Sanierung des Parkhauses Lohgerbe in Bad Säckingen: Technische Aspekte, Zeitplan und stadtplanerische Herausforderungen

Einführung

Die Sanierung von Parkhäusern ist eine komplexe Aufgabe, die technische Präzision, strategische Planung und die Berücksichtigung der städtischen Infrastruktur erfordert. Ein repräsentatives Beispiel für eine solche Maßnahme ist die umfassende Erneuerung des Parkhauses Lohgerbe in Bad Säckingen. Dieses Projekt, das von den Stadtwerken Bad Säckingen getragen wird, bietet wertvolle Einblicke in die Standardverfahren bei der Instandhaltung öffentlicher Parkgebäude nach rund 15 Jahren Nutzungsdauer.

Das Parkhaus Lohgerbe, ein zentraler Bestandteil der Innenstadtinfrastruktur, unterzieht sich einer mehrmonatigen Sanierung, die von März bis Oktober 2018 andauert. Die Arbeiten umfassen nicht nur die Beseitigung von Verschleißschäden, sondern auch die Anpassung an moderne Sicherheits- und Barrierefreiheitsstandards. Für Bauherren, Immobilienverwalter und an Bauprozessen interessierte Leser illustriert dieser Fall die typischen Herausforderungen: die Notwendigkeit von Betonerhaltungsmaßnahmen, die Erneuerung von Abdichtungssystemen und die logistische Bewältigung von Parkplatzverlusten in dicht besiedelten Gebieten.

Technische Grundlagen und Notwendigkeit der Sanierung

Das 2001 erbaute Parkhaus Lohgerbe verfügt über neun Ebenen und bietet ursprünglich 320 Stellplätze (laut anderen Quellen 283, was auf unterschiedliche Zählweisen oder nachträgliche Anpassungen hindeuten könnte). Nach 15 Jahren Betrieb zeigten sich gravierende Materialermüdungserscheinungen, die eine Sanierung unumgänglich machten.

Ursachen für Bauschäden

Die Schäden am Parkhaus Lohgerbe sind das Ergebnis multipler Einflussfaktoren: * Klimatische Einflüsse: Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit (Nässe) führten zu Rissbildungen zwischen Wänden und Fahrbahnen. * Mechanische Belastung: Der überdurchschnittlich hohe Anteil an Kurzzeitparkern, der mit einem schnellen Fahrzeugwechsel und häufigem Anfahren und Bremsen einhergeht, belastet die Bodenbeläge zusätzlich. * Materialermüdung: Die ursprüngliche Beschichtung, insbesondere in den Kurven, war stark abgenutzt. Teilweise war der Beton freigelegt, was ein sofortiges Eingreifen erforderte, um die Tragkonstruktion zu schützen.

Standardisierte Vorgehensweise

Laut Martin Ritter, technischem Leiter der Stadtwerke, ist die Durchführung solcher Arbeiten nach 15 Jahren Betrieb ein Standard bei öffentlichen Parkhäusern. Die Sanierung folgt einem systematischen Ansatz, der die Integrität der gesamten Struktur gewährleisten soll. Risse und Ablösungen im Bodenbelag sind nicht nur ein optisches Problem; auf Dauer können sie zu tieferen Schädigungen der Tragkonstruktion führen und das gesamte Gebäude beeinträchtigen. Ziel der Maßnahme ist es, diese Schäden zu beheben, bevor es zu strukturellen Gefahren kommt.

Der Sanierungsablauf: Ein Drei-Phasen-Modell

Die Sanierung des Parkhauses Lohgerbe wurde in drei Bauabschnitten geplant und durchgeführt, um die Störungen für den Betrieb so gering wie möglich zu halten und eine zügige Fertigstellung zu ermöglichen. Der Fortschritt verlief schneller als ursprünglich kalkuliert, was auf eine effiziente Organisation und günstige Witterungsbedingungen zurückzuführen war.

Phase 1: Die oberen Ebenen (Mai 2018)

Der erste Bauabschnitt konzentrierte sich auf die obersten drei Ebenen (Ebenen 7, 8 und 9). * Arbeitsumfang: Vollständiger Abtrag der alten Beschichtung, Verspachtelung der Brüstungsflächen und Erneuerung der Dehnungsfugen. Die Dehnungsfugen sind entscheidend, da sie das Materialarbeiten des Bauwerks (Ausdehnung und Kontraktion) ermöglichen, ohne dass Schäden entstehen. * Ergebnis: Dieser Abschnitt wurde bereits nach etwa einem Monat abgeschlossen, schneller als geplant. * Folge: Direkter Beginn der Arbeiten auf Ebene 6 und 5 am 7. Mai.

Phase 2: Die mittleren Ebenen (Juni/Juli 2018)

Der zweite Abschnitt umfasste die Ebenen 4, 5 und 6. * Planung: Ebene 4 sollte bis voraussichtlich 28. Mai nutzbar bleiben, Ebenen 1 bis 3 blieben bis Ende Juli geöffnet. * Maßnahmen: In dieser Phase stehen vor allem Betonarbeiten, die Erneuerung der Fahrbahnen sowie Abdichtungs- und Malerarbeiten im Fokus. Die Abdichtung ist essenziell, um den darunterliegenden Beton vor weiterer Feuchtigkeit zu schützen.

Phase 3: Vollsperrung und Endausbau (August bis Oktober 2018)

In der Endphase erfolgte die Vollsperrung des Parkhauses. * Dauer: Die Gesamtbauzeit belief sich auf 29 Wochen. * Abschlussarbeiten: In dieser Zeit wurden die unteren Ebenen saniert und der Innenausbau finalisiert. Die Öffnung erfolgte am Freitag, den 26. Oktober 2018, pünktlich zu den Märchentagen. Bis November 2018 waren dann alle Restarbeiten erledigt.

Detailierte Maßnahmen: Von der Betonsanierung zur Modernisierung

Die Sanierung ging über eine reine Oberflächenbehandlung hinaus. Es handelte sich um eine umfassende Instandsetzung, die verschiedene Gewerke umfasste.

Betoninstandsetzung und Beschichtung

Im Fokus der Arbeiten stand die Wiederherstellung der Betondecke. 1. Schadstellenbehebung: Risse und Abplatzungen im Beton wurden nach und nach behoben. 2. Schichtenaufbau: Anschließend wurden die einzelnen Schichten aufgetragen – beginnend mit der Grundierung bis hin zur Nutzschicht. Diese Schichtaufbauten sind notwendig, um eine dauerhafte Haftung und Schutz zu gewährleisten. 3. Rutschhemmung: Ein besonderes Augenmerk lag auf der Verbesserung der Verkehrssicherheit. Die alten Beläge führten bei Nässe zu akuter Rutschgefahr. Die neuen Schichten müssen rutschsichere Gehwege garantieren.

Sicherheits- und Orientierungserhöhung

Durch den intensiven Nutzerwechsel (über 24.300 Nutzer im Monat) wurde die Notwendigkeit klarer Verkehrswege offensichtlich. * Markierungen: Neue Fahrbahnmarkierungen und Markierungen für Fußwege erhöhten die Sicherheit deutlich. * Beschilderung: Neue Schilder sorgen für eine bessere Orientierung im Gebäude. * Überwachung und Beleuchtung: Die Installation von Überwachungskameras und die Verbesserung der Beleuchtung tragen zur Sicherheit bei.

Modernisierung der Infrastruktur (Barrierefreiheit und Komfort)

Ein modernes Parkhaus muss auch komfortabel und barrierefrei sein. * Sanitäranlagen: Die WC-Anlagen wurden vollständig modernisiert. Besonders erwähnenswert ist die familienfreundliche Ausstattung mit einem Wickeltisch, was den Bedürfnissen von Familien entgegenkommt. * Barrierefreiheit: Die Barrierefreiheit wurde über das gesamte Gebäude hinweg überarbeitet und verbessert. * Parkplatzangebot: Nach der Sanierung stehen 318 moderne Parkplätze zur Verfügung (eine geringfügige Reduktion gegenüber den ursprünglichen 320, vermutlich bedingt durch die Anpassung von Stellplatzmaßen oder Verkehrsflächen). Zusätzlich wurden Behindertenparkplätze und großzügige Familienparkplätze geschaffen.

Herausforderungen: Die Parkplatzsituation in Bad Säckingen

Ein zentraler Aspekt jeder Parkhaussanierung in einer Innenstadt ist die Kompensation des temporären Parkplatzverlustes. Die Quellenlage zur Situation in Bad Säckingen während der Sanierung zeigt eine realistische, wenn auch kritische Betrachtungsweise durch die Stadtwerke.

Die Realität der Ersatzparkplätze

Martin Ritter, Technischer Leiter, machte unmissverständlich deutlich, dass ein voller Ersatz der 283 (bzw. 320) Parkplätze nicht möglich sein würde. Sein Statement „Das wird nicht klappen“ und „Es gibt nicht genug Flächen. Da kann die Stadt auch nicht zaubern“ unterstreichen die Grenzen der städtischen Planung. * Verfügbarkeit: Es wurden keine ausgewiesenen Ausweichmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe in dem Umfang bereitgestellt, der den Verlust kompensieren könnte. * Konsequenz: Autofahrer, insbesondere Einkaufstouristen aus der Schweiz, mussten sich darauf einstellen, weiter außerhalb zu parken und längere Wege in Kauf zu nehmen.

Ökonomische Auswirkungen

Die Schließung des zentral gelegenen Parkhauses über mehrere Monate hatte Auswirkungen auf das Einzugsgebiet der Innenstadt. Der Verlust von 24.300 Nutzern pro Monat während der Sperrzeit stellte eine Herausforderung für den Einzelhandel und die Gastronomie dar. Die Stadtwerke versuchten, durch zügige Arbeiten und eine Einhaltung des Zeitplans (trotz Vollsperrung) die Dauer der Belastung zu minimieren.

Fazit

Die Sanierung des Parkhauses Lohgerbe in Bad Säckingen dient als lehrreiches Beispiel für die Bewältigung von Instandhaltungsmaßnahmen an über 15 Jahre alten Verkehrsbauwerken. Der Fall zeigt, dass eine Sanierung nicht nur aufgrund von akuten Schäden, sondern als vorbeugende Maßnahme zur Erhaltung der Substanz und zur Anpassung an moderne Sicherheitsstandards notwendig ist.

Die technische Vorgehensweise der Stadtwerke Bad Säckingen war in drei Phasen unterteilt, um den Betrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Maßnahmen umfassten die grundlegende Betoninstandsetzung, die Erneuerung der Dehnungsfugen und Beschichtungen sowie die Modernisierung der Infrastruktur im Hinblick auf Barrierefreiheit und Komfort.

Herausfordernd war die stadtplanerische Komponente: Der vollständige Ersatz der Parkplätze während der zehnwöchigen Vollsperrung war logistisch unmöglich. Dies unterstreicht die Abhängigkeit zentraler Infrastruktur von begrenzten städtischen Flächen. Für Bauherren und Immobilienverwalter bleibt die Lehre: Regelmäßige Inspektionen und frühzeitige Sanierungsplanungen sind essenziell, um hohe Folgekosten durch strukturelle Schäden zu vermeiden und die Nutzerfreundlichkeit langfristig zu sichern.

Quellen

  1. Thurgauer Zeitung
  2. Pro Badsäckingen
  3. Südkurier
  4. Badische Zeitung
  5. Zuger Zeitung
  6. Südkurier

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