Die Ortsmitte von Eppelborn befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen und Modernisierung. Durch gezielte städtebauliche Förderprogramme und ein konsequentes Abrissprogramm für nicht mehr sanierungsfähige Bausubstanz schafft die Gemeinde die Voraussetzungen für eine lebendigere, attraktivere und modernere Zentrumsgestaltung. Für Eigentümer leerstehender Gebäude, Investoren und Bauinteressenten eröffnen sich daraus vielfältige Möglichkeiten zur Beteiligung und Förderung. Dieser Artikel beleuchtet die strategischen Maßnahmen, die rechtlichen Grundlagen und die konkreten Förderinstrumente, die den Wandel der Eppelborner Ortsmitte vorantreiben.
Die strategische Basis: Integriertes Städtebauliches Konzept (ISEK) und Sanierungsgebiet
Die Gemeinde Eppelborn hat den rechtlichen und strategischen Rahmen für die Umgestaltung ihrer Ortsmitte geschaffen. Mit dem Beschluss der „Satzung zur förmlichen Festlegung des Sanierungsgebietes Ortsmitte Eppelborn II“ durch den Gemeinderat wurde der rechtliche „Türöffner“ für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen gesetzt (Source 3). Diese Festlegung ist eine zwingende Voraussetzung, um an die begehrten Fördertöpfe des Landes, des Bundes und der EU zu gelangen.
Im Zentrum der Strategie steht das Integrierte Städtebauliche Konzept (ISEK). Dieses Konzept wird im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ entwickelt und betrachtet den Ortskern auf Basis unterschiedlichster Aspekte (Source 3). Das ISEK dient als Masterplan, der sicherstellt, dass alle Maßnahmen – von der Verkehrsplanung über die Gebäudesanierung bis zur Gestaltung von öffentlichen Räumen – aufeinander abgestimmt sind und zu einem Gesamtkonzept beitragen. Für die Jahre 2021 bis 2023 plant der Ortsrat Eppelborn, im Rahmen der Städtebauförderung nach dem ISEK rund 300.000 Euro für die Ortsmitte bereitzustellen (Source 7). Diese Mittel sind ein wesentlicher Baustein, um die Attraktivität des Zentrums zu steigern.
Förderprogramme für Sanierung und Abriss: Ein Rundum-Support für Eigentümer
Die Gemeinde Eppelborn hat ein zweistufiges Fördersystem etabliert, das Eigentümer von leerstehenden oder sanierungsbedürftigen Gebäuden gezielt unterstützt. Das Ziel ist es, die Bausubstanz zu erhalten bzw. durch gezielten Abriss neue Entwicklungspotenziale zu schaffen.
Das Modernisierungs- und Instandsetzungsprogramm (seit 2019)
Bereits seit dem Jahr 2019 existiert die Richtlinie zur Förderung von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen im städtebaulichen Fördergebiet „Aktive Ortsmitte Eppelborn“ (Source 5). Dieses Programm richtet sich an Eigentümer, die ihre Gebäude instand setzen und modernisieren möchten. Es bildet die Grundlage für die energetische und bauliche Aufwertung der vorhandenen Bausubstanz.
Das neue Abrissprogramm für „Schrottimmobilien“
Ergänzend zum Sanierungsprogramm hat der Gemeinderat auf Anregung von Bürgermeister Dr. Andreas Feld ein neues Förderprogramm für den Abriss alter Bausubstanz beschlossen (Source 1, 4). Dieses Programm zielt speziell auf Immobilien, die nicht mehr sanierungsfähig sind, ab. Bürgermeister Feld bezeichnet diese Gebäude als „Schrottimmobilien“ (Source 5).
Der Abriss dieser Gebäude eröffnet neues Entwicklungspotenzial. So ermöglicht der Abbruch eines ehemaligen Bauernhauses und einer angrenzenden Scheune am Marktplatz (Source 1, 4) sowie einer ehemaligen Tankstelle und Kfz-Werkstatt (Source 2) die Weiterentwicklung der Flächen zwischen dem „big Eppel“ und dem Marktplatz. Die Förderung richtet sich an Eigentümer, die bereit sind, nicht mehr nutzbare Gebäude abzureißen, um Platz für neue, attraktive Bebauung zu schaffen.
Kontakt und Beratung
Für Eigentümer, die sich über die Möglichkeiten informieren möchten, steht der Fachbereich Bauen, Wohnen, Umwelt unter der Leitung von Wolfgang Becker als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung (Source 1, 5). Die Verwaltung bietet aktiv Beratungsgespräche an, um die Eigentümer in den Prozess einzubinden und die Fördermöglichkeiten optimal auszuschöpfen.
Konkrete Maßnahmen und Projekte in der Umsetzung
Die strategischen Überlegungen und Förderrichtlinien münden in konkrete Baumaßnahmen, die den Wandel der Ortsmitte sichtbar machen.
Geplanter Abriss und Flächenfreilegung
Ein erstes sichtbares Signal war der Abriss des ehemaligen Bauernhauses „Am Markt 29“ und der angrenzenden Scheune durch die ortsansässige Bauunternehmung Gihl (Source 4). Dieser Abriss markiert den ersten großen Erfolg des kommunalen Abrissprogramms und schafft eine neue Baulücke für die Weiterentwicklung. Ebenso stehen der Abriss der ehemaligen Tankstelle und Kfz-Werkstatt Zimmer gegenüber des „big Eppel“ sowie des leerstehenden Wohnhauses Rathausstraße 5 an (Source 2). Ortsvorsteher Berthold Schmitt bezeichnet diese beginnenden Abrissarbeiten als „Meilenstein der Ortskernsanierung“ (Source 2). Die Entkernung des alten Tankstellengebäudes, inklusive der Entsorgung alter Leitungen und Dämmmaterialien, ist bereits eingeleitet worden.
Sanierung des Marktplatzes und Altlastensanierung
Ein zentrales Großprojekt ist die Sanierung des Marktplatzes und die Altlastensanierung der ehemaligen Tankstelle. Die Kosten für dieses Vorhaben belaufen sich auf insgesamt 2,2 Millionen Euro (Source 6). Die gute Nachricht für die Gemeinde: Im Oktober erhielt Eppelborn die Zusage, dass die beantragten Fördermittel für das laufende Fördermittelprogrammjahr 2023 fast in voller Höhe zur Verfügung stehen. Somit sind zwei Drittel der förderfähigen Kosten durch Zuschüsse gedeckt (Source 6). Dieses Projekt ist für die Attraktivitätssteigerung der Ortsmitte von zentraler Bedeutung. Nach der Prüfung der konkreten Projektanträge und Erteilung des Zuwendungsbescheids können die Arbeiten beginnen.
Behindertengerechte Gestaltung und Prioritätenplanung
Neben den großen Projekten sind auch kleinere, aber wichtige Maßnahmen geplant. Der Ortsrat hat den Ausbau des Marktplatzes in behindertengerechter Form mit einem Volumen von rund 100.000 Euro priorisiert (Source 7). Diese Investition unterstreicht den Anspruch, die Ortsmitte für alle Bürger zugänglich und nutzbar zu gestalten.
Der Dialog als Erfolgsfaktor: Einbindung der Eigentümer
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Ortskernsanierung ist der aktive Dialog zwischen der Gemeindeverwaltung und den Eigentümern der Immobilien. Bürgermeister Feld hat im Januar Eigentümer leerstehender Gebäude zu einem Gesprächsaustausch ins Koßmannforum eingeladen (Source 5). Ziel dieser Veranstaltung war es, über die bestehenden Förderprogramme (Modernisierung und Abriss) zu informieren und die Eigentümer als Partner für die Entwicklung der Ortsmitte zu gewinnen.
Die Bereitschaft der Eigentümer, sich auf diesen Dialog einzulassen, wird als positives Signal gewertet. Der konstruktive Austausch mit den Eigentümern des Bauernhauses am Markt und der Tankstelle führte direkt zu den Entscheidungen für den Abriss (Source 1, 2). Bürgermeister Feld betont, dass es ihm außerordentlich wichtig ist, dass Verwaltung und Eigentümer das Thema gemeinsam anpacken (Source 5). Diese Partnerschaft ist der Schlüssel, um die Attraktivität Eppelborns nachhaltig zu steigern und die Ortsmitte lebendiger zu gestalten.
Herausforderungen und Bürokratie
Die Umsetzung von Großprojekten im kommunalen Bereich ist mit erheblichen bürokratischen Hürden verbunden. Wie die Gemeindeverwaltung anmerkt, macht das „Bürokratiemonster Deutschland“ auch vor Eppelborn nicht halt (Source 6). Die Planung von Maßnahmen im Wert von 2,2 Millionen Euro erfordert eine Vielzahl an Vorleistungen, Planungen und Anträgen. Auch die Anträge für die Städtebauförderung und die Aufnahme in die Programme von Land, Bund und EU erfordern Vorleistungen der Gemeinde (Source 3). Nichtsdestotrotz hat Eppelborn in der Vergangenheit bewiesen, dass diese Anstrengungen lohnen, da wichtige Zuschüsse für Projekte in der Gemeinde realisiert werden konnten (Source 3). Die aktuelle Zusage für die Marktplatzsanierung bestätigt diesen Erfolg.
Ausblick: Das Jahrzehnt der Veränderungen
Ortsvorsteher Berthold Schmitt spricht von einem Jahrzehnt der Veränderungen im Eppelborner Ortskern (Source 2). Der Umfang der geplanten und bereits eingeleiteten Maßnahmen – Abriss von vier Gebäuden, Sanierung des Marktplatzes, Altlastensanierung, behindertengerechte Gestaltung und die Umsetzung des ISEK – ist vergleichbar mit den Veränderungen, die durch den Bau des Marktplatzes in den 70er/80ern und den Bau des „big Eppel“ Anfang der 2000er Jahre stattgefunden haben. Die Gemeindeverwaltung arbeitet mit Hochdruck an der Umsetzung (Source 6). Das Ziel ist klar definiert: Die Ortsmitte von Eppelborn soll lebenswerter, attraktiver und moderner werden. Für Eigentümer von Immobilien in diesem Gebiet ist es nun an der Zeit, die Beratung durch die Verwaltung zu nutzen und die Chance zu ergreifen, Teil dieses positiven Wandels zu werden.
Fazit
Die Sanierung der Ortsmitte Eppelborn ist ein komplexes, aber gut strukturiertes Vorhaben, das durch ein intelligentes System aus rechtlichen Grundlagen, strategischen Konzepten und finanziellen Anreizen gestützt wird. Die Gemeinde hat mit dem Sanierungsgebiet und dem ISEK die Weichen gestellt, um umfangreiche Fördermittel zu sichern. Mit dem zweistufigen Ansatz aus Sanierungs- und Abrissprogrammen werden Eigentümer gezielt dazu ermutigt, entweder ihre Gebäude zu modernisieren oder, falls nicht mehr sanierungsfähig, durch Abriss neue Potenziale zu schaffen.
Die konkreten Projekte, insbesondere die Sanierung des Marktplatzes und der gezielte Abriss von Altsubstanz, sind bereits in der Umsetzung oder kurz davor. Die finanzielle Unterstützung durch Fördermittel in Höhe von zwei Dritteln der Kosten für das Marktplatzprojekt zeigt die Wirksamkeit der Förderstrategie. Der Erfolg basiert maßgeblich auf dem konstruktiven Dialog zwischen der Verwaltung und den Eigentümern. Für Bauinteressenten, Investoren und Eigentümer in Eppelborn bietet sich nun die Möglichkeit, sich aktiv in die Weiterentwicklung einzubringen und von den vorhandenen Förderinstrumenten zu profitieren. Der Wandel der Ortsmitte ist nicht mehr nur Planung, sondern greifbare Realität.
Quellen
- Saarnews: Eppelborn - Ortskernsanierung geht voran
- Eppelblog: Eppelborner Ortskern verändert sich
- Eppelblog: Festlegung des Sanierungsgebietes ebnet Weg
- Gemeinde Eppelborn: Die Ortsmitte von Eppelborn verändert sich
- Gemeinde Eppelborn: Förderprogramme Sanierung und Abriss von Gebäuden im Eppelborner Ortskern
- Gemeinde Eppelborn: Sanierung Marktplatz Eppelborn
- Saarbrücker Zeitung: Ortsrat Eppelborn will die Ortsmitte verschönern