Sanierung des Bolongaropalasts in Frankfurt-Höchst: Historische Denkmalpflege im Spannungsfeld von Kosten, Zeitplan und modernen Anforderungen

Die Sanierung und Umfunktionierung des Bolongaropalasts in Frankfurt-Höchst zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum stellt eines der derzeit größten und komplexesten Denkmalpflegeprojekte in der Region Frankfurt/Rhein-Main dar. Ursprünglich geplant als umfassende Renovierung eines historischen Juwels, entwickelte sich das Vorhaben zu einem Sorgenkind für die Stadtverwaltung, Anwohner und Kulturinteressierte. Die Geschichte des Projekts ist geprägt von gravierenden statischen Problemen, der aufwändigen Anpassung an moderne Brandschutz- und Barrierefreiheitsnormen sowie einer dramatischen Kostenexplosion, die die ursprünglichen Kalkulationen weit überstieg. Für Bauherren, Investoren und an Denkmalen interessierte Eigentümer bietet der Bolongaropalast ein instruktives Beispiel dafür, welche Herausforderungen bei der Sanierung historischer Bausubstanz auftreten können und wie wichtig transparente Kommunikation und realistische Planungsphasen sind.

Der historische Kontext und die ursprüngliche Planung

Der Bolongaropalast, ein etwa 250 Jahre altes Gebäude im Westen Frankfurts, sollte ursprünglich bereits 2014 saniert werden. Die damalige Mehrheitskoalition im Frankfurter Römer entschied sich jedoch aus Spargründen, das Projekt zu verschieben. Diese Entscheidung sollte sich als folgenschwer erweisen, da sie die Kosten in den folgenden Jahren dramatisch in die Höhe trieben.

Bei Baubeginn im Jahr 2017 ging man von Gesamtkosten in Höhe von 38,6 Millionen Euro aus. Schon zu diesem Zeitpunkt war den Experten klar, dass eine solche Sanierung nicht ohne Mehrkosten ablaufen würde. Man kalkulierte damals mit einer Überschreitung von etwa einem Drittel. Die Vision war klar: Der Palast sollte als multifunktionales Bürgerhaus dienen, das ein Museum, repräsentative Veranstaltungsräume und gastronomische Nutzungen vereint. Die städtischen Ämter, insbesondere das Standesamt und die Außenstelle des Büros des Oberbürgermeisters, sollten ebenfalls im Gebäude oder den dazugehörigen Pavillons untergebracht bleiben.

Die ersten großen Rückschläge: Statik und Dach

Die Arbeiten begannen, doch schnell zeigte sich, dass die historische Bausubstanz in einem schlechteren Zustand war als angenommen. Die größten Probleme, die zu den ersten erheblichen Verzögerungen führten, lagen im Bereich der Statik und des Daches.

Wie in den Quellen berichtet wird, gab es massive Probleme mit der Statik des Palastes. Das marode Dach musste komplett saniert werden, was einen erheblichen Aufwand und zusätzliche Kosten verursachte. Für Bauingenieure ist dies ein klassisches Szenario bei älteren Gebäuden: Oft offenbart sich der wahre Zustand der Bausubstanz erst, wenn die Sanierungsarbeiten beginnen und die äußere Hülle entfernt wird. Die Notwendigkeit, die Statik zu ertüchtigen, führte zu Verzögerungen, die von der Stadtverwaltung zunächst nicht transparent kommuniziert wurden – ein Kritikpunkt, der in der öffentlichen Diskussion immer wieder genannt wurde.

Herausforderungen bei der modernen Erschließung: Kranfundament und Aufzüge

Ein besonders technisch interessantes Problem war die Errichtung der notwendigen Logistik für die Sanierung. Um schwere Bauteile einzubringen und die historischen Räume zu modernisieren, war ein schwerer Kran notwendig. Der Untergrund des Palastgeländes erwies sich jedoch als ungeeignet, um das Gewicht eines solchen Krans zu tragen.

Dies erforderte eine aufwändige Sonderlösung: Fachleute mussten vor der Straßenfassade ein massives Kranfundament betonieren, um die Stabilität während der Hebearbeiten zu gewährleisten. Auch hier zeigte sich wieder, dass die Bodenverhältnisse und die geologischen Gegebenheiten vor Ort bei Sanierungen historischer Gebäude oft eine eigene Planungsdisziplin darstellen.

Ein weiterer zentraler Aspekt der Modernisierung war die schaffung von Barrierefreiheit. Um das Gebäude für alle Bürger zugänglich zu machen, wurden drei Personen- und ein Güteraufzug für die Gastronomie eingebaut. Dieser Eingriff in die historische Bausubstanz erforderte Kompromisse. Es galt, die denkmalgeschützten Substanzen zu wahren und gleichzeitig die modernen Anforderungen an die Erreichbarkeit aller Ebenen zu erfüllen. Die Integration von Aufzügen in historische Gebäude ist immer eine technische Herausforderung, da oft keine freien Schächte vorhanden sind und neue vertikale Erschließungszonen geschaffen werden müssen, wie es auch in den Projektbeschreibungen von Architektenbüros für derartige Vorhaben üblich ist.

Das Konzept: Vom Adelssitz zum Bürgermuseum

Trotz der Probleme rückt die Fertigstellung immer näher. Das Nutzungskonzept für den sanierten Bolongaropalast ist in den letzten Jahren konkretisiert worden. Das Gebäude soll als Kultur- und Veranstaltungszentrum dienen. Ein zentraler Bestandteil ist die Zusammenführung des Bolongaro-Museums mit dem bisherigen Porzellan-Museum. Träger dieser Einrichtung wird das Historische Museum Frankfurt, das bereits Erfahrung mit dem Porzellan-Museum im Kronberger Haus hat. Für die Museumsflächen werden etwa 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche vorbereitet.

Neben dem Museum entstehen weitere Nutzungen: * Veranstaltungsräume: Ein Veranstaltungssaal mit rund 120 Plätzen wird im überdachten westlichen Innenhof geschaffen. Dazu kommen ein Musiksaal und Räume für Kitas, Jugendarbeit und die Musikschule. * Gastronomie: Ein Restaurant soll einziehen, was den Palast als Anlaufstelle für Besucher und Anwohner aufwertet. * Städtische Ämter: Das Standesamt bleibt im westlichen Gartenpavillon (ehemaliger Wohnsitz von OB Walter Kolb). Die Verwaltungsstelle Höchst verbleibt im östlichen Pavillon. Interessanterweise sind für die Verwaltungsstelle im eigentlichen Palast keine Räume mehr vorgesehen, was die Priorisierung der kulturellen und öffentlichen Nutzungen unterstreicht.

Dieses "runde Nutzungskonzept" versucht, die Vielfalt der Anforderungen an ein modernes Bürgerhaus zu integrieren, ohne den historischen Charakter des Ensembles zu verlieren. Die Überdachung des westlichen Innenhofs ist dabei eine architektonische Maßnahme, die sowohl den Denkmalschutz als auch die praktische Nutzbarkeit des Raums berücksichtigt.

Die Eskalation der Kosten und Zeitpläne

Der vielleicht am meisten diskutierte Aspekt der Sanierung ist die Entwicklung der Kosten und Zeitpläne. Was als Sparprojekt begann, entwickelte sich zu einem finanziellen Desaster mit gravierenden Verzögerungen.

Die ursprünglichen 38,6 Millionen Euro (Stand 2017) wachsen und wachsen: 1. Stand 2020/2021: Man sprach von 53,5 Millionen Euro. Davon flossen 4,4 Millionen Euro allein in die Sanierung des Standesamts im Ost-Pavillon. Weitere 2,3 Millionen Euro kostete die Erstellung des Museumskonzepts (ohne Baukosten). 2. Stand Ende 2024: Nach den jüngsten Berechnungen werden die Gesamtkosten um weitere 19,4 Millionen Euro steigen und bei knapp 73 Millionen Euro landen.

Diese Kostenexplosion ist für die Steuerzahler und die Politik extrem belastend. Die Gründe liegen in den oben genannten unvorhergesehenen statischen Schäden, der teuren Kranlösung und den gestiegenen Preisen für Bauleistungen und Materialien insgesamt.

Auch der Zeitplan geriet völlig aus dem Ruder: * Ursprüngliches Fertigstellungsdatum: 2020. * Spätere Termine: 2021, 2022, Frühjahr 2024, Herbst 2024. * Aktueller Plan (Ende 2024): Der Palast soll nun definitiv im Sommer 2027 fertig werden.

Dieser Zeitraum bedeutet, dass das Projekt von der ursprünglichen Planung bis zur Fertigstellung rund 13 Jahre umfassen wird – eine Zeitspanne, in der andere Projekte (wie in der öffentlichen Diskussion erwähnt) einen Flughafen hätten bauen können.

Mangelnde Transparenz und politische Konsequenzen

Ein wesentlicher Kritikpunkt, der aus den Quellen hervorgeht, ist die mangelnde Kommunikation der Stadtverwaltung gegenüber der Öffentlichkeit und den Ortsbeiräten. Die "Salami-Taktik" – also das schrittweise Einräumen von Verzögerungen – führte zu erheblichem Frust bei den Bürgern im Frankfurter Westen. Der Höhepunkt der "Geheimniskrämerei" war im Dezember 2021, als der damalige Magistrat eine Mehrkostenvorlage in der Stadtverordnetenversammlung durchboxte, verbunden mit der Drohung, dass ohne diese Mittel ein Baustopp unvermeidbar sei.

Erst nach dem Amtsantritt des neuen Oberbürgermeisters Mike Josef (SPD) änderte sich die Kommunikationsstrategie. In einer Sitzung des Ortsbeirats 6 im Westen präsentierte er klare Zahlen und einen realistischen Plan. Er ordnete an, dass die Verwaltung einen "wasserfesten Plan" erstellen solle, um nicht "alle paar Monate" mit neuen Zahlen kommen zu müssen. Zudem versprach er halbjährliche Berichte an den Ortsbeirat und die Öffentlichkeit. Diese Transparenz wurde von den Bürgern und der Lokalpolitik als dringend notwendig gewürdigt, um das Vertrauen in das Projekt wiederherzustellen.

Aktueller Baufortschritt: Innenarbeiten und Vorbereitung der Nutzungsübergabe

Stand Ende 2024 befinden sich die Arbeiten in einer entscheidenden Phase. Wie Sigrid Eichler, Leiterin des Amts für Bau und Immobilien, berichtete, geht es nun an Verputz-, Maler- und Tapezierarbeiten. Zudem werden Installationsgewerke im Inneren des Palasts abgeschlossen. Ein konkreter Arbeitsaufwand ist beispielsweise die Montage von 300 Heizkörpern.

Ein wichtiger Arbeitsschritt vor der finalen Übergabe an die Nutzer (Museum, Gastronomie) ist die sogenannte "Baustaubfreiheit". Bevor empfindliche Museumsausstellungen mit Vitrinen oder eine Gastronomie mit Geschirr und Gläsern einziehen können, muss das Gebäude gereinigt werden. Dies ist ein Standardprozess bei hochwertigen Innenausbauten, der oft unterschätzt wird, aber essenziell für die spätere Funktionalität ist.

Zusätzlich zur technischen Sanierung wird auch die Logistik für die Nutzer optimiert. Die Stadt hat ein Unternehmen beauftragt, ein Gastronomie- und ein Betriebskonzept zu entwickeln, um sicherzustellen, dass der Palast nach der Fertigstellung wirtschaftlich betrieben werden kann. Auch die Personalausstattung der zuständigen Ämter wurde aufgestockt, um die Planung zu beschleunigen.

Das Fazit: Ein Fallbeispiel für moderne Denkmalpflege

Die Sanierung des Bolongaropalasts ist ein Paradebeispiel für die Tücken und Notwendigkeiten der modernen Denkmalpflege. Sie zeigt, dass historische Bausubstanz oft nur mit erheblichem finanziellen und technischen Aufwand erhalten und an zeitgemäße Nutzungen angepasst werden kann.

Lernen Bauherren und Investoren aus diesem Fall? 1. Reserve einplanen: Bei Sanierungen von Denkmälern sind Puffer von 30-50% oder mehr in der Kalkulation keine Seltenheit. Die "Sünden vergangener Sanierungen" (wie im Bolongaropalast von 1980) können zusätzliche Kosten verursachen. 2. Statik und Boden prüfen: Vor Beginn der Arbeiten sind tiefgreifende Untersuchungen von Statik und Untergrund unerlässlich. Die Kosten für ein zusätzliches Kranfundament oder statische Sicherungen müssen einkalkuliert werden. 3. Barrierefreiheit vs. Denkmalschutz: Die Integration von Aufzügen und neuen Treppenhäusern erfordert spezialisierte Planung, um die Denkmalsubstanz nicht zu gefährden. 4. Transparenz: Die Kommunikation über Verzögerungen und Kostensteigerungen ist essenziell, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern. Das Schweigen über Probleme führt langfristig zu größerem Schaden als das offene Eingestehen von Schwierigkeiten.

Der Bolongaropalast wird voraussichtlich im Sommer 2027 seine neue Ära als Kulturzentrum beginnen. Die Gesamtkosten werden sich voraussichtlich auf rund 73 Millionen Euro belaufen – eine Investition, die im Nachhinein betrachtet unverzichtbar war, um dieses kulturelle Erbe für die Zukunft zu sichern. Für die Stadt Frankfurt ist das Projekt eine Lektion in Sachen Projektmanagement und Kommunikation, die bei zukünftigen Großvorhaben hoffentlich Früchte trägt.

Quellen

  1. FNP Frankfurt: Das verflixte siebte Jahr
  2. FR Frankfurt: Umbau unendlicher
  3. Schneider + Schumacher: Projekt Bolongaropalast
  4. Hessenschau: Der Bolongaropalast wird saniert
  5. FNP Frankfurt: Die nächsten Hiobsbotschaften zur Sanierung

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