Sanierung des Parkhauses Universität Zürich Irchel: Ein umfassender Fachbericht zu Technik, Sicherheit und Betrieb

Die Sanierung von Grossparkhäusern stellt eine komplexe Herausforderung für Bauherren und Planer dar, insbesondere wenn die Infrastruktur über Jahrzehnte gewachsen ist und heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr entspricht. Das unterirdische Parkhaus der Universität Zürich Irchel dient hierbei als exemplarisches Fallbeispiel für eine umfassende Gebäudefsanierung unter laufendem Betrieb. Der 1983 errichtete Bau mit 959 Parkplätzen auf vier Untergeschossen unterlag einer Totalerneuerung, die weit über eine bloße Fassadenreinigung hinausging. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, statischen und organisatorischen Aspekte dieses Projekts und zieht daraus Schlussfolgerungen für die Bauwirtschaft.

Ausgangslage und Bedarfssituation

Das Parkhaus der Universität Zürich Irchel war zum Zeitpunkt der Sanierungsentscheidung bereits 33 Jahre alt. Ein Alter, das bei unterirdischen Bauwerken mit hoher Belastung oft den Beginn kritischer Alterungsprozesse markiert. Laut den vorliegenden Informationen wies die Anlage nach heutigen Standards gravierende Mängel auf. Dies betraf in erster Linie die Bausubstanz, insbesondere im Hinblick auf die Erdbebensicherheit.

Die Bedeutung der Anlage für die Infrastruktur ist erheblich. Mit 959 Parkplätzen leistet das Parkhaus einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der Parksituation im Quartier und in der Innenstadt Zürich. Ein Totalausfall oder eine langfristige Sperrung hätte erhebliche Auswirkungen auf die Erreichbarkeit des Campus gehabt. Daher musste die Sanierung unter laufendem Betrieb erfolgen, was die Planung und Ausführung zusätzlich erschwerte.

Die Kosten für die Gesamtsanierung beliefen sich auf rund 24,4 Millionen Franken. Diese Summe spiegelt den Umfang der notwendigen Massnahmen wider, die von der Tragwerksanierung über die technische Gebäudeausrüstung (TGA) bis hin zu sicherheitstechnischen und optischen Aufwertungen reichten.

Tragwerksanierung und Erdbebensicherheit

Ein Kernanliegen der Sanierung war die Behebung von Schäden an der Bausubstanz mit Blick auf die Erdbebensicherheit. In der Schweiz, einer seismisch aktiven Region, sind die Anforderungen an die Erdbebensicherheit von Parkhäusern in den letzten Jahrzehnten deutlich verschärft worden. Was für einen Neubau im Jahr 1983 Standards waren, genügt oft den heutigen Anforderungen an die Tragsicherheit unter Erdbebenbelastung nicht mehr.

Die Sanierung umfasste statische Massnahmen, um das Bauwerk den aktuellen Normen anzupassen. Obwohl die Quellen keine detaillierten technischen Spezifikationen zu den statischen Eingriffen nennen, ist implizit davon auszugehen, dass Verstärkungen von Stützen, Wänden oder Decken notwendig waren, um die duktilen Eigenschaften des Tragwerks zu verbessern. Solche Eingriffe sind bei Altbauten Standard, um eine "Kollapsverhütung" auch bei starken Erdbeben zu gewährleisten.

Ein besonderes Merkmal der statischen Struktur des Parkhauses ist der regelmässige Stützenraster. Dieser wurde durch das neue Licht- und Farbkonzept akzentuiert. Die unregelmässig angeordneten Fluchtreppenhäuser prägen das Erscheinungsbild. Die statischen Massnahmen sorgen dafür, dass diese Struktur auch bei dynamischen Belastungen stabil bleibt.

Erneuerung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA)

Die umfassende Erneuerung der technischen Anlagen bildet das Herzstück der Sanierung. Da die Gebäudehülle und die Tragstruktur eines Parkhauses sehr langlebig sind, sind es gerade die technischen Systeme, die häufiger modernisiert werden müssen, um Effizienz und Sicherheit zu gewährleisten.

Elektroanlagen und Gebäudeautomation

Die Planung der Elektroanlagen wurde einem Fachplaner übertragen. Die Arbeiten umfassten Stark- und Schwachstromanlagen, die Errichtung einer neuen Trafostation und den Einbau eines Notstromgenerators. Die Notstromversorgung ist für Parkhäuser kritisch, da bei einem Stromausfall nicht nur die Beleuchtung, sondern auch die Lüftungsanlagen und Notrufsysteme versagen können. Die Integration in die Gebäudeautomation sorgt für eine zentrale Steuerung und Überwachung.

Lüftungskonzept und Fluchtwegsicherheit

Ein neuartiges Lüftungskonzept wurde implementiert, um die Sicherheit der Fluchtwege zu erhöhen. In unterirdischen Parkhäusern muss im Brandfall die Rauchabführung sichergestellt werden, um Fluchtwege frei von giftigen Gasen und Sichtbehinderungen zu halten. Die Sanierung sah vor, dass vorhandene Steigzonen und Lüftungskanäle weitgehend übernommen werden konnten, während die Lüftungszentralen baulich angepasst werden mussten. Dies zeigt eine nachhaltige Herangehensweise, bei der bestehende Infrastruktur genutzt, aber die aktiven Komponenten (Zentralen) erneuert werden.

Sanitär-, Sprinkler- und Brandschutzanlagen

Die Erneuerung der Sanitär- und Sprinkleranlagen sowie der Brandschutztore ist essenziell für die Sicherheit und Funktionalität. Besonders hervorzuheben ist die Erschließung neuer Räume für die Gebäudetechnik und das Notstromaggregat. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle eine Werkstatt mit Tankstelle. Die Umwidmung dieser Fläche für technische Infrastruktur unterstreicht den Fokus auf Betriebssicherheit statt auf服务angebote, die im modernen Parkhausbetrieb oft entfallen oder verlagert werden.

Die Brandmeldeanlage wurde vollständig ersetzt. Moderne Systeme bieten hier eine deutlich höhere Zuverlässigkeit und ermöglichen eine schnelle Branderkennung, was für die Evakuierung und die Brandbekämpfung entscheidend ist.

Parkbewirtschaftung und Kommunikation

Die Anlage zur Parkbewirtschaftung, die Videoanlage und die Notrufstellen wurden komplett erneuert. Die Kontrolle erfolgt heute ausschliesslich über das Kennzeichen (Automatische Kennzeichenerfassung). Dies ist ein Standard im modernen Parkhausbetrieb, der den Durchfluss optimiert und manuelle Kontrollen überflüssig macht.

Sicherheitskonzept und Nutzerführung

Ein wesentlicher Aspekt der Sanierung war die Verbesserung der Sicherheit und Orientierung für die Nutzer. Ein Parkhaus, das 1983 gebaut wurde, verfügt oft über eine komplizierte Geometrie, die bei unregelmässig angeordneten Fluchtreppenhäusern zu Orientierungsschwierigkeiten führen kann.

Durch ein neues Farb- und Lichtkonzept wurde versucht, dieser Problematik zu begegnen. Die spezifische Farbgebung dient der Leitfunktion. Die bauliche Struktur mit dem regelmässigen Stützenraster wird durch das Licht akzentuiert. Zudem sorgt eine Lichtkunst-Installation von Christian Herdeg im mehrgeschossigen Raum zwischen den Rampen für eine identitätsstiftende und leitende Funktion. Solche Massnahmen sind nicht nur ästhetischer Natur, sondern tragen direkt zur Sicherheit bei, indem sie die Wegfindung erleichtern und das Sicherheitsgefühl der Nutzer steigern.

Bauausführung und Betriebsführung

Die Sanierung wurde unter laufendem Betrieb und in Etappen realisiert. Dies erfordert eine extrem hohe logistische Planung. Die Arbeiten erfolgten geschossweise, wobei jeweils ein Geschoss saniert wurde. Während die Arbeiten in einem Geschoss stattfanden, mussten die übrigen Geschosse für den Verkehr offen bleiben.

Diese Vorgehensweise minimiert die Beeinträchtigungen für die Nutzer, erhöht aber die Gefahr von Wechselwirkungen zwischen Baustelle und Verkehr. Sicherheitsvorkehrungen, wie das Abtrennen der Arbeitsbereiche und die Umlenkung des Verkehrs, sind hier zwingend notwendig.

Laut Zeitplan begannen die Bauarbeiten im November 2016 und dauerten bis Juni 2018. Die Einhaltung eines solchen Zeitplans bei einer so komplexen Sanierung unter laufendem Betrieb ist eine Leistung, die Planungssicherheit und Disziplin in der Ausführung voraussetzt.

Organisatorische Massnahmen und Parkraummanagement

Die Sanierung betraf nicht nur das Parkhaus Irchel selbst, sondern hatte Auswirkungen auf den gesamten Campus und die angrenzenden Bereiche. Laut den Informationen der Parkplatzverwaltung der UZH fielen an der Rämistrasse 80 und am Hirschengraben 82/84 infolge der Bauarbeiten alle Parkplätze weg.

Dies zeigt, dass die Parkraumverwaltung eng mit der Bauleitung koordiniert werden muss. Die Universität Zürich bietet für ihre Mitarbeitenden und Studierenden bewilligungs- und kostenpflichtige Parkplätze an. Die Vergabe der Berechtigungen erfolgt über den Informationsschalter Irchel oder via Parkingpay App. Während der Sanierung musste die Kapazitätsplanung angepasst werden, um den Verlust von Parkplätzen in der Umgebung auszugleichen oder zumindest transparent zu kommunizieren.

Das Parkplatzreglement wird von der Fachstelle Sicherheit und Umwelt überwacht. Zuwiderhandlungen werden mit Bussen oder dem Entzug der Parkberechtigung geahndet. Ein solches Reglement ist notwendig, um den ordnungsgemässen Betrieb auch während der Bauphase sicherzustellen und Missbrauch zu verhindern.

Zusammenfassung der Sanierungsmassnahmen

Um die Komplexität des Projekts zu veranschaulichen, lassen sich die Massnahmen wie folgt kategorisieren:

Bereich Massnahme
Tragwerk Behebung von Schäden an der Bausubstanz, Anpassung an aktuelle Erdbebenstandards.
Elektrotechnik Erneuerung von Stark- und Schwachstromanlagen, Einbau neuer Trafostation und Notstromgenerator.
Gebäudetechnik (TGA) Komplette Erneuerung von Sanitär-, Sprinkler- und Lüftungsanlagen; Anpassung der Lüftungszentralen.
Brandschutz Ersatz der Brandmeldeanlage und der Brandschutztore.
Parkbewirtschaftung Neuanlage der Systeme zur Parkplatzverwaltung, Videoüberwachung und Notrufstellen.
Sicherheit & Optik Neues Licht- und Farbkonzept zur Orientierung; Kunstinstallation zur Aufwertung.
Raumnutzung Umwidmung einer ehemaligen Werkstatt/Tankstelle zu Räumen für Gebäudetechnik.

Fazit

Die Sanierung des Parkhauses Universität Zürich Irchel ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Gebäudefsanierung im Bestand. Die Herausforderung lag darin, einen 33 Jahre alten Bau mit 959 Parkplätzen den heutigen technischen und sicherheitstechnischen Standards anzupassen, ohne den Betrieb länger als nötig zu unterbrechen.

Der Fokus lag auf drei Hauptpfeilern: 1. Substanzsicherung: Durch die statischen Anpassungen und die Behebung von Mängeln im Hinblick auf die Erdbebensicherheit wurde die Langlebigkeit des Bauwerks gesichert. 2. Technische Modernisierung: Die Erneuerung der gesamten TGA, insbesondere der Lüftung, der Elektroanlagen und der Brandmeldeanlage, stellt einen Betrieb nach aktuellen Normen sicher und erhöht die Sicherheit im Brandfall. 3. Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit: Durch ein neues Licht- und Farbkonzept sowie die Integration von Kunst wurde nicht nur die Orientierung verbessert, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Nutzer gestärkt.

Die Entscheidung, die bestehenden Steigzonen und Lüftungskanäle weitgehend zu übernehmen, die aber die Lüftungszentralen und die technischen Räume komplett zu erneuern, spiegelt eine wirtschaftliche und nachhaltige Planung wider. Für Bauherren und Planer zeigt dieses Projekt, dass auch unterirdische Bauwerke mit komplexer Geometrie durch eine durchdachte Etappenplanung und eine klare Priorisierung der Sicherheitsaspekte erfolgreich saniert werden können. Die Investition von 24,4 Millionen Franken war notwendig, um die Infrastruktur für die Zukunft zu sichern und die Anforderungen an einen modernen, sicheren Parkbetrieb zu erfüllen.

Quellen

  1. IBG - Gebäude Referenzen Parkhaus Irchel
  2. ZH.CH - Medienmitteilung Parkhaus Universität Zürich Irchel
  3. ZMAAG - Parkhaus Universität Irchel
  4. UZH - Parkplatzverwaltung

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