Die S-Bahnlinie S45, auch bekannt als Vorortelinie, stellt eine der am stärksten befahrenen Bahnstrecken Österreichs dar und ist ein unverzichtbares Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs im Nordwesten Wiens. Im Jahr 2019 unterzog die Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) diese Strecke umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten, um die Infrastruktur auf den neuesten technischen Stand zu bringen und die Zuverlässigkeit für die Zukunft zu gewährleisten. Für Anrainer, Pendler und Immobilienbesitzer entlang der Strecke bedeuteten diese Baumaßnahmen erhebliche Einschränkungen, waren aber notwendig, um die Lebensdauer der über 120 Jahre alten Verbindung zu sichern.
Dieser Artikel beleuchtet die technischen Aspekte, den Umfang und die zeitlichen Abläufe der Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2019 basierend auf den verfügbaren Informationen.
Die Notwendigkeit der Sanierung
Die Vorortelinie zwischen Heiligenstadt und Hütteldorf ist ein historisches Bauwerk, das seit über einem Jahrhundert in Betrieb steht. Die tägliche Belastung durch rund 200 S-Bahnzüge fordert ihren Tribut an die Infrastruktur. Um den Fahrplan weiterhin in gewohnter Qualität, Dichte und Pünktlichkeit fahren zu können, waren dringende Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten erforderlich. Die ÖBB bezeichnete die Strecke als "in die Jahre gekommen", was den dringenden Handlungsbedarf unterstrich. Ziel der Sanierung war es, die Strecke "gerüstet für die Zukunft" wieder in Betrieb zu nehmen und den technischen Zustand auf den neuesten Stand zu bringen.
Zeitlicher Ablauf der Bauarbeiten
Die Sanierungsarbeiten im Jahr 2019 fanden in mehreren Phasen und Abschnitten statt, um die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten, aber dennoch die notwendigen Tiefbauarbeiten durchführen zu können.
Frühjahrssanierung: Vollsperrung Hernals bis Hütteldorf
Ein erstes großes Bauvorhaben fand im April 2019 statt. Vom 20. April (0:30 Uhr) bis zum 23. April (4 Uhr) war der Abschnitt zwischen Wien Hernals und Wien Hütteldorf voll gesperrt. In dieser intensiven Bauphase kamen schwere Gleisbaumaschinen zum Einsatz, die eine vollständige Sperrung des Streckenabschnitts notwendig machten. Diese Maßnahme diente der Erneuerung von rund einem Kilometer Gleis und der Sanierung des gesamten Oberbaus. Während dieser Zeit wurde der Schienenersatzverkehr durch die Wiener Linien angeboten, wobei ÖBB-Tickets anerkannt wurden.
Sommersanierung: Teilsperren und Schienenersatzverkehr
Eine weitere, längere Phase der Sanierung begann am 29. Juni 2019. Zielgebiet war dieses Mal der Abschnitt zwischen Wien Hütteldorf und Wien Ottakring. Die Arbeiten zogen sich über drei Wochen hin, sodass bis zum 22. Juli 2019 kein Zugverkehr in diesem Abschnitt möglich war.
In der ersten Bauphase dieser Sommersanierung, vom 28. April (2 Uhr) bis zum 12. Juni (2 Uhr), war die Strecke zwischen Hernals und Handelskai in beide Richtungen gesperrt. In der zweiten Phase, vom 12. Juni (2 Uhr) bis zum 23. Juni (2 Uhr), konnten Züge zwar wieder zwischen Hernals und Heiligenstadt fahren, jedoch nicht weiter bis Handelskai.
Um die Passagiere dennoch mobil zu halten, richteten die ÖBB einen dichten Schienenersatzverkehr mit Bussen entlang der Strecke ein. Dieser Ersatzverkehr war notwendig, da die Arbeiten nicht bei laufendem Bahnbetrieb durchgeführt werden konnten. Eine wichtige Information für Pendler war, dass sich die Reisezeit durch den Busersatz um bis zu 20 Minuten verlängern kann. Zusätzlich waren bei den gesperrten Stationen Kundenlenker im Einsatz, um die Fahrgäste zu beraten.
Herbst: Wiederaufnahme des Betriebs mit Ausnahmen
Nach Abschluss der Hauptarbeiten wurde der Regelbetrieb am 22. Juli 2019 wieder aufgenommen. Es folgten jedoch weitere Arbeiten im Spätsommer. Ab dem 4. September, 4:30 Uhr morgens, fuhr die S45 wieder fast wie regulär. Zwischen 4:30 Uhr und 22:30 Uhr war die Strecke wieder vollständig nutzbar. Eine Ausnahme bestand jedoch weiterhin für die Nachtstunden. In der Zeit zwischen 22:30 Uhr und 4:30 Uhr morgens konnte der reguläre Betrieb zunächst nicht aufgenommen werden. Erst ab dem 29. September versprachen die ÖBB, dass die S45 auch nachts wieder ganz ohne Einschränkungen nach Fahrplan fahren kann. Abschließende Restarbeiten fanden dann in den ersten beiden Oktoberwochen in den betriebsfreien Zeiten statt.
Umfang und Technik der Bauarbeiten
Die Sanierung der S45 umfasste eine Vielzahl von technischen Maßnahmen, die über die reine Gleiserneuerung hinausgingen. Ziel war eine ganzheitliche Instandhaltung der Infrastruktur.
Gleis- und Oberbau
Ein Kernbestandteil jeder Bahnsanierung ist die Erneuerung der Gleise. Im April 2019 wurden rund ein Kilometer Gleis erneuert. Im Zuge der Sommersanierung im Abschnitt Hütteldorf bis Ottakring wurden sogar rund 3,1 Kilometer Gleise sowie mehrere Weichen erneuert. Darüber hinaus wurde der gesamte Oberbau saniert. Der Oberbau umfasst alle Komponenten, die auf dem Unterbau (Schotterbett) liegen, also Schienen, Schwellen und deren Befestigung. Auch der Unterbau der Gleisinfrastruktur wurde saniert, was auf eine grundlegendere Erneuerung der Stabilität der Strecke hindeutet.
Oberleitungsanlagen und Elektrotechnik
Für den elektrischen Betrieb sind die Oberleitungsanlagen entscheidend. In den Sanierungsphasen fanden Instandhaltungsmaßnahmen an den Fahrleitungsanlagen statt. Diese Arbeiten sind für die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Betriebs unerlässlich.
Ingenieurbauwerke: Tunnel und Viadukte
Die Strecke weist mehrere bedeutende Ingenieurbauwerke auf, die ebenfalls überprüft und saniert wurden. Bei den Arbeiten im April und Juli wurden die Tunnel und Viadukte des Streckenabschnittes zwischen Hernals und Hütteldorf inspiziert. Konkrete Maßnahmen wurden im Herbst im Türkenschanztunnel durchgeführt: Hier wurden die Drainagen und Entwässerungen erneuert. Zwischen Gersthof und Oberdöbling wurde eine neue Tunnelsohle hergestellt. Zudem wurde der Korrosionsschutz an einer Brücke erneuert.
Sicherheit und Sichtbarkeit
Ein oft übersehener, aber wichtiger Aspekt sind Pflegearbeiten an der Vegetation. Im Abschnitt Breitensee wurden Grünschnitt- und Ausholzungsarbeiten durchgeführt. Diese dienen dazu, die Sicht auf sicherheitsrelevante Signale und Einbauten freizuhalten und Beeinträchtigungen zu verhindern.
Station Wien Breitensee
Auch die Haltestellen selbst wurden modernisiert. In der Station Wien Breitensee wurden die Bahnsteigdächer saniert. Hierbei wurden unter anderem eine Seilsicherung für Arbeiten auf den Dächern angebracht und der Korrosionsschutz erneuert. Optisch erstrahlten die Dächer nach den Arbeiten wieder im frischen Grün.
Kommunikation und Bewältigung der Einschränkungen
Für ein Bauvorhaben dieser Größenordnung ist die Kommunikation mit den Anwohnern und Fahrgästen entscheidend. Die ÖBB reagierte auf die zu erwartenden Belästigungen, insbesondere durch nächtliche Arbeiten.
Lärm und Nachtarbeiten
Besonders im Zeitraum der Vollsperrung im April rechneten die ÖBB aufgrund des Einsatzes schwerer Gleisbaumaschinen nachts mit einem erhöhten Lärmpegel. Um die Anwohner frühzeitig zu informieren, wurde auf die erhöhte Lärmbelastung hingewiesen. Im Verlauf der Bauarbeiten im Sommer wurde jedoch betont, dass bei den geplanten Nachteinsätzen zwar "gehammert und geflucht" wurde, aber laut ÖBB-Pressesprecher Daniel Pinka aus baumanagementischen Gründen nur vier Nachteinsätze geplant waren und explizit keine Großbaumaschinen zum Einsatz kommen sollten, um den Lärmpegel niedrig zu halten.
Ombudsmann und Kundenbetreuung
Für alle Anliegen der Bürger stand ein Ombudsmann der ÖBB zur Verfügung, der rund um die Uhr erreichbar war. Die Kontaktdaten (0699 814 46 970 bzw. 0699/814 46 97) wurden in den Medien veröffentlicht. Zusätzlich waren Kundenlenker an den gesperrten Stationen, um Fahrgäste zu leiten und zu unterstützen.
Zusammenfassung der Sanierungsarbeiten
Die Sanierung der S45 im Jahr 2019 war ein umfassendes Infrastrukturprojekt, das notwendig war, um die Leistungsfähigkeit einer der wichtigsten S-Bahn-Linien Wiens zu erhalten. Die Arbeiten erstreckten sich über mehrere Monate mit verschiedenen Sperrstufen und erforderten eine intensive Zusammenarbeit zwischen den ÖBB, den Wiener Linien und den Anwohnern.
Tabelle: Zusammenfassung der Sanierungsphasen 2019
| Zeitraum | Abschnitt | Maßnahmen | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| 20. Apr. - 23. Apr. | Hernals - Hütteldorf | Vollsperrung, Gleiserneuerung (1 km), Oberbausanierung, Inspektion Tunnel/Viadukte | Einsatz schwerer Gleisbaumaschinen, erhöhter Lärm, Schienenersatzverkehr durch Wiener Linien. |
| 28. Apr. - 12. Juni | Hernals - Handelskai | Teilsperre, Gleis- und Weichenerneuerung, Unterbausanierung | Schienenersatzverkehr, Reisezeitverlängerung um bis zu 20 Min. |
| 12. Juni - 23. Juni | Heiligenstadt - Handelskai | Teilsperre | Züge fahren Hernals - Heiligenstadt. |
| 29. Juni - 22. Juli | Hütteldorf - Ottakring | Vollsperrung, Gleiserneuerung (3,1 km), Weichenerneuerung, Oberbausanierung, Arbeiten Breitensee (Grünschnitt, Bahnsteigdächer) | Dichter Schienenersatzverkehr mit Bussen, Kundenlenker im Einsatz. |
| 4. Sep. - 29. Sep. | Gesamtstrecke | Wiederaufnahme Regelbetrieb tagsüber (4:30 - 22:30 Uhr) | Nachts weiterhin Sperrung. |
| Ab 29. Sep. | Gesamtstrecke | Wiederaufnahme Nachtbetrieb | Regulärer Betrieb auch nachts. |
| Okt. (erste 2 Wochen) | Gesamtstrecke | Abschließende Restarbeiten | In betriebsfreien Zeiten. |
Tabelle: Technischer Umfang der Sanierung (Zusammenfassung)
| Bereich | Konkrete Maßnahmen (laut Quellen) |
|---|---|
| Gleisinfrastruktur | Erneuerung von ca. 4,1 km Gleis insgesamt, Erneuerung mehrerer Weichen, Sanierung des gesamten Oberbaus und des Unterbaus. |
| Bauwerke | Inspektion von Tunneln und Viadukten (Hernals-Hütteldorf), Erneuerung der Drainagen im Türkenschanztunnel, Herstellung einer neuen Tunnelsohle (Gersthof-Oberdöbling), Korrosionsschutz an Brücken. |
| Energie/Versorgung | Instandhaltungsmaßnahmen an Oberleitungs- und Fahrleitungsanlagen. |
| Sicherheit/Umgebung | Grünschnitt- und Ausholzungsarbeiten (Breitensee) zur Sicherung der Signalsicht. |
| Stationen | Sanierung der Bahnsteigdächer Wien Breitensee (Seilsicherung, Korrosionsschutz). |
Fazit
Die Sanierungsarbeiten an der S45 im Jahr 2019 waren ein essenzielles Projekt zur Sicherung einer kritischen Verkehrsverbindung in Wien. Durch den gezielten Einsatz von Sperrungen und den Schienenersatzverkehr gelang es den ÖBB, umfangreiche Modernisierungen an Gleisen, Weichen, Tunneln und Brücken durchzuführen. Maßnahmen wie die Erneuerung der Drainagen im Türkenschanztunnel oder die Sanierung der Gleisunterbauten sind zwar für den Fahrgast unsichtbar, aber fundamental für die langfristige Stabilität und Pünktlichkeit der Linie. Die Kommunikation über den Ombudsmann und die Einrichtung eines Busersatzverkehrs diente der Minimierung der Beeinträchtigungen für die Nutzer. Insgesamt wurde die Strecke, so die ÖBB, wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht und ist damit für die Zukunft gewappnet.
Quellen
- Mein Bezirk - Streckensperre zwischen Hernals und Hütteldorf
- Presse der Stadt Wien - Vorortelinie S45: Sanierungsarbeiten erfolgreich beendet
- Wiener Bezirksblatt - Schienenersatzverkehr für die S45 bis zu 20 Minuten länger unterwegs
- Mein Bezirk - Teilsperre der S45 vor Ende mit Ausnahmen
- Mein Bezirk - S45 Baustelle als Hürdenlauf