Sanierungsoffensive in Frankfurt: Förderprogramme, Kosten und Herausforderungen für städtische und private Gebäude

Die energetische Sanierung von Gebäuden gewinnt in Frankfurt am Main eine zunehmende strategische Bedeutung. Vor dem Hintergrund der Klimaneutralitätsziele hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Fraktionen im Römer eine umfassende „Sanierungsoffensive“ auf den Weg gebracht. Diese Initiative zielt darauf ab, tausende städtische Gebäude zu modernisieren, private Sanierungen finanziell attraktiv zu unterstützen und gleichzeitig die Herausforderungen der steigenden Kosten und sozialer Aspekte zu bewältigen.

Der vorliegende Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten der Frankfurter Sanierungspolitik. Er analysiert die finanziellen Rahmenbedingungen, die technischen Maßnahmen exemplarischer Projekte und die Diskussionen um die Umsetzung in den Bereichen Wohnungswirtschaft und Denkmalschutz.

Die Sanierungsoffensive der Römerkoalition

Die Römerkoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt hat sich auf einen Grundsatzbeschluss geeinigt, der die energetische Sanierung stadteigener Gebäude beschleunigen soll. Ziel ist es, diese Gebäude in einen modernen, zweckmäßigen Zustand zu versetzen, Energiekosten zu senken und klimaschädliche Treibhausgase zu reduzieren. Ein zentrales Ziel der Koalition ist die Erreichung einer klimaneutralen Stadtverwaltung bis zum Jahr 2030.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden Prioritäten gesetzt. Sanierungen sollen vorrangig an jenen Gebäuden durchgeführt werden, die sich in einem besonders schlechten energetischen Zustand befinden, einen hohen Ausstoß an klimaschädlichen Emissionen aufweisen, besonders kosteneffizient saniert werden können und bei denen ohnehin Sanierungs-, Umbau- oder Erweiterungsmaßnahmen anstehen. Die Stadt Frankfurt verfügt über einen Bestand von rund 2.500 stadteigenen Gebäuden, zu denen ein großer Anteil an Schulen, Kindertagesstätten und Verwaltungsgebäuden zählt. Viele dieser Gebäude sind als dringend sanierungsbedürftig eingestuft.

Finanzielle Aspekte und Kosten

Die finanzielle Dimension der geplanten Sanierungsoffensive ist immens. Laut einem Antrag der Koalition beläuft sich die Gesamtfläche der zu sanierten Gebäude auf etwa zwei Millionen Quadratmeter. Bislang wurden lediglich 250.000 Quadratmeter mit Passivhaus-Komponenten ausgestattet, was einen Restbedarf von 1,75 Millionen Quadratmeter impliziert.

Für die Sanierung wird mit durchschnittlichen Kosten von 2.000 Euro pro Quadratmeter gerechnet. Dies führt zu einer geschätzten Gesamtsumme von 3,5 Milliarden Euro. Diese Summe ist im Vergleich zu anderen städtischen Investitionsvorhaben, wie dem Neubau der Städtischen Bühnen, um ein Vielfaches höher. Die Finanzierung soll nicht in einem einmaligen Aufwand erfolgen, sondern über einen längeren Zeitraum gestaffelt werden. In den Haushaltsjahren 2023 bis 2026 sind bereits 25 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen.

Förderprogramme für private Eigentümer

Parallel zu den Sanierungen im städtischen Gebäudebestand hat die Römerkoalition attraktive Förderprogramme für private Eigentümer aufgelegt. Der sogenannte „Modernisierungsbonus“ ist ein städtisches Förderprogramm, das erstmals die energetische Sanierung und den Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung im gesamten Stadtgebiet fördert.

Dieses Programm ergänzt den bereits etablierten „Klimabonus“, der unter anderem Solaranlagen, Batteriespeicher und Gebäudebegrünung unterstützt. Ein wesentlicher Aspekt dieser Förderpolitik ist der Schutz der Mieter vor erheblichen Preissteigerungen durch die Modernisierungen. Die Finanzierung dient als ein wichtiger Hebel, um bürokratische Hürden zu reduzieren und Anreize für nachhaltige Sanierungen zu schaffen.

Technische Maßnahmen und Best Practices

Die technische Umsetzung der Sanierungen folgt modernsten Standards, wobei die spezifischen Maßnahmen stark vom Gebäudetyp und der Denkmalschutzsituation abhängen.

Beispielprojekt Ostendstraße 61

Ein von der Koalition besuchtes Sanierungsprojekt in der Ostendstraße 61 dient als inspirierendes Beispielprojekt. Es handelt sich um ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er Jahren. Die Sanierung zeigt, wie ein in die Jahre gekommenes Gebäude durch nachhaltige Maßnahmen auf den neuesten technischen Stand gebracht werden kann. Die genannten technischen Komponenten umfassen: * Verwendung von viel Holz * Einsatz von klimafreundlichem Beton * Installation einer Wärmepumpe * Montage von Photovoltaik auf Dach und Fassade * Dach- und Fassadenbegrünung * Regenwassernutzung

Diese Maßnahmen zielen auf eine ganzheitliche energetische und ökologische Aufwertung ab.

Das Schirn-Projekt als Leuchtturmprojekt

Die energetische Sanierung der Schirn Kunsthalle am Römer wird als ein Leuchtturmprojekt bezeichnet und soll bis 2028 abgeschlossen sein. Da es sich um ein ensemblegeschütztes postmodernes Gebäude handelt, stehen die energetische Optimierung der Gebäudehülle und der Denkmalschutz im Einklang.

Die technischen Maßnahmen umfassen die Erneuerung der erodierten Sandsteinfassade, die durch einen härteren, umweltbeständigeren Naturstein ersetzt wird. Das gesamte Gebäude erhält eine umfassende Dämmung und energieeffiziente Fenster. Auf den Dächern werden Photovoltaikanlagen installiert, deren Energie in die Haushaltsversorgung eingespeist wird. Zur Kühlung und Verbesserung der Luftqualität sind die Begrünung einzelner Dächer und Fassadenteile vorgesehen. Zusätzlich werden der Brandschutz, die Gebäudetechnik und Sanitärbereiche saniert, intelligente Gebäudesteuerungen eingebaut und Maßnahmen zur Barrierefreiheit ergriffen.

Herausforderungen in der Wohnwirtschaft

Nicht alle Sanierungsvorhaben verlaufen ohne Kontroversen. Die energetische Modernisierung der Gellertsiedlung durch die ABG Frankfurt Holding zeigt die sozialen Spannungen, die mit Großsanierungen verbunden sein können. Die Linke im Römer wirft der städtischen Wohnungsgesellschaft vor, Mieter unter dem Deckmantel der energetischen Sanierung zu vertreiben.

Konkret betrifft dies 400 Haushalte in Mehrfamilienhäusern in der Rotlintstraße und Münzenberger Straße, die bis 2040 an das Nah- und Fernwärmenetz angeschlossen werden sollen. Die Häuser befinden sich laut ABG in einem schlechten Zustand und benötigen eine Kernsanierung. Daraufhin sollen die Bewohner bis Ende 2026 in andere Wohnungen umziehen. Kritik entsteht, da einige der rund 68 betroffenen Parteien die Notwendigkeit der Sanierung anzweifeln und nicht ausziehen wollen. Es besteht die Befürchtung, dass Mieter nach einem aufwendigen Umbau nicht wieder in ihre ursprünglichen Wohnungen zurückkehren dürfen.

Fazit

Die Sanierungsoffensive in Frankfurt markiert einen Wendepunkt in der städtischen Gebäudepolitik. Mit einem Mix aus milliardenschweren Investitionen in den städtischen Bestand und gezielten Förderprogrammen für private Eigentümer versucht die Stadt, die Klimaziele zu erreichen. Die Beispiele der Schirn und des Projekts in der Ostendstraße zeigen das technische Potenzial, auch denkmalgeschützte und ältere Gebäude zukunftsfähig zu machen.

Gleichzeitig offenbaren die Auseinandersetzungen in der Gellertsiedlung die Herausforderungen bei der Umsetzung. Die Balance zwischen ökologischer Notwendigkeit, hohen finanziellen Aufwendungen und dem Erhalt von bezahlbarem Wohnraum bleibt eine zentrale Aufgabe für die Frankfurter Politik. Die Effektivität der eingesetzten Mittel und die Akzeptanz bei den Bürgern werden sich letztlich an der tatsächlichen Umsetzung und den Ergebnissen der energetischen Sanierung messen lassen.

Quellen

  1. Gruene Frankfurt
  2. Frankfurt Live
  3. Schirn
  4. FR
  5. FDP Fraktion Frankfurt
  6. FR

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