde. Auch die Option, die Schule zu schließen und Mobilbauten zu leihen, wurde als zu teuer verworfen. Man entschied sich für eine Sanierung im laufenden Betrieb.

Eine spätere Information korrigiert die Kosten nach oben: Die Sanierung kostete insgesamt 12,9 Millionen Euro. Es wird berichtet, dass die Schlussrechnungen am Ende sogar fünf Prozent unter diesem Betrag lagen, also rund 12,255 Millionen Euro betrugen. Allerdings steht zum Zeitpunkt des Berichts noch die finale Schlussrechnung aus.

Das Projekt wurde in insgesamt drei Bauabschnitten geplant, wobei die Arbeiten von 2018 bis 2021 andauerten. Der erste Bauabschnitt begann mit den Sommerferien 2018 und sollte laut Planung bis Ende 2019 oder Anfang 2020 abgeschlossen sein. Architekt Tilmann Conrad von der Bremer Firma NPC (die für die Planung in den Leistungsphasen 1-9 verantwortlich war) bestätigte, dass man im Moment der Berichterstattung im Zeitplan lag.

Technische Zustände und Sanierungsbedarf

Der zu sanierende Altbau stammte aus den 1970er-Jahren und wies erhebliche Mängel auf, die über die Brandschäden hinausgingen. Eine Bestandsaufnahme vor Beginn der Arbeiten ergab folgende kritische Punkte:

  • Fenster: Ein Großteil der Fenster ließ sich nicht mehr öffnen. Dies stellte ein erhebliches Problem für die Belüftung und den Brandschutz dar.
  • Dach: Teile des Daches waren undicht.
  • Energetischer Zustand: Die Bauteile befanden sich energetisch in einem Zustand, der von "mangelhaft" bis "ungenügend" reichte. Dies impliziert einen extrem hohen Energieverbrauch und einen dringenden Bedarf an Dämmmaßnahmen nach modernen Standards (z.B. EnEV).

Die Sanierung umfasste daher nicht nur die Beseitigung der Brandschäden, sondern eine umfassende energetische und funktionale Aufwertung. In den Sanierungsarbeiten waren unter anderem das Entfernen von Auslegeware, alten Heizkörpern, Kabeln sowie Wand- und Bodenverkleidungen enthalten. Rolf Kastendiek vom Fachdienst Liegenschaften des Landkreises Diepholz sprach von einem "Teilabriss", was auf tiefgreifende Eingriffe in die Bausubstanz hindeutet.

Durchführung: Sanierung im laufenden Betrieb

Der wohl größte logistische Kniff des Projekts war die Durchführung der Sanierung bei laufendem Schulbetrieb. Die Entscheidung, die Schule nicht zu schließen, hatte Priorität. Etwa 550 Schülerinnen und Schüler nutzten während der gesamten Bauzeit das Gebäude.

Dies erforderte eine strikte Trennung von Baustelle und Unterrichtsräumen. Die Arbeiten fanden hauptsächlich in den Bereichen statt, die nicht unmittelbar für den Unterricht genutzt wurden oder in Abschnitten, die nach und nach fertiggestellt wurden. Die Schüler wurden in den intakten Trakten unterrichtet, die in den 2000er-Jahren gebaut worden waren. In diesen Bereichen fand weiterhin der reguläre Unterricht für Fächer wie Mathematik oder Deutsch statt.

Die Baustelle prägte den Alltag. Meterhohe Container standen vor dem Gebäude, um den anfallenden Schutt zu entsorgen. Baulärm war allgegenwärtig. Der Landrat Cord Bockhop äußerte später sein Verständnis für die Belastung und dankte Schülern und Kollegium explizit für die Geduld, da es "kein Spaß war, auf einer Baustelle zu arbeiten".

Der erste Bauabschnitt dauerte von Ferienbeginn 2018 bis Ende 2019/Anfang 2020. Der zweite Bauabschnitt schloss sich direkt an. Laut einem Bericht vom April 2021 waren die Arbeiten nach drei Jahren Bauzeit abgeschlossen. Die Schule konnte nach den Osterferien 2021 komplett wieder bezogen werden. Ein interessanter Aspekt war die Mitnutzung durch die Volkshochschule (VHS), die im September 2021 ihre Verwaltung in das sanierte Gebäude verlegen sollte.

Qualitätsmanagement und Projektergebnis

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg war die Planung und Überwachung. Die Firma NPC war in den Leistungsphasen 1-9 involviert, was eine umfassende Planung von der Vorplanung bis zur Objektüberwachung bedeutet.

Trotz der Komplexität verlief das Projekt ohne größere Zwischenfälle. Mischa Flaspöhler bezeichnete es als "super Baustelle" und "angenehme Baustelle". Es gab keine Unfälle oder bösen Überraschungen. Die Kosten lagen am Ende sogar niedriger als geplant (5% unter den 12,9 Millionen Euro), was in der Baubranche eine Seltenheit ist und auf eine gute Kalkulation und Disziplin in der Ausführung schließen lässt.

Fazit

Die Sanierung der Oberschule Bassum steht beispielhaft für die Modernisierung von Bauten aus der Nachkriegszeit. Sie zeigt, dass selbst bei erheblichen Schäden durch Brand und jahrzehntelanger Vernachlässigung energetischer Standards eine Sanierung wirtschaftlicher sein kann als ein Neubau, sofern die Bausubstanz intakt ist. Der Schlüssel zum Erfolg lag in der Priorisierung der Maßnahmen nach einem akuten Schadensereignis, der konsequenten Planung in Bauabschnitten und der Entscheidung, den laufenden Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Das Projekt beweist zudem, dass durch professionelles Projektmanagement (hier durch den Landkreis Diepholz und die Planer NPC) Kostenrisiken kontrolliert und Termine eingehalten werden können. Für Bauherren und Entscheidungsträger in der öffentlichen und privaten Hand bleibt die Lehre: Eine detaillierte Bestandsaufnahme und die Abwägung zwischen Sanierung und Neubau sind essenziell, um langfristig wirtschaftlich zu handeln.

Quellen

  1. Kreiszeitung: Sanierung der Oberschule Bassum hat begonnen
  2. NPC Bremen: Sanierung der Oberschule Bassum
  3. Kreiszeitung: Arbeiten an der Oberschule Bassum sind abgeschlossen
  4. Kreiszeitung: Umbau Oberschule beginnt 2018
  5. Weser-Kurier: Auf dem Weg in die Moderne
  6. Weser-Kurier: Landkreis will Sanierung in Bassum vorziehen
  7. Weser-Kurier: Die Sanierung der Oberschule Bassum ist beendet

Ähnliche Beiträge