Die Stadt Schaffhausen plant eine tiefgreifende Transformation ihres östlichen Rheinufers. Ziel ist die Schaffung einer verkehrsbefreiten Promenade, die die Altstadt direkt mit dem Fluss verbindet und neue Flächen für Wohnen, Erholung und Gewerbe bietet. Diese Entwicklung stellt einen signifikanten Eingriff in die städtische Infrastruktur und die Naherholungsgebiete dar und erfordert eine detaillierte Betrachtung der Planungen, rechtlichen Rahmenbedingungen und der damit verbundenen Verkehrslenkung. Der vorliegende Artikel analysiert die strategischen Ziele, die Umsetzungsschritte und die ökologischen Aspekte dieses Großprojekts basierend auf den vorliegenden Informationen.
Das strategische Zielbild: Schaffhausen ans Rheinufer
Das Kernanliegen der Stadtverwaltung, dargestellt durch den Stadtrat, ist die Erfüllung eines langjährigen Wunsches der Bevölkerung: die direkte und ungehinderte Anbindung der Stadt an den Rhein. Die aktuelle Situation, geprägt durch den starken motorisierten Durchgangsverkehr auf der Rheinuferstrasse, wird als Barrierewirkung identifiziert, die den städtischen Raum vom Fluss trennt.
Der politische Rahmen und der Gegenvorschlag
Die Entwicklung des Gebiets «Rheinufer Ost» ist politisch hoch relevant. Als Reaktion auf die Initiative «Schaffhausen an den Rhein» hat der Stadtrat einen formellen Gegenvorschlag erarbeitet, der am 29. Juni 2025 einer Volksabstimmung unterzogen wurde. Die Annahme dieses Gegenvorschlags durch die Bevölkerung bildet die demokratische Legitimationsgrundlage für die folgenden Massnahmen. Ziel ist es, eine Vision zu realisieren, die nicht in einer blossen Sanierung der bestehenden Strasse endet, sondern eine qualitative Aufwertung des gesamten Areals bewirkt.
Die Entwicklungsstrategie
Die Planung basiert auf den Erkenntnissen eines städtebaulichen Studienverfahrens aus den Jahren 2022/23 sowie einer anschliessenden öffentlichen Konsultation. Die verabschiedete Entwicklungsstrategie umfasst ein definiertes Zielbild, dessen Etappierung, Finanzierung und politische Umsetzung. Kernelement dieses Zielbilds ist die Befreiung der Rheinuferpromenade vom motorisierten Durchgangsverkehr.
Die Umsetzung: Teilprojekte und Etappen
Das Gesamtprojekt ist in acht Teilprojekte unterteilt, die in einer Zeitspanne von rund zwölf Jahren umgesetzt werden sollen. Diese schrittweise Vorgehensweise soll eine stetige Entwicklung bei gleichzeitiger Minimierung von Belastungen für die Anwohnerschaft gewährleisten.
Das Kernareal: Rheinufer Ost und das Gaswerk
Ein zentraler Hebel für die Entwicklung ist der Umzug von SH POWER vom Gaswerkareal ins Schweizersbild. Diese frei werdende Fläche bietet die einmalige Chance für eine complete Neukonzeptionierung. Die Planungen sehen hier einen Mix aus Wohnen, Gewerbe, Hotellerie und Gastronomie vor. Besonders hervorzuheben sind die Vorgaben des Stadtrats bezüglich gemeinnützigen Wohnungen auf dem Gaswerkareal, was soziale Aspekte in die städtebauliche Entwicklung integriert.
Aufwertung bestehender Infrastruktur: Salzstadel und Schauweckergutpark
Neben Neubauten spielt die Sanierung und Aufwertung bestehender Bauten eine wichtige Rolle. Das in die Jahre gekommene Salzstadel-Gebäude soll saniert werden, um die Situation für die dort ansässigen Wassersportvereine zu verbessern. Dies sichert die bestehenden Nutzungen und integriert sie in das neue Quartier.
Ein erster konkreter Schritt ist der Investitionskredit von 1,6 Millionen Franken für den Schauweckergutpark. Dieser Park wird durch die Aufhebung der Rheinhaldenstrasse und die Unterbrechung des Durchgangsverkehrs direkt mit dem Rheinufer verbunden. Er dient als grüne Lunge und Übergangszone zwischen der Altstadt und dem Fluss.
Verkehrstechnische Implikationen und Massnahmen
Die Umsetzung der verkehrsbefreiten Promenade erfordert massive Eingriffe in das bestehende Strassennetz. Die Sperrung der Rheinuferstrasse für den motorisierten Durchgangsverkehr verlagert den Verkehr auf alternative Routen.
Die Sperrung der oberen Rheinfallstrasse
Parallel zum Rheinuferprojekt laufen Arbeiten im Rahmen des Galgenbucktunnels, die die Ortsdurchfahrt von Neuhausen am Rheinfall betreffen. Eine bedeutende Massnahme hierbei ist die vollständige Sperrung der oberen Rheinfallstrasse zwischen dem Rheinfallkreisel und der Rheinhofkreuzung. Diese Sperrung ist für die Zeit von Oktober 2025 bis voraussichtlich Juni 2026 geplant.
Der Verkehr wird während dieser Zeit über die Zentralstrasse, den Scheideggkreisel und die Schaffhauserstrasse umgeleitet. Diese Massnahme ist nicht nur für den motorisierten Verkehr relevant, sondern betrifft auch die Anbindung des RhyTech-Areals. Als flankierende Massnahme werden neue Bushaltestellen geschaffen, um die Erschliessung des Areals weiterhin sicherzustellen.
Verbesserung der Fuss- und Veloverbindungen
Ein wesentlicher Bestandteil der Verkehrsführung ist die Verbesserung der alternativen Verkehrsmittel. Die Planungen sehen explizit die Optimierung der Fuss- und Veloverbindungen zur Altstadt und zu den umliegenden Quartieren vor. Ziel ist es, die Wege zum Wasser attraktiv und sicher zu gestalten, sodass der Wegfall der Autoanbindung durch bessere Alternativen kompensiert wird. Die Gestaltung des Strassenraums erfolgt «siedlungsorientiert», was eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität impliziert.
Ökologische und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Aufwertung des Rheinufers findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist in rechtliche und ökologische Vorgaben eingebettet. Der Naturschutz und die Sicherung der Lebensräume spielen eine zunehmend wichtige Rolle bei städtischen Entwicklungsprojekten.
Der Verfassungsauftrag zum Art. 2bis
Ein entscheidender rechtlicher Hebel ist der Art. 2bis der Stadtverfassung von Schaffhausen. Dieser Absatz verpflichtet die Stadt explizit dazu, die Lebensgrundlagen für Tiere und Pflanzen zu sichern. Der Rhein und seine Ufer werden als wichtigste Lebensräume und bedeutendes Naherholungsgebiet definiert. Der Stadtrat und der Grosse Stadtrat sind angewiesen, auf die Erhaltung des Erholungsraums und eine ausgewogene, nachhaltige Nutzung des Rheinufers zu achten.
Biodiversität und Naturschutz
Die konkreten Anforderungen bezüglich Biodiversität sind ein neu in den Entwicklungsplan integriertes Element. Organisationen wie der WWF Schaffhausen werden bei der Projektumsetzung ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung dieses Verfassungsauftrags legen. Die Planung muss sicherstellen, dass die neuen Frei- und Grünräume nicht nur der Erholung dienen, sondern auch als Lebensraum für Flora und Fauna funktionieren. Die Abstimmung mit den Grundeigentümern und den Nutzern (wie den Wassersportvereinen) ist dabei ein wichtiger Schritt, um eine akzeptierte und nachhaltige Nutzung zu gewährleisten.
Fazit
Die Aufwertung der Rheinuferpromenade in Schaffhausen ist ein komplexes, mehrjähriges Projekt, das weit über eine einfache Strassensanierung hinausgeht. Es verbindet verkehrstechnische Notwendigkeiten (im Zusammenhang mit dem Galgenbucktunnel) mit städtebaulichen Visionen (der Schaffung einer verkehrsfreien Promenade) und sozialen sowie ökologischen Ansprüchen.
Die Umsetzung erfolgt in acht klar definierten Teilprojekten über einen Zeitraum von rund zwölf Jahren. Zentrale Elemente sind die Umlegung des motorisierten Verkehrs, die Entwicklung des Gaswerkareals zu einem gemischten Quartier, die Sanierung des Salzstadel-Gebäudes und die Aufwertung des Schauweckergutparks. Die Verkehrslenkung während der Bauphasen, insbesondere die Sperrung der oberen Rheinfallstrasse im Zeitraum 2025 bis 2026, erfordert eine sorgfältige Planung durch die Anwohner und Pendler.
Durch die Einbindung von Art. 2bis der Stadtverfassung wird zudem der Naturschutz als verbindlicher Massstab in die Entwicklung eingeführt. Das Projekt befindet sich nach der Volksabstimmung im Juni 2025 in der konkreten Umsetzungsphase und markiert einen Wendepunkt in der städtebaulichen Entwicklung Schaffhausens hin zu einer stärkeren Fokussierung auf den Rhein als städtischen Lebensraum.
Quellen
- Nau.ch - Stadt Schaffhausen plant Aufwertung der Rheinuferpromenade
- Stadt Schaffhausen - Aufwertung Rheinuferpromenade
- Jetzt-an-rhy.ch - Gegenvorschlag zur Initiative «Schaffhausen an den Rhein»
- WWF Schaffhausen - Rheinufer Aufwertung
- Tiefbau Schaffhausen - Neuhausen
- Schaffhauser Nachrichten - Uferpromenade, neue Verkehrsführung, private Investoren