Sanierung und Umnutzung des Pfeifferturm-Quartiers in Eppingen: Ein Modellprojekt für die Denkmalpflege

Einleitung

Die Stadt Eppingen, gelegen im Kraichgau, verfügt über einen reichen Bestand an historischer Bausubstanz, der die Identität der Region prägt. Ein zentrales Element dieses Erbes ist der Pfeifferturm, das älteste Gebäude der Stadt und ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Die Auseinandersetzung mit diesem Kulturdenkmal und seinem Umfeld bietet faszinierende Einblicke in die Herausforderungen und Lösungsansätze moderner Denkmalpflege und städtebaulichen Handelns. Für Eigentümer, Bauinteressierte und Fachleute im Bereich Renovierung und Immobilien ist die Entwicklung des sogenannten „Pfeifferturm-Quartiers“ ein lehrreiches Beispiel dafür, wie historische Substanz unter Einhaltung strenger Denkmalschutzauflagen saniert, genutzt und in das städtische Gefüge integriert werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die historische Entwicklung des Areals, die technischen und wirtschaftlichen Aspekte der jüngsten Sanierungsmaßnahmen sowie die Bedeutung von Infrastrukturinvestitionen für die Aufwertung eines solchen Quartiers.

Historischer Kontext und Bedeutung des Pfeifferturms

Um die Tragweite der aktuellen Sanierungsmaßnahmen zu verstehen, ist ein Blick auf die Geschichte des Pfeifferturms unerlässlich. Der Turm wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut und stellt damit das älteste Gebäude Eppingens dar. Sein Entstehen ist eng an die Erhebung Eppingens zur Reichsstadt im Jahre 1191/1192 durch den Stauferkaiser Heinrich VI. geknüpft. Im Zuge der Befestigung der mittelalterlichen Stadt mit Stadttoren und einer Stadtmauer erlangte der Turm strategische Bedeutung.

Architektonische Substanz und ursprüngliche Funktion

Die Bausubstanz des Turms zeugt von der handwerklichen Kunstfertigkeit seiner Zeit. Er besitzt eine Dachspitzhöhe von 30 Metern und eine Traufhöhe von 22 Metern; die Aussichtsplattform befindet sich auf 24 Metern Höhe. Ein markantes Merkmal sind die Mauerstärken, die sich von unten nach oben reduzieren: Im ersten Obergeschoss beträgt die Mauerstärke 1,85 Meter, im sechsten Obergeschoss sind es lediglich 60 Zentimeter. Typisch für die Erbauungszeit sind die sehr kräftigen Buckelquader, die aus heimischem Schilfsandstein gebrochen wurden.

Ursprünglich diente der Turm als Wehrturm und Warnposten. Der städtische Türmer musste die Bewohner vor anmarschierenden Feinden und bei Bränden warnen. Hierfür nutzte er ein großes Zink, ein stark gekrümmtes Horn. Daraus leitet sich auch der Name ab: Man bezeichnete den Türmer als städtischen Pfeifer und den Turm später als Pfeifferturm. Bis 1791 besaß der Turm einen mehrstöckigen Fachwerkaufsatz, in dem die Türmerwohnung untergebracht war. Nach einem Umbau im Jahr 1791, bei dem die Turmspitze erneuert und das heutige schiefergedeckte Laternendach aufgesetzt wurde, wurde keine Türmerwohnung mehr eingerichtet.

Wandel der Nutzung: Vom Wehrturm zum Gefängnis

Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Funktion des Turms. Bereits in der Stadtrechnung von 1662 finden sich Hinweise auf eine Nutzung als Gefängnis. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Eppingen zur badischen Bezirksamtsstadt erhoben wurde, erfolgte ein Umbau zum Amtsgefängnis. Von 1829 bis 1859 war der Pfeifferturm in dieser Funktion aktiv. Die Ausgestaltung umfasste Gefängniszellen in den Stockwerken drei bis sechs, während im siebten Stockwerk vier Zellen eingerichtet waren. Nach der Aufgabe des Gefängnisbetriebs diente der Turm bis 1935 einem Eisenhändler als Lager, bevor dort das erste Heimatmuseum der Stadt eingerichtet wurde.

Sanierung und Museumsnutzung

Die Notwendigkeit einer behutsamen Renovierung des Pfeifferturms wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends offensichtlich. Im Jahr 2002 führte die Stadt Eppingen die Sanierung in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt durch.

Schwerpunkte der Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierungsschwerpunkte lagen laut der Überlieferung insbesondere auf dem Dach, den Sandsteinmauern und der Beseitigung von Problemen durch Taubenkot. Diese Maßnahmen waren essenziell, um die Bausubstanz langfristig zu sichern und den Turm wieder öffentlich zugänglich zu machen. Nach Abschluss der Sanierung wurde eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Eppinger Heimatfreunde, des Archivs für die Geschichte des ländlichen Lebens, der Naturschutzgruppe „Eppinger Falken“, des städtischen Bauamtes, des Stadtarchivs und des Stadt- und Fachwerkmuseums gegründet. Diese Gruppe erarbeitete die Grundlagen für die Einrichtung und Gestaltung des Kulturdenkmals Pfeifferturm als Dépendance des Museums. Die Eröffnung erfolgte am Kirchweihsonntag im Oktober 2003.

Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Denkmalpflege ist. Die Einbindung lokaler Vereine und Fachbehörden stellt sicher, dass historische Authentizität und moderne Nutzungsanforderungen in Einklang gebracht werden.

Das Pfeifferturm-Quartier: Kernsanierung und Umnutzung

Während der Pfeifferturm selbst bereits im frühen 21. Jahrhundert saniert wurde, konzentrierten sich die neueren Entwicklungen auf das ihn umgebende Quartier. Es handelt sich hierbei um ein Areal zwischen Marktplatz und Pfeifferturm, das aus mehreren Grundstücken besteht.

Projektbeschreibung und Bauherr

Ein zentraler Akteur in der Entwicklung des Quartiers ist die Fa. JaKo Baudenkmalpflege GmbH aus Rot an der Rot. Diese Firma hat sich auf die Sanierung und Umnutzung von Baudenkmalen spezialisiert. Das Projekt umfasst die Grundstücke Rappenauer Straße 5 (mit dem Gasthaus Rössle) sowie Kirchgasse 3 und 5. Diese Grundstücke sind mit Kulturdenkmalen bebaut, was eine besonders sorgfältige Herangehensweise erforderte.

In der Neukonzeption des Quartiers entstanden 10 Wohneinheiten (WE) und eine Büroeinheit. Ein entscheidender gestalterischer und funktionaler Schritt war die Entkernung des Innenhofs. Durch diese Maßnahme wurde ein ruhiger Wohnhof geschaffen, der das innerstädtische Quartier prägt und einen qualitativ hochwertigen Wohnraum bietet. Die Fertigstellung des Projekts durch die JaKo Baudenkmalpflege GmbH erfolgte im Jahr 2020.

Bewertung der Denkmalpflege im Quartier

Die Umnutzung historischer Gebäude zu Wohn- und Büroräumen ist eine gängige und sinnvolle Strategie, um den Denkmalschutz wirtschaftlich tragbar zu machen. Die Kernsanierung der genannten Gebäude stellt hohe Anforderungen an die Handwerker, da oft nur durch aufwendige Methoden die Substanz erhalten und gleichzeitig moderne Wohnstandards (wie Wärmedämmung, Heizung, Sanitärinstallation) realisiert werden können. Die Entscheidung, den Innenhof zu entkernen und als ruhigen Wohnhof zu gestalten, ist ein Beispiel für gelungenes städtebauliches Design, das die Qualität des urbanen Lebens verbessert.

Städtische Infrastrukturinvestitionen und Verkehrsführung

Die Aufwertung eines Quartiers beschränkt sich nicht nur auf die Gebäude selbst, sondern umfasst auch die umgebende Infrastruktur. Die Stadt Eppingen hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Verkehrsinfrastruktur zu modernisieren und die Innenstadt attraktiver zu gestalten. Zwei Maßnahmen sind hier hervorzuheben, die direkten oder indirekten Bezug zum Quartier und zur Entwicklung der Stadt haben.

Maßnahme Adelshofer Straße

Die Adelshofer Straße stellt eine wichtige Verkehrsverbindung in die Innenstadt der Kernstadt dar. Der Gemeinderat hat einen einstimmigen Entwurfs-, Bau- und Finanzierungsbeschluss für die grundhafte Sanierung und Neugestaltung dieser Straße gefasst. Ziel der Maßnahme ist die Ordnung des Straßenraums, die Modernisierung der Infrastruktur sowie eine sicherere und umweltfreundlichere Verkehrsführung.

Da es sich um eine Landesstraße handelt, wird die Baumaßnahme für die Strecke (Gesamtlänge rund 2,8 km) durch das Regierungspräsidium Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Stadt Eppingen durchgeführt. Die Stadt übernimmt hierbei die Koordination und Planung. Die Sanierung wird in zwei Hauptabschnitten realisiert: dem innerörtlichen Bereich der Ortsdurchfahrt Adelshofen und den außerörtlichen Teilbereichen südlich und nördlich der Ortschaft.

Konkrete bauliche Veränderungen umfassen: * Eine vollständige Erneuerung der Fahrbahn auf etwa 0,9 km Länge mit neuer Asphaltdecke. * Sanierung und Umgestaltung der Gehwege. * Umgestaltung der Stellplatzanordnung und Pflanzung von Bäumen. * Eine Fahrbahnverschwenkung im nördlichen Ortseingang zur Geschwindigkeitsreduzierung. * Erneuerung von Versorgungsleitungen für Wasser, Abwasser und Glasfaser. * Barrierefreier Umbau der Bushaltestellen.

Das Investitionsvolumen beträgt rund 4,2 Millionen Euro, wovon 3,7 Millionen Euro auf die Straßen- und Gehwegesanierung und 520.000 Euro auf den Kanalbau entfallen. Mit einer Rückzahlung durch das Regierungspräsidium Stuttgart in Höhe von 2.585.000,00 € ist zu rechnen. Die Baumaßnahmen beginnen im Frühjahr 2026 und dauern voraussichtlich 18 Monate.

Verkehrstechnische Einbindung des Quartiers

Die Modernisierung der Adelshofer Straße und die Weiterführung des Radschutzstreifens bis zur Kaiserstraße sind entscheidend für die Erreichbarkeit der Innenstadt und damit auch des Pfeifferturm-Quartiers. Eine gut ausgebaute Infrastruktur erhöht die Aufenthaltsqualität und die Attraktivität von Wohn- und Gewerbestandorten erheblich. Für Bewohner der neu geschaffenen Wohneinheiten im Pfeifferturm-Quartier bedeutet dies eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und sichere Radwegeverbindungen.

Fazit

Die Entwicklungen im Bereich des Pfeifferturm-Quartiers in Eppingen sind ein lehrhaftes Beispiel für die gelingende Verbindung von Denkmalpflege, städtebaulicher Entwicklung und moderner Infrastrukturplanung. Die Sanierung des historischen Pfeifferturms zu Beginn des Jahrtausens ebnete den Weg für eine museale Nutzung und die Bewahrung dieses Wahrzeichens. Die anschließende Kernsanierung und Umnutzung der angrenzenden Grundstücke durch die Fa. JaKo Baudenkmalpflege GmbH hat zehn neue Wohneinheiten und eine Büroeinheit geschaffen und den Innenhof als ruhigen Wohnhof aufgewertet.

Parallel dazu zeigt die geplante Sanierung der Adelshofer Straße mit einem Investitionsvolumen von über 4 Millionen Euro, dass die Stadt Eppingen bereit ist, in die Verkehrsinfrastruktur zu investieren, um die Erreichbarkeit und Lebensqualität im Zentrum zu sichern. Für Bauherren und Investoren, die sich für Altbauten und Denkmalobjekte interessieren, unterstreichen diese Projekte die Bedeutung von Fachkenntnissen, Geduld bei der Planung und der Zusammenarbeit mit spezialisierten Unternehmen. Die Maßnahmen in Eppingen belegen, dass historische Bausubstanz durchaus eine wirtschaftliche Zukunft haben kann, wenn sie behutsam saniert und in ein Gesamtkonzept aus Wohnen, Gewerbe und Infrastruktur integriert wird.

Quellen

  1. Kulturdenkmal Pfeifferturm
  2. EPPINGEN, QUARTIER „PFEIFFERTURM“
  3. Lösung fürs Peifferturm-Quartier in Eppingen beschlossen
  4. Aus der Sitzung des Gemeinderats am 18. November

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