Moderne Schularchitektur in Bayern: Die Generalsanierung des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham als Leuchtturmprojekt

Einleitung

Die Generalsanierung und der Umbau des Robert-Schuman-Gymnasiums (RSG) in Cham stellen ein herausragendes Beispiel für moderne Bildungsarchitektur und nachhaltiges Baumanagement in Bayern dar. Dieses umfassende Projekt, das 2023 begann und planmäßig im Herbst 2026 abgeschlossen werden soll, zielt darauf ab, eine der modernsten Schulen Bayerns zu schaffen. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der energetischen und funktionalen Optimierung des Bestandsgebäudes, sondern auch auf einer substanziellen Erweiterung durch einen modernen Holzbau. Die Maßnahmen umfassen eine massive Aufstockung, tiefgreifende Abbrucharbeiten, die Erneuerung aller technischen Installationen und eine hochwertige Innenraumgestaltung. Das Projekt dient als Pilot für die Sanierung von Nachkriegsschulbauten und demonstriert, wie durch strategische Planung und effiziente Ausführung nach den Vorgaben der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) sowie der Vergabeordnung (VOB) hochwertige Bildungseinrichtungen entstehen können.

Projektmanagement und Zeitplanung

Der Erfolg der Generalsanierung des RSG Cham basiert auf einer professionellen Projektsteuerung, die weit vor dem eigentlichen Baubeginn begann. Die Planung und Überwachung erfolgten durch spezialisierte Ingenieurbüros, um die Komplexität der Bauaufgabe zu bewältigen.

Vergabe und Tragwerksplanung

Eine entscheidende Weiche für die strukturelle Sicherheit des Projekts wurde bereits am 16. Februar 2021 gestellt. An diesem Tag begann die Ausführung der Tragwerksplanung, die in den Leistungsphasen 1 bis 6 der HOAI an das Ingenieurbüro Altmann GmbH & Co. KG vergeben wurde. Die Auftragssumme belief sich auf 273.599,39 Euro. Die Vergabe erfolgte über ein Verhandlungsverfahren, an dem fünf Angebote beteiligt waren. Dieses Verfahren ermöglichte eine detaillierte Abstimmung der komplexen statischen Anforderungen, insbesondere für die geplante Aufstockung um ein Geschoss in Holzbauweise und die Installation neuer Treppenhäuser und Aufzugsschächte. Die Planungsphase dauerte bis zum 09. September 2025, was eine langfristige und gründliche Vorbereitung der Baumaßnahmen sicherstellt.

Bauausführung und Zeitplan

Die Bauarbeiten selbst starteten im Jahr 2023. Ein Meilenstein wurde am Dienstagmittag, wie in Quelle [1] berichtet, mit dem Richtfest erreicht. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Arbeiten laut Landrat und Schulleitung im Zeitplan. Eine bemerkenswerte Effizienz der Bauleitung wurde in den Berichten hervorgehoben: Die Sanierung ist eine Million Euro günstiger als ursprünglich kalkuliert, während der Zeitplan eingehalten wird.

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten im Herbst 2026 abgeschlossen sind. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll der Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen werden. Während der Sanierung waren die Schülerinnen und Schüler in eine ehemalige Realschule in Cham ausquartiert.

Umfangreiche Abbruch- und Rückbauarbeiten

Vor dem Neubau war eine massive Substanzerhaltung und Modernisierung des Bestandsgebäudes notwendig, die mit umfangreichen Abbrucharbeiten einherging. Diese dienten der Beseitigung von Bauschäden, der Vorbereitung von Aufstockungen und der Erneuerung aller technischen Leitungen.

Mengen und Techniken

Die Dimensionen der Rückbauarbeiten sind beeindruckend und spiegeln den Umfang der Generalsanierung wider. Laut Quelle [3] werden insgesamt etwa 3.500 Tonnen Beton und Mauerwerk abgetragen. Zu den spezifischen Abbrucharbeiten gehören: * Entfernung von Stahlbetontreppen * Rückbau von Decken * Entfernung eines Kamins * Demontage des Aufzugs * Entfernung der gesamten Fassade * Abbruch des Daches

Für diese Arbeiten kamen moderne Verfahren zum Einsatz. Neben klassischen Abbruchhammer wurden auch Höchstdruckwasserstrahler genutzt, eine Methode, die eine materialschonende Trennung von Beton und Bewehrungsstahl ermöglicht und Staubbelastungen reduziert.

Kanal- und Leitungserneuerung

Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Erneuerung der inneren und äußeren Infrastruktur. Es werden circa 550 Meter Entwässerungsleitungen außerhalb des Gebäudes und 530 Meter unter den bestehenden Bodenplatten erneuert. Die Kanalarbeiten erfordern spezielle Verfahren wie Spülbohrungen und Rohrdurchpressungen, um die Leitungen ohne großflächige Bodenaufgrabungen im Gebäudeinneren zu verlegen. Diese Maßnahmen sind essenziell für die zukünftige Funktionalität und Hygiene des Gebäudes.

Konstruktion und Erweiterung: Die Aufstockung in Holzbauweise

Das Herzstück der Modernisierung ist die Aufstockung des Gebäudes um ein sechstes Geschoss. Diese Maßnahme wird in nachhaltiger Holzbauweise realisiert und dient der Schaffung zusätzlichen Raumvolumens für moderne Lern- und Gemeinschaftsflächen.

Tragkonstruktion und Materialien

Die Entscheidung für die Holzbauweise ist ein Zeichen für nachhaltiges Bauen und schnelle Montage. Das neue Geschoss wird als Holzrahmenkonstruktion ausgeführt. Diese Bauweise ermöglicht eine hohe Vor-Ort-Fertigung und reduziert die Bauzeit auf der Baustelle erheblich. Die statischen Anforderungen für die Aufstockung wurden durch die zuvor beschriebene Tragwerksplanung (Leistungsphasen 1-6) abgesichert.

Innenhof und Sonderkonstruktionen

Im Zuge der Erweiterung entstehen im Innenhof des Gebäudes neue Strukturen. Es werden mehrere Spannbetondecken eingezogen, die eine stabile und großzügige Grundfläche für neue Nutzungen schaffen. Besonders hervorzuheben ist die Installation einer Tribünenanlage mit den Maßen 15 Meter mal 8 Meter. Diese Anlage wird aus Stahlbetonfertigteilen gefertigt und bietet Platz für sportliche und kulturelle Veranstaltungen.

Gebäudeinnere Modernisierung: Treppenhäuser, Aufzüge und Trockenbau

Die Modernisierung des Gebäudeinneren ist ebenso umfangreich wie die äußere Hülle. Ziel ist es, die Erschließung und die inneren Raumstrukturen den aktuellen Brandschutz- und Barrierefreiheitsnormen anzupassen.

Neue Erschließung

Im Gebäude entsteht ein neuer Aufzugschacht sowie ein neues Treppenhaus, das über alle sechs Geschosse führt. Diese Maßnahmen sind entscheidend für die Barrierefreiheit des Gebäudes und die Erreichbarkeit der neuen oberen Geschosse.

Trockenbauarbeiten

Ein großer Teil der inneren Ausbauarbeiten wird im Trockenbau realisiert. Die Ausschreibungen hierfür sind bereits erfolgt. Die Leistungsbeschreibung für die Trockenbauarbeiten (Los 1140) umfasst enorme Flächen: * 7.730,00 m² abgehängte Decken * 360,00 m² Wandverkleidungen * 1.300,00 m² Trockenbauwände * 1.200,00 m² Vorsatzschalen * 60,00 m² Brandschutzverkleidungen

Die Vergabe dieser Arbeiten erfolgte über ein offenes Verfahren nach der Vergabeverordnung. Der Zuschlag wurde am 08. Mai 2025 erteilt. Als Zuschlagskriterium wurde ausschließlich der Preis herangezogen (Gewichtung 100 Punkte). Es gingen vier Angebote ein, davon drei von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Der Auftrag wurde vom Landkreis Cham, Sachgebiet Hochbau und Gebäudemanagement, vergeben.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Obwohl die Quellen keine detaillierten technischen Daten zu Heizung, Lüftung oder Sanitär liefern, implizieren die durchgeführten Maßnahmen einen hohen Standard in der Energieeffizienz. Die Sanierung von Bestandsgebäuden aus den 1960er Jahren erfordert in der Regel eine vollständige Dämmung der Hülle, den Austausch der Fenster und eine moderne, effiziente Haustechnik. Die Aufstockung in Holzbauweise trägt ebenfalls zur Nachhaltigkeit bei, da Holz als erneuerbarer Baustoff CO₂ speichert.

Zusammenfassung der Bauleistungen und Kosten

Das Projekt ist ein Paradebeispiel für eine professionelle Bauausführung unter Einhaltung der Vergabevorschriften. Die folgende Tabelle fasst die zentralen Leistungsdaten aus den Quellen zusammen:

Leistungsbereich Beschreibung Umfang / Menge
Abbruch Beton- und Mauerwerksabbruch ca. 3.500 Tonnen
Abbruch Entwässerungsleitungen (extern/intern) 550 m / 530 m
Erweiterung Aufstockung (Holzbauweise) 1 Geschoss
Innenausbau Abgehängte Decken (Trockenbau) 7.730 m²
Innenausbau Trockenbauwände 1.300 m²
Innenausbau Vorsatzschalen 1.200 m²
Sonderbau Tribüne (Stahlbetonfertigteile) 15 x 8 m
Planung Tragwerksplanung (HOAI Lph 1-6) 273.599,39 €
Gesamtkosten Umbau (laut Pressebericht) 35 Millionen €

Die Gesamtkosten von 35 Millionen Euro, wie in Quelle [2] genannt, beinhalten den gesamten Umbau, inklusive der Aufstockung und der modernen Innenausstattung. Die Effizienz der Bauleitung führte zu einer Einsparung von einer Million Euro im Vergleich zur ursprünglichen Kalkulation.

Fazit

Die Generalsanierung des Robert-Schuman-Gymnasiums in Cham ist ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Sanierung und Modernisierung von Bildungseinrichtungen in Deutschland. Das Projekt zeigt, wie durch eine kluge Verzahnung von Bestandssanierung und nachhaltigem Neubau (Holzbauweise) eine hochwertige, zukunftsfähige Infrastruktur geschaffen werden kann. Die Einhaltung der Zeitpläne und die Kostenersparnis unterstreichen die Professionalität der beteiligten Planer und des Landkreises Cham. Für Bauherren, Projektentwickler und Kommunen liefert dieses Projekt wertvolle Erkenntnisse zur Planung und Durchführung komplexer Baumaßnahmen, insbesondere im Bereich der Aufstockung und der Verwendung moderner Trockenbautechniken. Mit der Fertigstellung im Herbst 2026 wird das RSG Cham den Titel „Modernste Schule Bayerns“ zu Recht tragen.

Quellen

  1. Mittelbayerische Zeitung
  2. Charivari
  3. Rädlinger
  4. Pressedienst Öffentliches Beschaffungswesen
  5. Ausschreibungen Deutschland

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