Sanierung von Schloss Johannisburg in Aschaffenburg: Umfassende Modernisierung eines bayerischen Kulturdenkmals

Einleitung

Die Sanierung von Schloss Johannisburg in Aschaffenburg stellt eines der derzeit bedeutendsten Denkmalpflegeprojekte in Bayern dar. Als Wahrzeichen der Stadt und bedeutendes Bauwerk der deutschen Renaissance aus dem 17. Jahrhundert unterliegt das Schloss einer umfassenden Generalsanierung, die Investitionen in Millionenhöhe erfordert. Ziel des Projektes ist es, die historische Bausubstanz zu sichern, die technische Infrastruktur zu modernisieren und die Attraktivität der Anlage für Besucher langfristig zu erhalten. Die Maßnahmen erstrecken sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren und werden in zwei Hauptbauabschnitten unterteilt, wobei die Finanzierung durch den Freistaat Bayern gewährleistet wird. Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen bleibt ein Großteil des Schlosses für den öffentlichen Besucherverkehr zugänglich, um die kulturelle Nutzung sicherzustellen.

Historischer Hintergrund und Bausubstanz

Schloss Johannisburg wurde zwischen 1605 und 1614 von dem Straßburger Baumeister Georg Ridinger errichtet und besteht aus rotem Sandstein. Es diente bis 1803 als zweite Residenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten. Nachdem Aschaffenburg 1814 zum bayerischen Staatsgebiet hinzugekommen war, nutzte König Ludwig I. das Schloss als Sommerresidenz. Architektonisch präsentiert sich das Bauwerk als eine Mischung aus Schloss und Burg, charakterisiert durch seine rote Fassade und markante, eckige Türme.

Die aktuelle Sanierung ist die erste große Instandsetzung seit dem Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Diese historische Bedeutung unterstreicht die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Sicherung des Bauwerks für zukünftige Generationen. Die Bayerische Schlösserverwaltung begleitet die Sanierung bau- und denkmalfachlich, während das Staatliche Bauamt Aschaffenburg die Bauprojektleitung übernimmt.

Gesamtkonzept und Finanzierung

Die Gesamtsanierung ist als zehnjähriges Projekt geplant, dessen Gesamtkosten sich auf rund 24,3 Millionen Euro belaufen. Diese Summe deckt die umfassende Instandsetzung der Gebäudehülle, der Innenräume, der technischen Anlagen sowie der Außenanlagen ab.

Bauabschnitte und Zeitplan

Das Projekt ist in zwei große Bauabschnitte gegliedert, die wiederum in mehrere Teilbaumaßnahmen unterteilt sind.

  1. Erster Bauabschnitt (abgeschlossen):

    • Fokus: Mainflügel und Aschaffenburger Staatsgalerie.
    • Dauer: 7 Jahre.
    • Kosten: 15,7 Millionen Euro.
    • Status: Abgeschlossen; die Staatsgalerie ist wieder bezogen.
  2. Zweiter Bauabschnitt (laufend):

    • Start: November 2024 (Gerüststellung).
    • Dauer: Mindestens vier Jahre für die Fassadensanierung, Gesamtdauer des Abschnitts noch nicht final beziffert.
    • Kosten: Der zweite Bauabschnitt umfasst Investitionen in Höhe von 7,6 Millionen Euro für die Fassaden und weitere Millionen für Teilleistungen.

Detailmaßnahmen der Sanierung

Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von Arbeitsschritten, die sich auf die Erhaltung der Denkmalsubstanz und die Anpassung an moderne Anforderungen konzentrieren.

Fassadensanierung

Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Bauphase ist die Instandsetzung der Sandsteinfassaden. Nachdem die erste Seite (Bereich der Staatsgalerie) bereits fertiggestellt ist, umfasst die nun beginnende Phase die Renovierung von drei weiteren der vier Fassaden. Die Arbeiten folgen einer festen Reihenfolge: 1. Sanierung der Fassaden am Eingangsflügel. 2. Sanierung der Fassaden des Stadtflügels. 3. Sanierung der Fassaden des Kapellenflügels.

Ziel dieser Maßnahmen ist der Schutz vor weiterer Verwitterung und die Wiederherstellung des ursprünglichen Glanzes der historischen Sandsteinoberfläche.

Innensanierung und technische Instandsetzung

Nach Abschluss der Fassadenarbeiten soll die Innensanierung folgen. Die technische Modernisierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtmaßnahme, um das Schloss "technisch auf einen modernen Stand" zu bringen, wie es von der Schlossverwaltung formuliert wird. Dazu gehören: * Erneuerung von Leitungsnetzen: Insbesondere im Bereich des Museums der Stadt Aschaffenburg werden Leitungsnetze und Verteilungen saniert. * Sanierung der Schlossweinstuben: Diese Räume, ein wichtiger kultureller Treffpunkt, werden instand gesetzt. * Ertüchtigung der Verwaltungsräume: Die Räume der Schloss- und Gartenverwaltung werden modernisiert, um den Betrieb zu optimieren. * Barrierefreiheit: Im ersten Bauabschnitt wurde bereits ein Aufzug vom Ufer zum Schloss gebaut, um die Erreichbarkeit zu verbessern.

Außenanlagen und Neugestaltung

Die Sanierung beschränkt sich nicht nur auf das Gebäude selbst, sondern umfasst auch die Umgestaltung der Außenanlagen, um die Attraktivität für Besucher und Bürger zu steigern. * Mainterrassen: Die Außenanlagen auf den Mainterrassen inklusive eines Gastronomiebereichs sollen neu gestaltet werden. * Innenhof: Eine komplette Neugestaltung des Innenhofs ist geplant. * Besucherwege und Mauern: Im ersten Bauabschnitt wurden bereits Uferwege und Mauern instandgesetzt.

Betriebliche Auswirkungen während der Sanierung

Ein zentrales Anliegen der Projektverantwortlichen ist es, den Schlossbetrieb trotz der umfangreichen Baumaßnahmen aufrechtzuerhalten.

Zugänglichkeit für Besucher

Das Schloss bleibt während der Sanierung grundsätzlich geöffnet. Die Öffnungszeiten im Winterhalbjahr sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Während der ersten Bauabschnitte waren die fürstlichen Wohnräume und die Gemälde der Staatsgalerie noch geöffnet. Mit Beginn der neuen Bauphase im November 2024 werden jedoch Teile des Schlosses für mindestens drei Jahre geschlossen bleiben.

Einschränkungen und Museumskonzept

Um den kulturellen Zugang dennoch zu gewährleisten, bleiben bestimmte Bereiche öffentlich: * Die Korkmodellsammlung. * Das städtische Schlossmuseum. * Die Schlosskapelle.

Diese Bereiche können weiterhin besichtigt werden, auch wenn die Hauptausstellungen in den Wohnräumen und der Staatsgalerie geschlossen sind.

Besucherzahlen und Eintrittspreise

Die Sanierung hat erhebliche Auswirkungen auf die Besucherzahlen. Während normalerweise rund 30.000 Menschen das Schloss pro Jahr besuchen, rechnet die Verwaltung in den kommenden Jahren mit einem drastischen Rückgang ("Tal der Tränen"). Um den Besuch trotz der Baustelle attraktiv zu halten und den kulturellen Wert zu erhalten, wird die Eintrittspreise gesenkt. Der bisherige Preis von 5,50 Euro soll auf 3,50 Euro reduziert werden.

Bewertung der Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung von Schloss Johannisburg ist nicht nur eine Instandsetzung, sondern eine Chance, den Bestand zu sichern und technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Laut der Bayerischen Schlösserverwaltung geht es weniger darum, das Schloss "schön zu machen", sondern primär um die Sicherung des Bestands. Für die Stadt Aschaffenburg ist das Schloss das "Sinnbild für eine mehr als ein Jahrtausend währende Geschichte" und ein zentraler Mittelpunkt des Gemeinwesens. Die Investition von über 24 Millionen Euro unterstreicht das Engagement des Freistaats Bayern, dieses kulturelle Erbe zu bewahren.

Fazit

Die Generalsanierung von Schloss Johannisburg in Aschaffenburg ist ein umfangreiches und notwendiges Projekt zur Erhaltung eines bedeutenden bayerischen Kulturdenkmals. Mit einem Budget von 24,3 Millionen Euro und einem Zeitrahmen von zehn Jahren werden die historische Bausubstanz gesichert und die technische Infrastruktur modernisiert. Die Arbeiten sind in zwei Hauptabschnitte gegliedert, wobei der aktuelle Schwerpunkt auf der Sanierung der Sandsteinfassaden und der Neugestaltung der Außenanlagen liegt. Trotz der umfangreichen Baumaßnahmen bleibt ein Großteil des Schlosses für Besucher geöffnet, wobei die Eintrittspreise reduziert werden, um die Attraktivität zu erhalten. Das Projekt setzt Maßstäbe in der Denkmalpflege und sichert die Zukunft dieses Wahrzeichens für die Stadt Aschaffenburg und ihre Besucher.

Quellen

  1. Primavera24 - 7,6 Millionen Euro für Aschaffenburg Schloss
  2. Austrasse Zuerich - Schloss Johannisburg in Aschaffenburg Sanierung und Umgestaltung des Schlossufers
  3. Primavera24 - Bauarbeiten am Schlossufer neue Schlossfassade
  4. Augsburger Allgemeine - Aschaffenburg: Aschaffenburger Schloss wird für 24,3 Millionen Euro komplett saniert
  5. Bayern.de - Fueracker 2: Bauabschnitt der Gesamtsanierung von Schloss Johannisburg startet

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