Die Neugestaltung des Rathausplatzes in Heidingsfeld, einem Stadtteil von Würzburg, stellt eine bedeutende städtebauliche Maßnahme dar, die weit über eine reine Verschönerung hinausgeht. Es handelt sich um ein komplexes Bauvorhaben, das die Sanierung historischer Bausubstanz, die Erneuerung der Infrastruktur und die Schaffung eines modernen urbanen Raums vereint. Für Eigentümer, Bauinteressierte und Fachleute bietet dieses Projekt wertvolle Einblicke in die Planung, Durchführung und Finanzierung großer Renovierungsmaßnahmen im öffentlichen Raum. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, finanziellen und konzeptionellen Aspekte dieser umfassenden Erneuerung, basierend auf den verfügbaren Projektdaten.
Hintergrund und Ausgangslage
Die Notwendigkeit einer Neugestaltung des Rathausplatzes in Heidingsfeld resultierte aus einem langen Planungsprozess und dem Bedarf, eine seit etwa drei Jahrzehnten schwelende städtebauliche Sanierungsmaßnahme endlich umzusetzen. Die Maßnahme umfasste nicht nur den Platz selbst, sondern auch die Sanierung der darüberführenden Brücke über den Heigelsbach (in einigen Dokumenten auch als Zwischengemäuerbach bezeichnet). Diese Verknüpfung von Platz- und Brückensanierung war für den Erfolg des Projekts entscheidend, da eine sinnvolle Gestaltung des Platzes ohne die vorherige Sicherung und Sanierung der tragenden Infrastruktur nicht möglich war.
Die Planungen basierten auf einem integrierten städtebaulichen Konzept, das in den Jahren 2011 und 2012 erarbeitet wurde. Dieses Konzept entstand unter Beteiligung der örtlichen Bevölkerung und legte den Grundstein für die spätere Umsetzung. Ziel war es, den Rathausplatz als zentralen Treffpunkt des Stadtteils neu zu konzipieren – weg von einer Parkfläche hin zu einer „guten Stube“, die zum Verweilen und zur Begegnung einlädt.
Finanzierung und Förderung
Ein zentraler Aspekt bei der Realisierung solcher Projekte ist die Sicherung der Finanzierung. Die Neugestaltung des Rathausplatzes Heidingsfeld ist ein Paradebeispiel für die effektive Nutzung von Fördermitteln. Die Gesamtkosten für die Tiefbauarbeiten beliefen sich auf 2,3 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil dieser Kosten, nämlich 1,3 Millionen Euro, wurde durch die Regierung von Unterfranken aus Städtebaufördermitteln des Bundes und der Länder in Aussicht gestellt.
Die Haushaltsplanung spielte eine entscheidende Rolle in der Projektbeschleunigung. Im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Jahr 2017 wurde ein Antrag gestellt, um die notwendigen Mittel frühzeitig bereitzustellen. Konkret wurde vorgeschlagen, 250.000 Euro, die ursprünglich für das Jahr 2018 für die Brückensanierung vorgesehen waren, auf das Jahr 2017 vorzuziehen. Zudem sollten 150.000 Euro aus dem Budget für die Neugestaltung des Rathausplatzes für die Sanierung der Brücke inklusive der endgültigen, neugestalteten Brücken-Oberfläche bereitgestellt werden. Insgesamt wurden somit 400.000 Euro im Jahr 2017 mobilisiert, um die Arbeiten zeitnah zu ermöglichen. Diese flexible Handhabung der Haushaltsmittel unterstreicht die Priorität, die dem Projekt beigemessen wurde.
Technische Aspekte der Brückensanierung
Die Sanierung der Brücke über den Heigelsbach war ein technisch anspruchsvolles Teilprojekt, das als Grundlage für die gesamte Neugestaltung diente. Die Arbeiten wurden von Mai 2019 bis August 2019 durchgeführt und umfassten mehrere spezialisierte Verfahren.
Ein Kernproblem der alten Bausubstanz waren die über 60 Jahre alten Abdichtungen und Asphaltschutzschichten. Diese wurden vollständig erneuert. Ein modernes Verfahren, das zur Anwendung kam, war die Höchstdruckwasserstrahlentechnik. Mit dieser Methode wurden die alten Betonoberflächen abgetragen. Dieses Verfahren ermöglicht eine zerstörungsfreie oder materialschonende Entfernung von Schichten und ist besonders effektiv bei der Vorbereitung von Oberflächen für neue Beschichtungen.
Im Zuge der Sanierung wurde ein neuer Aufbeton im Gefälle eingebaut. Darauf folgten eine Abdichtung mit Epoxidharz und der Einbau einer Schweißbahn. Als abschließende Schutzschicht wurde ein Gussasphaltbelag verlegt. Diese Schichtung gewährleistet eine dauerhafte und wasserdichte Oberfläche, die den täglichen Belastungen durch Verkehr und Witterung standhält.
Auch die Brückenunterseite, also die so genannte Sohle oder die Unterseite der Brückenkonstruktion, wurde saniert. Geschädigte Flächen wurden hierbei mit Höchstdruckwasserstrahlen abgetragen und anschließend mit Spritzbeton instandgesetzt. Spritzbeton ist ein bewährtes Verfahren, um Betonflächen zu verstärken und zu sanieren, ohne dass eine komplexe Schalung erforderlich ist. Die Sanierung der Brücke unter dem Rathaus, die einen Teilbereich des Platzes trägt, war ein besonders sensibler Punkt, der ebenfalls mit großem Aufwand bewältigt wurde.
Die Neugestaltung des Platzes
Nach Abschluss der Arbeiten an der Brücke begann die eigentliche Umgestaltung des Rathausplatzes. Das Ziel war die Schaffung einer nahezu barrierefreien Strukturierung. Der Platz wurde als Treffpunkt konzipiert, der zum Feiern und Verweilen einlädt und nicht mehr primär als Parkfläche dient.
Pflasterung und Oberbau Ein entscheidendes Element war die Erneuerung des Oberbaus. Dabei kamen über 60.000 Pflastersteine aus Granit zum Einsatz, was einem Gewicht von etwa 660 Tonnen entspricht. Die Pflasterung wurde so gestaltet, dass sie versickerungsfähig ist. Dies ist ein wichtiger Aspekt des modernen Wassermanagements in Städten, da Niederschläge direkt in den Boden infiltrieren können, anstatt die Kanalisation zu belasten. Zudem wurde eine Frostschutzschicht eingebaut, um die Haltbarkeit der Pflasterung auch bei strengen Wintern zu gewährleisten. Der Bodenbelag wurde als hochwertig beschrieben, was auf die Verwendung von Granit und eine sorgfältige Verlegung hindeutet.
Gestaltungselemente und Ausstattung Die Ausstattung des Platzes umfasst verschiedene Elemente, die die Aufenthaltsqualität erhöhen: * Sitzplätze: Es wurden viele Sitzmöglichkeiten geschaffen, die Besucher zum Verweilen einladen. * Bäume: Die Bepflanzung mit Bäumen trägt zur Aufwertung des Mikroklimas bei und setzt architektonische Akzente. * Brunnen: Ein neuer Brunnen wurde installiert. In einem Dokument wird spezifisch ein „Wasserstrudelspiel“ erwähnt, das von den örtlichen Vereinen (Hätzfelder Großen und Kleinen) feierlich in Besitz genommen wurde. Dieses Element bietet nicht nur eine optische Aufwertung, sondern auch eine spielerische Interaktionsmöglichkeit, besonders für Kinder. * Restaurierte Litfasssäule: Die Erhaltung und Restaurierung historischer Elemente wie der Litfasssäule integriert die Geschichte des Ortes in die neue Gestaltung. * Beleuchtungskonzept: Ein neues Beleuchtungskonzept wurde installiert. Es kommt zum Einsatz von historischen Altstadtlaternen, die jedoch mit modernen und umweltfreundlichen LED-Leuchten ausgerüstet sind. Dies verbindet ästhetische Ansprüche mit energieeffizienter Technik.
Verkehrsführung und Barrierefreiheit Die Neugestaltung sah eine nahezu barrierefreie Strukturierung der Straße vor. Dies ist ein wesentlicher Aspekt der Inklusion und ermöglicht allen Bürgern, den Platz uneingeschränkt zu nutzen. Die Umwandlung von einer verkehrsdominierten Fläche zu einem Fußgänger- und Begegnungsbereich war ein klares Gestaltungsziel.
Projektmanagement und Zusammenarbeit
Die Umsetzung des Projekts erforderte die Koordination zahlreicher Akteure. Das städtische Baureferat unter der Leitung von Stadtbaurat Professor Christian Baumgart war federführend. Die Zusammenarbeit mit der Regierung von Unterfranken, insbesondere dem Bereichsleiter Bauen Norbert Böhm, war für die Sicherung der Fördermittel und die Genehmigungsprozesse entscheidend. Professor Baumgart wurde für sein „Augenmaß und Beharrlichkeit“ sowie sein „vehementes aber dennoch faires und kollegiales Kämpfen für die Belange der Stadt“ gelobt.
Die Bürgerbeteiligung war ein integraler Bestandteil des Prozesses. Die Bürgervereinigung Heidingsfeld, ein Zusammenschluss von 45 Vereinen, war aktiv eingebunden. Dies unterstreicht die Bedeutung von partizipativer Planung, um Akzeptanz und Identifikation mit dem neuen Raum zu schaffen.
Die Bauausführung erfolgte durch spezialisierte Firmen, die im Budget und im vorgegebenen Zeitrahmen arbeiteten. Die Bauzeit für die Neugestaltung des Platzes betrug nur ein Jahr, was angesichts des Umfangs der Arbeiten als sehr effizient angesehen werden kann.
Ausblick und Weiterentwicklung
Die Neugestaltung des Rathausplatzes wird als erster Grundstein für die Weiterentwicklung Heidingsfelds gesehen. Es handelt sich um eine Gesamtkonzeption, die weit über den Platz hinausgeht. Geplant sind weitere Maßnahmen, darunter ein Touristenleitsystem, die Fortsetzung der Umgestaltung des Straßenzugs in Wenzel- und Klosterstraße sowie eine Neukonzeption für das ehemalige Bayla-Gelände. Diese langfristige Perspektive zeigt, dass es sich nicht um ein isoliertes Projekt, sondern um den Auftakt einer umfassenden Revitalisierung des Ortskerns handelt.
Fazit
Die Sanierung und Neugestaltung des Rathausplatzes in Heidingsfeld ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene städtebauliche Erneuerung. Das Projekt vereint die Sanierung kritischer Infrastruktur (die Brücke) mit der Schaffung eines hochwertigen, multifunktionalen öffentlichen Raums. Die technischen Maßnahmen, von der Höchstdruckwasserstrahlentechnik bis zum versickerungsfähigen Pflaster, zeigen einen modernen und nachhaltigen Ansatz. Die erfolgreiche Anbindung von Fördermitteln und die flexible Haushaltsplanung ermöglichten die Umsetzung. Für Bauherren und Stadtplaner ist dieses Projekt eine wichtige Referenz, wie durch konsequente Planung, Zusammenarbeit mit Behörden und Einbindung der Bürgerschaft historische Substanz erhalten und für die Zukunft nutzbar gemacht werden kann.