Die umfassende Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Parlamentsgebäudes in Wien stellt ein herausragendes Projekt im österreichischen Hochbau dar. Zwischen 2018 und 2022 wurde das historische Gebäude generalsaniert, wobei der laufende Betrieb in Interimslokationen ausgelagert wurde. Das Projekt umfasste nicht nur die Beseitigung von Bauschäden, sondern auch eine barrierefreie Umgestaltung, den Einbau einer großflächigen Glaskuppel und den Ausbau des Dachgeschosses. Ein zentraler Aspekt dieses Vorhabens war die Implementierung von Kontrollmechanismen, um Terminpläne, Kosten und Qualität zu steuern. Dieser Artikel beleuchtet aus fachlicher Sicht die Organisation, die Kostenentwicklung und die Rolle der begleitenden Kontrolle im Zuge der Sanierung.
Projektrahmen und Zielsetzung
Die Sanierung des Parlamentsgebäudes basierte auf einem im Jahr 2010 ausgearbeiteten Gesamtkonzept. Ziel war die Behebung aller vorhandener Schäden und Mängel sowie die Verbesserung der Gebäudenutzung. Das Gebäude besitzt eine Bruttogrundfläche (BGR) von ca. 80.000 m² und eine Nettogrundfläche (NGR) von ca. 51.000 m². Die Maßnahmen waren umfassend: Von der Restaurierung historischer Bauteile – darunter 740 Fenster, 600 Türen und 500 historische Leuchten – bis zur Installation einer Glaskuppel mit integriertem Besucher-Rundgang. Ziel war zudem die Steigerung der Energieeffizienz und die Reduzierung des Heizenergiebedarfs pro Quadratmeter.
Organisation und Projektstruktur
Ein effizientes Projektmanagement war für die Durchführung eines Vorhabens dieser Größenordnung unerlässlich. Die Organisation des Sanierungsprojekts wurde durch mehrere Gremien begleitet:
- Bauherrenausschuss: Dieses oberste Kontrollgremium wurde 2014 konstituiert. Ihm gehörten Mitglieder der Präsidialkonferenz sowie die Rechnungshofpräsidentin an. Der Vorsitz wurde von der Nationalratspräsidentin geführt. Der Ausschuss begleitete das Projekt strategisch.
- Nutzerbeirat: Dieses projektbegleitende Gremium behandelte Nutzerfragen. Neben Parlamentariern und Mitgliedern der Parlamentsdirektion nahm auch der Monitor von Transparency International an den Sitzungen teil, um Transparenz zu gewährleisten.
Für die operative Umsetzung wurden externe Fachkräfte beauftragt: * Generalplaner: Die Wiener Bietergemeinschaft Jabornegg & Pálffy_AXIS wurde nach einem europaweiten Vergabeverfahren 2014 beauftragt. * Baumanagement: Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) war mit dem Baumanagement betraut. * Projektsteuerung: Die Aufgabe der Projektsteuerung oblag Vasko+Partner Ingenieure. * Örtliche Bauaufsicht: Die Bietergemeinschaft Werner Consult – Wendl ZT GesmbH fungierte als örtliche Bauaufsicht. * Begleitende Kontrolle: Mit der begleitenden Kontrolle wurde die iC consulenten Ziviltechniker GmbH beauftragt.
An der Sanierung wirkten über 100 Baufirmen aus ganz Österreich mit. In Spitzenzeiten waren bis zu 550 Arbeiter:innen gleichzeitig auf der Baustelle tätig.
Die begleitende Kontrolle: Aufgaben und Durchführung
Die "Begleitende Kontrolle" ist ein wesentlicher Bestandteil des Qualitäts- und Risikomanagements bei großen Bauvorhaben. Im Zuge des Generalplaner-Verhandlungsverfahrens für die Sanierung des Parlaments wurde diese Leistung explizit beauftragt. Wie in den Quellen dargestellt, umfasste die Aufgabe unter anderem die Kostenanalyse der Teilnehmer-Beiträge und die allgemeine Überwachung im Rahmen des Verfahrens.
Die begleitende Kontrolle unterscheidet sich von der reinen Bauaufsicht. Während die örtliche Bauaufsicht die Einhaltung der bautechnischen Vorschriften und die Ausführung nach Plänen überwacht, konzentriert sich die begleitende Kontrolle oft auf die wirtschaftliche und organisatorische Ebene. Sie prüft, ob Kostenrahmen eingehalten werden, ob Vergabeverfahren korrekt durchgeführt werden und ob die Projektsteuerung zielführend arbeitet. In diesem Projekt wurde die iC consulenten Ziviltechniker GmbH mit dieser Aufgabe betraut.
Kritische Bewertung durch den Rechnungshof
Eine unabhängige Überprüfung der Projektabwicklung erfolgte durch den Rechnungshof (RH). Der RH hat sich intensiv mit der Sanierung befasst und insgesamt drei Berichte vorgelegt, die die Jahre 2015 bis 2022 abdeckten. Die Prüfung konzentrierte sich auf Organisation, Termin-, Kosten- und Budgetentwicklung, Vergaben, Bestandserhebung und Nachhaltigkeit.
Festgestellte Schwächen
Der Rechnungshof ortete Schwächen in mehreren Bereichen: * Ausführungsterminplanung: Hier gab es Defizite. * Erkundung von Schad- und Störstoffen: Die Quellenlage deutet darauf hin, dass Schadstoffe erst bei den Abbrucharbeiten in vielen Teilen des Hauses aufgefunden wurden. Dies führte zu zusätzlichen Kosten, die jedoch laut BIG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner "so oder so" angefallen wären, da die Schadstoffe beseitigt werden mussten. * Qualitätssicherung von Ausschreibungsunterlagen: Auch hier wurden Mängel festgestellt.
Positive Aspekte
Trotz der Kritikpunkte bewertete der Rechnungshof auch positive Aspekte: * Mängelmanagement: Dieses wurde positiv hervorgehoben. * Barrierefreiheit und Brandschutz: Der gesetzeskonforme Zustand wurde hergestellt und die Projektziele erreicht. * Energieeffizienz: Der Heizenergiebedarf pro Quadratmeter konnte reduziert werden, was Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker lobend erwähnte.
Kostenentwicklung
Ein zentraler Kritikpunkt betraf die Kostensteigerung. Laut dem im Jahr 2014 einstimmig per Gesetz festgelegten Gesamtkostenrahmen und einer Schätzung vom November 2015 belaufen sich die voraussichtlichen Gesamtkosten für die Sanierung und die damit verbundenen Teilprojekte (Interimslokation und Übersiedlung) auf 83,12 Millionen Euro über der ursprünglichen Planung. Das entspricht einer Steigerung von 19 Prozent. Insgesamt werden Kosten von 517,52 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer prognostiziert.
Transparenz und Öffentlichkeit
Ein wesentliches Anliegen des Rechnungshofs ist die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Margit Kraker betonte, dass der RH eine nachprüfende und keine begleitende Funktion erfüllt. Obwohl die Rechnungshofpräsidentin als beratende Stimme im Bauherrenausschuss vertreten war, fand keine Einmischung in Entscheidungsvorgänge statt. Die Veröffentlichung der Prüfberichte dient der öffentlichen Kontrolle.
Fazit
Die Sanierung des Parlamentsgebäudes in Wien ist ein Beispiel für die Komplexität moderner Denkmalpflege und Hochbauvorhaben. Die Projektabwicklung folgte einer hierarchischen Struktur mit klaren Verantwortlichkeiten zwischen Bauherrenausschuss, Generalplaner, Baumanagement und Kontrollinstanzen. Die begleitende Kontrolle spielte dabei eine wichtige Rolle bei der Überwachung der wirtschaftlichen Abläufe, insbesondere im Rahmen des Generalplaner-Verhandlungsverfahrens.
Trotz organisatorischer Schwächen in der Terminplanung und bei der Schadstofferkundung konnten die technischen Ziele in Bezug auf Brandschutz, Barrierefreiheit und Energieeffizienz erreicht werden. Die Kostensteigerung um 19 Prozent verdeutlicht jedoch die Risiken, die mit der Sanierung historischer Bausubstanz einhergehen, insbesondere wenn unvorhergesehene Umstände wie Schadstoffe auftreten. Die transparente Aufarbeitung durch den Rechnungshof bietet wertvolle Erkenntnisse für zukünftige öffentliche Bauherren.