Modernisierung des LVM-Preußenstadions: Ein umfassender Überblick über den Großumbau in Münster

Die Modernisierung von Sportstätten stellt im Bauwesen eine komplexe Herausforderung dar, die technisches Know-how, effiziente Projektsteuerung und die Einhaltung strenger Auflagen erfordert. Ein aktuelles Beispiel für eine solche Großbaustelle ist das LVM-Preußenstadion in Münster. Der Umbau der Heimspielstätte des SC Preußen Münster zu einer modernen, reinen Fußballarena ist ein Vorhaben, das nicht nur Fans, sondern insbesondere Bauinteressierte, Immobilienexperten und Handwerker fasziniert. Der Umfang der Maßnahmen, der sich über mehrere Phasen erstreckt und diverse Gewerke umfasst, bietet einen tiefen Einblick in die Planung und Ausführung von Infrastrukturprojekten im urbanen Raum.

Dieser Artikel beleuchtet den detaillierten Ablauf der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die technischen Innovationen sowie die strategischen Entscheidungen, die den Erfolg des Projekts sicherstellen. Basierend auf den offiziellen Informationen der Stadt Münster, des SC Preußen Münster und der ausführenden Unternehmen wird ein umfassendes Bild der Baustelle an der Hammer Straße gezeichnet.

Ausgangslage und historischer Kontext

Das LVM-Preußenstadion, eröffnet im Jahr 1926, war einst eine der modernsten Spielstätten Europas. Dennoch verzeichnete die Immobilie in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Verfall, was dazu führte, dass der SC Preußen Münster den Anschluss an Clubs mit modernerer Infrastruktur verlor. Die Notwendigkeit eines umfassenden Umbaus war daher evident.

Ein entscheidender Wendepunkt war die Entscheidung des Stadtrats im Dezember 2018. Hier wurde die Bereitstellung von 40 Millionen Euro für den Stadionumbau sowie für die Errichtung neuer Trainingsplätze und einer Beachvolleyballanlage im städtischen Haushalt beschlossen. Diese politische Weichenstellung markierte den Startschuss für eine neue Ära des Standorts Berg Fidel. Ziel der Maßnahme ist es, das Stadion zu einer modernen, reinen Fußballarena zu entwickeln und den Standort insgesamt aufzuwerten.

Projektsteuerung und Genehmigungsverfahren

Ein wesentlicher Aspekt bei der Realisierung von Bauprojekten dieser Größenordnung ist die Koordination mit den zuständigen Behörden. Die Stadtverwaltung Münster spielt hier eine zentrale Rolle. Im Februar 2025 begannen die offiziellen Umbaumaßnahmen, nachdem die Stadt die erste Teilbaugenehmigung für die Westtribüne erteilt hatte. Dieser Schritt war Voraussetzung für den Baustart.

Ein weiterer Meilenstein war die Erteilung der Gesamtbaugenehmigung durch die Stadt Münster. Diese Genehmigung stellte den letzten formalen Haken dar, nachdem das Projekt bereits schnelle Fortschritte gemacht und den ursprünglichen Zeitplan übertroffen hatte. Die Tatsache, dass die Baumaßnahmen vor dem Zeitplan liegen, deutet auf eine hohe Effizienz in der Projektsteuerung und eine gute Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Firmen und der Verwaltung hin.

Die Westtribüne: Kernstück der Modernisierung

Ein Hauptaugenmerk der Sanierung liegt auf der Westtribüne. Diese soll bereits im August des Jahres 2025 weitestgehend in Betrieb genommen werden. Ursprünglich war ein Fertigstellungstermin erst zum Ende des Jahres vorgesehen. Der schnelle Baufortschritt ermöglichte jedoch diese Vorverlegung.

Für die Besucher bedeutet dies, dass die neue Tribüne bereits beim ersten Heimspiel der neuen Saison 2025/26 genutzt werden kann. Es ist jedoch zu beachten, dass zum Start noch nicht alle Bereiche vollständig fertiggestellt sein werden. Insbesondere bei Sanitäranlagen und Kiosken wird es voraussichtlich noch Nachholbedarf geben. Die Bauverantwortlichen garantieren jedoch die sichere Nutzung als Zuschauertribüne. Dieses Vorgehen zeigt eine pragmatische Bauausführung, bei der die Funktionalität für den Spielbetrieb Vorrang vor der Endausgestaltung aller Nebenbereiche hat.

Technische Ausstattung der Westtribüne

Die neue Westtribüne beherbergt eine Zuschauerkapazität von 1.900 Steh- und Sitzplätzen für Auswärtsfans. Besonders hervorzuheben sind 22 Rollstuhlpositionen für die Gastmannschaft, die sich in direkter örtlicher Nähe zum Gästeblock befinden. Dies gewährleistet eine barrierefreie Integration aller Fans. Flexibilität ist ebenfalls vorgesehen: Der Sitzplatzbereich der Westtribüne kann je nach Gästeaufkommen baulich den Heim-Sitzplätzen zugeschlagen werden.

Rückbau und nachhaltige Materialverwertung

Parallel zur Fertigstellung der Westtribüne beginnt der Rückbau der Osttribüne. Dieser startet bereits am 2. Juni. Die frühzeitige Nutzung der Westtribüne schafft den nötigen Spielraum, um die spielfreie Phase optimal für die Abbrucharbeiten zu nutzen.

Ein bemerkenswertes Detail in der Bauausführung ist der Umgang mit den abgetragenen Materialien. Ein Teil des Walls aus der Ostkurve wird vor Ort weiterverwendet. Er dient künftig als Untergrund für den neuen Fahrradparkplatz nördlich der Nordtribüne. Diese Lösung ist nicht nur umweltfreundlich, da sie Ressourcen spart und Transportemissionen verringert, sondern auch ein Beispiel für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Das Prinzip "Vor Ort verwerten" ist eine effiziente Methode, um Kosten zu senken und die ökologische Bilanz eines Projekts zu verbessern.

Infrastrukturmaßnahmen und technische Ausrüstung

Ein Stadionumbau beschränkt sich nicht nur auf die Tribünen und das Spielfeld. Um den Anforderungen des modernen Spielbetriebs und der DFL-Lizenzauflagen gerecht zu werden, sind umfangreiche Maßnahmen im Bereich der Infrastruktur notwendig.

Verkehr und Erschließung

Ein wichtiger Aspekt der städtebaulichen Einbindung ist die Verkehrsanbindung. Geplant ist eine barrierefreie Erweiterung der Bushaltestellen am LVM-Preußenstadion. Zudem sind weitere Verkehrsmaßnahmen in Planung, um den reibungslosen Zufluss am Spieltag zu gewährleisten. Auch die Erschließung des Areals hat sich verbessert: Eine Wegeverbindung vom Jugendgebäude zu den neuen Trainingsplätzen wurde geschaffen (bzw. wird in der Hinrunde fertiggestellt).

Versorgungsnetze

Eine moderne Arena benötigt eine leistungsfähige Energieversorgung. Im März 2025 begannen die Stadtnetze Münster mit dem Anschluss des Stadions an die Fernwärme. Dies ist ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und effizienter Wärmeversorgung. Zudem wurde die Stromversorgung am Spielfeldrand ertüchtigt.

Kommunikation und Medien

Für die TV-Produktion und den modernen Medienbetrieb wurden erhebliche Investitionen getätigt: * Glasfaseranschlüsse: Es wurden redundante Glasfaseranschlüsse geschaffen, um Ausfälle zu vermeiden. * 5G-Funkmast: Ein 5G-Funkmast auf dem Parkplatz P4 ist in Betrieb genommen worden. * TV-Compound: Ein neuer, 800 m² großer TV-Compound gegenüber der Halle Berg Fidel inklusive Technikcontainer wurde errichtet. * Durchbrüche: Ein Durchbruch und eine Tür durch die Lärmschutzwand für TV-Produktion und Balljungen wurde realisiert.

Spielfeld und Spielbetrieb

Der Spielfeldrand ist ein sensibler Bereich, der direkten Einfluss auf das Spielgeschehen hat. Neben der bereits erwähnten Stromversorgung gab es Anpassungen an den technischen Zonen: * Spielerbänke: Es wurden neue, breitere Spielerbänke mit 18 Plätzen installiert. Durch die Verschiebung wurde die technische Zone erweitert. Geplant ist zudem eine Tieferlegung der Spielerbänke, um Sichtbehinderungen in den unteren Reihen zu verringern. Dies ist voraussichtlich zum nächsten Heimspiel gegen Kaiserslautern fertiggestellt. * Fanbank: Eine neue Fanbank im Innenraum wurde installiert. * Technik für Sprecher: Für den Stadionsprecher „Kerni“ wurde eine neue Technik und ein Bankunterstand geschaffen. * LED-Werbebande: Die LED-Werbebande wurde um 180° gedreht.

Zusätzliche Baumaßnahmen und Einbindung in den Sportpark

Das Projekt umfasst weitere wichtige Bauleistungen, die über das reine Stadion hinausgehen.

Leistungszentrum und Trainingsplätze

Im Schatten des LVM-Preußenstadions entsteht ein neues Leistungszentrum, das aus spezialangefertigten Containermodulen besteht. Des Weiteren wird der Trainingsplatz der Profis im Sommer grundlegend saniert, um professionellere Bedingungen zu schaffen. Diese Maßnahmen unterstreichen den Anspruch, den gesamten Sportstandort Berg Fidel zu modernisieren.

Logistik und Lagerung

Für den reibungslosen Betrieb sind Lagerflächen unerlässlich. Es wurden zwei neue Schotterflächen zur Aufnahme neuer Lagercontainer am Parkplatz P5 geschaffen.

Barrierefreiheit und Publikumsbereich

Ein modernes Stadion muss barrierefrei sein. Der Entwurf des modernisierten Stadions sieht vor, dass sich das Areal nahtlos in den Sportpark Berg Fidel einbettet. Auf vorgelagerte Zaunanlagen wird vollständig verzichtet, wodurch das Areal auch außerhalb von Spieltagen erlebbar bleibt. Der innere Umlauf wird vollständig gedeckt, was die Aufenthaltsqualität verbessert. Von der Hammer Straße aus ergibt sich durch den großzügigen Stadionvorplatz ein trichterförmiger Blick auf den etwa 4 m tiefergelegten Stadionbaukörper.

Zusammenfassung der technischen Spezifikationen und Bauleistungen

Um die Vielschichtigkeit des Projekts zu verdeutlichen, folgt eine Übersicht der wichtigsten erfassten Maßnahmen und Neuerungen:

Bereich Maßnahme / Neuerung Status / Anmerkung
Tribünen Errichtung Westtribüne (1.900 Plätze für Auswärtsfans) In Betriebnahme August 2025 (teilweise)
Rückbau Osttribüne Start 2. Juni
Rollstuhlpositionen (22) Barrierefreiheit
Spielfeld Neue Spielerbänke (18 Plätze, breiter) Installiert
Tieferlegung der Spielerbänke In Arbeit (Fertigstellung bis Kaiserslautern-Spiel)
Neue Fanbank im Innenraum Installiert
Ertüchtigung Stromversorgung Abgeschlossen
Technik / Medien TV-Compound (800 m²) Neu errichtet
Redundante Glasfaseranschlüsse Geschaffen
5G-Funkmast (P4) In Betrieb
LED-Werbebande (Drehung) Abgeschlossen
Infrastruktur Fernwärmeanschluss Gestartet (März 2025)
Bushaltestellen (barrierefrei) Geplant
Leistungszentrum (Containermodule) Im Bau
Trainingsplatzsanierung Geplant (Sommer)
Schotterflächen Lagercontainer (P5) Geschaffen
Ökologie Verwendung von Aushubmaterial (Ostkurve) Als Untergrund Fahrradparkplatz

Wirtschaftliche und operative Aspekte

Die Finanzierung und der Betrieb sind entscheidend für die Nachhaltigkeit des Projekts. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga und die Einwerbung von Eigenkapitalmitteln haben es ermöglicht, viele dringend nötige Maßnahmen, die schon länger geplant waren, nun umzusetzen. Viele der durchgeführten Arbeiten waren direkte Folgen von Lizenzauflagen der DFL (Deutsche Fußball Liga). Dies zeigt, wie stark der Bau von Sportstätten an externe regulatorische Vorgaben gebunden ist.

Die Danksagungen an die beteiligten Planer, ausführenden Firmen, Handwerker und die Verwaltung der Stadt Münster unterstreichen die Bedeutung einer funktionierenden Kooperation. Besonders genannt wird hier der Infrastrukturleiter Hans Aupers, dessen Einsatz für den reibungslosen Saisonstart verantwortlich war.

Fazit

Der Umbau des LVM-Preußenstadions in Münster ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen und Chancen der Modernisierung von alter Bausubstanz. Es handelt sich um ein komplexes Projekt, das technische Präzision, schnelle Entscheidungswege und eine nachhaltige Bauweise erfordert. Die Teilbaugenehmigungen, die schließlich in der Gesamtbaugenehmigung mündeten, bildeten die rechtliche Grundlage für die schnellen Fortschritte.

Die Maßnahmen reichen von der Errichtung moderner Tribünen über die Anpassung der technischen Infrastruktur für Medien und Versorgung bis hin zur Optimierung des Publikumsverkehrs und der Schaffung neuer Trainingsmöglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist die Strategie der Materialverwertung vor Ort, die ökologische und ökonomische Vorteile bietet. Für Bauinteressierte und Fachleute bietet der Umbau wertvolle Einblicke in die Planung und Durchführung von Großprojekten unter laufendem Spielbetrieb und zeigt, wie historische Bausubstanz durch modernes Ingenieurwesen und kluge Ressourcenplanung eine Zukunftsperspektive erhält.

Quellen

  1. LVM-Preußenstadion News
  2. SC Preußen Münster - Baureport
  3. SC Preußen Münster - Stadionumbau
  4. Stadionwelt - Gesamtbaugenehmigung
  5. Stadt Münster - Ausbau Westtribüne
  6. LVM-Preußenstadion Startseite

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