Sanierung und Neubau der Bernhard-Overberg-Schule in Osnabrück: Ein Beispiel für modernen, energieeffizienten Baustil

Die Sanierung und der Neubau von Schulgebäuden stellen komplexe Herausforderungen für Kommunen und Bauunternehmen dar. Insbesondere wenn es sich um historische Gebäude handelt, die energetischen und funktionalen Modernisierungsbedarf aufweisen, sind innovative Lösungen gefragt. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Baumaßnahme ist die Bernhard-Overberg-Schule in Osnabrück. Nach fast drei Jahren Bauzeit konnte die Schule nach den Osterferien wieder eröffnet werden. Die Gesamtmaßnahme umfasste die Kernsanierung des bestehenden Gebäudes aus dem Jahr 1972 sowie den Bau eines zweigeschossigen Erweiterungsbaus. Für Bauinteressenten, Immobilienbesitzer und Handwerker bietet dieses Projekt wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung moderner Sanierungsprojekte, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz und die Schaffung multifunktionaler Räume.

Ausgangslage und Notwendigkeit der Sanierung

Vor Beginn der Arbeiten wies das Gebäude der Bernhard-Overberg-Schule erhebliche Mängel auf, die eine umfassende Sanierung unvermeidlich machten. Laut den vorliegenden Informationen waren die Fenster undicht, die Inneneinrichtung entsprach nicht mehr dem aktuellen Standard, und der verfügbare Raum reichte nicht aus, um die Schule in eine Ganztagschule umzuwandeln. Diese Zustände sind in vielen älteren Gebäuden anzutreffen und stellen oft den Auslöser für tiefgreifende Renovierungsmaßnahmen dar.

Die Entscheidung, nicht nur zu sanieren, sondern auch einen Neubau zu errichten, basierte auf dem Bedarf nach mehr Funktionalität und moderner Infrastruktur. Die Bernhard-Overberg-Schule ist eine katholische Bekenntnisschule im Osnabrücker Stadtteil Schölerberg. Ziel der Maßnahme war es, den Schulstandort langfristig zu sichern und den Anforderungen einer modernen Bildungseinrichtung gerecht zu werden. Während der Bauarbeiten musste der Unterricht ausgelagert werden; seit dem Sommer 2019 fand der Unterricht an der Käthe-Kollwitz-Schule statt. Diese Zwischenlösung, kombiniert mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie, stellte eine besondere Belastung für die Schulgemeinschaft dar, unterstrich aber gleichzeitig die Dringlichkeit der Fertigstellung.

Konzeption und Architektur: Ein Verbund aus Alt und Neu

Das zentrale Element der Neugestaltung ist die Verbindung von Bestandsgebäude und Erweiterungsbau. Die Stadt Osnabrück hat das bestehende Gebäude kernsaniert und einen zweigeschossigen Neubau errichtet. Beide Baukörper sind durch einen separaten Verbindungsbau miteinander verknüpft. Diese Architekturweise ist für Sanierungsprojekte sehr bedeutsam, da sie die Erschließung der Gebäude optimiert und gleichzeitig neue, zentrale Räume schafft.

Der Verbindungsbau fungiert als neues Herzstück der Schule. Er dient nicht nur als Durchgangsbereich, sondern beherbergt im Erdgeschoss die neue Pausenhalle. Diese Gestaltung fördert die Sozialkontakte und bietet einen wettergeschützten Aufenthaltsraum. Besonders bemerkenswert sind die bodentiefen Fenster, die für eine hervorragende Tageslichtausstattung sorgen. Die Bezeichnung „lichtdurchflutet“ deutet auf eine hohe Qualität der Innenraumgestaltung hin, was für Lernumgebungen essenziell ist.

Die Aufteilung der Nutzungsflächen folgt einem logischen Konzept: * Neubau: Hier befinden sich der Eingangsbereich, die Mensa inklusive Ausgabeküche, der Verwaltungstrakt und ein Musikraum. Diese Räume benötigen oft eine bessere Erschließung und spezifische technische Ausstattung. * Altbau (saniert): Hier konzentrieren sich die allgemeinen Unterrichtsräume, die Räume für den Werkunterricht und die Bereiche für die Ganztagsbetreuung. Durch die Kernsanierung wurden diese Flächen energetisch und optisch aufgewertet.

Energieeffizienz: Passivhausstandard und Erneuerbare Energien

Ein entscheidender Aspekt moderner Baumaßnahmen ist die Energieeffizienz. Bei der Bernhard-Overberg-Schule wurde dies durch weitreichende Maßnahmen umgesetzt. Der Neubau wurde auf Passivhausniveau errichtet. Dieser Standard zeichnet sich durch einen extrem niedrigen Heizwärmebedarf aus und sorgt für ein behagliches Raumklima ohne hohe Energiekosten.

Zusätzlich wurde der 1972 errichtete Altbau energetisch saniert. Um den Energieverbrauch im gesamten Gebäude zu optimieren, wurde eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert. Diese Technologie sorgt für eine konstante Frischluftzufuhr, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen, was vor allem in der Heizperiode Energieverluste verhindert. Der Einsatz von Wärmerückgewinnung ist ein Standard in modernen Effizienzhäusern und verbessert das Raumklima deutlich.

Zur Stromerzeugung wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert. Diese erzeugt laut den vorliegenden Daten bis zu 20.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Dieser Beitrag zur Eigenstromversorgung senkt die Betriebskosten und leistet einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Insgesamt führt die Sanierung dazu, dass der Energieverbrauch pro Quadratmeter weniger als ein Drittel des vorherigen Wertes beträgt. Eine solche Reduzierung ist für Immobilienbesitzer und Bauherren ein starkes Argument für die Investition in eine energetische Sanierung.

Finanzielle Rahmenbedingungen und Förderung

Die Finanzierung von Sanierungs- und Neubauprojekten ist oft ein entscheidender Faktor. Die Gesamtkosten für die Sanierung und den Neubau der Bernhard-Overberg-Schule beliefen sich auf 6,1 Millionen Euro. Hinzu kamen 300.000 Euro für Möbel.

Ein wesentlicher Teil der Finanzierung wurde durch staatliche Förderungen gesichert: * Bundesförderung: Über das Kommunalinvestitionspaket II erhielt die Stadt Osnabrück rund 3,1 Millionen Euro vom Bund. * Landesförderung: Das Land Niedersachsen gewährte für die Möbelkosten einen Zuschuss von 70.000 Euro.

Diese Förderungen zeigen, wie wichtig staatliche Unterstützung bei der Realisierung von öffentlichen Bauprojekten ist. Für private Bauherren ist es relevant zu wissen, dass ähnliche Förderprogramme (z.B. über die KfW oder das BAFA) oft auch für energetische Sanierungen und den Bau von Effizienzhäusern zur Verfügung stehen.

Politische und gesellschaftliche Bedeutung

Die Entscheidung für die Sanierung und den Neubau wurde auf politischer Ebene intensiv beraten. Die Beschlüsse für das Projekt wurden in den Ausschüssen für Planen, Bauen und Denkmalschutz, für Schule, Bildung und Kultur sowie im Haupt- und Finanzausschuss gefasst. Die Abstimmungsergebnisse (z.B. 14 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen im Haupt- und Finanzausschuss) belegen die breite Unterstützung für das Vorhaben.

Die Wiedereinzug der Schule nach den Osterferien wurde von der Schulleiterin Kerstin Heidker und der Oberbürgermeisterin Katharina Pötter positiv hervorgehoben. Die Schule beherbergt 107 Schülerinnen und Schüler. Die Modernisierung der Infrastruktur kommt direkt der Schulgemeinschaft zugute. Für die Stadt Osnabrück ist das Projekt zudem ein Beitrag zum Ziel der Klimaneutralität, da durch die Energieeinsparung und die eigene Stromerzeugung der ökologische Fußabdruck des Gebäudes deutlich reduziert wurde.

Fazit

Die Sanierung und der Neubau der Bernhard-Overberg-Schule in Osnabrück sind ein Musterbeispiel für eine gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Architektur und strenger Energieeffizienz. Durch die Kernsanierung des Altbaus und den Passivhaus-Neubau wurde ein Gebäudekomplex geschaffen, der den Anforderungen einer modernen Ganztagschule gerecht wird. Die Investition von 6,1 Millionen Euro, unterstützt durch erhebliche Bundes- und Landesmittel, hat nicht nur die Bausubstanz gesichert, sondern auch die Betriebskosten durch den Einsatz von Photovoltaik und Wärmerückgewinnung drastisch gesenkt.

Für Bauherren und Immobilienbesitzer lässt sich ableiten, dass energetische Sanierungen in Kombination mit modernen Lüftungssystemen und erneuerbaren Energien eine lohnende Investition darstellen. Die Schaffung von lichtdurchfluteten, multifunktionalen Räumen, wie im Verbindungsbau realisiert, erhöht zudem die Lebensqualität und Nutzbarkeit von Gebäuden erheblich. Das Projekt zeigt, dass selbst unter schwierigen Voraussetzungen – wie einer Pandemie und einer Ausweichunterkunft – durch zielgerichtete Planung und politischen Willen nachhaltige und moderne Bauwerke entstehen können.

Quellen

  1. Hasepost.de
  2. OSRadio.de
  3. gs-overbergschule.de
  4. Gronau.de

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