Olympia-Schwimmhalle München: Denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung einer architektonischen Ikone

Die Olympia-Schwimmhalle in München ist mehr als nur ein Sportstätte; sie ist ein kulturelles und architektonisches Erbe von internationalem Rang. Entstanden für die Olympischen Spiele 1972, prägt sie bis heute das Stadtbild der bayerischen Landeshauptstadt. Nach fast 50 Jahren intensiver Nutzung durch Profi- und Freizeitsportler sowie Eventveranstaltungen zeigte das Gebäude deutliche Alterungsspuren. Eine umfassende Generalsanierung war unumgänglich, um den Bestand zu sichern und an moderne technische sowie energetische Anforderungen anzupassen. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen und denkmalgerechten Herausforderungen dieser Komplettsanierung, die im Jahr 2019 abgeschlossen wurde und als Vorbild für die Sanierung historischer Bauwerke unter laufendem Betrieb dienen kann.

Der Denkmalstatus und die Bedeutung des Bauwerks

Die Olympia-Schwimmhalle ist Teil des Olympiaparks München, der seit 1998 unter Denkmalschutz steht. Das Gebäude wurde von den Stadtwerken München (SWM) betrieben, die 2009 die Notwendigkeit der Sanierung im Rahmen eines langfristigen Bäderkonzepts erkannten. Ziel war es, eine zeitgemäße Technologie zu implementieren und zugleich den "olympischen Geist von damals" zu erhalten.

Besonders hervorzuheben ist die überdimensionale Zeltdachkonstruktion, die bis heute in ihrer konstruktiven und gestalterischen Ausführung einzigartig ist. Diese Dachkonstruktion überspannt nicht nur die Schwimmhalle, sondern auch das Olympiastadion und die Olympiahalle. Die Sanierung musste daher in enger Abstimmung mit den Urheberarchitekten und der Denkmalschutzbehörde erfolgen, um die Authentizität der Raum atmosphäre und das charakteristische Erscheinungsbild des Bauwerks von 1972 wiederherzustellen. Die Herausforderung bestand darin, die über die Jahre veränderten Bauteile und Oberflächen wieder in das ursprüngliche Design zu versetzen, ohne den modernen Nutzungskomfort zu beeinträchtigen.

Planung und Zeitmanagement: Sanierung unter laufendem Betrieb

Eine der größten logistischen Herausforderungen war die Durchführung der Sanierung bei laufendem Betrieb. Um die Schließung des Schwimmbads so kurz wie möglich zu halten und den Badegästen weiterhin einen Zugang zu ermöglichen, wurde der Sanierungsprozess in zwei Hauptabschnitte unterteilt. Die Gesamtmaßnahme dauerte drei Jahre und wurde im Jahr 2019 abgeschlossen.

Die Planung sah vor, dass der Badebetrieb – bis auf wenige Restarbeiten – aufrechterhalten werden konnte. Diese Vorgehensweise erforderte eine exakte logistische Abstimmung, da die Arbeiten an der Tragstruktur, den Becken und den technischen Anlagen parallel zum laufenden Sportbetrieb stattfanden. Die Stadtwerke München als Auftraggeber legten Wert auf eine effiziente Planung, die Störungen minimierte. Der erste Sanierungsabschnitt begann im Mai 2016, der zweite folgte im Mai 2017. Diese Aufteilung ermöglichte es, verschiedene Bereiche des Gebäudes getrennt zu sanieren.

Erster Sanierungsabschnitt: Innenausbau, Becken und Technik

Der Fokus des ersten Sanierungsabschnitts lag auf der Erneuerung der technischen Anlagen und der Modernisierung der Innenräume unter der Tribüne.

Erneuerung der Schwimmbecken und Sanitärbereiche

In diesem Zeitraum wurden das Lehrschwimmbecken und die Becken der Technischen Universität München (TU München) umfassend renoviert. Auch die benachbarten Sanitärbereiche und Umkleideräume wurden generalsaniert. Im Zuge der Sanierung erhielten die Becken eine Auskleidung aus Edelstahl. Das Springerbecken wurde für den Trainingsbetrieb mit einer Bubbleranlage ausgestattet. Die Schwimmerbecken (vermutlich Hubbodenbecken) erhielten neue Hubbodensysteme, die eine flexible Nutzung der Wassertiefen ermöglichen.

Ein besonderes Highlight, das in dieser Phase geschaffen wurde, ist der neue Kinderplanschbereich. Dieser entstand im ehemaligen Kiosk-Bereich und wurde um moderne Attraktionen erweitert. Dazu gehören eine LED-Decke und eine Rutsche, die das Schwimmbad gezielt für Familien mit Kindern attraktiver machen. Die signifikanten Duschrondelle im Umkleidebereich wurden saniert, wobei ein farbenfroher Retrostyle angestrebt wurde, der sich in das historische Gesamtkonzept einfügt.

Technische Gebäudeausrüstung (TGA)

Ein wesentlicher Bestandteil der Modernisierung war die Erneuerung der gesamten Heizungs- und Lüftungsanlage. Da es sich um ein Schwimmbad handelt, ist ein funktionierendes Lüftungskonzept zur Vermeidung von Bauschäden durch aggressive Chloratmosphäre und zur Gewährleistung des Raumklimas essenziell. Durch den Austausch der Anlagen wurden die aktuellen energetischen und technischen Standards eingehalten, was zu einer signifikanten Verbesserung der Energieeffizienz führte. Auch die Beleuchtung und die Elektroinstallation wurden auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Zweiter Sanierungsabschnitt: Fassade und Hauptbecken

Der zweite Sanierungsabschnitt, der im Mai 2017 begann, konzentrierte sich auf das äußere Erscheinungsbild und das große Hauptbecken.

Austausch der Glasfassade

Eine zentrale Maßnahme war der Austausch der gesamten 3.000 Quadratmeter großen Glasaußenfassade. Diese Fassade stellt ein tragendes Element der Gebäudekonstruktion dar, weshalb eine dreiwöchige vollständige Schließung der Schwimmhalle für diese Arbeiten erforderlich war.

Die Herausforderung lag darin, die Anforderungen an Wärmedämmung und Energieeffizienz mit dem denkmalgeschützten Erscheinungsbild in Einklang zu bringen. Die neuen Verglasungen tragen maßgeblich zur energetischen Sanierung des Gebäudes bei. Durch die Erneuerung der Fassade und der Freianlagen wurde der Abschluss der äußeren Sanierungsarbeiten erreicht.

Sanierung der Tragstruktur und Stützen

Neben der Fassade wurden auch die geschädigten Stahlbetonkonstruktionen instand gesetzt. Eine besondere bautechnische Herausforderung war die Sanierung der 90 Stützen, die eine typische Wickelfalzschalung aufweisen. Anstatt den bröckelnden Beton, wie es in der Regel üblich wäre, mit 2000 bar abzustrahlen und neu zu beschichten, wählte man hier ein Verfahren, das den Erhalt der originalen Substanz und die Authentizität der Architektur priorisierte. Ziel war es, das "olympische Feeling" der Tragstruktur wiederaufleben zu lassen.

Ergänzungen im Freizeit- und Erholungsbereich

Um das Angebot des Schwimmbads zu erweitern, wurden weitere Komfortbereiche modernisiert. Im Jahr 2018 wurde die Sauna saniert und um eine Schneekabine und ein Dampfbad ergänzt. Zudem wurde ein neues Café eingerichtet, das den Besuchern einen Rundumservice bietet und die Schwimmhalle als Aufenthaltsort auch für Nicht-Schwimmer attraktiv macht.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Die Sanierung der Olympia-Schwimmhalle ist ein Beispiel für nachhaltiges Bauen im Bestand. Durch den Austausch der Fassade und der kompletten Haustechnik (Heizung, Lüftung) wurde der Energiebedarf des Gebäudes drastisch reduziert. Die Isolierwerte der neuen Fassade entsprechen modernsten Standards, was den Wärmeverlust im Winter und den Wärmeeintrag im Sommer minimiert. Diese Maßnahmen sind nicht nur aus Kostengründen wichtig, sondern tragen auch zur Klimaneutralität bei.

Das Sanierungskonzept ist zudem Teil eines umfassenden Modernisierungsprogramms für den gesamten Olympiapark, das mit der geplanten Zeltdachsanierung seinen Höhepunkt finden soll. Dies unterstreicht die langfristige Strategie der Stadtwerke München, das kulturelle Erbe zu erhalten und zukunftsfähig zu machen.

Herausforderungen der Denkmalpflege

Die Sanierung eines Baudenkmals aus den 1970er Jahren ist komplex. Es galt, den Zustand von 1972 wiederherzustellen, obwohl in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen worden waren. Die Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde war ein kontinuierlicher Prozess. Die Architekten und Handwerker mussten Lösungen finden, die einerseits die statische Sicherheit gewährleisten und andererseits die ästhetische Integrität des Bauwerks bewahren.

Die positive öffentliche Resonanz zeigt, dass das Konzept aufgegangen ist. Das Gefühl, "wie die Sieger" zu schwimmen, ist erhalten geblieben, obwohl die Technik auf dem neuesten Stand ist.

Fazit

Die Generalsanierung der Olympia-Schwimmhalle München ist ein Musterbeispiel für die geglückte Verbindung von Denkmalpflege und modernster Bautechnik. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurde ein historisches Bauwerk aus den Olympischen Spielen 1972 fit für die Zukunft gemacht, ohne seinen charakteristischen Charakter zu verlieren.

Die wichtigsten Ergebnisse der Sanierung lassen sich wie folgt zusammenfassen: * Technische Modernisierung: Austausch der Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie der gesamten Elektro- und Sanitärinstallationen. * Energetische Effizienz: Erneuerung der 3.000 m² großen Glasfassade zur Verbesserung der Wärmedämmung. * Beckentechnik: Auskleidung der Becken mit Edelstahl, Erneuerung der Hubbodensysteme und Installation einer Bubbleranlage im Springerbecken. * Nutzerfreundlichkeit: Schaffung eines Kinderplanschbereichs mit modernen Attraktionen und Ausbau des Saunabereichs. * Erhalt der Substanz: Denkmalgerechte Sanierung der Tragstruktur und der 90 Stützen unter Beibehaltung der originalen Wickelfalzschalung.

Das Projekt zeigt, dass auch unter laufendem Betrieb und bei strengen denkmalgeschützten Auflagen eine vollumfängliche Sanierung möglich ist. Für Bauherren und Projektverantwortliche in der Immobilien- und Baubranche bietet der Sanierungsprozess der Olympia-Schwimmhalle wertvolle Erkenntnisse zur Planung, Logistik und Ausführung komplexer Sanierungsprojekte.

Quellen

  1. Austrasse Zuerich
  2. Planplus GmbH
  3. ZM-I
  4. Stadionwelt
  5. DGFDB

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