Die Sanierung historischer Gebäude und Parkanlagen stellt Bauherren, Denkmalpfleger und Kommunen vor besondere Herausforderungen. Neben der notwendigen Erhaltung von Bausubstanz und kulturellem Erbe muss zunehmend die Anpassung an die sich wandelnden klimatischen Bedingungen in den Fokus rücken. Ein herausragendes Beispiel für eine solche ganzheitliche Herangehensweise ist die aktuelle Transformation des Schlosses und des Schlossparks in Ballenstedt. Dieses Modellprojekt in Sachsen-Anhalt vereint traditionelle Denkmalpflege mit modernen Klimaanpassungsstrategien und zeigt, wie durch Förderprogramme, Engagement von Vereinen und gezielte Baumfällungen eine historische Anlage zukunftsfähig gemacht werden kann.
Im Folgenden werden die vielschichtigen Aspekte dieses Sanierungsvorhabens detailliert beleuchtet – von der Finanzierung über die technischen Maßnahmen im Park bis hin zur denkmalgerechten Instandsetzung der Schlossgebäude.
Das Modellprojekt „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“
Die Stadt Ballenstedt hat sich 2022 erfolgreich auf das Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung beworben. Das Bundesinstitut hat das Vorhaben als „Modellprojekt Schlosspark Ballenstedt“ anerkannt und fördert es mit einem Betrag in Höhe von drei Millionen Euro. Um diese Mittel vollständig nutzen zu können, muss die Stadt Ballenstedt einen Eigenanteil in Höhe von 546.000 Euro aufbringen. Insgesamt stehen also 3.546.000 Euro für die Umgestaltung der historischen Parkanlage zur Verfügung.
Dieses Förderprogramm ist speziell darauf ausgerichtet, städtische Räume widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Im Falle von Ballenstedt zielt das Vorhaben darauf ab, den Schlosspark nicht nur ästhetisch aufzuwerten, sondern ihn auch ökologisch an veränderte Wetterbedingungen anzupassen. Die Durchführung der Sanierung ist in enger Abstimmung mit den örtlichen Gegebenheiten und den zeitlichen Vorgaben der Denkmalpflege geplant.
Sanierung des Schlossparks: Zwischen Klimaanpassung und Pflegearbeiten
Der Schlosspark in Ballenstedt unterliegt einem umfassenden Sanierungsplan, der sowohl infrastrukturelle als auch ökologische Aspekte umfasst. Die Vorarbeiten hierfür sind bereits in vollem Gange. Spaziergänger können seit einiger Zeit verschiedene Firmen am Damm des Schlossteiches sowie am Glocken- und Kreuzbecken antreffen, die Baugrunduntersuchungen durchführen. Diese Untersuchungen sind essenziell, um den Zustand des Untergrunds zu bewerten und die notwendigen Maßnahmen für die Stabilität der Wasserkaskaden und Dämme zu planen.
Notwendigkeit von Baumfällungen und Totholzentfernung
Ein zentraler und oft kontrovers diskutierter Bestandteil der Sanierung ist die Pflege des Baumbestands. Laut Bauamtsleiter Wilfried Dette sind im Zuge der Sanierung weitere Baumpflege- und Baumfällarbeiten notwendig. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Gefahren zu beseitigen, die von morschen oder instabilen Bäumen ausgehen könnten. Gleichzeitig soll durch das Fällen von Bäumen Platz für Neupflanzungen geschaffen werden, die den Park in Zukunft prägen werden.
Die Arbeiten sollen zeitnah durchgeführt werden. Laut Planung ist vorgesehen, die Fällarbeiten bis Ende Februar abzuschließen. Sollte das Wetter oder andere Faktoren dies verhindern, besteht die Möglichkeit, eine Sondergenehmigung zu beantragen, um die Arbeiten bis Ende März auszudehnen. Wie aus den Quellen hervorgeht, soll die Zeit „wirklich genutzt werden, um voranzukommen“.
Neben dem Fällen von Bäumen umfasst das Pflegekonzept auch die Entfernung von Totholz. Dies dient der Sicherheit der Parkbesucher und fördert die Gesundheit des verbleibenden Baumbestands. Ein spezifischer Eingriff betrifft zudem die Buchsbaumhecken zwischen den Wasserbecken. Diese sollen entfernt werden, was vermutlich im Rahmen einer Neugestaltung der Uferbereiche geschieht, um die Wasserkaskaden optisch und funktionell zu verbessern.
Gestaltung der Wasserelemente und Dämme
Die Sanierung der Wasserelemente stellt einen technischen Schwerpunkt dar. Die Becken der Wasserkaskade und der Damm des Schlossteiches wurden bereits im Vorfeld gründlich untersucht. Diese Untersuchungen sind Voraussetzung für die Instandsetzung der Beckenwände und der Dammkonstruktionen, um die Wasserhaltung langfristig zu sichern und die Standsicherheit zu gewährleisten. Die Umgestaltung dieser Elemente ist ein wesentlicher Teil der Aufwertung des Parks, der historischen Charakter bewahren und gleichzeitig moderne Ansprüche an Haltbarkeit und Sicherheit erfüllen soll.
Denkmalpflege und Engagement: Die Sanierung der Schlossgebäude
Während der Park auf die Anpassung an den Klimawandel vorbereitet wird, schreitet auch die Instandsetzung der Schlossgebäude voran. Die Sanierung des Schlosses Ballenstedt ist ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand, Stiftungen und engagierten Bürgern.
Finanzierung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Die Sanierung der Bausubstanz wird maßgeblich durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt. Die Stiftung stellt 40.000 Euro für die Sanierung der Südfassade des Südflügels zur Verfügung. Die barocke Schlossanlage ist Teil eines Portfolios von über 620 Objekten, die die DSD in Sachsen-Anhalt fördert. Diese Unterstützung ist für den Erhalt von Baudenkmälern von entscheidender Bedeutung, da oft spezifische, denkmalgerechte Materialien und Handwerksmethoden (z. B. bei der Fassadenrestaurierung) höhere Kosten verursachen als Standardbaumaßnahmen.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Bausubstanz
Die Sanierungsarbeiten am Schloss sind bereits weit fortgeschritten. Der sogenannte Kirchenflügel im Norden wurde komplett saniert. Von den Flügeln Süd und West wurden die Dächer erneuert. Ein wesentlicher Aspekt bei der Dachsanierung war der Fensteraustausch. Bis auf zwei historische Fenster mussten alle Fenster erneuert werden. Hierbei wurde ein hohes Maß an Denkmalpflege bewahrt: Die Profilierung der historischen Fenster wurde originalgetreu übertragen, sodass der historische Charakter der Fassade erhalten bleibt.
Auffällig ist die Fassade am Nordflügel. Auch hier wurden Sanierungsarbeiten durchgeführt, wobei die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung der Fassade begleitet hat.
Das Engagement des „Schloss- und Schlosspark Vereins Ballenstedt e.V.“
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Sanierung am Schloss ist das immense Engagement des „Schloss- und Schlosspark Vereins Ballenstedt e.V.“. Der seit 1999 bestehende Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Sanierung, Erhaltung und Nutzung des Schlosses als touristische Attraktion und kulturelles Erbe zu sichern.
Der Verein, der rund 40 Mitglieder umfasst, übernimmt Teile der Instandsetzung in Eigenleistung. Besonders hervorzuheben ist die Sanierung des Nordflügels. Der Verein setzt diesen Flügel vorwiegend selbst instand. Unterstützt werden die Mitglieder von etwa 20 Firmen aus der Umgebung, die ihr Know-how zur Verfügung stellen. Diese Firmen helfen mit Material oder Expertise, wenn die Vereinsmitglieder an Feierabenden und Wochenenden freiwillig am Innenausbau arbeiten. Diese Form der Bürgerbeteiligung und des Handwerker-Engagements ist für die Denkmalpflege wertvoll, da sie Ressourcen schont und die Verbundenheit der lokalen Bevölkerung mit dem Kulturdenkmal stärkt.
Kulturelle Nutzung und Ausstellungen
Durch die Sanierung entstehen neue Nutzungskonzepte. Im Südflügel des Schlosses betreut der Verein die historische Ausstellung „Die Frühen Askanier“. Im Erdgeschoss des Nordflügels wurde nach dessen Sanierung das „Filmmuseum Schloss Ballenstedt“ eingerichtet. Hier können Besucher die Entwicklung der Filmtechnik im 20. Jahrhundert erleben und historische Filme in einem kleinen Kino sehen. Das Obergeschoss des Nordflügels beherbergt die Ausstellung „Der Anhaltinische Wald im Wandel der Zeit“, die Einblicke in die Forstwirtschaft und die lokale Waldgeschichte gibt. Diese museale Einbindung zeigt, dass die Sanierung nicht nur der Bausubstanz dient, sondern auch der Aufwertung der kulturellen Infrastruktur.
Historischer Hintergrund der Anlage
Das Verständnis für die Notwendigkeit der Sanierung wird durch den historischen Kontext vertieft. Die dreiflügelige Schlossanlage geht auf einen Klosterbau der romanischen Zeit zurück. Das im zweiten Viertel des 11. Jahrhunderts gegründete Kollegiatstift wurde 1123 in ein Benediktinerkloster umgewandelt. Nach 400 Jahren wurde die Anlage im Zuge der Nachwehen des Bauernkriegs 1525 säkularisiert.
Von der ehemaligen Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert sind nur der Westbau und Teile der Krypta im Nordflügel des heutigen Schlosses erhalten. Der eigentliche Ausbau zur barocken Schlossanlage fand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts statt, nachdem die Anlage im 16. und 17. Jahrhundert umfassend saniert und erweitert worden war. Diese historische Schichtung macht die Sanierung zu einer komplexen Aufgabe, da unterschiedliche Bauphasen und Baumaterialien berücksichtigt werden müssen.
Fazit
Das Sanierungsvorhaben in Ballenstedt ist ein Paradebeispiel für eine zukunftsweisende Denkmalpflege. Es verbindet drei wesentliche Säulen:
- Klimaanpassung: Durch das Bundesprogramm wird der Schlosspark mit drei Millionen Euro gefördert, um ihn widerstandsfähiger zu machen. Baugrunduntersuchungen und die Gestaltung von Wasserelementen stehen im Fokus.
- Erhalt der Bausubstanz: Die Sanierung des Schlosses erfolgt denkmalgerecht (originalgetreue Fensterprofile, Fassadenrestaurierung) und wird durch Spenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt.
- Bürgerengagement: Der Schloss- und Schlosspark Verein leistet durch Eigeninitiative und die Koordination von Handwerkerhilfen einen unverzichtbaren Beitrag zur Instandsetzung des Nordflügels.
Die Maßnahmen, einschließlich der notwendigen Baumfällungen zur Sicherheit und zur Vorbereitung von Neupflanzungen, zeigen eine strategische Planung, die sowohl kurzfristige Sicherheitsbedürfnisse als auch langfristige ökologische und ästhetische Ziele berücksichtigt. Für Bauherren und Projektverantwortliche in anderen Kontexten lässt sich hier ableiten, dass eine erfolgreiche Sanierung von Liegenschaften – seien es historische Schlösser oder moderne Wohngebäude – eine Kombination aus externer Finanzierung, technischer Expertise und lokalem Engagement erfordert.
Quellen
- MZ - Stadt lässt weitere Bäume im Schlosspark Ballenstedt fallen
- Ausbau und Fassade - Schloss Ballenstedt erscheint im neuen Glanz
- MZ - Schlosspark Ballenstedt soll noch schöner werden
- Stadt Ballenstedt - Schloss und Schlosspark Verein Ballenstedt e.V.
- Stadt Ballenstedt - Schlosspark wird fit für den Klimawandel
- Denkmalschutz - Fassade am Nordflügel von Schloss Ballenstedt wird restauriert