Die Sanierung und Erweiterung von Bildungseinrichtungen stellt eine der zentralen Aufgaben für Kommunen und Landkreise dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Baumaßnahme ist die jüngste Entwicklung der Lobkowitz-Realschule in Neustadt an der Waldnaab. Dieser umfassende Umbau, der sich über einen Zeitraum von acht Jahren erstreckte, dient als Fallstudie für moderne Planungsstrategien, innovative Bauweisen und die Finanzierung von Infrastrukturprojekten im Bildungssektor. Der folgende Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen dieses Projekts – von der ursprünglichen Notwendigkeit über die architektonische Planung und die Ausschreibung bis hin zur feierlichen Einweihung und den damit verbundenen Investitionskosten.
Die Ausgangssituation: Raumnot und steigende Schülerzahlen
Die Notwendigkeit einer Erweiterung und Sanierung der Lobkowitz-Realschule ergab sich aus einer signifikanten Veränderung der Schülerzahlen und der räumlichen Unterbringung. Im Schuljahr 2024/25 besuchten rund 850 Schülerinnen und Schüler die Schule, verteilt auf 34 Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 10. Ein gravierendes Problem stellte dabei die Unterbringung von 12 Klassen in provisorischen Containern dar. Diese als „Container-Notlösung“ bekannte Bauweise ist auf Dauer weder pädagogisch noch architektonisch zufriedenstellend und stellt eine Herausforderung für den Schulalltag dar.
Die Prognosen des „Raumprogramms“ der Regierung der Oberpfalz aus dem Jahr 2023 zeigten jedoch, dass der Bedarf weiter steigen würde. Langfristig wurden 37 Klassen mit nahezu 900 Schülern erwartet. Dieser demografische Druck machte eine zügige und nachhaltige Lösung unumgänglich. Der bestehende Altbau des historischen Schulgebäudes war im Laufe der Jahre durch diverse Anbauten ergänzt worden, was zu einer unübersichtlichen Struktur führte. Ziel der Maßnahme war es daher, nicht nur den Raumbedarf zu decken, sondern auch die städtebauliche Einordnung des Standorts zu klären und eine funktionale, moderne Lernumgebung zu schaffen.
Architektonische Konzeption: Holzhybridbau und städtebauliche Neuordnung
Ein zentraler Aspekt der Planung war die architektonische Gestaltung der Erweiterung. Nach einem erfolgreichen Wettbewerbsverfahren, bei dem zwölf Arbeiten eingereicht wurden, fiel die Wahl auf ein Konzept, das die traditionelle Bausubstanz mit modernen Bautechnologien verbindet. Die Erweiterung ist als Holzhybridbau konzipiert. Dieser Ansatz spiegelt den Trend zu nachhaltigen und ressourcenschonenden Baumaterialien wider, der insbesondere im Schulbau zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Die Planer des Architekturbüros, vertreten durch Teamleitung Ina Philipp und Projektleitung Michael Bayer, verfolgten den Leitgedanken „Alle und alles unter einem Dach“. Dabei wurde die vorgefundene lineare Struktur des Bestandes fortgeschrieben und ergänzt. Ein entscheidender Schritt war der Abriss der abgerückt stehenden Schwimmhalle sowie des Gebäudeteils C, um Platz für die neue Bebauung zu schaffen. Zukünftig sollen nur noch der Altbau und die direkt angrenzenden Anbauten erhalten bleiben. Die neuen Erweiterungen integrieren sich nahtlos in das bestehende Schulzentrum auf dem sogenannten „Bildungshügel“.
Besonders hervorzuheben ist die Auseinandersetzung mit der Topografie. Da der Standort auf einem Hügel liegt, ist eine differenzierte Höhenentwicklung vorgesehen. Der Neubau passt sich dem Geländeverlauf an und staffelt sich hangabwärts. Diese Gestaltung verleiht der Schule nicht nur ein neues Gesicht, sondern betont auch den Haupteingang und schafft eine harmonische Einbindung in die Umgebung. Wiederkehrende architektonische Elemente, wie Streckmetallmodule der Fenster, prägen das Gesamtbild und schaffen eine visuelle Einheit.
Die äußere Erscheinung wird durch die vorgeschlagene Holz-Modulbauweise bestimmt. Die Fassadenaußenwände mit vertikaler und horizontaler Verschalung aus lasiertem Tannenholz folgen der tektonischen Struktur der Konstruktion. Farblich orientiert man sich am Wappen des namensgebenden Adelsgeschlechts der Lobkowitz, wodurch Rot- und Weißtöne den architektonischen Ausdruck bestimmen. Diese Gestaltung verleiht dem Gebäude eine historische Referenz bei gleichzeitiger moderner Ausrichtung.
Planung und Ausschreibung: Verfahren und Dienstleistungen
Die Umsetzung einer solch komplexen Baumaßnahme erfordert eine detaillierte Planung und rechtssichere Ausschreibungen. Aus den vorliegenden Informationen geht hervor, dass der Landkreis Neustadt a.d.Waldnaab als Auftraggeber fungiert. Die Ausschreibung der Bauleistung erfolgte im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens mit vorheriger Veröffentlichung eines Aufrufs.
Die Ausschreibung umfasste nicht nur die reine Bauausführung, sondern auch spezifische Dienstleistungen im Bereich der Planung. Neben der Hauptleistungskategorie „Dienstleistungen von Architektur- und Konstruktionswesen“ (CPV 71000000) war eine zusätzliche Einstufung für „Beratung im Bereich Brand- und Explosionsschutz“ (CPV 71317100) ausgewiesen. Dies unterstreicht die hohen Anforderungen an die Sicherheitstechnik in öffentlichen Gebäuden wie Schulen.
Für die Bauausführung wurde ein Bauleitungsarchitekturbüro (Robert Würschinger) sowie eine Freianlagenplanung (toponauten GmbH) verpflichtet. Die Planung der Freianlagen umfasst unter anderem die Neugestaltung der Pausenhofanlagen mit integriertem Mehrzweckspielfeld und die Anlage von Stellplätzen. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Planung war die Energieversorgung: Im Jahr 2017 erfolgte der Anschluss der Schule an das Fernwärmenetz des Schulhügels mit einer Leistung von 500 kW. Diese Infrastruktur kann für die geplante Erweiterung weiterhin genutzt werden.
Finanzierung und Kostenstruktur
Die Finanzierung eines solchen Projekts ist für öffentliche Haushalte eine erhebliche Belastung, die eine solide Planung erfordert. Die Kosten für die Lobkowitz-Realschule setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen.
Die Erweiterung der Realschule, inklusive des Abrisses der alten Schwimmhalle, wurde auf geschätzte 28,3 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommt der Neubau einer Doppelturnhalle, dessen Kosten auf weitere 10,2 Millionen Euro geschätzt werden. Insgesamt investierte der Landkreis Neustadt/WN in die Generalsanierung der Realschule und der Turnhalle rund 7 Millionen Euro. Zusammen mit der Erneuerung des Gymnasiums beliefen sich die Gesamtinvestitionen des Landkreises in den Bildungssektor auf rund 25 Millionen Euro.
Diese Zahlen verdeutlichen das immense finanzielle Engagement, das notwendig ist, um den aktuellen Standards an Schullärm und Energieeffizienz gerecht zu werden und den wachsenden Schülerzahlen zu begegnen. Die Mittel wurden durch den Landkreis bereitgestellt, wobei die Planung und Durchführung durch die Kreisverwaltung und den Kreisbaumeister koordiniert wurden.
Bauausführung im laufenden Betrieb
Eine der größten Herausforderungen bei Schulsanierungen ist die Durchführung der Arbeiten bei laufendem Schulbetrieb. Die Realisierung der Maßnahme an der Lobkowitz-Realschule war in Bauabschnitte unterteilt. Dies erfordert eine exakte Logistik und Absprache zwischen den Bauunternehmen, der Schulleitung und den Lehrkräften, um den Unterrichtsbetrieb nicht zu gefährden. Die provisorischen Container mussten solange genutzt werden, bis neue Räumlichkeiten zur Verfügung standen.
Die Zusammenarbeit mit den umliegenden Schulen, die in dieser Zeit offene Türen für die Schüler und Lehrer der Lobkowitz-Realschule hatten, wurde als entscheidender Faktor für das Gelingen des Projekts gewertet. Die Schulleitung betonte die gute Zusammenarbeit mit Behörden, Planern und Arbeitern über den gesamten Zeitraum von acht Jahren.
Einweihung und Fazit
Nach acht Jahren Bauzeit war das Projekt abgeschlossen. Die feierliche Einweihung am 24. November war ein gesellschaftliches Ereignis, an dem Vertreter der Politik (Bürgermeister Rupert Troppmann, Landrat Andreas Meier), der Kirche sowie der Bauwirtschaft (Planer Georg Binner, Kreisbaumeister Werner Kraus) und der Schulaufsicht (Maria Kinzinger) teilnahmen.
Schulleiterin Irene Sebald beschrieb die Stimmung als überaus positiv: „Wir fühlen uns sehr wohl in unserer neuen Schule!“. Als technische Verbesserungen wurden unter anderem WLAN-Verbindungen in allen Klassenzimmern genannt. Die Einweihung markiert das Ende einer langen Bauphase und den Beginn einer neuen Ära für die Schule.
Das Projekt Lobkowitz-Realschule Neustadt zeigt eindrucksvoll, wie durch eine Kombination aus historischer Wertschätzung, moderner Holzbauweise, städtebaulicher Klärung und finanzieller Planung eine Bildungseinrichtung für die Zukunft fit gemacht werden kann. Es ist ein Musterbeispiel für den notwendigen Umbau unserer Bildungsinfrastruktur.
Fazit
Die Sanierung und Erweiterung der Lobkowitz-Realschule in Neustadt an der Waldnaab stellt ein komplexes Infrastrukturprojekt dar, das durch eine steigende Schülerzahl und die Notwendigkeit einer modernen Lernumgebung initiiert wurde. Die Maßnahme umfasste die Generalsanierung des Altbaus, den Abriss von Altlasten wie der Schwimmhalle und den Neubau von Klassenräumen und Turnhallen im Holzhybridbau-Verfahren. Finanziert wurde das Vorhaben durch den Landkreis mit einem Volumen von rund 28,3 Millionen Euro für die Erweiterung und 10,2 Millionen Euro für die neue Turnhalle. Besonders bemerkenswert ist die Integration der Neubauten in die Topografie des „Bildungshügels“ und die Gestaltung der Fassaden im historischen Farbdesign des Hauses Lobkowitz. Die Bauausführung erfolgte in Abschnitten bei laufendem Schulbetrieb und wurde nach acht Jahren Planungs- und Bauzeit erfolgreich abgeschlossen.